04.12.2016 / 04:59 | Aktuelle Mondphase: zunehmender Mond

Ultralight-Spinnfischen II: UL-Gerät – XXL-Funfaktor

Wie ich im ersten Teil der UL-Serie schon erwähnte, gibt es Menschen, denen man nur einmal so eine UL-Kombo in die Hand drücken muss, um sie „brennen zu lassen“. Es ist fast schon gemein, was die Hersteller mit uns anstellen. Ruten, die keine 100 Gramm mehr wiegen. Megaleichte und hochübersetzte Mini-Stationärrollen, die einem das Gefühl vermitteln, mit einem Mikado Stab zu fischen. Und Schnüre, die so dünn sind, dass man auch zum 0,8 Gramm-Jigkopf einen direkten Draht hat. Beim UL-Spinnfischen muss das Gerät allerdings besonders gut aufeinander abgestimmt sein, damit einerseits die Wurfweite stimmt, man andererseits die feinen Schnüre nicht schon beim Anhieb durchballert und der Schnureinzug zu Angeltechnik passt.

 

UL-Ruten

Die Anforderungen an eine UL-Rute sind erstens, dass sie leichte Köder weit werfen können muss. Zweitens wollen wir ein gutes Ködergefühl, obwohl der fast nichts wiegt. Drittens muss die Rute das Angeln mit feinsten Schnüren unterstützen. Stichworte sind Solid Tip, Micro Guides und Blanks mit moderater Aktion.

Expride-262UL-S

Zum Gummifischangeln und für fast alle Finesse-Methoden empfehlen sich sogenannte Solid Tip-Ruten, bei denen eine filigrane Vollcarbon-Spitze eingespleißt ist. Diese Spitze lädt sich erstens gut auf, und gibt leichten Ködern zusätzlichen Schub. Zweitens puffert sie beim Anhieb den ersten Druckpunkt ab, so dass man mit feineren Schnüren fischen kann. Drittens setzt sie vorsichtigen Fischen beim Biss minimalen Widerstand entgegen, was sich positiv auf die Bissverwertung auswirkt. Viertens leitet eine Carbonspitze die Bisse 1:1 an den „Restblank“ weiter, so dass man auch vorsichtige Zugriffe sehr gut spürt.

Das war ein 30er Barsch. So macht auch Streetfishing am Plänterwald Spaß.
Das war ein 30er Barsch. So macht auch Streetfishing am Plänterwald Spaß.

Forellenangler fischen Solid Tip-Ruten auch zum Spinnern, weil sie im Drill so schön mit den Fischen mitgehen und weil mehr Fische hängen bleiben, wenn die Spitze beim Biss auf den linear geführten „Zugköder“ gleich nachgibt. Natürlich kann man auch kleine Cranks sehr gut mit einer Solid Tip-Gerte anbieten. Bei Twitchbaits, Poppern oder kleinen Sticks gibt die Spitze aber zu viel nach, so dass die Köderaktion nur halb so schön ausfällt wie sie es tun könnte. Insofern braucht man als UL-Angler mindestens zwei Ruten, wenn man perfekt ausgestattet ans Wasser stürmen möchte. Eine Solid Tip-Rute für die Gummi-Applikationen und eine filigrane Rute mit Micro Guide-Beringung für Hardbaits. Die kleinen Ringe halten nicht nur die Schnur nah am Blank und sorgen dafür für ein besseres Ködergefühl. Die kurzen Stege und das niedrige Gewicht haben nahezu keinen Einfluss auf den Blank, so dass die Ruten maximale Sensibilität versprechen. Dafür sorgen auch neuartige Rollenhalter wie z.B. die aus dem harten Ci 4+ Material, das die Bissenergie vom Blank in die Rutenhand weiterleitet.

 

UL-Rollen

Wer eine leichte Rute fischt, will auch eine leichte Rolle. Die kleinen Dinger aus der 1000er Fraktion haben meistens einen relativ kleinen Schnureinzug. Das kann bei Zeitlupenpräsentationen wie z.B. dem Dropshotten oder dem Texas-Rig-Fischen im Winter gewollt sein. Zum sommerlichen Jiggen mit agilen Straight Heads ist ein größerer Schnureinzug aber besser. Weil die Rutenberingung meistens für eine kleine Rolle konzipiert ist, ist es besser mit der Übersetzung nach oben zu gehen als eine 2500er Rolle zu verwenden.

1-rubber-barsch-landung
Kleine Rolle, niedrige Übersetzung, mehr Präzision.

Fischt man zu große Rollen, kommt es zu einem Schnurwinkel zwischen dem eng anliegenden  Führungsring bzw. einem nah an der Rolle liegendem Leitring. Beim Durchkurbeln ist das ein Störfaktor. Wer also viel Schnureinzug haben will, sollte sich nach kleinen Rollen mit einer großen Übersetzung umsehen.

 

UL-Schnüre

Die Schnur ist ein Kernelement der UL-Fischerei. Sie stellt die direkte Verbindung zum Köder her und muss die Fische halten. Je dünner und geschmeidiger sie ist, desto direkter der Köderkontakt. Allerdings tragen dünne Schnüre dann oft nicht mehr als 2 oder 3 kg. Achtung: Bei der Tragkraftangabe handelt es sich um die lineare Tragkraft. Am Knoten trägt sie noch etwas weniger – wobei sich die Knotentragkraft von Schnur zu Schnur genauso unterscheidet wie die lineare. Das trifft auch auf die Abriebfestigkeit zu. Die entscheidenden Parameter sind also: Abriebfestigkeit, Knotentragkraft und Geschmeidigkeit. Gute Schnüre bekommt man meistens nicht geschenkt. Wobei man mit einer 0,06er PowerPro (Tragkraft 3,0 kg), die von den meisten Anglern als gut und günstig eingestuft wird, eine preiswerte Alternative zu teuren Japanschnüren hat. Ich selber fische viel mit der dreifädigen 0,06er Nanobraid von Sufix (Tragkraft 3,3 kg), mit der man Bäume ausreißen kann.

ultralight-nanobraid
Ich mag die Nanobraid: relativ leise, tolle Tragkraft, super geschmeidig und abriebfest.

Eight Braids (8 Fäden) sind noch ein bisschen geschmeidiger und oft auch leiser. Die Barsch-Alarm-Experten stehen auf 8fach Geflechte von Sufix, Stroft oder Daiwa. Auch die Sunline Small Game PE wird hier oft genannt und bestimmt kommt noch was in den Kommentaren. Es gibt’s auch viele Finesseangler, die lieber mit Fluorocarbon als Hauptschnur fischen.

ultralight-fluorocarbon
Fluorocarbon ist nicht gleich Fluorocarbon. Manches wirft sich besser. Aneres hat eine höhere Tragkraft und das nächste überzeugt durch geringe Dehnung.

Der Vorteil ist, dass das Material sinkt und leiser ist. In Stärken von 0,14 bis 0,18 mm ist auch FC einigermaßen geschmeidig. Der Nachteil sind allerdings geringere Wurfweiten, eine niedrigere Tragkraft und für viele Geflecht-Fans auch die Dehnung. Eine Alternative zu Fluorocarbon ist auch dehnungsarme Mono, z.B. Shimano Technium oder Toray BAWO Super Hard Polyamide Plus.

 

UL-Leader

Wenn ich mit einer dünnen Geflochtenen fische, schalte ich immer noch ein Stück Fluorocarbon zwischen Hauptschnur und Köder.

DER Verbindungsknoten unter den Verbindungsknoten: FG-Knot heißt er, ist etwas kompliziert zu binden. Wer ihn aber draufhat, fragt sich, wie man vorher nur nen anderen Knoten (doppleter Uni, Albright, Schlagschnur-bzw. Jochen-Knoten etc.) binden konnte.
DER Verbindungsknoten unter den Verbindungsknoten: FG-Knot heißt er, ist etwas kompliziert zu binden. Wer ihn aber draufhat, fragt sich, wie man vorher nur nen anderen Knoten (doppelter Uni-, Albright-, Schlagschnur-bzw. Jochen-Knoten etc.) binden konnte.

Erstens dient das FC vorm Schnurverbinder als Trennung zwischen dem gut sichtbarem Geflecht und der Fangmaschine im Karabiner. Zweitens als Schutz vor Abrieb. Dieses Stück ist meistens zwischen 1 und 2 m lang, kann aber auch länger ausfallen, wenn ich besonders klareres Wasser befische. Stärke: 0,14 bis 0,21 mm – je nach Zielfisch, Methode und Angelsituation.

 

UL-Kleinteile

Wenn man fein angelt, kommt’s auf die kleinen Details an. Z.B. auf die richtigen Einhänger. Wenn der Karabiner halb so groß ist wie der Köder, ist das suboptimal.

Karabiner und Jigs knote ich nur noch mit dem Palomarknoten an, der eine größere Tragkraft als der allseits beliebte Grinnerknoten hat. Dabei schiebt man die Schnur durch die Öse und führt sie rückwärts wieder ein. Die Schlaufe wird einmal ums die doppelt gelegte Schnur gewunden. Dann steckt man den Karabiner oder Jig durch die Endschlaufe, macht das Ganze nass, zieht zu. Fertig.
Karabiner und Jigs knote ich nur noch mit dem Palomarknoten an, der eine größere Tragkraft als der allseits beliebte Grinnerknoten hat. Dabei schiebt man die Schnur durch die Öse und führt sie rückwärts wieder ein. Die Schlaufe wird einmal ums die doppelt gelegte Schnur gewunden. Dann steckt man den Karabiner oder Jig durch die Endschlaufe, macht das Ganze nass, zieht zu. Fertig.

Beim Befischen einer konkreten Wassertiefe, binde ich Jigs deshalb oft direkt an. Wenn ich viele Köderwechsel vornehme, verwende ich entweder kleine schwarze Karabiner von Rosco (da ist eine schöne Spannung drauf) oder Einhänger aus dem Fliegenfischerbereich (Easy Snaps). Noch besser sind die Spiral Snaps von Decoy, weil sie weniger Kraut sammeln (geschlossene Öse). Sie halten auch Wobbler sicher. Wobei zum Wobbeln ein Karabiner mit einer runden Öse (Decoy Round Snap) die Köder am besten schwingen lässt (besonders wichtig beim UL-Cranken).

Gute Snaps und UL-Einhänger sind KLEIN und glitzern nicht.
Gute Snaps und UL-Einhänger sind KLEIN und glitzern nicht.

Weitere wichtige Kleinteile sind Dropshot-Bleie. Wer aufs Ganze geht, verwendet solche aus Tungsten, die durch ihre Kompaktheit weiter fliegen und durch ihre Härte eine größere Rückmeldung versprechen, so dass man sofort erkennt, ob man über Muscheln, Steinen oder Schlamm unterwegs ist.

Droshot-Shots aus Blei udn Tungsten.
Droshot-Shots aus Blei und Tungsten.

Zum Texas-Rig-Fischen und Carolina-Rig-Angeln verwende ich nur Bullets aus Tungsten. Besonders beim T-Rig, wo das Bullet optisch eine Einheit mit dem Köder bildet, gern auch in Farbe (rot oder schwarz). Des Weiteren braucht man noch Glasperlen, Gummiperlen (als Knotenschutz für dünne Schnüre) und einen Schwung guter Haken.

ultralight-texas
Am liebsten sind mit Bullets mit Plastikschnurführung. In jedem Fall muss man die feine Schnur aber immer mal wieder checken. Wenn sie aufgeriffelt ist, wird neu geknotet.

Zum Dropshotten empfehle ich den VMC Spark Point Drop Shot – Gr. 6, der sich durch einen weiten Bogen auszeichnet und eine hohe Tragkraft hat oder den roten „Bleeding Bait“ Daiichi Drop Shot Haken. Fürs T- und C-Rig nehme ich gern den Decoy S.S. Finesse Hook Worm19, der einer der schönsten Finesse Wide Gap ist, weil der Bogen nicht ganz so ausgeprägt ist wie bei anderen Modellen. Am allerliebsten sind mir aber Haken wie der Owner Twistlock, bei dem schon eine Spirale dran ist, auf die man den Köder zwirbeln kann. Den gibt’s mit weitem und engem Bogen. Alternativen kommen von Cultiva (Weedless Twistlock) oder Decoy (Worm Hook 22 – da muss man den Speer gegen eine Hitchhiker-Spirale austauschen). Wenn ich nicht so viele andere Haken hätte, würde ich nur noch diese Haken hier fischen.

ultralight-twistlock

Ganz wichtig sind mir auch gute Jighaken. Hier gibt’s für alle Situationen den richtigen Jig.

ultralight-jigs
Ich mag am liebsten schwarz lackierte Jigs oder stark oxidiertes Blei. Die Silber-Dinger in der Mitte könne locken – aber auch abschrecken. UL bedeutet für mich meistens, dass ich mit meinen Montagen und Ködern nicht auffallen will, sondern so dezent und natürlich wie möglich „angreife“.

Von Keitech kommen Jigs mit Tungsten-Kopf mit mehrfachem (Tungsten Fine Guar Jigs), einfachem (Tungsten Monoguard Jigs) und ohne Krautschutz (Tungsten Super Round). Einen einfachen Weedguar hat auch der Rock Magic von Decoy. Durch dichtes Kraut schlüpfen die Owner Ultra Heads oder die Decoy Nailbombs noch ein bisschen besser (hier wird der Köder offset angebracht). Unverzichtbar sind auch die Straight Heads von Illex bzw. die matten Ultra Heads von Hayabusa, die den Köder wild durchs Wasser schießen lassen. Selbiges veranstalten auch die Beak Heads von Maria oder die Freaky Heads von VMC. Zum Durchkurbeln mag ich gern die kleinen Lunker Grips von Lunker City im Fischkopf-Look. Megaschön sind auch die naturgetreuen Fischkopf-Jigs von Megabass (Okashira Heads).

 

UL-Stahl

Machen wir uns nichts vor: Die meisten Köder spielen am besten, wenn man sie ohne Stahlvorfach fischt. Kurze Stahlspitzen zum Wobbeln und dünne Titanvorfächer (z.B. Boa No Knick Titanium Vorfach) sind aber ein guter Kompromiss, wenn man ganz fein in Hechtgewässern fischt.

Für mich das Beste vom Besten: 1x7er Titan.
Für mich das Beste vom Besten: 1x7er Titan.

Noch bessr gefällt mir das dünnste 1 x 7er Titan von Knot2Kinky. Das hat 2,72 kg Tragkraft, ist super flexibel und KNICKT NICHT! Allerdings ist das Zeug auch teuer. Es soll Leute geben, die lieber 7x7er Stahl fischen, weil sie Angst vorm Titan-Bruch haben. Klar: Titan bricht ab und an mal. Beim 1x7er bricht aber erstmal ein Strang und nicht gleich das komplette Vorfach. Man bekommt also immer erst einen Warnschuss.

Nicht wirklich UL. Zumindest der 4 Inch-Wurm nicht. Das 2,7 kg-Titan an der Chebu schon. Sieht doch gut aus, oder?
Nicht wirklich UL. Zumindest der 4 Inch-Wurm nicht. Das 2,7 kg-Titan an der Chebu schon. Sieht doch gut aus, oder?

Ich habe noch überhaupt keine schlechten Erfahrungen mit 1x7er Titan gemacht und bin da absoluter Überzeugungstäter.

Im nächsten Teil – es wird wohl der letzte sein – widmen wir uns den UL-Angeldisziplinen.

 

7 Kommentare zu Ultralight-Spinnfischen II: UL-Gerät – XXL-Funfaktor

  1. Danke für den Beitrag. Besonders die Tips mit den Einhängern finde ich gut. Suche schon länger kleine gute Einhänger, denn die kleinsten in den 2 Angelshops bei uns Verfügbaren, sehen zwar im Regal klein aus, wirken dann aber riesengroß am 5 cm Würmchen und so. Betrifft dann auch den Einsatz an der Forellenrute.

  2. Wirklich ein sehr schöner Artikel,da bekomme ich glatt Bock die UL Flitsche ins Auto zu legen.
    Wenn man den FG Knoten bei den geringen Schnurstärken sauber binden kann ist man sich dann aber auch sicher in wirklich zu können. Bei der UL-Combo war ich bei den ersten Versuchen kurz vorm verzweifeln…

  3. Ich finde die Wide Snaps von Evergreen ganz schön.
    Sind schön filigran und haben einen weiten Bogen für gute Bewegungsfreiheit.
    Toller Bericht. Bin schon gespannt auf den dritten Teil.

  4. Toller Bericht! 🙂
    Überlege momentan mir eine neue UL-KOMBO zuzulegen.
    Muss mich entscheiden…
    Expride oder Poison Adrena.
    Gefischt werden soll das ganze Spektrum.
    Vielleicht könnt ihr mir helfen? 🙂
    Danke vorab 🙂

  5. @dietel in erster Linie wolte ich Gummis fischen.
    Im Sommer allerdings auch Hardbaits.
    Keine einfache Entscheidung 😛
    Ist die Taftec-Spitze der Expride wirklich beim Jiggen etc. so stark von Vorteil bzw. ist die Adrena deutlich im Nachteil was das Erleichtern des Einsaugens betrifft?

Kommentar hinterlassen