Fangberichte Dickes Ding vorm Deich


Ich will Euch von meinem ersten Großbarsch erzählen: Es ist vor ca. 14 Jahren gewesen. Ich war gerade mal 8 Jahre alt und ein wirklich vernarrter Angler. Ich hatte mit einem damaligen Freund dessen Großeltern in „Neuermark“ (winziges Dorf, 1 km von der Elbe) an der Elbe besucht. Wir fuhren also jeden Tag auf unseren Fahrrädern zur Elbe und den Vorgelagerten Elbauen, an denen wir viele Hechte und Barsche fingen. An einem regnerischen Tag fuhren wir am Deich entlang auf der Suche nach einer Aue, die wir noch nicht beangelt hatten. Wir entdeckten einen kleinen Teich, der aber vor dem Deich, also keine Aue war. Dieser Teich war sehr mit Schilf zugewachsen und wir kamen nur an einer Stelle zum Angeln. Das Wasser war sehr klar und es ging recht steil vom Ufer hinab. Mit einem schmalen Seerosengürtel sah die Stelle sehr viel versprechend aus. Doch es biss nichts und wir waren vom Regen durchnässt.* Meinem Freund war das zuviel – er war ja auch kein richtiger Angler und so fuhr er auf seinem Fahrrad zurück ins Dorf…

Ich machte weiter und probierte eigentlich alle Köder in meiner Kieste aus als ich dann gegen Nachmittag (ca. 17:00 Uhr) einen gelben Doppelschwanztwister mit rotem Kopf montierte. Der Köder war recht schwer und ich ließ ihn über den Grund hüpfen als dann plötzlich ein heftiger, unerwarteter Ruck durch die Rute fuhr. Fisch! Und der nahm viel Schnur von meiner alten DAM Stationärrolle, so dass ich zunächst mal einen Hecht vermutete. Als ich den Fisch und sein riesiges, aufgesperrtes Maul das erste Mal für einen kurzen Moment sah,* gingen mir einige Fische durch den Kopf… Was konnte das sei? Ein Maul so groß wie bei einem stattlichen Rapfen, aber eine Zeichnung wie ein Barsch die Form eines Karpfens und den Kampfstil eines Hechtes.


Mit Mühe konnte ich den Fisch ans Ufer ziehen und sah einen kapitalen Barsch, wie ich ihn nie zuvor gesehen hatte. Kaum an Land hatte der Fisch sich durch kräftiges schlage des Kopfes vom Haken befreit und lag nun in einer kleinen (1 x 1 m) Pfütze die direkt mit dem See verbunden war. Ich lag, durch das Zurückschnellen des losgerissenen Köders auf dem nassen Gras ausgerutscht, auf dem Rücken und dachte der Fisch sei verloren. Als ich mich aufrichtete sah ich den Fisch in der Pfütze sich langsam dem rettenden See nähren. Im Rausche des Adrenalins sprang ich mit einem Satz in die Pfütze und verpasste dem Fisch mit meinem Gummistiefel einen Tritt, so dass er aus der Pfütze raus an Land geschleudert wurde (man möge mir dieses rabiate Vorgehen verzeihen). Ich brach vor dem Fisch auf die Knie und hielt ihn fest. Auf dem Rückweg musste ich einige Pausen einlegen weil ich keine Tasche für den Fisch hatte und diesen somit mit zwei Fingern haltend mit dem Fahrrad über den Plattenweg transportieren musste. Bei den Großeltern meines Freundes angekommen, war der Barsch die Sensation und es kamen sogar Freunde der Familie aus dem Dorf, welche auch angelten, um den Fisch zu begutachten. Der Barsch hatte eine Länge von 52,5 cm, leider habe ich Ihn nicht wiegen können, weil die Küchenwaage bei dem Gewicht nicht mehr mitspielte. Irgendwer hat da auch ein Foto geschossen, welches ich aber nicht habe und auch nicht weiß wer diese haben könnte. Es war mein bisher größter Barsch und ich werde diesen auch nie vergessen.


Kingesox