Faule Barsche juckig machen

Faule Barsche juckig machen

Eigentlich aus purem Zufall gelang mir völlig unabsichtlich eine lächerlich simple Montage, die Barsche bis zur Weißglut reizt. Ich saß unlängst an einem Flüsschen in Ungarn. In der Sonne war es unmenschlich heiß, kein Wind. Das Wasser hatte Badewannentemperatur, kaum Strömung. Also flüchtete ich unter eine Gruppe schattenspendender Bäume, die ihre Kronen im Wasser „kühlten“. Ins Wasser gebrochene Äste und das Wurzelwerk machten zusätzlich jegliche Art von Kunstködereinsatz an diesen schattigen zehn Metern unmöglich. Wie es das Schicksal jedoch wollte, hielten sich gerade hier die Barsche auf.


Nachdem ich momentan nur die Spinnrute zur Hand hatte, zog ich die Konsequenzen und rüstete um. Schnell fanden sich in der Gerätebox ein Haken und ein kleines Birnblei mit eingegossenem Öhr. Vom Haken ca. 20 cm entfernt ein Wirbel und eine Schockabsorberperle, und das Unterfangen konnte starten. Mit einem Wurm beködert, schickte ich die Montage baden, straffte die Schnur und wartete auf den ersten Barsch.

Da! Ein erster, zaghafter Biss, dann noch einer, immer stärker, immer intensiver, immer aggressiver und schwupp, da war der erste Barsch. Und wie der gebissen hatte! Als wollte er gleich alles ins Wasser reißen! Und das bei diesen Bratpfannentemperaturen und kaum Sauerstoff im Wasser?! Zunächst dachte ich mir nichts dabei, freute mich über die Beute und warf erneut aus. Dann wieder! Zunächst zaghaft und dann mit voller Vehemenz! Woran konnte das wohl liegen???


Nun packte ich meine Barbenrute mit weicher Spitze aus, beköderte und schickte auch diese Montage baden. Mal sehen, dachte ich mir, aber außer kleinen, zaghaften Minibissen war nichts. Komisch. Woran lag das? Was machte den Unterschied? Die Spinnrute brachte bei identer Technik vehemente Barsche, und die Barbenrute, die eine wesentlich gefühlvollere Aktion, und somit auch eine sensiblere Bisswahrnehmung hat, nicht. Und dann wieder, an der Spinnrute, zupf, zuuupf, zuuuupf, nanu, der zieht ja gleich die Montage mitsamt dem Blei davon, zack, und ein weiterer, wunderschöner Barsch war mein. So, dem musste ich nun auf den Grund gehen:


Meine leichte bis mittlere Spinnrute (20-55 Gr.) wurde von einer dünnen Geflochtenen ohne Dehnung unterstützt. Die Rutenspitze hatte eine schnelle Aktion, und da ich kaum mit nennenswerter Strömung zu rechnen hatte, begnügte ich mich mit einem 15 Gr. leichten Laufblei, weil ich es gerade so zur Hand hatte. Jedes Mal, wenn nun der Barsch verschlafen und unmotiviert am Wurm zuppelte, ohne ihn richtig zu nehmen, übertrug die Geflochtene die Spannung direkt in die Rutenspitze. Dabei hob gleichzeitig durch die entstandene Schnurspannung das Blei leicht vom Grund ab. Als der Barsch den Wurm losließ bzw. als die Krümmung und Zugkraft der Rutenspitze zu intensiv wurde und dem Barsch den Wurm einfach aus dem Maul riss, schnellte die Rutenspitze zurück und zupfte das Blei mitsamt dem Wurm gute 10-15 cm weiter – wie ich am Erschlaffen der Schnur sehen konnte. Der Wurm „flüchtete“ also, wirbelte Senkstoffe auf, das Blei machte am Gewässergrund poff und reizte die Gestreiften bis zur Weißglut. Sie mussten einfach hinterher und zupacken, obwohl sie eigentlich in der prallen Mittagshitze gar keinen Hunger hatten. Offenbar hatte ich den Jagdtrieb der Barsche geweckt, und so wurde es für die Barsche zur Ehrensache, diesen flüchtenden „Wurmling“ nicht entkommen zu lassen. Je öfter die Rutenspitze ihm die Beute wieder und wieder entriss, um so aggressiver waren auch die folgenden Bisse. Eigentlich völlig logisch! Zwar brachte meine Barbenrute dann auch ihr eigentliches Zielpublikum an den Haken – eine durchschnittliche Barbe – und auch unerwartet einen netten Wels, doch war ich in der ganzen Gegend der einzige, der an diesem schweißtreibenden Hochsommertag Barsche fing – und das nur, weil ich zu faul
gewesen war, mir statt der Spinnrute eine andere, „passendere“ aus dem Auto zu holen. Es tat gut, nachdem ich vor den Kollegen mein Fanggeheimnis gelüftet hatte, als besonders gewitzter und raffinierter Angler und „Barschprofi“ bewundert zu werden… :-)!



Immer viele Streifen am Haken wünscht Euch Euer „Barschprofi“,


Tibor

Kategorien: Barsch

Kommentare

  1. dietel
    dietel 29 August, 2003, 08:40

    ebenfalls sehr schön geschrieben – und vor allem gut gezeichnet! bleibt dran leute! genau so hab ich mir das vorgestellt. hier soll jeder mitarbeiten, der bock drauf hat.

  2. Daniel
    Daniel 14 November, 2003, 22:49

    Ich benutze dieses System ebenfalls,aber anstatt des Wurms

  3. Daniel
    Daniel 22 Dezember, 2003, 17:44

    Diese Methode kann man auch mit kleinen Twistern benutzen, klappt super.

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