Bomben-Barsch meets Bomben-Drohung

Bomben-Barsch meets Bomben-Drohung

Angeln kann so geil sein. Aber auch recht anstrengend. Selten treten die beiden Gegenpole alleine auf. Und so schwirren auch nach meinem letzten Angelausflug immer noch ein paar Glückshormone durch meine Blutbahnen. Aber in den Knochen merke ich auch noch, dass ich auch ein paar anstrengende Tage hinter mir habe: Letzten Freitag bin ich zu Dustin nach Düsseldorf geflogen, um mit ihm und Jürgen Haese einen Film für eine Zielfisch-DVD zu drehen, die im Dezember dem Raubfisch und der Fisch&Fang beiliegen wird. Thema: „Köderführung“. Drehort: Volkerak in Holland wegen des klaren Wassers und der dicken Barsche, die man da fangen kann (Dustin hat da letztes Jahr in drei Tagen zwei 50er erwischt). In der Vorbereitungsphase habe ich am Donnerstag den halben Tag darauf verwendet, die verschiedenen Ködertypen in Plano-Boxen zu packen, die Vorfächer zu sortieren, Ruten ins Transportrohr zu stecken, Rollen so einzupacken, dass sie nicht kaputt gehen im Fliegerbauch etc.

Am Freitag um 12.55 ging dann meine Maschine. Also um 10.15 ins Taxi und ab nach Tegel. Landung um 14.15. Dann weiter zu Dustin in die Agentur. Da war ich erstmal richtig beeindruckt, was sich der Kollege aufgebaut hat. Think Big Media wohnt in einem richtig schönen Gebäudekomplex. Dustin beschäftigt inzwischen ein paar feste Mitarbeiter/innen, hat viele tolle Kunden und weils noch ne Menge zu tun gab (u.a. wollten ein Dreh für Warsteiner und einer für Citroen geplant werden), konnten wir erst um 20 Uhr los und waren mit dem Boot im Schlepptau um 24 Uhr in unserem Zielort Oude Tonge. Beide recht platt. Aber auch voller Vorfreude, weil wir am ersten Drehtag nur fischen wollten, um das nötige Flossenträger-Footage für den Film zu erangeln.

Von dem Bomben-Wetter, das uns der Windfinder für den Samstag versprochen hatte war an selbigen Samstag nichts zu merken. Erst Nebel. Dann Mischwetter mit gelegentlichen Sonnenscheinperioden. Und windiger als prognostiziert. Aber immerhin bisschen am frühen Morgen ein paar Barsche vor der Haustür. Exakt solange bis Dustin die Kamera herausgeholt hat. Dann war auf einmal Schluss mit dem Kleinfischfressen. Und so sind wir um 9 aufs Wasser.

Hechtangeln hier. Barschangeln da. Zanderangeln dort. Tagesendergebnis: Ein nach ca. 10 Sekunden Drillzeit verlorener Großfisch am UL-Gerät – wir vermuten, dass es ein richtig großer Hecht war oder ein Wels – und ein 65er Hecht und noch zwei Fehlbisse auf die Jerks.

Am Sonntag hatte sich dann der Jürgen angesagt. Also mal meine Interviews machen und ein paar Aufnahmen von den Köderführungsvarianten. Dann war Jürgen da. Das gleiche Spiel mit ihm: Interviews. Bilder von Köderführungstechniken. Dann raus aufs Wasser. Erst zum Hecht. Lange Zeit Nichts. Dann hat Jürgen einen 70er. Dustin muss mit mir die Position tauschen wegen des Lichts. Jürgen hat den Fisch am Boot. Landet ihn. Ich verlagere kurz mein Gewicht. Das Boot droht zu kippen. Jürgen und Dustin fliegen fast über Bord. Endergebnis meiner Positionskorrektur: Hecht weg und Jürgen hat einen geschwollenen Finger weil er sich beim Festhalten, das gerade noch so geklappt hat, den kleinen Finger in eine Klampe geklemmt hat. Dustin schüttelt den Kopf, als ich sage: „Ganz schön kippelig, Dein Boot.“

Dann haben wir das Angeln unterbrochen und sind ins Flachwasser gefahren, um Jürgens Jerkerei und das Gewobbel mit Unterwasseraufnahmen von den verschiedenen Ködertypen zu dokumentieren. Und dann haben wir wieder geangelt. Wieder auf Hecht. Wieder erfolgslos. Wir waren uns einig, dass wir den Film so nicht abgeben können. Nur Gelaber. Keine Fische. Will keiner sehen. Auch wenn wir noch so schöne Köderaufnahmen machen. Was also tun? „Mein Flieger fliegt morgen um 20.45 los. Bedeutet, dass wir hier um 15.00 los müssen.“ Das bedeutete noch 7 h auf dem Wasser, weil Dustin zum Filmen ja auch ein bisschen Licht braucht. Also erstmal nach Rotterdam fahren, was essen gehen, der Verzweiflung durch eine dezente Bierzufuhr wieder etwas Einhalt gebieten und danach einen Plan entwickeln. Der hieß: Fische fangen.

Am Montag war dann endlich die angekündigte Schönwetterfront angekommen. Beste Angel- und Film-Bedingungen. Nur wollten die doofen Fische wieder nicht mitspielen. Als Dustin einen Anruf erhält, dass sein Warsteiner-Dreh vom nächsten Tag verschoben wird, handeln wir schnell und buchen mir einen neuen Flug für Dienstagabend. Verlängerung! Die gibt uns die Möglichkeit, bis zur Abenddämmerung des Montags durchzufeilen und die Unterwasseraufnahmen für meine Parts auf den nächsten Tag zu schieben. Also noch mal kurz das mit den Hechten versuchen.

Dann aber schnell der zweite Teil der Planänderung: Umstellung von Flachwasser-Hecht auf Vertikalangeln auf Barsch- und Zander. Und das war dann die Wende. Erst kam dieser Barsch.

Dann ein paar Zander.

Dann noch ein Hecht.

Und noch mehr Zander und ein kleiner Abschlussbarsch. Plan also aufgegangen. Fischbilder im Kasten! Schöne noch dazu. Der Jürgen konnte also besten Gewissens heimfahren. Und am nächsten Tag konnten Dustin und ich im Nebel nochmal schnell zwei Zander verhaften, bevor wir uns bei besserem Licht intensiv der Köderfilmerei widmeten.

Man sollte denken, dass so ein Einsatz belohnt wird. Z.B. mit einer reibungslosen Fahrt und einem angenehmen Heimflug. Die Fahrt war kein Problem. Kein Stau. Wir waren pünktlich am Flughafen. Allerdings waren alle Ausfahrten dicht. Aus dem Internet erfuhren wir dann, dass alle Terminals wegen einer Bombendrohung dicht waren und die Flüge bis zum nächsten Mittag ausfallen würden. Nächste Planänderung: Ab zum Bahnhof. Schnell ein Ticket ziehen. Mit dem ganzen Gepäck zum Goldenen M. Dann noch in den Supermarkt, was zu trinken kaufen. Dann hoch zum Gleis. Rein in den Zug und hoffen, dass noch ein Sitzplatz frei ist. Und dann 5.30 h Zugfahrt. Um 2.00 war ich dann daheim.

Angeln kann schon nervenzerfetzend spannend sein. Aber ganz so spannend brauche ich es eigentlich nicht. Weil der Dustin da sicher einen schönen Streifen draus macht, hat sich das alles am Ende wiedermal gelohnt…

Kategorien: Barsch, Fangberichte

Kommentare

  1. Twitchbait Svenni
    Twitchbait Svenni 26 September, 2013, 11:58

    Sehr cooler Bericht!
    Sehr schade dass sich Fische meistens nicht an den Zeitplan halten.
    Das Anglerleben könnte so einfach sein !
    Ich freu mich auf das Video! da is ja aus jeder Generation eine Legende dabei haha!

    TL aus Berlin!

  2. Tillamook
    Tillamook 26 September, 2013, 12:01

    Schicker Bericht! Aber bitte: Besorg dir mal ne neue Polbrille! 😉

  3. dietel
    dietel 26 September, 2013, 12:03

    Warum denn das? Größer geht doch nicht mehr:-)

  4. Twitchbait Svenni
    Twitchbait Svenni 26 September, 2013, 12:08

    hab das selbe gedacht….du siehst ein wenig aus wie eine Fliege oder ein Brummer damit 😀 nichgt böse gemeint!!!
    Oder du machst sie zu deinem markenzeichen und nennst dich ab sofort
    "Johannes Fliegel" dann kannnste dich ja mit dem S.Gockel zusammentun 😆

  5. dietel
    dietel 26 September, 2013, 12:10

    Johannes Fliegel gefällt mir. Danke !!! Manchmal ist es sehr inspirierend hier an Bord 😀

  6. MaFu
    MaFu 26 September, 2013, 12:15

    😀 Oh Mann ey – Kracher!
    Da schreibt man mal einen ernst gemeinten Bericht – und dann das!
    Hab voll abgelacht!!!

  7. Tillamook
    Tillamook 26 September, 2013, 13:24

    Oder du lässt die Größe und gehst in Richtung goldenen Rahmen und nennst dich dann "Johannes Schw***el". 😯 Ich befürworte aber den Erwerb eines schicken Models von den üblichen Verdächtigem von O. aus USA. Siehst du auch gleich noch 5 Jahre jünger aus! Also so ca. wie 25. 🙄

  8. Sixpack77
    Sixpack77 26 September, 2013, 16:28

    Schöner Bericht Hannes,

    und die Kofferbombe war dann ein (vergessener?) Drogenkoffer 😯
    Naja, Bahnfahrn kann ja auch ganz nett sein.
    Aber so was braucht man echt nicht.
    Wenn Du noch mal hier in die Ecke kommst,
    sag an, dann gehen wir mal fischen 8)

  9. MaFu
    MaFu 26 September, 2013, 16:35

    Fledermausland 😈

  10. MaFu
    MaFu 26 September, 2013, 16:36

    ups, falsche Stelle, sorry 🙄

  11. MaFu
    MaFu 26 September, 2013, 16:36

    Fledermausland 😈

  12. Sixpack77
    Sixpack77 2 Oktober, 2013, 09:44

    Und nun waren es noch nicht einmal Drogen, sondern Backzutaten!
    Crazy!

  13. effzett
    effzett 27 Dezember, 2016, 16:58

    Übrigens Mr.Bond (mein Name ist Bond, James Bond…)trägt Sonnenbrillen einer bestimmten Firma. Die gibt es auch Polarisierend. Abweichend vom anglerischen mainstream, sehr schick, sehr funktional. Habe ich immer auf beim Angeln.Der „Puck, die Stubenfliege-Effekt“ bleibt aus.
    LG
    effzett

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