22.01.2017 / 15:16 | Aktuelle Mondphase: abnehmender Mond

„Perch on Fly“ / Fliegenfischen auf Dickbarsche!

Da ein großer Teil dieser Website auch unserem gestreiften Freund gewidmet ist, sollte hier auf keinen Fall ein Beitrag zum Fliegenfischen auf Barsch fehlen. Beim Spinnfischen gelten Barsche für mich meist als Beifang, beim Fliegenfischen jedoch hat sich meine Einstellung gegenüber diesem interessanten Sportfisch in den letzten Jahren sehr gewandelt. Anfangs hatte ich immer wieder Beifänge beim Forellenangeln bzw. beim Fliegenfischen auf Hecht. Die aggressiven Bissen von Barschen waren echt der Hammer und auch die Gier der Fische sich einen 20cm Hechtstreamer einzuverleiben, machten einfach Bock auf mehr. Zudem sind die Drills von den großen Barschen am Fliegengerät echt geil. Die Fische kämpfen sehr bockig und häufig gleitet sogar der eine oder andere Meter Schnur bei einer Flucht aus den Fingern.

So ging´s ans Eingemachte und das perfekte Werkzeug musste gefunden werden. Hechtstreamer wurden kleiner gebunden, anstatt der schweren 8er Ruten konnte man endlich wieder zu 6er Ruten greifen, das Vorfach und Schussköpfe wurden angepasst und los konnte es gehen!


Barsch- vs. Hecht-Kombo

Die ersten Erfolge stellten sich zwar ein, jedoch musste ich früh feststellen, dass monotones oder langsames Einstrippen wie beim Hechtfischen, weniger Sinn macht. Aktive Köderführung war gefragt. Auch ultraschwere Fliegen mit Tungstenaugen o. ä. waren nicht immer die optimale Wahl. Zu schnell sind die Absinkphasen (z.B. bei kaltem Wasser) und die Fische beißen nicht mehr.

Auch die Klassiker unter den Forellenstreamern, wie kleine Wooly Bugger, brachten zwar viele Fische hintereinander, die großen Barsche ließen sich damit meistens nicht überlisten.

So musste eine Kompromissgröße her – meist bewegen sich meine Barschstreamer zwischen 7-10 cm. Das mag zwar für den einen oder anderen etwas „groß“ klingen, aber nicht mal ein 20er Barsch hat Probleme, einen Streamer in dieser Größe zu falten und zu inhalieren. Eine kleine Auswahl und ein paar Vorschläge zur Gerätewahl weiter unten.

Meist angle ich auf Barsche an Talsperren und auch an meinem Hausfluss habe ich bereits gut gefangen. Durch das klare Wasser in den Stauseen, konnte ich einiges über das Beissverhalten sowie Futterneid der gestreiften Jäger lernen.

Ruckartige und kurze Stripps sind wichtig. Manchmal auch nur einige cm oder quasi an der Stelle den Köder zucken. Wie gesagt, kein gleichmäßiges Einholen wie beim Hechtfischen oder ein strippstrippstripp-Pause wie beim Forellenfischen. Variantenreiche Köderführung ist angesagt, um auch die Dicken zu überlisten.

Verfolgen die Barsche den Streamer bis vor die Füße bzw. gibt es viele Fehlattacken, den Köder auf den letzten Metern nochmals schnelleren Strips beschleunigen.

Hinsichtlich der Fangzeit habe ich die Erfahrung gemacht, dass man nach der Laichzeit im Mai / Juni (je nach Gewässer / Laichzeit / Wassertemp.) die besten Chancen auf die großen Barsche hat. Im Sommer hatte ich meist die Masse statt Klasse. Dafür können dann auch mal Popper, Gurgler und kleine Dahlberg Diver (mein Favorit) Fische bringen und man kann wieder mal zur Floating-Schnur greifen. Meist angle ich mit Clear-Intermediate Schussköpfen oder Intermediate-Spitzen. Stehen die Fische tiefer und grundnah, kommen meist Sinker-Schussköpfe (S2, S3) zum Einsatz. Natürlich ist die Schnurwahl auch immer ein Punkt, welcher stark gewässerabhängig ist.

Ich konnte schon mehrere 40+ Barsche mit der Fliege überlisten, der größte hatte bis jetzt 49 cm – einen Fisch mit ziemlich sicher Ü50 hab ich leider verloren. Der kommt dann beim nächsten Mal.


Mein bisheriger Fliegenbarsch-Rekord: 49 cm!


Der hier war 46 cm lang – ein echter Urbarsch.


An dem verhältnismäßig feinen Gerät machen solche Barschbrummer enorm Spaß!

So, nun noch ein paar facts zu Tackle & Co. und los kann´s gehen!

Fliegenrute (vom Ufer):
#5 oder besser #6,
9 ft oder 10 ft
bevorzugt mit schneller Action

Fliegenrolle:
Qualitätsrolle passend zum o.g. Gerät

Schnur:
Passende Schussköpfe (floating, slow intermediate, clear/intermediate, S2, S3, S4 – je nach Gegebenheiten) – z.B. von RIO oder bei troutcontrol.de (meist ca. 9m Länge)
Gute Shooting Line z.B. mit Mono-Seele. (z.B. http://www.rioproducts.com/fly-lines/saltwater/coldwater/powerflex-shooting-line/)

Wahlweise natürlich auch Vollschnüre. Aufgrund der Schnurwechsel am Wasser und Verzicht auf eine Ersatzspule, sind Schussköpfe einfach komfortabler und lassen sich auch besser auf die Gegebenheiten abstimmen.

Vorfach:
Fluorocarbon 0,50 mm (ca. 1m) plus ca. 0,30 mm (ca. 1m) – Verbindung Albright Knoten und Schnurenden „angesengt“ oder 0x konisches Fluo-Vorfach.
Bei Hechtgefahr auf jeden Fall mit Titan/Stahltippet!!! (Verbindung z.B. mit Vorfachring)

Streamer:
Meist 7-10 cm Länge:
Kaninchenhaarstreamer, Flashstreamer und Baitfishmuster. (Alle Muster nur leicht beschwert)
Auch der sog. Petijean Head verleiht dem Streamer eine starke „Wobbelaktion“
Bei Interesse kann ich Euch gerne Fliegenbindeanleitungen schicken.

Haken, Fliegenbindematerial & Co.:

Baitfishmuster:
Gamakatsu F314 in Gr. 2 & Gr. 1 oder Tiemco TMC 8089 in Gr. 2 & Gr. 6
Slinky Fibres oder EP
Stabiler Bindegarn z.B. Roman Moser Power Silk
Epoxyköpfe oder Heavy Glass Eyes für Beschwerung/Augen

Flashfliegen und Kaninchenstreamer:
Kamasan B840 in Gr. 1 & 1/0
Flashabou bzw. Zonkerstrips
Kleine Bleiaugen oder Kettenausgen z.B. als Beschwerung

Bei großer Hängergefahr und grundnaher Fischerei kann man die Fliegen auch auf Offsethaken binden bzw. Monofil-Hakenschutz bei der Angelei im Kraut einbinden.

Generell kann ich Euch folgenden Shop aus Finnland für Fliegenbindematerial empfehlen: TOP Service und schnelle Lieferung / Kumpels und ich bestellen dort seit vielen Jahren – www.mistpool.com

Zubehör:
Schnurkorb (falls benötigt): Macht hier keine Experimente und kauft einmal einen ordentlichen – z.B. Schusskorb mit durchsichtigem Boden von Lawson.
Kescher (falls benötigt): z.B. der Firma BRODIN / Ghost
Generelles Zubehör: Zange, Line Clipper, Ginks, Line Cleaner, etc. etc. – viel Spaß beim Tackle bestellen

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Fingerwundstrippen und viel Erfolg beim Dickbarschfang auf Fliege.

TL Markus

17 Kommentare zu „Perch on Fly“ / Fliegenfischen auf Dickbarsche!

  1. geil! Bin auch viel mit der Fliege unterwegs aber solche Barsche sind echt der Hammer…hatte noch nicht das Vergnügen mit solchen Brummern an Barschen an der Fliege!!!

  2. Klar, das Streamerfischen ist wie für den Barsch "gemacht".
    Die Möglichkeit 'nen Köder sehr langsam und variantenreich zu führen, passt den neugierigen Streifenträgern genau ins Schema. Dazu sind die Köder relativ leicht einsaugbar, also perfekt für die Großmäuler.

    Gut geschrieben Ceram, Danke 😀

  3. Super erklärt. Vielen Dank für die Zusammenstellung der Gerätschaften und den Tips zum Fischen selbst. Das ganze garniert mit schönen Fotos und erfolgreichen Fängen.
    Das macht Lust, es selbst endlich mal zu probieren.

    Gruß

    Tomasz

  4. Schöner Beitrag, Dank dafür. Ich werde das gerne auch mal testen. Mich hat allerdings eher die geringe Zahl von Barsch-Beifängen beim Hechtfischen gewundert, aber vielleicht spielt die Köderführung tatsächlich eine entscheidende Rolle.

  5. Schöner Bericht! Klasse Markus!
    Mit diesen Tips Kann man doch fast gar nichts mehr verkehrt machen, ins Fliegenwedeln auf Barsche einzusteigen.

    Grüsse, Micha

  6. Super Bericht, auch wenn ich als Laie vieles nicht verstanden habe.
    Ich glaube das mit dem "Laien" musst ich jetzt endgültig überdenken und mir endlich eine (erstmal nur eine) Kombo zulegen.

  7. Hammer Bericht sehr schön geschrieben.Dann werde ich wohl die Tage mal auf Barsch mit der Fliegenrute fischen.

    Gruß Matze

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