Uwe Pinnau: Ein Löffelchen für die Oma…

Uwe Pinnau: Ein Löffelchen für die Oma…

… und eines für den Hecht. Jeder hat sie, jeder kennt sie, doch irgendwie sind sie nicht so ganz angesagt, bzw. widersprechen dem anglerischen Verständnis von Zeitgeist. Gemeint sind die guten, alten Blinker, auch als Löffel bekannt. Viele, wenn nicht sogar die meisten Angler, haben ihren ersten Hecht auf Kunstköder mit einem Blinker gefangen. Und damals wie heute ist der Blinker immer noch eine der besten Imitationen eines verletzten, taumelnden Beutefischchens – eine entsprechende Handhabung vorausgesetzt.


Der Blinker ist ein guter Wurf- und auch Schleppköder, dessen verführerische Bewegungen, nicht nur Hechte ansprechen, sondern nahezu alle Räuber und das besonders an Tagen, wenn alle anderen Methoden oder ausgefeilte Kunstgebilde versagen. Auch wenn der Blinker ein recht universeller, leicht bedienbarer Köder ist, so ist es doch zwingend notwendig, einen einwandfreien Lauf zu gewährleisten. Oft reicht nicht nur ein Wirbel vor dem Köder. Ein Tönnchen am Sprengring des Blinkers schafft zusätzliche Bewegungsfreiheit, um die unberechenbaren, geschwindigkeitsabhängigen Taumelbewegungen zu erzielen. Und natürlich auch, um übermäßigem Schnurdrall vorzubeugen.

Als gute Allroundköder lassen sich die meisten Blinker wie der EffZett, der Atom,der Syclops oder auch der Profiblinker gut werfen und auch schleppen. Es gibt spezielle, dünnblechige Schlepplöffel, die sich auch bei langsamsten Driften noch gut bewegen, sowie, sich die dickblechigen Modelle auch gut zum Vertikalfischen und Pilken eignen, aber das ein ist zu spezifisches Thema, für diesen Artikel.
 
Was die Farbwahl angeht, sind der Phantasie, kaum Grenzen gesetzt. Vom klassischen Silber über Kupfer, Gold und etlichen Naturimitaten, bis hin zu Chartreuse, Firetiger u.ä. reicht die Palette. Klar sind die gängigen Faustregeln auch hier gültig und so kommen bei wenig Licht und schlechten Sichtverhältnissen eher die Schockfarben und bei klaren Konditionen die Naturtöne zum Einsat


Den Drilling zu verzieren, ist ein weit verbreiteter Brauch, den auch ich pflege. Aber man muß sich absolut darüber im Klaren sein, dass gerade bei einem Blinker weniger oft mehr ist. Das heisst im Klartext: etwas Hakenverzierung kann und soll schon sein, aber auf gar keinen Fall Feder- oder Bucktail-Orgien wie sooft bei Spinnern. Diese bewirken nur, daß sich unser Blinker nicht mehr trudelnd und taumelnd durchs Wasser bewegt, sondern nur noch auf einer Seite daherschleift.


Ein kleines Plastikfähnchen – wie bei vielen Modellen schon ab Werk montiert – oder ein simpler Wollfaden reichen absolut aus, um die Attraktivität zu steigern, ohne den Lauf in schädlicher Weise zu beeinträchtigen.


Ein sehr guter Einsatzbereich von Blinkern ist die Verwendung als Zweit- oder Reizköder, während man mit anderen Ködern fischt. Ein durch den Wobbler interessierter, nachfolgender Hecht, wird sich in manchen Fällen mit der bereitliegenden Bunkerrute doch noch fangen lassen. Seinem Ruf als Einsteigerköder wird der Löffel allemal gerecht, da man kaum etwas falsch machen kann, so lange man ihn beim Einkurbeln nur unter der Wasseroberfläche hält. Es macht schon Sinn, das Einholtempo zu variieren und auch mal kleinen Pausen einen Ruck folgen zu lassen. Aber wer den Köder einfach nur auswirft und dann wieder einholt, wird auch seine Fische fangen.


Komme ich an ein fremdes, neues Gewässer ist der Blinker oft die erste Wahl, um zu schauen, wer denn da alles zu Hause ist. Erst danach folgen Gummifisch und Wobbler, um auf spezielle Beutewünsche der Räuber einzugehen, oder sich den besonderen Verhältnissen im Gewässer anzupassen. Bei sehr tiefem Wasser, ist der Gummifisch wohl eher zu favorisieren und in sehr flachem oder kaltem Wasser kann sich ein Wobbler besser in Szene setzen.

Das meist schlichte Erscheinungsbild eines Löffels, läßt den Angler ob des oftmals hohen Preises erschrecken, doch es gibt viele Nachahmungen bewährter Modelle (z.B.EffZett), von denen einige dem Original in kaum etwas nachstehen. Andere Imitate sind auf den ersten Blick günstig, doch die Ersparnis relativiert sich schnell, wenn man einer schlechten Lackierung, mangelhaften Sprengringen und stumpfen Haken in Form von Nachrüstungen Tribut zollen muß. Wer sich nicht vor der Arbeit scheut, kann sich auch ziemlich einfach, anhand des favorisierten Modells, mit Blechschere, Hammer, Säge, Feile und Bohrmaschine, selbst einige „Faksimile“ von Markenprodukten anfertigen.


Wie auch immer, viel Spaß beim Blinkern.


Uwe

Kategorien: Hecht

Kommentare

  1. PharmaMan
    PharmaMan 7 August, 2003, 15:06

    Genau so isses!
    Dieses Jahr Greifswalder Bodden: Zwei angeln vor allem mit Jerkbaits, einer konsequent mit Effzett 22g in silber, wie war der Score? Sechs von neun Hechten auf Effzett außerdem noch ein paar Hornis. (Ich war einer der Jerker…)
     
     
     
     

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