Wenn Meerforelle, dann im April!

Wenn Meerforelle, dann im April!

Nachdem man ja angeblich 1000 Würfe braucht, um so einen Silberbarren aus der Ostsee zu zergeln, ist es vielen Binnenanglern zu blöd, sich ins Auto zu setzen, bis ans Meer vorzufahren, stundenlang unter Extrembedingungen zu angeln und dann doch keinen Fisch zu fangen. Bislang hab ich es selber ja auch noch nicht versucht. Doch zur Zeit häufen sich bei mir die Fangmeldungen. Und alle, die fangen, sind sich einig: Wenn man als Anfänger den direkten Erfolg sucht, dann muss man jetzt ans Wasser.
 
Die Mefos sind den Heringen bis vor die Küste gefolgt. Hier ernähren sie sich im Moment nicht nur von Matjes, sondern auch von Sandaalen. Jedenfalls fressen sie gerade Fisch, was das Zeug hält. Und das in Wurfweite. Sobald sich aber das Wasser auf ca. 10 Grad erwärmt hat (und das geht an der Ostsee recht fix), ist schon wieder Schluss mit dem Silberabbau.

Denn dann zieht es die Fische erstens etwas weiter raus, zweitens kommen dann auch die Hornhechte und stürzen sich so schnell auf die Blinker, dass selbst die schnellste Meerforelle nicht mithalten kann. Jetzt aber mal eine kurze Zusammenfassung der Fangmeldungen:


Unser Club-Mitglied Ulrich berichtete, dass die Angler bei Kiel schon nachmittags richtig gut fangen (teilweise zwei Fische pro Nase). Die besten Köder sind dort zur Zeit schwarz-rote Blinker. Gerd Bestel (Fish Expert) hat mir erzählt, das die Forellen auf dem Festland vor Fehmarn jetzt gerade richtig in Fahrt sind und das Wasser bald so warm ist, dass es sich auch von der Insel aus lohnt, loszuschlagen. Hacki hatte gestern einen Wahnsinnstag mit tollen Fischen. Er konnte beim Trolling und Spinnfischen 15 Bisse verzeichnen und auch ein paar Mefos landen. Unser tiger alias Jörn hat vor kurzem seine dickste Forelle der Saison in der Nähe von Rostock gefangen. Auch er schwört auf rot-schwarze Blinker oder Modelle in pink.


Topköder sind also im Moment – schon aufgrund der aktuellen Fischfixiertheit der Mefos – Blinker und Wobbler. Die eingefleischten Meerforellen-Experten kennen natürlich jedes Blinkermodell und mögen entschuldigen, dass hier mal exemplarisch ein paar Meerforellenköder beschrieben werden. Und zwar die Wobbler und Blinker der Firma Glad Sax, die nicht nur in Skandinavien zu den meistverkauften Meerforellenködern zählen.


Der Blinker „Snaps“ ist ein echtes Weitwurfgeschoss und in drei Gewichtsklassen (20, 25 und 30 Gramm) erhältlich (z.B. auf raubfisch.com). Ein Kumpel hat den Blinker neulich bei mir an meiner Pinnwand hängen sehen und mich gefragt, ob dieser Blinker wirklich ausgestellt werden*“muss“, so unfängig wie der aussieht. Klar, ein Bleikern, der von einem Blechrahmen ummantelt wird, weckt erst mal kein Vertrauen. Aber so sehen Mefo-Blinker nun mal aus. Schließlich müssen die Köder extrem weit fliegen und dann trotz schneller Führung möglichst in Grundnähe arbeiten. Die Snaps brechen immer wieder aus und flattern trotz ihrer Massivbauweise schön durchs Wasser. Bei Spinnstops fängt das Teil dann an, um die eigene Achse zu rotieren.



Die 20 bzw. 27 Gramm schweren Wobbler „Classic“, „Clear“, „Excellent“, und „Fluo“ fliegen ebenfalls bis hinter den Horizont. Der „Classic“ ist in bewährten Standardfarben gehalten. Der „Clear“ ist leicht transparent, der „Excellent“ verführt durch den Schimmereffekt, der „Fluo“ hingegen ist mit fängigen Fluofarben bemalt. Der Raubfisch stellt diesen Modellen ein extrem gutes Zeugnis aus. Für’s Angeln auf Dorsch und Meerforelle gab’s die Note „Sehr Gut“!



Doch damit es auch was wird mit der Meerforelle, gilt es, den Köder schnell zu führen (im Gegensatz zum Dorschspinnen, wo ein langsamer Köder erfolgreicher ist). Ideal ist es, wenn er in Grundnähe arbeitet. Doch da muss man meist einen Kompromiss eingehen, weil man sonst zu viele Hänger hat. Ganz wichtig ist es auch, den Köder mit einem zusätzlichen zweiten Sprengring zu versehen, damit sich die Fische nicht aushebeln können. Meerforellen haben nämlich nicht nur die Angewohnheit, im Drill zu springen. Sie rollen auch gern auf der Wasseroberfläche und werden den Haken dabei öfter los, als den Anglern lieb ist. Kurz vor der Landung müsst Ihr dann besonders aufpassen und die Beine zusammen machen. Wer breitbeinig im Wasser steht, riskiert, dass die Meerforelle den „Tunnel“ nutzt, die Schnur um ein Bein wickelt und dann ausschlitzt. Das ist eine der beliebtesten Entkommensstrategien der eleganten Räuber.


Noch kurz zum Gerät:


Zum Einsatz kommen lange Spinnruten ab 3 m, mit denen man die Köder weit hinauspfeffern kann. Außerdem hat man mit einer langen Rute bessere Möglichkeiten, die Schnur aus dem Wasser zu halten. Das ist wichtig, weil die Fische gern zwischen den Findlingen herumtoben und die Schnur so nach und nach aufscheuern. Also Rute hoch, wenn’s an die Felsen geht. Wer mit geflochtenen Schnüren fischt, sollte lieber auf eine weiche Rute setzen. Das verringert auf jeden Fall die Zahl der Aussteiger. Für Mono ist eine harte Rute besser. Schließlich dehnt sich das Material extrem und man will seine Anhiebe ja auch auf 70 Metern durchbekommen.


Mich wird es wohl selber auch für ein paar Tage an die Küste verschlagen. Wenn Ihr auch einen Ritt in die Brandung plant, wünsch ich Euch auf jeden Fall mal viel Erfolg. Auf dass es in der Fischparade richtig „silbert“!

Kategorien: Meeresräuber, Salmoniden

Kommentare

  1. Raeuberschreck
    Raeuberschreck 1 April, 2004, 13:04

    Zur Schnur:
    Ich nehme dünne Geflochtene (ca. 7 kg Tragkraft), an dessen Ende ein 1,5 – 2 Meter langes Vorfach (Flourocarbon) kommt (Shock Leader).
    Zum einen ist dieses Vorfach für die Mefos nicht zu sehen und zweitens „puffert“ es die fehlende Dehnung der Geflochtenen ab.
    Funktioniert auch sehr gut für die Angelei auf Dorsch.

    Zur Köderführung:
    Die Blinker sollten ruhig etwas höher geführt werden (obere Wasserhälfte), da die Mefos gegen die Wasseroberfläche rauben. Tief geführte Blinker bringen fast auschließlich Dorsche.
    Die Einholgeschwindigkeit hängt in erster Linie vom Köder ab. Am besten vor sich im Wasser ausprobieren, wie der Köder am verführerischsten spielt. Für die Mefos sollte man ruhig zügig einholen, da die Sandaale auch recht fix unterwegs sind. Das ganze variiert man mit Spinn-Stops und schnellen Fluchten, etc. Das kennt ihr ja schon aus dem Süßwasser… 😉
    Ist das Wasser sehr kalt (weniger als 6 Grad), sollte man ruhig einen Gang runterschalten.

    Weitere gute Köder:
    Hansen Flash (26 – 30g), Falkfish, um nur zwei zu nennen.

  2. fishhunter
    fishhunter 1 April, 2004, 13:24

    Und hier meine ausrüstung, kann ja viel probieren u. aus dem vollen schöpfen ;-))

    rute: hypercast mh 20- 45g 2,7m
    rolle: energy fd 730
    sehne: monofil quattron 0,25mm 6,2kg
    köder: hansen flash 22g, schw/rot, gelb/schw, grün/grau oder blinker von der firma jenzi – favorit blinker 12-28g

    ganz heißer tip, wer noch rankommt smoltti’s aus finland und dann in braun

    führung im oberen wasserdrittel und recht schnell

    gruß – fishhunter

  3. Tobsn
    Tobsn 20 April, 2006, 13:29

    Zum Snaps-Blinker:

    Du hattest geschrieben, das die Blinker in Grundnähe arbeiten sollen, meines erachtens ist das allerdings nicht richtig… Die Meerforelle ist eine Oberflächenräuber, daher immer schön im oberen Drittel fischen… Außerdem kenne ich keiner Köder der trotz seines Gewichtes so flach läuft wie der Snaps.

    Schnur:

    Die Schnurdiskussion stellt sich meines Erachtens garnicht. 15er Fireline und das wars (12er ist mir persönlich zu empfindlich)! Vorgeschaltet wird ein Stück Mono, aber nicht wegen der Dehnung (das ist ein Ammenmärchen, 100cm Mono hat nahezu nix an Dehnung), sondern wegen der Empfindlichkeit der Geflochtenen (Grundkontakt) und der Lösbarkeit von Hängern (Sollbruchstelle)…

    Cheers

    T

  4. Michiforelle
    Michiforelle 24 Mai, 2009, 17:32

    Die ,, Snaps" sind schon ein wunder lässt sich auch mancher Dorsch mit fangen

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