Diesel vs. Motoroil

Als mich BIGFISH-Sven letzte Woche gefragt hat, ob ich Lust habe, am nächsten Mittwoch mit ihm nach Altefähr zu fahren, um da sein Boot in den Hafen zu legen, habe ich natürlich „JA!“ gesagt. Und natürlich wollten wir dann auch ein bisschen angeln und sogar eine Nacht da schlafen, um den nächsten Morgen auch noch mitzunehmen. Besagter Mittwoch ist vorbei. Hinter uns liegen 2 halbe Tage der Sturmangelei bei Windstärke 5, ein Fischergeist-Inferno, ein kleiner Kater und ein lustiger Bezinunfall.

Mit dem fange ich auch gleich mal an. Wir sind also auf der A 20 Richtung unterwegs und unterhalten uns über die Entwicklungen in seinem Laden und über seine Zukunftspläne. Er erzählt mir, dass er eine neue Stelle schaffen will und einen jungen Mitarbeiter sucht, der sich hauptsächlich um den Online-Shop kümmert. Wir sind überall mit unseren Gedanken. Nur nicht beim Bezinstand. Plötzlich sagt der Bordcomputer, dass wir noch für 50 km Sprit haben. Auf der A 20. Der Autobahn ohne Tankstellen. Es sind noch 75 km. Wir hoffen, dass das System einen Puffer eingebaut hat. Doch wir werden angezählt. Noch 30 km. Noch 20 km. Noch 10 km. Noch 5 km. Und dann das Wunder: Motor aus. Genialerweise kurz vor einem Parkplatz. Wir rollen ein. Am Zoll vorbei. Und kommen vor dem WC zum halten.

Der Zollbeamte kann uns genauso wenig helfen, wie die Fahrer einiger PKW. Aber das gibt’s ja noch die Brummi-Piloten. Und sind supernett und lassen uns an ihren Tank heran. Aus einem alten Luftschlauch wird eine Leitung. Der Tank zur Zapfsäule und Sven zur Diesel-Pumpe.

Nachdem wir vier 1,5l-Flaschen von einem Tank in den anderen transferiert haben, geht’s weiter. Wir fahren direkt die nächste Tanke an, machen den Wagen voll und düsen nach Altefähr. Schnell die Bude vom Hafenmeister bezogen, von Harriet einen Anker ausgeliehen und rauf aufs Wasser. Zander- und Hechtangeln.

An sich geil. Nur leider ganz schön windig. Wir sind eines der wenigen Boote auf dem Sund, können immer nur in eine Richtung werfen, müssen 20 m Ankerseil herauslassen und pendeln schön hin und her. Nach 8 h haben wir 3 Hechte, ein paar Barsche und zwei kleine Zander gefangen.

Eigentlich zu wenig. Aber irgendwie wird der Wind immer schlimmer und so fahren wir bei Einbruch der Dunkelheit in den Hafen von Altefähr.

„Noch kurz auf ein Bier ins Hol Über, Sven?“ „Du weißt doch, ich mag kein Bier!“ Wir also noch auf ein Bier und eine Spezi in die Hafenkneipe. Da steht Helmut und der lädt uns auf einen Fischergeist ein. „Du warst ja lange nicht mehr hier, Sven!“ „Ja, die Kinder…“ „Was, Du hast inzwischen schon zwei?“ „Ja. Zwei Töchter. Ein und vier Jahre alt.“ „Du hast noch nicht mal auf die erste Tochter einen ausgegeben!“ „Eine Runde Fischergeist.“ Dann war ich dran. Dann Sven auf die zweite Tochter. Und dann durften wir schlafen gehen.

Aufwachen. Brummschädel. Ab zum Frühstück bei Harriert. Hoppla. Ganz schön blümerantes Feeling heute. Fischergeist ohne Abendessen – nicht gut. Windverhältnisse? Auch nicht gut. Noch mehr als gestern. Und dann auch noch aus Nord-West. Schlechte Kombi!

Egal. Erstmal die Kante vor Altefähr anfischen. Spätestens dabei wird uns klar, dass das heute ziemlich ruppig ist da draußen. An ein reguläres Sundangeln ist nicht zu denken. Also mal rüber in den Hafen geschaut, das Barschzeug ausgepackt und ein paar Barsche, einen kleinen Hecht und 4 Mini-Zander verhaftet.

Passend zum Intro kamen alle Fische auf einen Powerworm in Motoroil 🙂

Wegen denen waren wir aber ja eigentlich nicht da. Und dann kam Hunger auf. Also haben wir die Ruten eingepackt, das Boot durch die Wellen manövriert und sind wieder heimgefahren.

Das war mal wieder ein Angelausflug, so wie ihn das wahre Leben schreibt. Unterm Strich bleiben ein paar lustige Erinnerungen und die Erkenntnis, das sich Diesel im Mund anfühlt, als würde man Terpentin geschwängerte Nivea auf die Zunge einbalsamieren. Und die Tatsache, dass Sven einen neuen Mitarbeiter sucht. (Der Job könnte für den einen oder anderen Barsch-Alarmer interessant sein, zumal er einige nette Bonusgeschichten beinhaltet. Die Stellenausschreibung erfolgt in wenigen Tagen.)

Selten waren Herrn K.‘s Worte treffender als nach diesem Trip. Also, Sven: „Mund abputzen. Weitermachen!“

6 Kommentare

  1. Tolle Sache, Dietel. Na wenn das mal kein gutes Zeichen mit dem Benzin war, schließlich hast du ja viele Barsche auf Köder der Farbe Motoroil gefangen 😆 . Das mit dem Wind in dem Sund wär für mich nichts, es gibt nichts schlimmeres als der Wind. Aber ihr beide habt echt tolle, vorzeigbare Fische gefangen. Von solchen Barschen träume ich. Weiter so, Petri.

  2. wenn immer alles nach Plan laufen würde, wär es ja auf Dauer langweilig. Spass scheint's gemacht zu haben und daher doppeltes Petri zu den Fischen trotz widriger Umstände 😀

  3. Hey Johannes – schöner Bericht!
    Ich häng auch gerad auf Rügen rum – aber der Wind macht mich auch echt fertisch!!! Viel zu heftig! Da an ein Angeln vom Boot aus hier gerad nicht zu denken ist, hab ich die Watbüx übergezogen und war am kleinen Jasmunder Bodden unterwegs… aber außer ordentlich Wasser in der Wathose gab's nix!
    Von daher habt ihr schöne Fische erwischt 😉
    Grüße MaFu

  4. scheisse. eigentlich darf man da nur spontan hinfahren, wenns mit dem wind passt. versuchs doch mal in lietzow. da kann man manchmal sogar kleine platten twistern.

  5. Der Wind ist derzeit wirklich blöd, der Sund nicht leicht zu beangeln. Umso mehr freut es mich zu sagen, dass ich die letzten Tage noch ein, zwei Fische mehr gefangen habe, als ihr. 😛
    Der Bericht gefällt mir gut, in Zukunft mehr davon bitte! 🙂

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