00Zander – Liebesgrüße aus Gummi

00Zander – Liebesgrüße aus Gummi

Zander sind Schwarmfische. Und als solche ziehen sie auf ihren Raubzügen durch die Wasser, um Kleinfische zu stellen und zu fressen. Hat man einmal einen Schwarm vor der Angel, ist die Wahrscheinlichkeit gar nicht so gering, dass man gleich mehrere Fische aus dem Verbund heraus fängt.


Wenn es sich dabei allerdings nicht gerade um einen XXL-Schwarm von mehreren Dutzend Fischen handelt (das solls tatsächlich geben), endet die Beißerei dann aber oft auch schneller als es uns lieb ist. Doch das Glück lässt sich erzwingen. Angelt man zusammen mit mehreren Zander-Agenten ein Gebiet systematisch ab und reagiert schnell, gibt es mit etwas Gespür, Einsatz und den entsprechenden Waffen (Liebesgrüße aus Gummi werden meistens am heftigsten erwidert) oft noch ein unverhofftes Wiedersehen mit den Räubern.

Wetterennen am Ufer


Letzen Juni am Peenestrom: Zusammen mit Georg, Hacki und Uwe stehe ich über einer Spundwand im Hafengebiet. Seit einer Stunde fliegen unsere Gummifische in den Peenestrom und gehen dort auf Tauchstation. Mit verschiedenen Farben klopfen wir das Terrain nach Zandern ab. Auf einmal ist Hackis Rute krumm. „Ich hab’ einen. Die Fische sind jetzt da!“, ruft er uns zu, die wir uns auf das Areal verteilt haben. „Kommt schnell und holt Euch auch einen Fisch!“ Da lassen wir uns doch nicht lange bitten.


Und tatsächlich: Kaum sind unsere Köder dort am Grund angekommen, wo Hacki seinen Fisch haken konnte, verneigt sich auch schon meine Rute vor einem gehakten Fisch. Die Übeltäter sind gestellt!



Und wenig später klingelt es auch bei Georg an. Doch schon bald tut sich nichts mehr. „Schaut Ihr links, ich versuch es rechts.“ Zack. Diesmal hat Georg das Glück, die umtriebigen Räuber aufgestöbert zu haben. Verhaftet!



Wieder stürmt der Rest von uns zum aktuellen Hotspot und wieder gelingt es auch uns, Fischkontakte herzustellen bis sich die Fische weiterbewegen. Wir verstreuen uns wieder in alle Richtungen, bis einer den  Schwarm wiedergefunden hat. Nach diesem Schema geht es gerade weiter. Am Ende haben wir mehrere Zander gefangen, einige Fische im Drill oder beim Keschern an der hohen Spundwand verloren und noch ein paar Bisse vergeigt.




Zander-Hatz vom Boot


Am Abend des selben Tages geht die Hatz dann weiter: Mit zwei Booten fahren  Torsten, Botsch, Uwe, Christian, Georg und ich eine Stelle an, die immer wieder von Zanderschwärmen aufgesucht wird. Wir beackern die Steinpackungen und Löcher mit unseren Gummis.



Auf einige kleinere Fische sind wir bereits getroffen. Doch die interessieren die Peenecracks nicht wirklich. Sie sind eigentlich immer auf der Suche nach dicken Zandern ab 10 Pfund aufwärts.



Doch bislang haben wir noch keinen richtig guten Fisch gesehen. „Lass mal im Hafen schauen.“, ruft uns Christian zu. „Nee. Ich möchte noch einmal da drüben an die Steinpackung. Die müssen hier einfach vorbeikommen.“ Der Kollege spricht’s und wir verlegen die Boote jeweils um 100 m stromabwärts. Schon beim ersten Wurf habe ich einen Biss. Der Fisch hängt. „Das ist ein Guter!“, grinst mich Torsten an. Und weg ist er. Doch schon fliegen die Gummis der Kollegen in seine Richtung. Auch meine Mitstreiter bekommen sofort Bisse, können ihre Fische aber landen. Darunter ein schöner 9-Pfünder, den Torsten dingfest machen konnte.



Nach ein paar weiteren Fischen und Fehlbissen ist der Ofen aus. Schade!? Nur nicht aufgeben. „Die können nicht weit sein! Lass mal ein paar Meter weiter unten schauen.“ Blitzschnell sind die Anker gehievt, die Motoren an und wir ein paar Meter weiter schon wieder bereit. Zack! Da hat’s auch schon wieder geknallt. Diesmal drillt Uwe einen Dicken. Und auch bei Botsch, Torsten und mir fängt es wieder an zu beißen.



Nach 10 Minuten wieder Stille. Noch einmal setzen wir den Fischen erfolgreich nach. Dann haben wir den Schwarm verloren. Die Bilanz: einige gute Zander gelandet, ein paar im Drill verloren und dazu noch etliche Fehlbisse provoziert.



Erfolg durch Mobilität


Dieser Angeltag ist ein gutes Beispiel dafür, dass es sich absolut lohnen kann, den Fischen hinterher zu hetzen. Wären wir immer an unseren Angelstellen geblieben, hätten wir längst nicht so gut abgeschnitten. Denn wer in solchen Situationen am Platz bleibt, muss sich darauf verlassen, dass irgendwann mal wieder ein Trupp vorbeikommt. Wie eingangs erwähnt ziehen die Fische, wenn sie sich auf Nahrungssuche befinden, von einem Platz zum anderen. Sobald es an einer Ecke nichts mehr zu holen gibt, geht die Reise weiter. Weil die hungrigen Fische sich nicht in Luft auflösen können, heißt es, so schnell wie möglich wieder auf den davonziehenden Schwarm zu stoßen. Ist man zu mehreren am Wasser, geht das eigentlich relativ einfach.



Am Ufer ausschwärmen


Angelt man vom Ufer aus, so gibt es nur zwei Möglichkeiten, sich den Fischen an die Flossen zu heften: Nämlich links oder rechts nachschauen, in welche Richtung sie unterwegs sind. Wenn man in der Gruppe am Gewässer ist, teilt man sich am besten auf und kann so feststellen wo der Zander lang schwimmt. Wird ein Kollege fündig, so gesellen sich die anderen zu ihm und beharken das Feld mit ihren Ködern. Dabei braucht man nicht zu befürchten, dass die vielen Köder die Fische vergrämen könnten. Im Gegenteil: je mehr da unten los ist, umso länger gelingt es einem, den Schwarm am Platz zu halten. Denn Zander sind neugierig – das haben sie mit den Barschen gemeinsam.


Schnelle Entscheidung im Boot


Mit dem Boot ist man noch flexibler. Auf dem Fluss gilt es sich mehr oder weniger nur zu entscheiden, ob man stromab oder stromauf jagt. Denn in vielen Fällen sind die Flüsse nicht viel breiter als die zwei Wurfweiten, die man zur Verfügung hat, wenn das Boot mitten drin steht. (Vorsicht vor dem Schiffsverkehr!) Gut ist natürlich, wenn man die potentiellen Lieblingsplätze im Vorfeld mit einem Echolot ausgemacht hat und diese dann direkt ansteuert. Dabei handelt es sich um die üblichen verdächtigen Zonen: Steinpackungen, Rinnen, Kuhlen oder krautige Bereiche.



In stehenden Gewässern wird es oft schon etwas schwieriger, weil die Zander in alle vier Himmelsrichtungen durchstarten können. Weil sich die Fische aber oft auf den gleichen Pfaden bewegen, hat derjenige Vorteile, der ein und das selbe Gewässer regelmäßig befischt und so über die Routen mit der Zeit Bescheid weiß. Ist der Schwarm weg, muss schnell eine Entscheidung getroffen werden, welchen dieser vielversprechenden Plätze man als nächstes anfährt.



Auch im Boot bringt es nur Vorteile, wenn man zu mehreren fischt. Denn in der Gruppe ist man in der Lage, das ganze Gebiet rings um den Kahn ziemlich schnell fächerförmig abzusuchen. So lässt sich auch einigermaßen zügig feststellen, ob Zander in Wurfweite sind. Hat einer die Fische gefunden, können die anderen Insassen bzw. die Angler vom „Partnerboot“ die heiße Stelle anwerfen und Fische fangen – solange bis die Zander wieder davon stieben. Dann geht die Hatz weiter.  



Maximale Erfolgsaussichten


Natürlich ist nicht immer garantiert, dass man durch wilden Aktionismus richtig abräumt. Doch eine organisierte Mobilität bringt über die Saison sicher mehr Fisch als das konsequente Dauerbefischen einzelner Hotspots – auch wenn hier Sternstunden möglich sind und die Schwärme öfter mal an ein und dem selben Platz vorbeikommen können. Fazit: Es ist einfach ergiebiger, an einem einmal ausgemachten Schwarm dran zu bleiben, als darauf zu spekulieren, dass noch mal ein Zanderrudel vorbeischaut. Und wenn man einen einmal verloren geglaubten Trupp mehrfach wieder aufspürt, ist das besser als die wildeste Verfolgungsjagd auf der Kinoleinwand.


Kategorien: Zander

Kommentare

  1. Assi
    Assi 16 Juni, 2005, 09:17

    GEIEL!!!! 00 Schleifer grüsst 00 zander.

  2. fuchs
    fuchs 17 Juni, 2005, 16:38

    hammergeiler artikel. bekommt man richtig bock die klamotten zu packen….

  3. Happynes
    Happynes 21 Juni, 2005, 00:29

    Schade das es, mit dem Nachstellen, bei uns auf der Peene nicht geklappt hatte.
    Na das nächste Treffen kann nur besser werden mit den Fischen.
    In diesem Sinne
    Thomas

  4. RobertB
    RobertB 21 Juni, 2005, 15:03

    Hatten zwar am Freitag keine XXL-Zanderschwarm gestellt aber dafür einen Schwarm XXL-Zander woraus wir innerhalb einer halben Stunde 3 Fische zwischen 75 und 89 cm landen konnten. 2 richtige Granaten sind wieder ausgestiegen und mehrere Bisse hingen nicht!
    Hatte am Vortag da auch schon einen 85er und es war bis jetzt das geilste Erlebnis, was ich jeh beim Angeln hatte!

    Grüße
    Robert

  5. zanderheli
    zanderheli 21 Juni, 2005, 21:59

    hallo hr. dietel! was mich interessieren würde: wie schnell schwimmt so ein schwarm ca.??

    meine (einmalige) erfahrung:

    ca. 10-20 m in der minute

    alles liebe
    heli

  6. Hoffi
    Hoffi 24 Juni, 2005, 08:49

    Schade nur das man an den Hafen leider nicht mehr ran kommt *lol*

  7. dietel
    dietel 24 Juni, 2005, 15:52

    da gibt es natürlich keine feste geschwindigkeit wie bei einem auto die höchstgeschwindigkeit. zander schaffen an einem tag ca. 7 km

    wie schnell sie sich in einem teilbereich fortbewegen hängt vom futterangebot, den unterständen und den intentionen der zander ab.

    sorry…

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