08.12.2016 / 16:59 | Aktuelle Mondphase: zunehmender Mond

Kairiki-Extrem-Belastungstest: Was kann die Shimano-8Braid wirklich?

Im Forum wird ein bisschen über die Shimano Kairiki diskutiert. Im Verlauf der Diskussion wurde ich dazu aufgefordert, ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen. Trägt sie wirklich so viel wie angegeben? Ist sie wirklich so dünn? Ich bin Praktiker. Mir persönlich sind Tragkraftangaben relativ egal. Meistens ist nicht die Tragkraft entscheidend. Vielmehr kommt’s auf Werte an wie Schockresistenz, Abriebfestigkeit, Geschmeidigkeit, Lautstärke und Handling.

kairiki-produkt Kairiki

 

Aber natürlich komme ich den Forderungen der Angel-Community nach. Zumindest auf meine Weise. Anstatt einen Zugtest im Labor durchzuführen (ich kenne keine auf Zugtests spezialisierte Einrichtung), habe ich mich für ein Feldexperiment zur Verfügung gestellt. Und zwar für eines der krasseren Sorte. Dazu musste ich gar nicht weit fahren. Denn mitten in Berlin wütet einer der brutalsten Kämpfer der Republik – der gemeine Brückling, der in Fachkreisen u.a. auch unter dem Namen Leinenzerfetzer-Streifling läuft. Er wird meistens nicht besonders groß. Da er sich im urbanen Umfeld aber gegen viele Widrigkeiten zur Wehr setzen muss und er, um sich hier in Berlin durchzusetzen, eh um einiges ruppiger daherkommen muss als alles, was sonst noch kreucht und fleucht in diesem Land, begreifen ihn immer mehr Angler als eine Spezies, auf die es sich zu spezialisieren lohnt. Und auch das macht den Brückling härter.

Insofern war es einigermaßen gewagt, eine 1000er Rolle mit 0,07er Kairiki in stahlgrau zu bespulen (auch wenn da eine Tragkraft von über 4 Kilogramm angegeben ist) und mich nur mit einer Ultralight-Rute (Poison Adrena  264UL mit einem Wurfgewicht von 2 bis 7 Gramm) aufs Boot zu wagen. Und das auch noch ganz ALLEIN!

kairiki-adrena

So richtig wohl war mir nicht bei dem Unterfangen. Das könnt ihr euch sicher vorstellen. Aber was tut man nicht alles im Auftrag der Angelwissenschaft. Ich also rauf aufs Wasser und direkt ran an die Brücke.

Sieht man die schlotternden Knie?
Sieht man die schlotternden Knie?

Ich hatte an den Tagen zuvor schon ein paar Wurfübungen gemacht und die mir wichtigen Parameter abgecheckt:

  • Geschmeidigkeit: Sensationell!
  • Verknotbarkeit und gefühlte Knotentragkraft: Super!
  • Lärmfaktor: Man hört sie gar nicht.   

Besonders der letzte Punkt machte mir bei der Anfahrt an die Brücke richtiggehend ANGST! Am Ende steigt da noch der große Brückling ein. Der, an dem seit Jahren die Köder an lärmenden Schnüren vorbeigezogen werden. Der, der jeden Köder schon als solchen wahrnimmt, bevor er überhaupt in sein Sichtfeld kommt. Der, der die jämmerlichen Versuche der mit sirrender Schnur fischenden Brückling-Spezis mit einem müden Kopfschütteln quittiert.

Mit zitternden Knien verankerte ich das Boot. Mit unruhiger Hand klappte ich den Rollenbügel auf. 5 Gramm-Kopf. Kleiner No-Action-Shad. Dreimal tief durchatmen. Fliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiieg. Und wie er flog. Und da war ich dann auch in meinem Element. Mit dem Eintauchen des Köders war die Nervosität wie weggepustet. Als der Köder am Grund war, war ich im Tunnel. Ich war der Köder. Ich setze einmal zum Sprung an. ‚Shit. Da taucht ein Brückling auf! Schnell hochspringen. Puh. Gerade noch so entkommen!‘ Peng. Und schon war’s dunkel um mich herum. Und dann war ich Rute. ‚Auaaaaaaaa. Da zerrt einer aber gallig.‘ Ich wippe im Brücklingstakt.

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Dann bin ich wieder Hannes und nehme den ersten Brückling in Empfang.

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Einigermaßen beruhig stelle ich fest, dass mein Setup gehalten hat. Also 18er Brücklinge (Schätzung!) kann die 7er Kairiki schon mal ab. Kleinere sowieso. Wenig später steht fest, dass sie auch 20er und sogar 25er meistert.

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Naja. Damit war die Fotoarbeit für diesen Beitrag eigentlich geleistet. Zur Belohnung habe ich mir gestattet, mich von der Brücke zu lösen und brücklingsfreies Terrain zu befischen. Ganz schön windig war’s. Ich wollte an ein Loch, in dem es ab und an mal einen Zetti gibt. Und manchmal sogar einen Wels. ‚Das wär’s jetzt!‘, denke ich mir. ‚Ich würde den Jungs ja gern wirklich zeigen, was die Schnur drauf hat.‘ Ich werfe einmal links und einmal rechts die Kante ab und verzeichne keine Attacke. Dann werfe ich geradeaus und bin schon kurz vorm Boot, als ich einen holprigen Schepperbiss verzeichne. Also keinen satten Barschbiss. Keinen knackigen Zandertock. Irgend sowas anderes. Es muss da vor mir ungefähr 5 Meter tief sein. ‚Ne. Echt, oder? Am Ende wirklich ein kleiner Waller?!‘ Könnte sein. Jedenfalls bleibt der Fisch unten. Es schlägt in die Schnur. ‚Doch ein Zetti? Oder ein Hecht?‘ Schnell die Kamera anmachen und das gute Stück im Time Lapse Mode ein paar Fotos knipsen lassen. (In solchen Momenten habe ich schon dicke Zander und Barsche verloren. Aber ohne Bilder ist das alles nix wert. Es geht ja um den ursprünglich als kleine Persiflage auf alle Teamangler-Testberichte geplanten Extrem-Belastungstest, der jetzt echt einer geworden ist.)

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Ich drille den Fisch mit aller gebotenen Vorsicht und er wendet alle Tricks an, die eine Spezies anwenden kann, um sich nicht sofort als das zu outen, was da wirklich am Haken hängt.

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Es geht rund ums Boot.

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Es klopft in die Schnur.

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Es stiebt gegen den Grund.

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Es zieht ins Ankerseil.

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Ganz ruhig. Nullkommanull hektisch. Und dann kommt es langsam hoch.

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‚NEIN! NEEEEEEEEEEEEEEEEIN!!! Kann doch nicht sein!‘

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Und DOCH! Es war ein Rapfen.

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Noch dazu gar kein sooo großer. Und so hab ich mich dann auch ein bisschen selber verarscht bei der ganzen Sache. Macht ja nix. Zumal dann noch ein ganz schöner Barsch kam…

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… und das Ganze dann doch ne einigermaßen runde Sache ist.

Fazit: Die 0,07er Kairiki kann Brückling und Mittelklasse-Rapfen, ist geschmeidig, lautlos und ES IST HERBST!

14 Kommentare zu Kairiki-Extrem-Belastungstest: Was kann die Shimano-8Braid wirklich?

  1. Brückling…HAHA, hab mich beim Lesen fast weggeschmissen. Also dieser bis ins Letzte fundierte Belastungsreport sollt nun wirklich auch dem letzten Zweifler seine Grundlage entzogen haben. Sauber, Johannes

  2. Sehr schöner Bericht ist mir mit rapfen auch schon passiert das ich auf einen Hecht oder Wels in Verdacht hatte und es ein rapfen war.

  3. Hey Hannes und alle User, seit gegrüßt! Als Neuling möchte ich nun meinen ersten Kommentar abgeben: Absolut tolle Spree-Story, amüsant volles Rohr und Berlin-Anglers Realität! Drüberhinaus: Ich habe mit der gleichen Schnur auch schon tolle Erfahrungen gemacht: besonders begeistert bin ich auch ich von ihrer „Weitwürfigkeit“! Die 0,07er bringt Kleinstköder in ungeahnte Weiten. Lautlosigkeit und Halbarkeit lassen bisher nichts zu wünschen übrig. Ich würde sagen: wir können alle gespannt sein auf diese Line…

  4. Nein. Dass ich das noch erleben darf 😀 Und dann noch als jochomat – wie geil. Herzlich Willkommen an Bord, Jochen !!!

  5. Hi Hannes,

    Zitat:

    „So richtig wohl war mir nicht bei dem Unterfangen.“

    Zurecht, denn wenn Du auf deinem Boot keine Schwimmweste trägst, könnte es sein, dass die Feuerwehr dir ein ein s.g. Harakiri Seil ans Bein legen muß;-)

    Paß auf Dich auf.

    LG Micha

  6. Interssanter Testbericht! Gibt es schon ein Datum ab wann die Kairiki im Handel ist? Ich muss bevor es nach Spanien geht mindest eine Rolle neu bespulen und würde dazu gleich die Kairiki nehmen.

  7. @Blackmax: In Berlin ist viel Bootsverkehr. Ich glaube, dass ich noch nie jemand mit Schwimmweste gesehen habe. Wir dürfen hier nicht schnell fahren. Es ist nicht tief. Wir haben keine Strömung. Ich denke, dass ich überleben würde, wenn ich reinplumpse. Aber klar. Ein tolles Vorbild ist das nicht. Aber irgendwo bin ich auch Mensch und dementsprechend nicht immer vorblidlich unterwegs.

    @sven_1976: Bis dahin müsste die schon erhältlich sein. Da würde ich dann aber keine 7er draufmachen. Wir kämpfen teilweise gegen Holz. Da darf auch auf der Barschrute ne 12er drauf sein. Ich weiß gar nicht, ob ich ne UL-Rute mitnehme.

  8. Soll mir als erste Tendenz zur Braid ausreichen Hannes, sehr schön geschrieben 😉 …

    Haben wir es bei „Jochomat“ etwa mit deinem Shimano-Kollegen JOCHEN DIECKMANN zu tun 😛 ?

  9. Stilvoll, lustige VErpacckung einer durchaus interessanten Schnur, die mal auf die Amsterdamer Rädlinge zu versuchen einen interessanten Fight im Vergleich zu J Braid,8 Braifd und Gliss abliefern würde….Danke für den Artikel und die durchaus actiongeladenen Pics! Grüße aus HD

  10. „@Blackmax: In Berlin ist viel Bootsverkehr. Ich glaube, dass ich noch nie jemand mit Schwimmweste gesehen habe. Wir dürfen hier nicht schnell fahren. Es ist nicht tief. Wir haben keine Strömung. Ich denke, dass ich überleben würde, wenn ich reinplumpse. Aber klar. Ein tolles Vorbild ist das nicht. Aber irgendwo bin ich auch Mensch und dementsprechend nicht immer vorblidlich unterwegs.“

    Darum geht´s doch gar nicht Johannes. Wenn ein Mensch ins Wasser fällt bei den nun herrschenden und kommenden Temperaturen, gibt´s ne´n Kälteschock. Floatationanzüge sollen im Süßwasser in ersten Linie dazu beitragen, dass man auch im Berliner Wasser, am Leben bleibt. Das Thema wird immer wieder auf die leichte Schulter genommen. Frag mal Bertus nach seinem Kumpel, der war nach 10 Minuten im 4C° „warmen“ Wasser tot. Schwimmweste: M.M.n. ein Minimum für die eigene Sicherheit. Aber auch damit kommt niemand mehr mit vollgesogenen Klamotten ins eigene Boot. Selbst ein Helfer kann einen kaum noch raufziehen; wie denn auch, mit durchschnittlich 80kg Körpergewicht und 20kg vollgesogener Kleidung. Der Flotationanzug ist die sicherste Lösung. Für uns ist das auch gut, damit Du uns weiter mit Berichten versorgst 😉

  11. Ne. Bei aller Liebe. Ich stell mich im Herbst nicht mit dem Flotation-Anzug auf die Spree und mache mich zum Vollhorst. Über die Schwimmweste können wir aber reden. Theoretisch muss ich dann aber auch nen Helm targen beim Spanzierengehen. Gestern erst ist ein Kleintransporter bei mir in der Straße in eine Menschengruppe gefahren…

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