Köderführung beim Zanderangeln: Technik-Transfer

Köderführung beim Zanderangeln: Technik-Transfer

Oft kann man sich von anderen Anglern etwas abschauen. Selbst wenn diese in einer ganz anderen Disziplin angeln. Mit Vertikal-Kniffen fangen z.B. auch Uferangler mehr!

Besonders an den größeren Flüssen beziehen die Fische mit dem ersten Frost ihre Winterquartiere. Weil sie darauf aus sind, so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen, konzentrieren sie sich auf Baggerlöcher, Häfen, Steganlagen, Wendebecken oder Altarme. Hier finden die Zander, Barsch und Hecht Schutz vor der Strömung. Das Futterfischangebot ist üppig, das Wasser oft etwas wärmer. Doch auch in diesen Rückzugsrefugien kleben die Fische die meiste Zeit faul am Boden. Das Vertikalangeln gilt als eine der besten Methoden, um derart trägen Räubern doch noch beizukommen. Doch lassen sich viele Kniffe dieser auf höchstem technischen Niveau betriebenen Bootsangelei auf das Uferangeln übertragen.

1. Die Ballungszentren finden

Die Fische stehen während der kalten Wintertage oft auf gestapelt auf wenigen Quadratmetern: kleine Vertiefungen, Knicke in den Kanten oder Steinhäufchen sind die reinsten Fischmagnete. Faul kleben die Räuber jetzt am Boden, nur während kurzer Jagdphasen werden sie aktiv. Der größte Vorteil der Vertikalangelei ist es, dass man den man den Grund Zentimeter für Zentimeter abangeln kann. Dazu muss der Bootsführer das Boot mit dem E-Motor über die Standplätze führen und aufpassen, dass der Wind die Fahrt nicht zu sehr beschleunigt. Deswegen fahren die Cracks meist heckvoraus gegen den Wind. Jeder Zupfer ein Signal, die Umgebung noch gründlicher abzuangeln. Denn wo ein Zander oder Barsch beißt, fängt man meistens noch ein paar Schwarmmitglieder.

Als Uferangler muss man sich erst einmal etwas Zeit nehmen und das ganze Terrain beim Zanderangeln abklopfen. Der Bleikopf dient hier als Ersatzecholot. Anhand der Länge der Absinkphasen zwischen den Sprüngen kann man feststellen, wo sich Löcher befinden. Diese werden konzentriert ausgeangelt. Sobald man einen Biss verzeichnet hat, wirft man diese Stelle beharrlich weiter an. Auch vom Ufer aus kann man mehrere Fische von einem Spot wegfangen.

2. Das Gummi schweben lassen

Weil der Stoffwechsel im kalten Wasser nach unten fährt, bewegen sich die Fische jetzt eher sparsam. Wer einen Beutefisch naturgetreu imitieren will, muss Ruhe ins Köderspiel bringen. Kein Problem für die Vertikalcracks. Sie heben den Gummifisch nach dem Absetzen am Gewässergrund um ein paar Zentimeter an, um ihn danach auspendeln zu lassen und ebenso kontrolliert wieder am Grund abzusetzen. Damit man jeden noch so feinen Zupfer registriert, ist die Schnur in jeder Phase auf Tuchfühlung mit dem Köder.

Das oberste Gebot beim Uferangeln heißt jetzt Geduld. Oft sind es langgezogene aber flache Sätze, die die Räuber an den Haken bringen. Damit man das einigermaßen langsam hinbekommt, braucht man möglichst leichte Bleiköpfe. Mit ein paar langsamen Kurbelumdrehungen hebt man den Gummifisch ab und lässt ihn auf einer Höhe knapp über dem Grund schweben, bevor er ca. einen Meter weiter wieder landet. Kurze Pausen von 3 bis 10 Sekunden ermöglichen es den Fischen, der vermeintlichen Beute zu folgen, bis sie dann irgendwann zuschlagen. Im Fluss (z.B. an Einläufen) kann man den Wasserdruck nutzen und den Köder einfach in die Strömung stellen. Der Bleikopf muss dabei so leicht sein, dass er gerade so auf den Grund hinunter kommt und beim Anheben der Rute einige Sekunden mit der Strömung spielt.


3. Auf das Beißverhalten reagieren

Die Passivität der Fische spiegelt sich auch in deren Beißverhalten wider. Typisch sind jetzt ganz zarte Bisse, die man oft kaum spüren kann. Viele Vertikal-Spezialisten fischen jetzt mit relativ weichen Ruten. Das hat den Vorteil, dass die Fische nicht sofort gegen den harten Blank scheppern und dann verschreckt loslassen. Außerdem verliert man durch den Puffer weniger Fische im Drill. Nicht zuletzt dient die weiche Rutenspitze als optischer Bissanzeiger.

Tatsächlich kenne ich Zanderangler, die ihre Gummis speziell im Winter mit etwas weicheren Ruten anbieten. Mein Ding ist das nicht. Stattdessen setze ich lieber auf einen kontrollierten Schnurbogen. Der entsteht beim Angeln mit leichten Köpfen eigentlich fast zwangsläufig. Anstatt zu versuchen, die Bisse zu erspüren, beobachte ich genau die Einstichstelle. Und wenn die Schnur stehen bleibt oder zur Seite zuckt, wird sofort angeschlagen.


4. Schleppen und leiern statt jiggen

Durch das zaghafte Beißverhalten kommt es beim Vertikalangeln oft zu Fehlbissen. Weil die Zander und Barsche nun weniger heftig beißen, passiert es relativ häufig, dass sie sich den Köder selber vorm Maul wegstubbsen, indem sie vor dem Inhalieren irgendwie gegen die Schnur kommen. Um diese Fehlbisse zu vermeiden, sollte man es einmal mit einem „Zeitlupenschleppen“ versuchen, bei dem der Köder einfach über dem Boden gehalten wird. Der Bleikopf muss so schwer sein, dass man bei minimaler Drift Grundkontakt herstellen kann. Dann hebt man den Köder minimal ab und lässt sich über die Hotspots treiben.

Beim Jiggen vom Ufer bekommt man oft nicht einmal Fehlbisse, wenn man den Köder hüpfen lässt. Das langsame Einziehen des Köders ist hier ein Weg, um überhaupt Fischkontakt herzustellen. Denn oft können Zander & Co. bei der Eiseskälte da draußen nichts mit über den Boden hobbelnden  Gummifischchen anfangen. Sehr wohl aber mit Ködern, die gleichmäßig und langsam kurz über Grund eingeholt werden. Um sicherzustellen, dass man auch nah am Grund angelt, lässt man den Köder immer mal wieder durchsacken.


5. Tiefentechnisch am Ball bleiben

Die Fische halten zu verschiedenen Tageszeiten (licht- und temperaturabhängig) ein bestimmtes Tiefenniveau. Wenn sie Bisse in einer bestimmten Wassertiefe bekommen, ist es für viele Vertikalangler deshalb ungeschriebenes Gesetz, sich an dieser Tiefe zu orientieren und die Fische auch an anderen Plätzen in diesem Tiefenbereich zu suchen. Spätestens nach einem Biss sollte man den Blick also sofort aufs Echolot richten und sich die Tiefe merken. Wenn die Bisse auf diesem Tiefenniveau ausbleiben, kann ein Köderwechsel Erfolg bringen. Doch wahrscheinlicher ist es, dass sich die Fische auf ein anderes Niveau „gebeamt“ haben und nur gefunden werden wollen.

Auch beim Uferangeln sind Stellenwechsel oft entscheidender als Köderwechsel. Hat man bei konstanten Wetterverhältnissen mit einem Köder auf einer bestimmten Tiefe gefangen und die Fische beißen nicht mehr, sucht man sich einen Platz, der ähnlich beschaffen und ähnlich tief ist. Beißt es hier nicht, versucht man es flacher oder tiefer. Wobei für den Ufer- wie auch den Vertikalangler gilt: Je trüber das Wetter und je später der Tag, desto flacher wird man fangen.

6. Die Abendstunden nutzen

Viele Vertikalangler reizen den Angeltag bis ganz zum Ende aus. Denn in den Abendstunden blasen die Räuber zur Jagd. Während man es am Tage oft mit passiven Fischen zu tun hat, die nur durch dauerhaftes Penetrieren mit dem Gummifisch zubeißen, nutzen vor allem die Zander das Dämmerlicht der Abendstunden, um aktiv auf Beutezug zu gehen. Wer diese Zeit auslässt, verpasst oft die besten Fische. Und die stehen dann meist ziemlich flach.

Für die Uferangler sind die Abendstunden besonders interessant, weil hier die Fische ins Flache ziehen und damit meistens auch in Wurfweite sind. In den Kanälen werden jetzt die Steinpackungen interessant. Ein Top-Stelle am Abend sind auch die Kehrwasser vor Hafeneinfahrten, Wendebecken und an Einläufen.

Tagsüber sollte man sein Glück eher in den tiefen Bereichen versuchen und steil abfallende Kanten, die Hafenbecken oder Löcher am Grund abklopfen.

Kategorien: Zander

Kommentare

  1. drop-shotter
    drop-shotter 31 Januar, 2007, 20:28

    Dieser Bericht ist sehr informativ und ich kann diese angesprochene Vertikal-Technik nur unterstreichen, denn auch ich habe damit auf Barsche guten Erfolg.

  2. Meridian
    Meridian 1 Februar, 2007, 13:20

    Da bist Du nicht der einzigste ! 😉

    Gibt wenig Angelarten auf Barsch & Zander, die so direkt & spannend sind, wie das Vertikalfischen.

    Wenn nach langer Zeit urplötzlich ein strammer Ruck in die Rute fährt, ist das schon einen kleinen Adrenalinschub wert 😉

    basti

  3. Fabo
    Fabo 1 Februar, 2007, 14:20

    Moin.
    Schöner Bericht!
    Hab gestern auch ein Artikel(für Gummifreunde)über Führungstechnik geschrieben-der ist leider futsch,weil beim Einladen abgestürtzt… 👿 Alles dreifach schreiben nervt…
    Darum nur ein kurzer Tip:
    Ich streue gerade in vermuteten Löchern,bzw.Hotspots 1-5 extrem kurze harte Rucke aus den Handgelenk ein,um Zappel-Druckwellen zu erzeugen.(Brettharte Rute)-Danach wie beschrieben,ein 1-2m langer langsamer Zug zum Einsaugen. 💡 Besonders fängig auch auf kapitale Rückenschmerzen 😀
    Petri,
    Fabo

  4. LuckyCraft90
    LuckyCraft90 31 Juli, 2007, 00:52

    Der Bericht ist richtig super geschrieben und beinhaltet wirklich sehr viele nützliche Informationen 😀 😀 😀 😀

  5. zwergengel
    zwergengel 15 Oktober, 2007, 16:53

    Moin.Also der bericht ist echt gut und interresant nur hätte ich mal ne frage dazu.Ich möchte diese technik gerne mal an der elbe ausprobieren,welches gewicht sollte mein jigkopf dafür ca.haben wenn ich es von land aus probieren möchte?

  6. leozinho
    leozinho 2 Dezember, 2009, 12:53

    die elbe ist ja nun nicht so schnell fließend, najagut, kommt auf die stellen an 😆
    ehm, ich fische kleie 8cm kopytos jetzt lieber am 10g – 14g jig… und no aktion shads wie 4"fin-s am 14g jig + angstdrilling, da hängen im winter iwie die meißten 😯

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