How to move – Bootsführung beim Vertikalangeln

How to move – Bootsführung beim Vertikalangeln

Beim Vertikalangeln nach holländischem Vorbild wird der Köder vom driftenden Boot aus angeboten. Dem Bootsführer kommt also DIE zentrale Aufgabe zu. Er muss dafür sorgen, dass die Gummifische am richtigen Ort in der korrekten Geschwindigkeit angeboten werden. Viele Holländer schwören dabei auf das Backtrolling (das Boot fährt mit dem Heck voran).


Das ist aber noch lange nicht das Patent zum Fische fangen. Im Gegenteil: Der Bootsführer ist ja auch für den Kurs verantwortlich. Und nachdem ich neulich mit einem sehr erfahrenen Vertikal-Kapitän unterwegs war, habe ich die Chance genutzt und Dietmar Isaiasch zu diesem Thema interviewt.

Barsch-Alarm: Vertikalangeln geschieht ja vom driftenden Boot. Dazu habt Ihr alle einen E-Motor am Boot. Kannst Du uns mal verraten, wie man das Boot am besten durchs Wasser navigiert, um möglichst viele Fische zu fangen?


Dietmar: Vertikalangeln ist reines Konzentrationsfischen. Man versucht über den verlängerten Zeigefinger, d.h. über die Rute und die geflochtene Schnur, gefühlvolle Vibrationen auf den Gummifisch zu übertragen. Umgekehrt merkt man auch jede einzelne Muschel, an die der Köder anstößt und überhaupt jede Veränderung der Bodenstruktur. Gerade das ist so wichtig. Das konzentrierte Halten der Rute ist elementar. Aber wie Du einen bestimmten Barschberg ansteuerst, wie Du Dich einer Zanderstelle näherst, ist das Allerwichtigste. Und auch mit welchem Tempo Du das machst. Es gibt Leute, die haben ein ziemlich zügiges Tempo drauf, fischen zwar ruhig mit der Rute, fischen aber durch ihr Boot sehr schnell und fangen dann keinen Fisch. Andere bleiben fast auf der Stelle stehen, fangen aber auch keinen Fisch. Du musst das Tempo an einem Tag manchmal auch variieren. Haben wir ja heute auch gemacht. Du hast ja auf Deinem Echolot gesehen, dass sich die Tiefe manchmal nicht verändert hat, trotzdem musstest Du Schnur geben, um den Grundkontakt zu halten. Da hab ich dann ein wenig Gas gegeben, um zu sehen, ob die Zander gerade besser auf einen etwas zügiger geführten Köder stehen. Und wupp, da kam ein Biss. Oder eben kein Biss. Dazu es ist schon wichtig, die Strömung und den Wind zu beachten, die sich ja ebenfalls auf unsere Geschwindigkeit auswirken.*


Jedem, der mit einem Elektromotor und vom unverankerten Boot aus fischen darf, würde ich das Backtrolling vorschlagen. Und zwar mit dem Motor im Heck. Zwar ist es einfacher bei Gegenwind mit der Bugseite voran zu fahren als mit dem Heck. Auch bei starkem Wind ist es einfacher, das Boot mit dem Bug voran in der Spur zu halten. Viele Angler bringen den E-Motor deswegen vorne an, so dass der Vordermann mit dem Bug voraus navigiert. Der Angler, der dann vorne sitzt, fängt dann aber oft auch 80 Prozent der Fische, weil er sich der Stelle sehr einfach nähern kann und dort auch ganz gezielt manövrieren kann. Wenn man aber von einem Boot mit relativ hohen Bordwänden fischt, sollte man die sich den Zandern mit der Heckseite annähern. Mit der Rückseite voran kann ich nicht so schnell manövrieren. Ich kann immer nur komplette Drehungen ausführen. Und wenn ich Drehungen mache, profitiert auch mein zweiter Angler davon. Wenn also mit der Rückseite voraus gefahren wird, fangen beide Angler halbwegs gleich gut. Und unterm Strich fängt das Team auch mehr. Der Motor sitzt dazu, wie gesagt, am besten im Heck, so dass man sich eigentlich im Rückwärtsgang nähert. Ich fahre meinen E-Motor aber „falsch herum“, so dass ich die volle Kraft vom stufenlosen Vorwärtsgang zum Rückwärtsfahren nutzen kann.


Barsch-Alarm: Und wie fährst Du jetzt so eine Struktur an? Angenommen wir haben jetzt einen Barschberg, der von 10 Metern langsam auf 4 Meter ansteigt. Fährst Du dann von den 4 auf die 10 Meter oder umgekehrt?


Dietmar: Mir ist das egal. Wichtig ist für mich der Wind bzw. die Strömung. Ich fahre eigentlich immer gegen den Wind, also mit dem Wind im Gesicht. Somit fahre ich auch immer gegen die Wellen. Und wenn mich die Wellen dazu zwingen, dass ich von 4 auf 10 Meter fische oder anders herum, dann mache ich das so. Weil ich kann ja sowohl Schnur geben als auch Schnur nehmen. Nur für Vertikaleinsteiger ist es oft erfolgreicher Schnur zu geben, als zu nehmen. Sie fahren am besten die Berge hinunter, weil das Schnurgeben viel einfacher zu kontrollieren ist, als Schnur zu nehmen. Beim Schnurnehmen und gleichzeitigen Jiggen verliert der Einssteiger oft die Kontrolle über den Köder und verschlägt bzw. verschläft ständig Bisse oder bekommt erst gar keine. Das Herunterfahren von Erhebungen ist für den Einsteiger also wesentlich einfacher zu bewerkstelligen. Natürlich wird der Köder kontrolliert herunter gelassen. Ich lasse die Spule oft offen und kontrolliere die Schnur, indem ich sie mit dem kleinen Finger nach und nach von der Spule ziehe und so den Grund abtaste. Beim Anbiss halte ich die Spule fest und schließe den Schnurfangbügel der Stationärrolle, wenn der Fisch sitzt. Beim Fischen mit der Multi stellt man diese entsprechend auf „flip“ und kontrolliert die Spule mit dem Daumen.


Wichtig sind aber auch die Lichtverhältnisse. Wenn die Sonne scheint, und ich an einem Barschberg angle, sollte ich beachten, dass dieser unter Wasser auch einen Schatten wirft. Und genau im Bereich dieses Schattens halten sich auch die Zander auf. Also fahre ich an sonnigen Tagen Barschberge immer von der sonnenabgewandten Seite an bzw. die sonnenabgewandte Kante hinunter – je nach Windrichtung.

Kategorien: Zander

Kommentare

  1. fishhunter
    fishhunter 18 März, 2004, 14:01

    Alles gut und schön mit dem vertikalangeln,
    aber bei uns in meck/pomm ist nun mal nur das angeln vom verankerten boot aus gestattet, andere länder andere vorschriften u. wir sind hier ja leider nicht in holland – ist so. :-((

    gruß

    fishhunter

  2. tfischer
    tfischer 18 März, 2004, 15:07

    Ich dachte, das bei Euch in McPomm gerade eine Gesetzesinitiative läuft, die das Schleppangeln erlauben will.
    Oder ist diese Geschichte doch abgelehnt worden ?

    MfG
    tfischer

  3. dietel
    dietel 19 März, 2004, 07:29

    stimmt schon, in meck-pomm ist das ankern vorgeschrieben. aber es gibt ja ne menge bundesländer, in denen die gesetze zumindest diesbezüglich lockerer sind. z.b. draf man in brandenburg auf fast allen dav-gewässern vom driftenden boot aus fischen. in bayern darf man auch. in nordrhein-westfalen glaub ich auch etc. – insofern gibt’s da schon möglichkeiten ei uns…

  4. fishhunter
    fishhunter 19 März, 2004, 12:44

    entschuldige tfischer, konnte leider nicht früher antworten,
    habe mich gestern mit dem vertreter von exori über dieses problem unterhalten, von wegen touriangelschein u. schleppangeln, er hat nen sehr guten bekannten, der im vorstand des vdsf meck/pomm ist u. der ist der meihnung das es weder mit dem einen noch mit dem anderen was wird und ich glaube auch daran,
    denn die alten sind die mächtigen( von wegen altes denken u. siehe boddensperrung) u. die grüne fraktion noch dazu ist eine fast unüberwindbare hürde, ich würde mich sehr freuen wenn ich mich täuschen würde

    gruß
    fishhunter

  5. tfischer
    tfischer 19 März, 2004, 13:19

    Ich würde mich da nicht alleine auf den VDSF verlassen.
    Frage doch mal beim DMV (Deutscher-Meeresangler-Verband.de) an, das ist der Spezialverband fürs Meeresfischen des DAV Deutschland. Außerdem hat der DMV die internationale Akkreditierung um nationale Meeresveranstaltungen durchzuführen (Jahresvergleichsfischen). Dieser Verband arbeitet gerade mit einer Rostocker Institution zusammen um den Fischbestand der Ostsee zu erhalten. Aus der Sicht der Angler.
    Außerdem gibt es noch den DAV-McPomm, diesen halte ich auch für schlagkräftiger als den VDSF.
    Außerdem schiebe doch einen Tourismusverband vor, z.B. Usedom.
    Ich will nächstes Jahr schleppen dürfen.

    MfG
    tfischer

  6. fishhunter
    fishhunter 19 März, 2004, 13:39

    Ich will nächstes Jahr auch offiziell schleppen dürfen, denn es gibt viele gute Fische bei uns.(fangen alle mit L und M an) Der VDSF ist aber nun mal der Stärkste Verband bei uns im Land und hat auch das Sagen und was Tourismusverbände möchten, danach geht es hier nicht, kannst mir glauben ich spreche aus Erfahrung, habe dieses Thema schon durch mit dem Angelschein für Urlauber, wir sind hier in Deutschland und da gilt immer noch Gesetz ist Gesetz

    gruß
    fishhunter

  7. tfischer
    tfischer 19 März, 2004, 14:15

    Ja klar, aber auf der Insel Helgoland gibt es einen Fischereischein, damit die Urlauber in der Nordsee angeln dürfen.
    Er konnte bei der Kurverwaltung für ein bis 3 Wochen gekauft werden.
    Diese lokale Regelung muß doch eigentlich nur portiert werden und FERTIG.
    Aber wahrscheinlich ist Schleswig-Holstein einfach mehr auf Tourismus eingestellt.

    MfG
    tfischer

  8. fishhunter
    fishhunter 19 März, 2004, 14:36

    aber das ist doch pervers, ich habe hier mehr wasser wie kaum ein anderes bundesland, außer S/H und muss für solch angeln, in ein anderes bundesland fahren

    gruß

    fishhunter

  9. dietel
    dietel 19 März, 2004, 16:04

    aber für die, die dort wohnen, ist diese methode echt nen versuch wert.

  10. Stachelritter
    Stachelritter 20 März, 2004, 19:29

    Vielen Dank an Barsch-Alarm und Herrn Isaiasch für diesen tollen Bericht. Leider oder Gott sei Dank geben nicht alle Vertikalangler solch entscheidenden Tips. Leider für die jenigen, die catch und release betreiben, Gott sei Dank für die jenigen, die alles totschlagen, was ihnen an die Rute kommt. Und davon gibt es sehr viele. Leider……

  11. marvin93
    marvin93 14 März, 2011, 01:04

    Kann man nur Vertikal angeln wenn man einen E-Motor hat?!
    Oder geht das auch irgendwie anders?

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