03.12.2016 / 10:41 | Aktuelle Mondphase: zunehmender Mond

Ultralight-Spinnfischen III: Klassische UL-Disziplinen

Von Jahr zu Jahr gibt’s mehr kleine Köder für die UL-Fans unter den Menschen und Raubfischen. Eigentlich muss man auch nicht viel zu den einzelnen Methoden schreiben. Die verkleinerten Spielformen unterscheiden sich in Sachen Köderführung nur wenig von den grobschlächtigeren Mutter-Disziplinen, oder wie?


Bleikopfangeln

Kleinen Gummis an kleinen Jigköpfen fängt man nicht nur Barsche, sondern auch Alande, Brassen, Rapfen, Zander, Rotaugen, Döbel, Hechte, Forellen… Damit ist das Bleikopfangeln sicher die UL-Disziplin, die das größte Artenspektrum erschließt. Im seichten Stillwasser gibt’s wenig Unterschiede zum Jiggen mit normalgroßen Ködern. Schwerer wird’s in der Strömung. Mit dünner Schnur, einem 3,5 Gramm schweren Tungsten-Kopf und einem schlanken Gummifisch (z.B. Easy Shiner, Fin S) kann man aber auch in leichter Strömung bis ca. 4 m tief fischen. Dazu wirft man am besten gegen die Strömung und lässt den Köder mit der Strömung runter kommen. Dann wird nur ganz leicht angezuppft, damit der Köder nicht zu weit abhebt. Der Zug des Wassers verlangsamt die Absinkphase.

UL-Jig mit den üblichen Verdächtigen. Grubster, Easy Shiner, Fat G Tail Grub, Fin S...
UL-Jig mit den üblichen Verdächtigen. Grubster, Easy Shiner, Fat G Tail Grub, Fin S und Rockvibe Shad.

Die Bisse auf die leichten Jigs sind eine wahre Freude. Wenn aufs Zupfen nichts beißt, wird eingekurbelt. Ich fische z.B. gern mit Twistern am Fischkopf auf Barsch und im Bach auf Forelle. Bei mir an der Spree stehen die Barsche sehr gern an den Spundwänden oder zwischen den Seerosen. Wenn ich den Mini-Twister im Schatten entlang ziehe oder zwischen den Seerosen durchkurble, kann ich eigentlich sicher sein, dass ich Fische fange. Im Forellenbach werfe ich mit den Gummis die Wurzeln am anderen Ufer an, zwischen denen sich oft Trutten verstecken. Der Biss kommt dann direkt in der ersten Absinkphase. Gern kurble ich sie aber auch mit und gegen die Strömung ein. Dann kommen die Forellen oft hoch und schnappen nach dem flachlaufenden Twister.

Forellen an der UL-Kombo? das geht ab!
Forellen an der UL-Kombo? das geht ab!

Eine Spezialdisziplin ist das Jiggen mit den Dreikant-Köpfen. Diese lassen den Köder wild durchs Wasser zischen. Die Gummis springen von einer Seite zur anderen und machen besonders Barsche wahnsinnig.

Straighthead-UL-Jiggen - muss man auf dem Zettel haben.
Straighthead-UL-Jiggen – muss man auf dem Zettel haben.

 

Dropshotten

Ein feines Dropshot-Rig hat schon so manchen Angeltag gerettet. Wenn die Fische grundnah stehen und sich nicht großartig bewegen wollen, kann man ihnen mit einem Finesse-DS-System einen kleinen Happen servieren, den sie fast immer mitnehmen. Ein absulut „tödlicher“ Köder sind die Hellgies von Lunker City. Dieses Larvenimitat mit Fühlern und Beinen spielt perfekt im Wasser und macht – obwohl ungeflavourt – von Barsch bis Rapfen alles juckig, was Eiweiß frisst. Wenn darauf nix geht, müssen Aromagummis her. Gern würze ich noch mit Pasten nach, die besonders an gerippten Gummis (Keitech Swing Impact, reins G Tail Saturn) gut anhaften.

Schwerlose Köder lassen sich gut einsaugen.
Schwerlose Köder lassen sich gut einsaugen.

 

Texas- und Carolina-Rig

Mit einem Micro-T- oder C-Rig wende ich mich an Räuber, die faul am Boden liegen und eigentlich gar nicht fressen wollen. Also überhaupt nicht. Der Köder wird in Zeitlupe über den Boden gezupft. Dann wartet man auf den Biss. Und der kommt tatsächlich „in der Ablage“. Viel wird über den akustischen Reiz geschrieben, der zustande kommt, wenn Perle und Tungsten-Bullet aufeinandertreffen. Bei meiner defensiven Köderführung spielt der eine untergeordnete Rolle. Die Perle dient eher als Farbklecks. Lieblingsfarben: Rot, Schwarz und Gelb. Bei dünner Schnur verwende ich auch gern eine Gummiperle, um den Knoten zu schützen.

Manche mögens bunt...
Manche mögens bunt…


Rubber-Jig

Eine meiner Lieblings-UL-Disziplinen ist das Angeln mit kleinen Rubber-Jigs (reins Platon! oder Keitech Mono Spin Jigs). Diese führe ich in ganz kurzen Sätzen über den Grund und imitiere damit einen kleinen Krebs.

Links: Keitech-Jig mit Hellgie, Mitte: Reins-Jig mit G Tail Saturn. Rechts: Keitech-Jig mit Rockvibe Shad.
Links: Keitech-Jig mit Hellgie, Mitte: Reins-Jig mit G Tail Saturn. Rechts: Keitech-Jig mit Rockvibe Shad.

Als Trailer kommt eine Larve (Lunker City Hellgie), ein Wurm (reins G Tail Saturn) oder ein schlanker Shad (reins Rockvibe Shad) auf den Haken. Zwischen den Sätzen, warte ich oft ein bisschen. Denn auch hier kommen die Bisse oft, wenn der Köder am Boden liegt. Die Fransen wippen nach.

Rubber-Jiggen ist der Kaltwasser-Bringer schlechthin, wenn die Fische auf dem Grund stehen.
Rubber-Jiggen ist der Kaltwasser-Bringer schlechthin, wenn die Fische auf dem Grund stehen.


Wobbeln

Kleine Wobbler fangen oft viele und manchmal auch richtig große Fische. In der Spree brettern mir beim Barschangeln z.B. sehr häufig gute Rapfen aufs Finesse-Besteck – vor allem, wenn ich mit Countdowns angle.

Das sind dann spektakuläre Drills. Gezielt angle ich aber niucht mit UL-Ködern und UL-Besteck auf Rapfen.
Das sind dann spektakuläre Drills. Gezielt angle ich aber niucht mit UL-Ködern und UL-Besteck auf Rapfen.

Meine beiden Top-Köder von Mai bis Oktober sind der Rapala Countdown in der Farbe S in 5 und 3 cm und der Rapala Scatter Rap Countdown im Farbcode PEL (ein lebensechter Barsch). Diese Köder werden einfach durchgekurbelt. Megagut fängt auch der 6 cm lange X-Rap (ein weitfliegender Suspender) in Ayu oder dem Code OG. Den kann man nach dem Antwitchen schön stehen lassen. Die Bisse kommen dann oft in der Stillstandphase.

ultralight-wobbler
Obere Reihe: Cubby, X-Rap Ayu Mittlere Reihe: Gomoku Crank, 2 x Countdown Unten: UL Rippin Rap, Scatter Rap Countdown

Andere Angler fischen sehr gern mit kleinen Cranks wie dem tieflaufenden Chubby oder dem kleinen Gomoku Crank 38, die beide de 2 m Zone erreichen. Die kleinen Cranks fangen im Sommer am besten, wenn man sie zügig durchkurbelt und gelegentlich mal antwitcht. Genial sind auch kleine Vibrationswobbler im Lipless-Design ohne Tauchschaufel (z.B. der Ultra Light Rippin Rap von Rapala). Man kann sie durchkurbeln oder Jiggen und beide Gangarten mixen. Besonders im Sommer gibt’s Tage, an denen die Barsche ultraaggressiv auf diesen Ködertyp reagieren.

Das war ein Rassel-Tag. Da sind die Barsche so krass auf das Ding abgegangen, dass ich mich am Abend schon wieder voll auf den nächsten Tag gefreut habe. Da wollten sie aber dann nur noch Gummis. Man muss also immer probieren...
Das war ein Rassel-Tag. Da sind die Barsche so krass auf das Ding abgegangen, dass ich mich am Abend schon wieder voll auf den nächsten Tag gefreut habe. Da wollten sie aber dann nur noch Gummis. Man muss also immer probieren…

 

Spinnern

Das ultraleichte Spinnern mit Spinnern in den Größen 0 und 1 ist vor allem bei Forellenanglern beliebt. Da braucht man eigentlich nicht viel zu sagen. Es unterschiedet sich nicht großartig vom Spinnern mit normalgroßen Zugködern. Man sollte darauf achten, dass der Köder trotz des kleinen Blattes schnell anspringt. Das ist vor allem beim Forellenfischen im Bach wichtig, wo die Fische häufig am Ufer stehen und den Köder schon kurz nach dem Auftreffen attackieren – wenn er sofort losrotiert. Das garantieren Markenspinner wie die von Mepps oder Vibrax.

Großen Spaß macht z.B. das Trutten-Spinnern mit BFS-Geschirr. Ok. Das hier ist nicht ganz UL. Aber kleiner geht bekanntlich ja immer.
Großen Spaß macht z.B. das Trutten-Spinnern mit BFS-Geschirr. Ok. Das hier ist nicht ganz UL. Aber kleiner geht bekanntlich ja immer.

 

Topwatern

Großen Spaß mach auch das Angeln mit kleinen Toppies, also Poppern, Stickbaits oder auftreibenden Gummiinsekten. Barsche, aber auch Döbel, Alande, Forellen oder Rapfen steigen viel öfter nach Kunstködern als man denkt. Man muss es nur versuchen.

Obere Reihe: Rapala UL Pop, Nories ZagStick Pencil Untere Reihe: Gomoku Popper, Bevy Pencil
Obere Reihe: Rapala UL Pop, Nories ZagStick Pencil
Untere Reihe: Gomoku Popper, Bevy Pencil

Kleine Popper (z.B. der Gomoku Popper, Rapala Ultralight Pop) lässt man nach dem Anploppen ein paar Sekunden stehen. Nicht selten werden sie wie eine Pose heruntergezogen. Kleine Stickbaits (z.B. Lucky Craft Bevy Pencil, Gomoku Stick) lasse ich meistens ohne Unterbrechung über die Oberfläche laufen. Manchmal ist aber auch eine ruppige Führung mit Unterbrechungen angesagt. Gummiinsekten kann man in der Strömung einfach zu den Standplätzen von Döbeln oder Forellen abtreiben lassen und immer mal anwackeln.

Extrem attraktive Anglerin mit Pencil-Barsch. Ladies mögens bunt. Barsche manchmal auch.
Extrem attraktive Anglerin mit Pencil-Barsch. Ladies mögens bunt. Barsche manchmal auch.

 

Ultraleichter Wunschzettel

Zum Abschluss der kleine Ultralight-Reihe habe ich noch einen Wunsch an die Geräte-Industrie: Der Hammer wäre eine 0,10 mm dicke Monofile mit 5 Prozent Dehnung. Am besten noch hechtsicher. Über Wasser sichtbar. Unter Wasser 100 Prozent unsichtbar. Also auch den Schattenwurf eliminieren, bitte! Wenn das nicht möglich ist, dann wünsche ich uns wenigstens ein durchsichtiges, dünnes, geschmeidiges und knotbares Vorfachmaterial, dass uns vor Hechtzähnen schützt. Nicht stärker als 0,15 mm darf es sein. Wenn es nach dem Biss nicht verkringelt, würde ich mir das auch richtig was kosten lassen.

9 Kommentare zu Ultralight-Spinnfischen III: Klassische UL-Disziplinen

  1. Wie immer: Tolle Bilder und mit Herzblut verfasst. Auch wenn mir manches etwas zu spielig ist, man merkt, dass Du liebst, was du machst. Auf UL Rippin Rap hatte ich noch noch nie nen Fisch, nicht mal nen Nachläufer. 😉

  2. Auch wieder super informativ! Selbst wenn man schon einiges kennt und manches sogar fischt, zeigt einem so ein Artikel immer wieder auf wieviel Möglichkeiten einem doch geboten sind reagieren zu können. Für mich sind die Rubbers beispielsweise wieder mehr in den Focus gerückt, zumal die kalte Jahreszeit nicht mehr allzu fern ist!

  3. Sehr informative Artikelserie zum Thema UL. Finds persönlich sehr gut, dass auch mal ein paar Produkte/Hersteller aus dem Bereich Zubehör genannt wurden (nicht nur Ruten, Rollen, Köder). Da bin ich immer für jeden Tipp dankbar.

  4. Sehr coole Serie, Johannes. Danke dafür!
    Was vielleicht noch interessant wäre: „Mit UL durch die Jahreszeiten“ oder sowas in der Art 🙂

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