Interview mit WPC-Kajak-Champion Salah Eddibe

Interview mit WPC-Kajak-Champion Salah Eddibe

Bevor wir in die Vollen gehen: Salah Eddibe kommt aus Marokko. Als Marokkaner war er bei der letzten WPC einer DER Exoten im Starterfeld. Da wussten die Organisatoren nicht, dass er in Deutschland aufgewachsen ist und es als Rheinländer gar nicht so weit hat bis nach Holland. Wir haben uns gleich gut verstanden. Kein Wunder. Wenn man die ersten Sätze mit dem Vollsympath aus Düsseldorf wechselt, weiß man, dass man es hier mit einem völlig bekloppten Angler zu tun hat. Der Typ gibt’s Gas. Aber nur sprichwörtlich. Auf dem Wasser bewegt er sich zumeist ohne künstlichen Antrieb. Er ist begeisterter Kajakangler. In diesem Jahr hat er die WPC gewonnen. Besonders beeindruckend sein Resultat vom ersten Wettkampftag. Da wäre er ALLEIN und vom Hobie aus auf Platz 4 der Boot-Competition gelandet. Noch Fragen? Aber ja doch! Einige sogar…

 

Johannes: Erstmal Gratulation zum Titel. Als Teilnehmer an der Boot-Competition bekommt man ja gar nicht so viel mit von eurem Wettkampf. Wie viele Kajakfahrer waren denn im Teilnehmerfeld?
Salah: Insgesamt nahmen 22 Kajakfahrer am Event teil. Die Teilnehmerzahl ist also leider etwas kleiner geworden im Gegensatz zu letztem Jahr. Es kann natürlich daran gelegen haben, dass die Wetterbedingungen bei der WPC 2016 ziemlich extrem waren (Windstärke 6 und 7). Selbst bei Windstärke 4 ist es auf dem Haringsvliet schon relativ schwierig kontrolliert zu fischen.

Am ersten Tag war das Wetter noch super.

Johannes: Haben die euch an allen Tagen aufs offene Wasser gelassen? Es war ja voll windig an Tag 2 und 3?
Salah: Die ersten beiden Wettkampftage haben wir noch auf, bzw. ich auch einmal am zweiten Tag im Haringsvliet verbracht. *lach* Der Wind frischte gegen Mittag/Nachmittag am zweiten Tag deutlich auf. Jedoch konnten wir unseren Tag noch sicher um 15 Uhr beenden. Am dritten Tag, bei Windstärken um die 6-7, war es einfach nicht mehr möglich, mit den Kajaks raus zu fahren. Die Organisatoren entschieden sich wie letztes Jahr für einen Kanal als Alternative. Eine richtige Entscheidung, weil es draußen auf dem Wasser für uns zu gefährlich war.

Johannes: Ich habe von einem „Unfall“ gehört. Du bist umgekippt, oder? Was war los?
Salah: Genau, wie ich eben schon kurz angedeutet habe, bin ich am zweiten Tag einmal gekentert. Man nennt es auch „Die Kajak-Taufe“. Am zweiten Tag sind wir pünktlich um 7 Uhr gestartet. Da zu diesem Zeitpunkt noch kaum Wind vorhanden war, habe ich mich für einen Spot vom ersten Tag entschieden. Er lag ca. 3km entfernt, im Westen. Der angekündigte, zunehmende Wind gegen Mittag hielt mich von meiner Spotauswahl erst einmal nicht ab, da er aus westlicher Richtung kommen sollte. Ich sollte also mit Rückenwind die Rückfahrt antreten können. So lautete zumindest mein Plan. Am Anfang lief es verdammt schlecht. Derselbe Spot, der am Tag zuvor noch Fisch geliefert hat, war wie ausgestorben. Nach 4 Stunden Angelzeit fing ich dann endlich einen Zander. Der war zwar nur 54cm groß, brachte mir aber 54 Punkte, ein deutlich besseres Gefühl. Ich hatte es im Gefühl, dass es bei den anderen auch nicht so gut läuft. Umso größer war meine Motivation, konzentriert weiter zu machen, um noch eine gute Platzierung für den zweiten Tag zu erzielen. In meiner Besessenheit habe ich gar nicht bemerkt, dass der Wind in der Zwischenzeit richtig zugenommen hatte. Die Wellen wurden immer größer und größer. Langer Rede kurzer Sinn – der Wind hatte sich gedreht und an eine entspannte Rückfahrt mit Rückenwind war nicht mehr zu denken. Es ging alles ziemlich schnell. Der Seitenwind in Kombination mit hohen Wellen hat mich dann zum Kentern gebracht. Die anderen Teilnehmer waren wohl etwas schlauer als ich und sind früher in die ruhigen Bereiche zurückgefahren. Manche haben sogar den Tag etwas früher beendet.

Johannes: Wie lief den der Wettkampf für Dich? Warst Du an allen Tagen gleich gut dabei oder war’s auch so ein Drama wie bei uns?
Salah: Am ersten Tag lief es sehr gut! Ich konnte zwei gute Wettkampf-Zander (69 und 67 cm), einen Hecht mit 72cm und einen Barsch mit 43cm landen. Den zweiten Tag beendet ich trotz des einen Zanders (54cm) erstaunlicher Weise auf Platz 4. Der dritte Tag auf dem Kanal verlief auch sehr gut. Ich konnte 4 Zander fangen, wobei 3 in die Wertung gingen. Über meinen 85er Zander habe ich mich am meisten gefreut. Ich rechnete während des Drills eigentlich mit einem großen Hecht.

Der WPC-Kajak-Champion Salah Eddibe.

Johannes: Was bedeutet Dir der Titel?
Salah: Das ist eine gute Frage! Nach dem „Unfall“ am zweiten Tag, hat der Titel ganz ehrlich für mich eine andere Bedeutung. Es hat mir gezeigt, dass man weiterhin an sich glauben muss, egal was auch passiert. Man sollte immer wieder aufstehen und versuchen weiter zu machen, egal in welcher negativen Situation man sich auch befinden mag. Das sind die Eindrücke, die man für das Leben lernt und mitnimmt. Der Sieg bei der WPC bedeutet gleichzeitig auch für mich, dass ich mich für die Hobie World 2018 in Schweden qualifiziert habe. Das bedeutet für mich also, das ich genau so weitermachen werde. Man könnte auch sagen: „Ich habe jetzt richtig Blut geleckt“!

Johannes: Hast Du ein neues Kajak gewonnen? Oder was gab’s da für den Sieger?
Salah: Nein, ich habe kein neues Kajak gewonnen. Über die Qualifikation für die Hobie Kajak WM 2018 habe ich mich aber umso mehr gefreut. Neben der Firma Spro, unterstütze ich auch die Firma Hobie Fishing Europe und bin dort als Teamangler tätig. Natürlich gab es neben der Qualifikation auch jede Menge anderer Preise wie Ruten, Rollen, Kunstköder, Boxen, Kajak Zubehör und Lowrance-Equipment.

Johannes: Was mich total erstaunt: Ihr zieht das in dieser Sitzposition durch. Den ganzen Tag. Schlafen einem da nicht irgendwann die Beine ein?
Salah: Nein, überhaupt nicht. Ich muss aber zugeben, dass mein erstes, einfaches Paddel-Kajak natürlich nicht vergleichbar ist, mit dem was ich im Moment nutze. Früher saß ich noch in einer festen Position nahezu auf dem Boden des Kajaks. Heute bin ich stolzer Besitzer eines Hobie Pro Angler 12, auf dem ich sehr bequem und relativ hoch sitze. Kein Wunder, wenn man sogar die Sitzhöhe und die Rückenlehne einstellen kann. Außerdem sind unsere Beine ständig durch die Tret-Antrieb in Bewegung. Die Beine schlafen einem also definitiv nicht ein. Man kann sogar im Stehen von diesem Kajak aus angeln.

Die Beine schlafen also schon mal nicht ein…

Johannes: Es gibt ja die unterschiedlichsten Modelle an Angelkajaks. Tret-Kajaks gibt’s mit Paddel-Antrieb oder Propeller und die ganz normalen Kajaks werden mit Handpaddeln vorangepeitscht. Was ist da Dein Favorit? Und: Was ist der Vorteil an diesem System?
Salah: Ja genau! Es gibt mittlerweile viele verschiedene Modelle an Antriebsarten bei den Kajaks. Es gibt nicht nur bei der Antriebsform, sondern auch bei der Bauform, beim Material und beim Zubehör große Unterschiede. Der Angler, der sich ein Kajak kaufen will, sollte sich also vorher richtige Gedanken darüber machen, für welches System er sich entscheidet. Bezüglich des Antriebs gibt es meiner Meinung nach nichts Besseres als die revolutionäre Technik, die der Fortbewegung von den Pinguinen Unterwasser ähnelt. Diese Art des Antriebs ist einfach, schnell, stabil und wartungsfrei, egal ob man auf richtig flachen oder ziemlich verkrauteten Gewässern unterwegs ist. Dieser Antrieb ist sehr durchdacht und macht kaum Probleme. Und wenn doch, ist der Angler selber schuld. Die Propeller-Antriebe sind im Kraut oder an flachen Gewässern leider sehr empfindlich, weil der Angler sehr schnell reagieren und den kompletten Antrieb heraus holen muss, um den Antrieb vor Beschädigungen zu schützen. Während eines Drills ist das kaum möglich bzw. unvorstellbar.

Es geht zügig vorwärts mit dem Eddibe-Hobie.

Johannes: Wie gesagt – Du bist umgekippt. Ist das nicht auch ein bisschen gefährlich? Ich stell mir das fürchterlich kippelig vor.
Salah: Gefährlich ist das nicht. Natürlich gibt es irgendwo aber Grenzen. Ich fische jetzt seit 3 Jahren vom Kajak und bin beim Wettkampf das allererste Mal umgekippt. Ich muss zugeben, dass ich ein bisschen übertrieben habe. Die modernen Kajaks sind sehr stabil und sicher geworden. Wenn man auf seine Sicherheit achtet und die Wettervorhersagen und das Gewässer im Blick hat, dürfte sowas also nicht passieren. Sowas passiert hauptsächlich nur Kajak-Neulingen, die trotz der mangelnden Erfahrung von Anfang an zu übermütig sind, oder den Kajakfreaks, die zum Übertreiben neigen.

Angeln im Stehen – auch kein Problem!

Johannes: Gibt’s da eine Art Sicherheitstraining? Muss man die Eskimorolle draufhaben?
Salah: Man sollte sich mit dem Kajak vertraut machen! Wichtiger ist eigentlich eine passende Sicherheitsausrüstung. Wir reden über moderne Sit on Top-Kajaks. Es handelt sich also um Kajaks, die unsinkbar sind. Eine gute Schwimmweste und besonders im Winter ein Trockenanzug sind ein Muss! Ansonsten bleibt natürlich noch die Möglichkeit, den Ernstfall vorher zu üben. Wenn es geht, sollte man aber generell zu zweit losfahren. Angeln mit guten Freunden und Gleichgesinnten macht eh mehr Spaß.

Johannes: Kann man da alle Köderführungstechniken gleich gut machen? Ich stelle mir Twitchen im Sitzen doof vor.
Salah: Definitiv kann man alle Köderführungstechniken gleich gut machen. Ich fische auf meinem Kajak genau wie auf einem Boot. Natürlich sind nicht alle Kajaks zum Angeln im Stehen geeignet. Deswegen sollte sich der Angler schon vor dem Kauf informieren, damit er das für sich passende Kajak kauft.

Barsche und Kajak? Passt gut!

Johannes: Was sind deine Lieblingsmethoden vom Kajak und was sind deine Lieblingsgewässer?
Salah: Ich liebe es vom Kajak aus auf kurze Distanz zu fischen. Besonders, wenn man sich leise an die Spots anschleichen kann, um dann mit einem Wurf aus dem Handgelenk nach zwei Kurbelumdrehung den ersehnten Einschlag in der Rute bekommt –  einfach Adrenalin pur! Was die Gewässer betrifft, bin ich sowohl auf kleineren Flüssen, als auch auf kleinen Seen gern unterwegs. Je mehr Struktur ein Gewässer hat, umso wohler fühle ich mich. Natürlich würde ich als Marokkaner lieber auf Black Bass in verkrauteten Buchten angeln. Die Buhnen in den Flüssen und die Flussbarsche bieten für mich aber eine super Alternative.

Johannes: Was sind die Hauptvorteile vom Kajak für Dich?
Salah: Ganz eindeutig die Flexibilität! Als Uferangler kann ich nicht alle gute Spots erreichen. Mit dem Boot brauche ich immer eine geeignete Slippe und am besten eine zweite Person, die einem hilft. Mit dem Kajak habe ich diese Probleme nicht. Ich habe durch meinen lautlosen Antrieb keine Scheuchwirkung auf die Fische und nebenbei mache ich auch noch etwas für meine Figur / Gesundheit. Kajakfahren ist einfach befreiend – man genießt die Ruhe und die Natur, was an Schneidertagen umso hilft.

 

Ist ja schon gut, Salah. Ich bin überzeugt und werd mir wahrscheinlich echt irgendwann so ein Teil zulegen.

Johannes: Du hast mir gesagt, dass Du denkst, dass das Kajakangeln noch zum Megatrend wird. Warum glaubst Du das?
Salah: Wie du ganz sicherlich weißt, ist Angeln nicht mehr das, was es mal war. Das typische Klischee von einem Ansitzangler in Tarnklamotten und Bierflasche in der Hand…. Angeln ist mittlerweile „in“ und erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Die jungen Leute haben Spaß daran und können sich damit identifizieren. Natürlich sucht man auch ein bisschen den “Kick”. Man will heutzutage viel Spaß in relative kurzer Zeit mit einem geringen Kostenaufwand erleben. Alles das bietet dir ein Kajak. Auch ein Familienvater wie ich es bin, sieht jede Menge Vorteile. Die meisten haben kaum noch Zeit – mit einem Kajak für 3 bis 4 Stunden auf das Wasser ist kein Problem!

Johannes: Ich danke Dir, Salah. Würde mich freuen, wenn wir mal zusammen loskämen. Ehrlich gesagt, überlege ich auch gerade, ob ich mir so ein Teil kaufen soll. An diesem Gedanken hast Du einen großen Anteil.
Salah: Du würdest auf einem Kajak bestimmt viel Spaß haben! Gerade für den Barschpapst kann ich mir nichts Besseres vorstellen. Du kommst deinen Lieblingen, den Barschen viel näher. Egal ob mitten im See, im Hafen oder unter einer Brücke, der Drill und das Erlebnis ist viel intensiver! Ich bevorzuge mittlerweile das Kajak vor einem Boot. Ich würde mich auch sehr über eine gemeinsame Angelsession freuen! Beste Grüße, Salah

 

 

Kategorien: News

Kommentare

  1. Fischhenrik
    Fischhenrik 19 Juli, 2017, 15:08

    Vielen, vielen Dank für das tolle Interview 🙂 Ich als begeisterter Kajak-Angler fühle mich voll und ganz bestätigt und habe auch einen großen Respekt vor dieser Leistung! Eine kleine Ergänzung noch bezüglich des Tretantriebs und dafür bitte nicht steinigen, es ist lediglich rein informativ gemeint, nicht werbend 🙂 Es gibt ganz aktuell ein neues Propeller-System von Jackson-Kajak, welches sich ebenfalls bei Unterwasserpflanzen und Hindernissen fahren und bei Bedarf bequem säubern lässt, ohne es demontieren zu müssen, wie Salah es beschreibt.
    Wie gesagt, bitte nicht für krumm nehmen 🙂
    Und nochmal danke für den schönen Eindruck der WPC !

  2. AFE
    AFE 19 Juli, 2017, 15:41

    Interessantes Interview. Hoffe die Ausrüstung ist beim Kentern nicht über Board gegangen, sondern war gut gesichert.

    Hab grad mal geschaut. So ein Kajak kost ja mehr als so manches „richtiges“ Boot. Wahnsinn…

  3. abgemetert
    abgemetert 19 Juli, 2017, 15:57

    Klasse Interview…vielen Dank an euch beide! Kajaken rockt…und Salah sowieso 😉

  4. bountychiller
    bountychiller 20 Juli, 2017, 13:29

    Ja so ein Hobie wär ein traum…. leider sehr teuer aber qualitativ absolute Oberklasse und einfach nur geil… ich spar dann schon mal… toller bericht! Thx.

  5. köderkunst77
    köderkunst77 22 Juli, 2017, 21:30

    Super Interview!!! Da bekomme ich auch gleich wieder lust mit dem kajak los zu starten. Danke für diesen Tollen Report.

    TL und Gruß
    Patrick

  6. Percator
    Percator 23 Juli, 2017, 10:31

    Schöner Beitrag! Als Hobie-Kayaki im ca. 7. Jahr kann ich mich der Begeisterung für die Qualität und (Angel-)Praxistauglichkeit dieser Tretkajaks voll anschließen… träume gelegentlich schon davon, an den Felskanten des Ebro nicht mit E-Motor, sondern mit meinem Hobie-„Outback“ anzugreifen … wenn’s doch nur ins Fluggepäck passen täte!

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