17.01.2017 / 03:43 | Aktuelle Mondphase: abnehmender Mond

Ultralight? Ja bitte!

Durch einen Freund bin ich auf die UL Angelei aufmerksam geworden, eines Tages brachte er sein neuestes Spielzeug mit zum Barschangeln, die Pepper. Seit diesem Tag war für uns beide das Barschangeln nicht mehr so wie vorher. Am Anfang war das für mich echt frustrierend, der Kerl holte einfach mehr Fisch aus dem Wasser als ich, und das noch dazu an Stellen wo ich unmittelbar vor ihm schon alles probiert hatte… Die Gründe dafür lagen aber ganz klar auf der Hand. Zum einem hat er deutlich mehr Erfahrung (40 Jahre um genau zu sein ;)), und zum anderen verstand er das Potenzial dieser Methode fast erbarmungslos auszureizen. Also habe ich mich in den letzten 2 Jahren verstärkt auf die UL-Fischerei konzentriert und konnte mit Hilfe meines Freundes gute Erfahrungen sammeln.

Worin liegt die Stärke beim UL fischen? Ganz klar bei der Köderpräsentation, und zwar in jeder Hinsicht. Sei es die Möglichkeit, den Köder extrem zaghaft über den Grund „vibrieren“ zu lassen, das fischen mit sehr dünnen und damit kaum sichtbaren Schnüren oder auch die wirklich feinfühlige Bisserkennung und somit bessere Verwertung. Die Bissfrequenz bei erfahrenen UL-Anglern ist sehr hoch, allerdings sind die Größen auch nicht gerade das, was die meisten hier als erstrebenswert erachten. Muss sie auch nicht, ein 20er Barsch am UL-Gerät, was gut angepasst ist, macht solch einen Spaß, dass man süchtig wird.

Allerdings hat auch das UL-Fischen Schwächen. Es wird nie mit irgendwelchen hechtsicheren Vorfächern gefischt, also zeigen 70% der Hechte nur durch ein Erschlaffen der Schnur, dass Sie am Platz sind. 20 % der Hechte werden voll reinknallen und evtl. eine Flucht hinlegen, bevor sie weg sind. Und die 10% die hängenbleiben sind in der Regel auch ausdrillbar.


Hier mal ein Hecht der 10%

Desweitern ist die Methode bei starkem Wind ab 10m Entfernung nicht mehr gut zu kontrollieren, zumindest wenn man im Bereich bis 1,5g fischt. In hängerträchtigen Abschnitten wird es mitunter eine Materialschlacht, denn auch das Grasbüschel und der 2 cm starke Ast unter Wasser wird unser erklärter Feind mit dem feinen Gerät! Zudem ist die Reichweite auf ca. 15m begrenzt, 20 sind auch drin aber das geht auf Kosten der Performance und Köderkontrolle.

Das UL-Besteck

UL-Rute: Ul-Ruten besitzen im Vergleich zu normalen Spinnruten eine sehr sensible Spitze die mehr einer Winkelpicker ähnelt als einer Spinnrute. Diese Eigenschaft schreckt viele normale Spinnfischer von den UL Ruten ab, muss sie aber nicht, im Gegenteil. Es ist das entscheidende Merkmal um den Köder zu präsentieren und die Bisse zu erkennen. Ich selber fische eine Shimano Dialflash ULS 220 mit 0,6-4g Wurfgewicht, die ich hier im Forum zu einem saugeilen Preis erstanden habe. An dieser Stelle nochmal Danke an den Verkäufer!

UL-Rolle: Welche Rolle verwende ich am besten? Ich nutze derzeit eine Stradic 1000 FLM Ci4, hier kann jeder selber entscheiden was er fischen möchte, ich empfehle lediglich eine Rolle der 1000er Größe.

UL-Schnur: Welche Schnur sollte verwendet werden? Hier kann ich eine ganz klare Empfehlung abgeben, Nanofil! Ich selber fische die 0,08mm Variante und habe, bei sauber gebunden Knoten, extrem selten komplett Abrisse. In der Regel reißt es da, wo es soll, über dem Quicklink. Natürlich kann man auch jede andere dünne geflochtene als Hauptschnur nutzen, nur sollte man dann mit Einbußen bei der Wurfentfernung rechnen. Die Nanofil fische ich allerdings nur im Sommer, im Winter nutze ich 0,12 – 0,14er Mono von Stroft.

UL-Vorfach: Im Sommer nutze ich ein ca. 2m langes Vorfach aus Floucarbon, in der Regel 0,15mm. Das trägt so ca. 2-4 Pfund und reicht auch im Ernstfall. Erneuert wird es bei klaren Gewässern ab ca. 1,2m und je trüber desto kürzer, mindestens aber 0,7m. Im Winter wird direkt an die Mono gebunden, bei 0,14er oder 0,12er Schnur checkt der Fisch den Unterschied zwischen Mono und Fluo sowieso nicht mehr.

UL-Einhänger: Zum schnellen Wechseln des Köders nutze ich Quicklinks aus der Fliegenfischerei. Ich denke das kleine Snaps auch ihren Dienst tun würden, ich finde sie aber zu groß, gerade wenn man mit Nymphen fischt.

Der Wirkungskreis eines UL-Anglers scheint mit ca. 15m zunächst klein zu wirken, aber auf engem Raum kann man wahre Sternstunden erleben. Ich habe wirklich schon fast überall meine UL-Rute reingehalten, egal ob Flachland Stausee, Fluss, Bach, Graben, Mittelgebirgstalsperre oder Ostsee. Das Geheimnis liegt nicht in der Weite. Es ist eine Sache der Überzeugung und eine Sache des Verstehens.

UL-Köderspektrum

Mein Köderspektrum ist eigentlich eng gesteckt, ich fische entweder Mini-Twister, No Action Shad´s, Goldkopfnymphen, normale Shad´s (Mann´s shad 3,5cm) oder die kleinen Kopytos. Diese Ködertypen reichen vollkommen aus um in wirklich jedem Stückchen Wasser auf unserem Planeten Fische zu fangen! Wobbler fische ich auch im leichten Bereich, allerdings nicht mit der UL-Rute. Meiner Meinung nach ist die Rute dafür ungeeignet. Okay, ein 38er Tiny geht schon mal. Texas und Carolina-Rig sowie Wacky sind natürlich machbar, aber nicht meine Lieblingsdiziplin. Aber ich bin ehrlich, ich fische häufig mit dem, womit ich gut und beständig fange. Und genau so sollte es jeder Angler für sich halten, offen für Neues aber nie das Eigentliche aus dem Fokus verlieren.
Nun zu den eigentlichen Zielfischen dieser Angelei, es ist der Barsch. Ich habe mit meiner UL-Rute aber auch schon vom 70er Karpfen über den 80er Wels bis hin zur Schleie wirklich fast alles gefangen was bei uns schwimmt. Aber in der Regel wird man sich zu einem Großteil der Zeit mit kleinen und mittleren Barschen begnügen. Aber ich persönlich fange lieber 30 oder 40 oder noch mehr kleine Barsche, anstatt 8h lang dem einen Ausnahmefisch hinterher zu laufen. Zumal ich festgestellt habe das ein erfahrener UL-Angler am Wasser tödlich für Dickbarsche ist! Denn den 3 cm Twister im Naturdekor saugt er eher mal im Vorbeischwimmen ein.

Man muss seinen Köder nur dem Zielfisch anpassen, dann ist alles drin. Im Mai und Juni sind die Barsche fällig, wenn die Fischbrut schlüpft, dann geht’s mit 2 cm No-Action Shad´s an´s Wasser. Danach folgt der Sommer der Nymphen. Na klar könnt ich auch die Fliegenrute nehmen, aber die UL-Rute macht mehr Laune wenn es auf dicke Rotfedern, Rotaugen und sogar Karpfen geht (hier muss allerdings eine Möglichkeit zum Ausdrillen gegeben sein). Wenn es dem Herbst entgegen geht, nutze ich dann wieder die No-Action Shad´s bis maximal 6 cm. Alles was größer ist, ist kein „richtiges“ UL und fischt sich mit den Ruten nicht mehr so toll. Natürlich fische ich auch mit 5g Köpfen, das ist dann aber meiner Meinung nach die Obergrenze für ein angenehmes Angeln mit meiner Rute. Im Winter wird dann mit den Mini-Twistern gefischt.

Zu den Köderfarben kann man folgende Aussage treffen: es gibt hell, dunkel und Schockfarbe. Hierbei zähle ich UV-aktive Farben zu den Schockfarben. In der Regel gibt es keine Regel wann man wo welche Farbe einsetzen sollte. Versuch macht klug. Das trifft auch auf die Köderart zu. Am wichtigsten beim UL fischen ist eigentlich nur, dass man den Köder fischt, dem man vertraut und der dem gewünschten Original am nächsten kommt.

Ein heißer Tipp für die kleinen No-Action Shad´s: ich nutze derzeit die Paladin Dropshot Shad´s und kürze sie einfach wie auf dem Bild (der schlecht sichtbare Kreis da) ein. Dazu ein passender Jigkopf, aus weichem Blei, den ich mit einer Zange einfach platt drücke und ein bisschen anpasse. Und schon habe ich einen, beim kleinsten Ruck, wild umherschießenden, panischen Beutefisch perfekt imitiert. Der Gummi sollte unbedingt mir Sekundenkleber am Jig befestigt werden damit er auch nach 10 Fischen noch zu nutzen ist.

Für Rotfedern, Rotaugen und was da noch so alles im Sommer an der Oberfläche unterwegs ist, sollte man am besten eine kleine Goldkopfnymphe pur oder mit einem kleinen braunen Mini-Twister garniert, zupfend durch die oberen Wasserschichten führen. Karpfen beangle ich auf Sicht, entweder suche ich mir die Blasenfelder, oder ich sehe Sie schwimmen. Bei den Blasenfeldern einfach langsam mit kleinen Sprüngen jiggen (Twister in braun oder UV). Bei Fischen an der Oberfläche überwerfen, langsam ranzuppeln und vor dem Maul den Köder mit minimalen Zuckungen absinken lassen (am besten Goldkopfnymphe mit kleinem Minitwister). Der Drill, der dann kommt, ist genial, meinen vermutlich größten Karpfen habe ich durch Hakenbruch bei der Nymphe verloren. Ich schätze Ihn auf locker 8-10kg.


Sogar Störe haben wir schon gefangen.

Das beste Erlebnis mit UL hatte ich aber dieses Jahr auf der Seebrücke. Während die anderen Ihre Würmer und Fetzen badeten, haben wir mit leicht verstärktem Gerät (0,22er Vorfach) auf den kleinen Paladin DS Shad eine Makrele nach der anderen hochgezogen. Und die kleinen Kerle gehen ja mal richtig ab bei dem feinen Zeug. Es ist also alles drin bei UL, man muss nur wissen wie!

Ich entschuldige die wenigen Bilder, aber ich bin derzeit beruflich in Sibirien und habe für diesen Bericht auf „Archiv“ Material aus dem Handy zurückgegriffen, bzw. uf das was ich vor Ort dabei habe.

Aber als Ausgleich sind hier noch 2 Bilder aus Sibirien:


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So, jetzt habe ich viel geschrieben und euch hoffentlich auch etwas Erfahrung bzw. Lust auf die wirklich feine UL-Fischerei verschafft. Sowie ich wieder in Deutschland bin, werde ich mal ein paar Aufnahmen von der Winterfischerei (Köderart, -farben und –führung) machen und den Bericht erweitern.

Nick

17 Kommentare zu Ultralight? Ja bitte!

  1. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Ich bin gespannt auf deine Ködervorstellung.

    Ich schieße in den nächsten Tagen auch noch was in der Richtung nach. Habe meinen Bericht schon geschrieben. Allerdings wirds bei mir etwas grober.

    Vielen Dank für den tollen Beitrag und beste Grüße nach Sibirien!

  2. Schöner Bericht, allerdings schockiert doch die zahl der Abrisse durch Hechtbisse, ist es denn nicht möglich in dem Fall ein ganz ganz feines Stahl zu fischen?

  3. Ein Pieckser von einer Nymphe oder einem Mini-Jig ist für die Hechte wahrscheinlich nicht schlimmer als ne Barschrückenflosse. Aber natürlich würde sich jeder UL-Fischer wünschen, dass die Hechte nicht auf die Köder gehen. Passiert ja zum Glück auch einigermaßen selten. Mit Stahl kannste ne Nymphe aber sicher nicht fischen.

  4. Ich denke viel schlimmer ist´s das der Hecht daran verendet,wenn der Köder sauber gehakt ,wird er ihn auch so schnell nicht mehr los…
    mfg

  5. Ich wiederspreche da einfach mal. Ich fische selbst sehr sehr viel UL und bin auch ein verfechter von Stahl. Allerdings sind derartige UL Köder nicht wirklich mit Stahl oder dünnem Titan fischbar, und ausserdem sind erstaunlicherweise über 80% meiner damit gefangenen Hechte, extrem weit vorne im Maul gehakt und können somit gelandet werden. sollte ein Hechte wieder erwarten das 14 Mono doch zwischen die Zähne bekommen, hängt der Köder ganz aussen im Maul und stört nicht wirklich. Die anderen 20 %, sind die wo der Köder weiter im Maul hängt, da ist es aber so, das bei denen 20% zu 99% der Anschlag nicht mal annärend durch kommt, sondern der Köder direkt beim Biss ab ist. Ergo auch keine grosse Gefahr für den Hecht.

  6. Das sind Mini-Haken. Da verendet kein Hecht dran. Die Dinger rosten auch durch. Aber natürlich wäre es jedem recht, wenn man Hechtbisse ausschließen könnte. Stellt sich die Frage was schlimmer ist. Ne Verletzung durch nen kleinen Köder, der evtl. kurz drinbleibt oder durch nen großen Drilling, den man rausoperiert.

  7. … der Bericht spricht mir aus der Seele. Ich lebe viele Stunden, die ich am Wasser unterwegs bin, für die UL- Fischerei. Ich unternehme viel mit 5kg-"deklarierten" Stahlspitzen. In einigen Gewässern lassen sich diese fischen, ohne dass die Bissfrequenz merklich sinkt. Zu den genannten Ködern kommen noch Gummiköder als "Leeches"(Blutegel) und Tuben-Jigs dazu, alles ungleich größer 3cm, oft zwischen 1,5cm und 2,5cm. Auch weitere "Kleinstkreationen" aus der Panfish- und Crappiefischerei sind auf unseren Flußbarsch höchst wirksam.

    GANZ KLASSE BERICHT!

  8. Einspruch! 😆 Goldkopfnymphen sind an "2,5kg"- Stahl zu fischen. Was "ernsthaftes" setzen 2,5kg tragende "Litzen" allerdings nicht entgegen.

  9. wenn der hecht den köder schon beim biss, und das ohne den geringsten wiederstand, den köder abbeisst kann von einem sicheren hacken kaum die rede sein.

  10. Einfach den Widerhaken vom Einzelhaken andrücken, dann fällt er eh raus, wenn der Zug weg ist.
    Mit der Fliegenrute fischt man Nymphen ja auch nicht mit Stahl. Das wäre doch ein wenig seltsam.

  11. …JD's LÖSUNG weiter oben. 😉

    Bei der Fliege ist der Einsatz von Stahl ja auch eine Frage des Gewichts. Mit der richtigen Gewichtsklasse der Rute ließe sich auch eine Nymphe am Stahl fischen. Warum auch nicht? Es gibt ja nicht nur 10kg Geflecht und Nymphen auf 14er Haken.

  12. Da ich leidenschaftlicher UL-Anhänger bin hier mal ein Bilder von mir!
    Der Hecht hatte satte 88 cm und ist an der UL-Rute förmlich explodiert!
    Beim Barschezuppeln ist man nie vor Überraschungen sicher;)
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