10.12.2016 / 19:33 | Aktuelle Mondphase: zunehmender Mond

Alles übers Barschangeln: Top-Techniken, -Gerät und -Köder!

Das Spinnfischen auf Barsch erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Musste ich in meiner Jugend Monat für Monat alle Angelmagazine nach Barschartikeln durchsuchen, um evtl. in einem fündig zu werden, ziert der Barsch immer öfter die Cover. Youtube platz fast vor lauter Barsch-Clips und in den Angelläden wird man erschlagen vor lauter Barschködern, Barschruten, Barschschnüren… Barsch, Barsch, Barsch – ein bisschen was habe ich selber zu dem Hype beigetragen. Bevor ich „Barsch-Alarm – Das ultimative Barschbuch“ geschrieben habe, habe ich mich erstmal hingesetzt und ein bisschen drüber siniert, was ich am Barsch und am Barschangeln so toll finde.

 

Barsch-Alarm-Buch

 

Wer die folgenden Zeilen liest und nicht komplett barschresitent ist, wird alle verstehen, die sich dem Barsch besonders intensiv widmen und warum diese Seite den Namen „Barsch-Alarm“ trägt.

 

janine-barsch
Schöner Barsch! Und na klar auch eine schöne Fängerin mit einem feinen Händchen für die Getreiften.

 

Ich angle an sich sehr gern mit Kunstködern und fische auch auf Forelle, Döbel, Aland, Rapfen, Zander und Hecht. Wenn ich aber an einem Gewässer stehe und zwischen dicken Barschen und dem »Restprogramm« wählen kann, habe ich in 7 von 10 Fällen einen Barschköder an der Leine. Bevor ich mich an dieses Buch gesetzt habe, habe ich mich gefragt, warum ich so eine »Barschpanne« habe.

Der Großfisch-Hype kann es schon mal nicht sein. Denn wenn man gezielt auf Barsche angelt, hat man sich dagegen entschieden, als Großfischjäger in die Geschichte einzugehen. Natürlich freuen wir Barschangler uns, wenn wir einen besonders dicken Barsch überzeugen konnten. Auch bei mir lautet die Barsch-Devise: Je größer, desto breiter das Grinsen. Minutenlange Drills, meterhohe Sprünge, ultrabrutale Hammerbisse und endlos lange Sprints kann uns der Flussbarsch aber nicht bieten. Schlimmer noch: Nicht jedes Gewässer hat das Potenzial, Großbarsche zu »produzieren«. Wer sich an einem »normalen« Fluss wie der Berliner Stadtspree nur über einen 50er Barsch freuen kann, wird aller Wahrscheinlichkeit nach niemals wahre Freude beim Stadtbarschangeln empfinden können.

Für die dicken Barsche müssen die meisten Angler ins Auto steigen und an die Topgewässer reisen. An vielen davon haben wir schon Treffen veranstaltet:

Ob das unbedingt sein muss, entscheiden das eigene Ego, der Geldbeutel und die Geilheit auf den Barsch-Moppel-Fang. Die meisten Barschangler haben es aber geschafft, ihre Passion vom Zentimeter-Hype abzukoppeln und können auch im Durchschnittsgewässer viel Spaß haben und eine erfüllende Passion entwickeln, die sich aus vielen Quellen speist:

 

Freude am feinen Barsch-Gerät

Ein nicht ganz unerheblicher Faktor ist das feine Barsch-Tackle. (Hier geht’s zum Barsch-Geräte-Guide.) Unsere Ruten wiegen fast nichts. Wir haben für die vielen Methoden, die wir auf den Barsch »anwenden«, Spezialgeschirr. Nicht wenige von uns herrschen über einen kleinen Rutenwald, der immer weiter ausgebaut und perfektioniert wird. Ruten werden immer wieder verkauft und gegen neue ausgetauscht.

Dazu fuchsen wir uns nicht nur in die Rutensortimente der Hersteller ein, sondern suchen – gerade beim Finesse-Angeln mit Baitcast-Ausrüstung – lange nach den richtigen Rollen, machen eine Wissenschaft aus dem Tuning und kurbeln solange neue Schnüre auf die Spulen, bis wir mit dem Setup komplett zufrieden sind.

Der Tackle-Fetischismus ist Spiegel unserer Leidenschaft. Neben der eigentlichen Barschangelei beschäftigen wir uns zahllose Stunden mit der Barsch-Tackle-Theorie und haben so noch mehr von unserem Hobby. Da ist auch für die Passioniertesten unter uns kein Ende der Fahnenstange in Sicht. Denn für Barsche gibt‘s viel mehr Wobbler und Gummis als für alle anderen Süßwasserräuber zusammen.

Dass dem so ist, zeigt auch, wie beliebt die feine Angelei geworden ist. Sicher nicht nur wegen der auf die Masse der Barschangler gesehen verhältnismäßig seltenen Großbarschdrills, sondern eben auch, weil wir uns für die ganzen filigranen und mit individuellen Geheimkräften versehenen Gummis und die vielen verschiedenen Hardbaits mit integrierten Weitwurf-Systemen und Spezialtauchschaufeln in Superrealo-Designs begeistern können.

 

Hier eine kleine Übersicht über die wensentlichen Barsch-Ruten-Rollen-Kombos:

 

Kombo Rute Rolle Schnur
UL-Gummi Solid-Tip bis max. 10 Gramm, 1,8 – 2,4 m. 1000er Geflecht bis 0,10 mm
Fluorocarbon bis 0,20 mm
UL-Hardbait 1,8 – 2,2 m, WG bis max. 10 Gramm 1000er Geflecht bis 0,10 mm
Fluorocarbon bis 0,20 mm
Crankbait 1,8 – 2,2 m, WG bis 20 Gramm BFS Geflecht von 0,12 bis 0,16 mm
Fluorocarbon bis 0,30 mm
Mono bis 0,30 mm
Jiggen Light 1,8 – 2,4 m, WG bis 15 Gramm 2500er Geflecht bis 0,13 mm
Jiggen Medium 2,1 – 2,4 m, WG bis 25 Gramm 2500er Geflecht bis 0,13 mm
Distanzangeln 2,4 – 3 m, WG bis 30 Gramm 4000er Geflecht bis 0,15 mm

 

Methoden-Vielfalt beim Barschangeln

Natürlich kann man jeden Raubfisch mit verschiedenen Methoden bedienen. Schaut man aufs Zanderangeln, denkt man in erster Linie an gejiggte, gefaulenzte oder vertikal präsentierte Gummifische, an durchgekurbelte Wobbler und eventuell noch ans Dropshotten. Da wartet das Hechtangeln schon mit ein paar mehr Facetten auf. Die Entenschnäbel kann man blinkern, jerken, spinnern, wobbeln, spinnerbaiten oder mit dem Gummifisch beangeln.

Die Barschangelei ist aber noch viel weiter ausdifferenziert. Man denke nur an die vielen Finesse-Methoden aus den USA und Japan (z.B. das Texas-Rig, ShakyHead oder Dropshot), die nur einen Bruchteil des Methoden-Repertoires eines passionierten Barschanglers darstellen.

Dazu kommen die Barsch-Köder-Klassiker aus Blech und moderne Blechköder:

  • Blinker
  • Spinner
  • Zocker
  • Jig-Spinner
  • Balance-Jigs
  • Cicadas
  • Chatter-, Spinner- und Buzzbaits

 

Ganz wichtig sind natürlich auch die an Spezial-Bleiköpfen wie TipUp-Jigs, ShakyHeads oder StraightHeads montierten Gummiköder, die wir jiggen, durchkurbeln, wackeln, hibbeln oder twitchen:

  • Action-Shads
  • Low-Action-Shads
  • No-Action-Shads
  • Creatures, Krebse
  • Würmer
  • Insekten
  • Twister

Und dann haben wir noch die Harbaits. Namentlich:

 

Twitchen-Barsch
Schöner Barsch auf Twitchbait.

Abgerundet wird das Barsch-Köder-Programm  von Kleinködern wie:

Die Bereitschaft des Barsches, unter verschiedenen Umständen auf verschiedene Köder beziehungsweise Methoden anzusprechen, eröffnet ein gigantisches Spielfeld. Würde das Kunstköderangeln nur aus Jiggen und Wobbeln bestehen, hätte es so mancher von uns – unabhängig von den Fangerfolgen – vielleicht schon an den Nagel gehängt und sich ein vielschichtigeres Hobby gesucht. Bis man aber alle Barsch-Methoden richtig drauf hat, vergehen womöglich mehrere Anglerleben – zumal ja immer wieder neue Köder und Methoden dazukommen.

 

Barschangler eint ein ganz spezieller Pioniergeist

In vielen Bereichen des Lebens gibt es Gruppen, die Techniken zuerst ausprobieren. Es sind diese technikaffinen Menschen, die dafür verantwortlich sind, dass sich Systeme und Instrumente durchsetzen. Das war beim Sprung vom Walkman auf den Diskman so und ist bei der Durchsetzung der »neuen« Methoden des Spinnangelns nicht anders. Hier waren es die Barschangler, welche die Montagen aus der Schwarzbarschangelei als erste adaptiert hatten. Weil wir heiß drauf sind, immer wieder Neues ausprobieren, können die Methoden dann mit einiger Zeitverzögerung auch auf andere Fischarten angewendet werden. Die Freude am Experimentieren verbindet uns und schafft auch eine Basis für den Austausch in Angelforen wie dem Barsch-Alarm.

 

Omnipräsenz des Barsches

Dickbarschangeln funktioniert nur da, wo es dicke Barsche gibt. Barschangeln an sich funktioniert fast überall. Ob im Kanal, im Baggersee, im Umflutgraben, im Fluss, im Bach – im Biosphärenreservat oder mitten in der City. Wer sich vom Großfischdruck befreit hat, wird überall seinen Spaß haben – solange er sich ködertypen- und ködergrößentechnisch an der im Gewässer vorkommende Barschgröße orientiert.

 

ds-barsch
Das Dropshot-Rig und der Barsch passen wie A… auf Eimer.

 

Bissfrequenz beim Barschangeln

Vielleicht ist es so, dass es sich beim Gros der Barschangler eher um die ungeduldige Spezies handelt, die immer mal einen Biss braucht, um Spaß am Werfen zu haben. Die Chancen auf viele Bisse hintereinander sind zumindest bei keiner Raubfischart höher als beim Barschangeln. Die oftmals hohe Bissfrequenz hat den Vorteil, dass man schnell Aussagen über die Fängigkeit von Ködern und Methoden treffen kann.

Hier hat’s zum Beispiel mal so richtig geknallt. Das nennt man dann Barsch-Stakkato:

Das wiederum macht es uns Barschanglern ein bisschen einfacher, uns zum »Early Adaptor« aufzuschwingen. Weil wir auf einen Schwarmfisch angeln, der im Kollektiv raubt, müssen wir oft keine langen Frustrationsphasen durchleben. An anderen Tagen werden die Leerwurfphasen schlagartig von Barschgewittern abgelöst, die die Stunden ohne Fischkontakt schnell vergessen lassen. Wobei es natürlich auch anders geht.

Wer sich zum Beispiel auf einem durchschnittlichen Wald- oder Baggersee zum Ziel gemacht hat, einen dicken Barsch zu fangen und deshalb mit Ködern angelt, die die Kleinbarsche nicht attackieren, kann auch mal einen ganzen Tag für einen Barschbiss oder eine Handvoll Attacken investieren. Es gibt durchaus Gewässer mit wenigen, dafür aber dicken Barschen. Oft sind diese klar, tief und nährstoffarm. Auch das kann Barschangeln sein. In der Regel aber hat man beim Barscheln mehr Fischkontakte als die Hecht- oder Zander-Spezialisten.

 

The Beauty of the Barsch

Als ich meine Freundin Janine gefragt habe, was für sie das Barschangeln ausmacht, kam wie aus der Pistole geschossen: »Die gelben Augen. Die roten Flossen. Die Kugelform. Das oft goldene Grün und die schwarzen Streifen. Barsche sind einfach schön.« Dem kann ich mich nur anschließen. Nicht dass Hechte und Zander nicht schön wären. Aber Barsche sind schon etwas ganz Besonderes in ihrer in den unterschiedlichsten Ausprägungen daherkommenden Farbenpracht. Ich war nach dem ersten Barsch ein Barsch-Fan. Und so geht es vielen anderen auch. Der Spruch vom ersten Barsch, nach dem der Angeltag im Ar… ist, ringt uns Barschomanen müdes Lächeln ab.

 

Crank
Hier hat ein Barsch einen an der Baitcaster servierten Hybrid aus Twitch- und Crankbait gepackt. Ein traumhaft schöner Vertreter seiner Art.

 

Fischfairplay

Toll am Barschangeln ist auch, dass sich unser »Patient« so leicht handeln lässt. Zwar gibt’s immer mal einen Stachel oder Dorn in die Hand, im Grunde aber kann man diese kompakten Fische super landen und abhaken. Schnittverletzungen und Infektionen bleiben in der Regel aus. Anders als Hechte, kann man die Fische zügig ans Boot holen und schnell vom Haken befreien. Wenn man sich nicht ganz doof anstellt, ist auch ein Fangfoto schnell realisiert. Hierbei ist lediglich zu beachten, dass man die Barsche beim Griff ins Maul nicht überstreckt, sondern entweder vertikal hängen lässt oder mit der zweiten Hand abstützt und dass man die Schleimhaut nicht verletzt. Andere Fische sind da ungestümer, wenn man sie nicht komplett ausdrillt ins Boot holt. Wir brauchen keine großen Drillinge, um große oder dicke Köder abzudecken. In den meisten Fällen können wir sogar ganz auf Drillinge verzichten.

Und wenn einmal Fische verletzt sind, die wir aufgrund ihrer Größe oder aus anderen Gründen eigentlich nicht mitnehmen wollen, stellt der Barsch einen hervorragenden Speisefisch dar, der in den meisten Gewässern in einer so großen Stückzahl vorkommt, dass man ihn guten Gewissens mitnehmen kann.

 

magic-moment
Was eine Barsch-Murmel, die gleich die Wasseroberfläche durchbrechen wird.

 

Soviel zum Thema Barschangeln. Das Buch könnt ihr natürlich gerne direkt beim Autor kaufen. Einfach mal eine PN an dietel schicken. Auf der Seite findet ihr natürlich einen Menüpunkt Barsch und viele kleine Features, die sich mit dem Barschangeln beschäftigen – von speziellen Finesse-Montagen zum Barschangeln bis zum Eigenbau-Wobbler.

5 Kommentare zu Alles übers Barschangeln: Top-Techniken, -Gerät und -Köder!

  1. Jetzt wo die Regentage anfangen hat man zumindest Lektüre. Dank eines Gutscheines habe ich mir letzte Woche spontan dein Buch im örtlichen Laden bestellt und abgeholt.
    So werde ich die kommenden Tage ein wenig mit Tee auf dem Sofa verbringen und von besseren Tagen träumen, denn Sonntag Abend wurde unsere nächtliche Barschtour durch Unwetter beendet.

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