Der Lebenszyklus der Meerforelle

Der Lebenszyklus der Meerforelle

An der Ostsee gibt es noch einen eigenen Stamm von Meerforellen. Diese „Ostseeforelle“ lebt im küstennahen Bereich und ist ein Wanderfisch. Deswegen ist sie heute hier und morgen dort – also nicht so einfach auszurechnen. Einer alten Anglerweisheit nach braucht man unter anderem aufgrund dieses Bewegungsdranges um die 1000 Würfe, um einen der phantastischen Kämpfer an den Haken zu bekommen. Manche Angler trauen sich deshalb noch nicht so richtig ran, an unsere Meerforelle.

Doch Sie sollten es unbedingt einmal versuchen, denn wenn Sie über den Lebensrhythmus dieser Fische Bescheid wissen, haben Sie den Schlüssel zum Fang in der Hand.

Herbst und Winter

Anfang Herbst ziehen die meisten Meerforellen die Flüsse hinauf, um in der Barben- oder Äschenregion ihr Laichgeschäft über kiesigem Grund zu verrichten. Da unsere heimischen Gewässer fast alle keine Kiesbetten mehr aufweisen, ist es lediglich der aufopfernden Arbeit der ortsansässigen Angelvereine zu verdanken, dass in den letzten Jahren wieder vermehrt Meerforellen zum Laichen in die Flüsse aufsteigen. Die Meerforellen werden elektrisch abgefischt und abgestreift. Der Rogen wird dann künstlich befruchtet und in einer Zuchtanlage weiterversorgt, bis die Fische groß genug sind, um wieder in den Fluss entlassen zu werden. Vor dem Aufstieg verweilt die Meerforelle noch einige Zeit vor den Mündungsgebieten, um sich langsam an den geringen Salzgehalt zu gewöhnen und noch einmal Nahrung aufzunehmen, die sie dringend benötigt, um für die Strapazen des anstrengenden Aufstiegs gewappnet zu sein. Für den Angler stehen jetzt die Chancen ausgezeichnet, einen schönen Fisch zu erbeuten.


Das eigentlich Laichgebiet erreicht sie erst im  November/Dezember. Während die Jungfische zwischen 2 bis 4 Jahre im Süßwasser verweilen, zieht es die Eltern, die ihr Laichgeschäft in den ersten beiden Monaten des Jahres gerade hinter sich gebracht haben, wieder Richtung Meer. Die abgekämpften Fische, steigen jetzt also wieder ab und beißen ganz hervorragend, sollten aber wieder zurückgesetzt werden, da sie kaum Fleisch auf den Rippen haben.


An der Küste knallt es trotzdem! Denn hier fängt man jetzt Grönländer und Überspringer. Grönländer sind nicht geschlechtsreife und zumeist weibliche Meerforellen. Sie sind nicht sehr groß und erreichen oft nur knapp das Mindestmaß. Überspringer sind Fische, die einen Laichaufstieg aussetzen, um dann im nächsten Jahr Ihren Beitrag zum Erhalten der Art zu leisten. Die Fische stehen jetzt relativ ufernah am Grund. Sie verweilen noch eine Weile im Brackwasser, um sich an den Salzgehalt des Meerwassers zu gewöhnen. Jetzt bringen kleine Wobbler und Blinker oder Fliegen viele zum Teil sehr große  Fische. Das liegt daran, dass gerade die großen heringsfressenden Fische dem Verhalten ihrer Lieblingsbeute anpassen. Und die Heringsschwärme ziehen zum Ablaichen in die Süßwassergebiete.


Frühjahr und Sommer


Im Frühjahr zieht es die Laichwanderer dann endgültig wieder hinaus aus den Flüssen ins Meer. Flache Bereiche, die sich am schnellsten erwärmen sind jetzt bevorzugte Standplätze. Man fängt sie oft genau dort, wo man sie schon vor dem Aufstieg antraf. Sie haben jetzt Gesellschaft der Grönländer, die sich den vom Laichgeschäft zurückgekehrten Artgenossen anschließen. Da sie nicht gelaicht haben, stehen sie viel besser im Saft als ihre noch immer recht mageren Begleiter. Hauptnahrung im April sind übrigens Seeringelwürmer, die jetzt gerade selbst gelaicht haben. 


Nach der Laichzeit der Seeringelwürmer fängt das Wasser wieder an, sich zu erwärmen. Auch die Heringe haben ihr Laichgeschäft beendet und ziehen wieder hinaus ins offene Meer. Die meisten Meerforellen folgen ihnen. Einige jedoch bleiben auch in Ufernähe. Wer tagsüber Fischkontakt herstellen möchte, trifft auf müde Krieger, die dabei sind, die Beute der letzten Nacht zu verdauen. Allenfalls an tiefen und strömungsreichen Stellen, kann man bei möglichst bedecktem Himmel einen Fisch an den Haken bekommen. Abends kommt die Königin der Ostsee dann unter Land, denn hier findet sie einen an Fischchen und anderen Kleintieren reich gedeckten Tisch. Jetzt, wenn sie frisst, hat man im Sommer die besten Chancen. Die Fressphasen setzen mit der Dämmerung ein und enden ca. eine Stunde vor Mitternacht. Von 2 bis 7 Uhr geht’s dann weiter. Der aufmerksame Angler hört die Silberbarren an der Oberfläche rauben. Jetzt sind kleine Köder (Streamer) Trumpf.


Ende August beginnt dieser Zyklus dann von Neuem.


Gut, dass Sie bescheid wissen. Denn vielleicht benötigen Sie nun weniger als die obligaten 1000 Würfe, um Ihren ganz persönlichen Silberschatz zu heben.


Das jedenfalls wünscht Ihnen das


Baltic-Kölln-Team


(Mehr Informationen zum Thema Meeresangeln auf www.baltic-heilgenhafen.de)

Kategorien: Meeresräuber, Salmoniden

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