Das silberne Havel-Monster

Das silberne Havel-Monster

Mit Felix stehe ich auf einem Nadelwehr irgendwo im Ländchen Rhinow. Das Wasser braust zu unseren Füßen das Wehr hinunter. Schäumend und strudelnd zeigt sich die Havel hier. Und genau an diesem Ort hatte ich vor ein paar Tagen schon ein paar ganz gute Rapfen gefangen. Das wollte Felix auch. Also sind wir wieder da. Es ist 16 Uhr und wir tackeln auf. Leichte Spinnruten, 20er Monofile und kleine Wobbler sind es, die hier die Fische zur Strecke bringen sollen. Doch Felix zeigt sich trotzig. Er will lieber mit seiner Wincklepicker einen Wurm anbieten. Und als gleich auch ein Barsch und wenig später ein Aal einsteigt, sieht er sich in seiner Wahl bestätigt. Denn bei mir tut sich erst mal nix. Lediglich ein Rapfenbaby schnappt sich meine Beifängerfliege.


Immer wieder lasse ich meinen Wobbler mit der Strömung abtreiben. Genau dorthin, wo die Rapfen die Kleinfische in Angst und Schrecken versetzen. Wild fahren sie in die Schwärme, schleudern Fischchen aus dem Wasser und verspeisen die betäubten Lauben dann beim Abdrehen. Rumms. Da hängt der erste. Kein Schlechter.

Und in der Strömung bietet er einen guten Drill. Nach der Landung und einem kurzen Fototermin lasse ich ihn wieder frei. Zwei „Würfe“ später hängt der nächste. Felix beginnt nun langsam, sich Gedanken über einen Systemwechsel zu machen. Doch erst mal werden noch ein paar Würmer gegraben. Doch als dann der dritte Rapfen Widerstand leistet, ist der von Felix endlich gebrochen. Er sattelt um und bietet wenig später ebenfalls einen kleinen Wobbler an. Und bumm. Da drillt er auch schon einen Guten. Den besten Fisch bislang. (An der Erde unter den Fingernägeln erkennt Ihr, dass er tatsächlich erst mit Würmern geangelt hat.)



Und so geht das weiter. Durch meinen Vorsprung kann mich Felix stückzahlentechnisch nicht mehr einholen. Weil wir uns ganz gern mal anstacheln, ein Umstand, der mir im Wortduell Vorteile verschafft. Doch Felix hat halt immer noch den Größten.


Je später es wird, desto heftiger das Rauben. An einer Stelle ist es ganz besonders schlimm. Kurz vor einem Bootsanleger etwas stromab raubt ein richtig fettes Teil. In regelmäßigen Abständen lässt es der Fisch dort richtig krachen. Kleinfische werden durch die Luft gewirbelt und im gleichen Atemzug wohl schon inhaliert. Ein riesiger Rapfenbomber muss das sein! Immer wieder werfen wir ihn an. Erfolglos. Macht aber nix. Denn die restliche Population vor Ort ist weniger wählerisch. An unseren feinen Spinnruten toben die Fische wie verrückt und machen Felix und mich zu Rapfenfans der zweiten Stunde…


Es ist schon langsam dunkel. Die Fahrt nach Berlin dauert länger als eine Stunde und so beschließen wir, demnächst loszufahren. Außerdem terrorisieren uns inzwischen die Stechmücken. „Noch ein paar Würfe, Felix, ja?“ Ich montiere jetzt mal einen Popper, der schon ziemlich lange in meiner Kiste liegt, aber nie gefischt wurde. Irgendwie hatte ich kein Vertrauen in diese Köder. Aber wenn nicht jetzt, wann dann. Oberflächenaktive Raubfische in bester Beißlaune. Da kann was gehen.


Den neuen Köder an der Schnur werfe ich aus. Natürlich kurz vor den Bootsanleger, wo der fette Rapfen den Kleinfischen das Fürchten lehrt. Der Köder fliegt durch die Luft. Genau auf sein Ziel zu. Er küsst die Wasseroberfläche. In dem Moment ein Schwall. Das Wasser spritz auseinander. Als hätte jemand einen fetten Stein da hin geworfen. Und schon ist die Rute krumm. Der Fisch hat den Köder fast volley aus der Luft genommen! Und ab geht die Post. Stromab, stromauf. Nach links. Nach rechts. Und wieder zurück. Nach 10 Minuten hartem Drill liegt der Fisch dann vor mir im Wasser. Unser Kescher ist zu klein. Von Hand hole ich den Fisch aus seinem Element. Ein Foto. Und wenn er nicht im Zuge des Elbhochwasser, das das Ländchen Rhinow besonders hart getroffen hat, umgekommen ist, wiegt er jetzt noch ein bisschen mehr und jagt weiter fleißig nach kleinen Fischen…



Klar, dass ich auf der Heimfahrt wieder eine ziemlich dicke Lippe riskieren konnte und dass Popper seitdem ziemlich weit oben in meinen Köder-Charts platziert sind…


jd

Kategorien: Fangberichte

Kommentare

  1. Tim_Berlin
    Tim_Berlin 28 November, 2003, 07:13

    Mann, mann, mann,

    was für ein Monster! Ist ja echt Wahnsinn
    was man so alles in der Havel fangen kann!

    Auf jeden Fall Hut ab!

    Grüße

    Tim

  2. pechi24
    pechi24 28 November, 2003, 11:23

    Echt ein schöner Fisch, muss wohl nächstes Jahr auch mal zur Rapfenjagd kommen.
    Der fehlt mir noch in meiner Räuberliste.

  3. kingesox
    kingesox 28 November, 2003, 19:26

    Darf ich auch mal mitkommen?

  4. dietel
    dietel 30 November, 2003, 09:58

    dann werden wir nächstes jahr wohl mal ein rapfenangel-treffen veranstalten. ich denk mir was aus. versprochen.

  5. Tinsen
    Tinsen 30 November, 2003, 22:29

    wow, geiler bericht !

    das muß wirklich ein fest gewesen sein mit den feinen ruten.

    wie groß war der „bomber“ ?

    habe leider noch nie einen rapfen gefangen (aber auch nie gezielt beangelt).

    ich bin am start im nächsten jahr !

  6. dietel
    dietel 1 Dezember, 2003, 05:22

    haben das teil nicht vermessen. hab aber bislang noch keinen größeren gefangen.

  7. Daniel
    Daniel 21 Dezember, 2003, 23:38

    Hammer Rapfen! Vielleicht war der ja auch bei mir dran. Auf Popper habe ich leider noch nichts gefangen, probiere es aber immer wieder.

  8. jackazz12
    jackazz12 20 April, 2004, 17:29

    ich würd auch gern mal Rapfenangeln bloß noch nie welche gesehen oder gefangen. naja was noch nicht ist das kann ja noch ein Rapfen werden.

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