10.12.2016 / 09:48 | Aktuelle Mondphase: zunehmender Mond

Crankbait 101 – I: die Grundlagen des Crankens

Vor ein paar Jahren sind die ersten Cranks in meine Box gewandert, zu diesem Zeitpunkt hatte ich keinerlei Ahnung, wie man diese fischt und ihr volles Potential ausschöpft, aber Hauptsache Megabass und das zu einem fairen Preis. Ab und an habe ich die dann auch mal eine Runde geworfen und auch hin und wieder mal einen Fisch mit gefangen, aber so wirklich überzeugt haben die Köder mich damals nicht.

Beim Fischen mit dem üblichen Gummigetier hatte ich des öfteren schon das Phänomen, dass direkt nach dem Lösen eines Hängers ein Barsch eingestiegen ist. Einsteigen ist da echt wörtlich zu nehmen, die Bisse waren alle extrem hart, also nicht vorsichtig den Köder mal antesten, sondern direkt in die Vollen. Nachdem ich so irgendwann an einem äußerst zähen Tag meinen bisherigen PB fangen konnte, habe ich mich mit diesem Phänomen etwas genauer beschäftigt.

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Der hat einen schönen Knatterbiss vor der Steinpackung gemacht.

Ziemlich schnell war klar, dass es sich hierbei um „Reaction Strikes“ handelt, also Bisse, bei denen man eine Reaktion des Fisches herausfordert, auch wenn dieser nicht unbedingt aktiv am Jagen ist. Ehrgeizig, wie man als Angler so ist, musste also eine Methode gefunden werden, um genau dieses Verhalten bei den Fischen zu provozieren. Dass es nicht gerade zielführend ist, massig Köder in der Steinpackung zu versenken, um diese dann versuchen zu lösen und im besten Fall dann einen Fisch zu fangen, ist denke ich ziemlich offensichtlich. Also war guter Rat teuer, bis ich irgendwann bei den Amerikanern mal von Cranks und deren Fähigkeit, „Reaction Strikes“ zu provozieren, gelesen hatte; dann war die Sache relativ klar: Es müssen Crankbaits ans Band!

Was dann folgte, war eine recht harte Zeit, viele Tage Schneider, viele Köder verloren, aber immer wieder zwischendurch richtig gute Fische. Aus den Erfahrungen, die ich damals gemacht habe, möchte ich versuchen, euch mal einige zu vermitteln, eventuell kann der eine oder andere damit ja was anfangen.

Es sei noch erwähnt, dass ich weder behaupten will, dass ich mit allem Recht habe, was ich hier schreibe bzw. ich hier die einzige Methode zum vernünftigen Barsche fangen beschreiben will. Ich will lediglich versuchen, hier einen Teil meiner Erfahrungen wiederzugeben und dem einen oder anderen das Cranken auf Barsch etwas schmackhafter zu machen und der ganzen Angelegenheit hoffentlich den faden Beigeschmack als Langweilerköder Nr. 1 zu nehmen.

Zaner beißen übrigens auch regelmäßig auf die Cranks.
Zaner beißen übrigens auch regelmäßig auf die Cranks.

Reaction Strikes

Wenn man das Fischen mit Crankbaits verstehen will, dann muss man als erstes verstehen, warum die Fische auf Cranks beißen.

Schaut man sich heute in Tackleboxen um, findet man alles Mögliche an Getier, vieles davon überzeugt durch möglichst naturnahe Imitation und Laufverhalten. Kleine Brutfischimitate mit Reflektionsfolie, aromatisierte Insektenlarven mit filigranen Fühlern oder Krebsimitate mit auftreibenden Scheren wollen eins, nämlich dem Fisch vorgaukeln, dass es sich lohnt, diese zu fressen. Irgendwo ganz unten in der Köderbox liegt dann der Crankbait, das Aussehen irgendwo zwischen verunglücktem Tischtennisball mit Drillingen und Tauchschaufel oder überfahrenem Weißfisch mit Drillingen ohne Tauchschaufel. Einen Schönheitspreis gewinnen alle Formen jedenfalls nicht.

Also was bringt den Fisch dazu, dass er dann doch zubeißt? – Barsche beißen hier nicht, weil man  irgendwas besonders gut imitiert, sondern weil irgendwas, was ungefähr die passende Größe und Farbe hat, versucht, vor ihnen zu flüchten. Es gilt also eine „Reaktion“ des Fisches zu triggern, genauer gesagt den Instinkt, der die Fische zuschnappen lässt, bevor die Beute wieder außer Reichweite ist. „Aber das ist doch der Sinn von jedem Köder: zum Zuschnappen zu animieren“ sollte jetzt der erste Gedanke sein, das ist richtig, aber wer aufgepasst hat wird feststellen, dass dem Fisch die Möglichkeit genommen wird, den Köder zunächst genauer zu begutachten. Entweder jetzt oder nie ist hier die Devise. Vor allem bei den größeren Exemplaren kann man so in gewisser Weise das natürliche Misstrauen umgehen, in der Regel sind diese Fische ja nicht umsonst so groß geworden.

Das ist eigentlich schon das ganze Geheimnis des Warums und dies sollte man sich immer vor Augen halten, wenn man mit Cranks loszieht.

Crankbaittypen

Für mich war bisher immer klar, wie ein Crankbait auszusehen hat, im Allgemeinen eher rund und alles andere als filigran. Manche hätte ich definitiv als hässlich bezeichnet (und mache ich auch heute noch), andere nie und nimmer als Crankbait. Im Endeffekt gibt es unterschiedliche Formen wie Sand am Meer, einige davon haben ziemlich spezielle Einsatzgebiete, andere sind dann doch eher die eierlegende Wollmilchsau und in einer Vielzahl von Situation brauchbar.

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Ich werde in diesem Abschnitt wohl ein paar Köder namentlich benennen und mir wohl auch den einen oder anderen Kommentar dazu erlauben, will aber gesagt haben, dass ich weder von irgendeiner Firma gesponsert werde, noch will ich irgendeine Firma madig machen. Es sind lediglich subjektive Meinungen meinerseits.

Nun aber zu den Eigenschaften, die eine Rolle spielen, im Wesentlichen sind es diese vier: Lauftiefe, Body, Sinkeigenschaften, Farbe. Ein fünfter, für mich wichtiger: Kosten. Warum gerade Kosten, wird sich im weiteren Lauf des Artikels zeigen.

Lauftiefe:

Diese lässt sich in drei Typen unterscheiden, nämlich Flachläufer, Mediumläufer und Tiefläufer. Hier kann man dann auch wieder unterteilen, aber wichtiger, als jetzt das nochmal haarklein aufzudröseln, ist, woran man diese Eigenschaften fest macht.

Flachläufer: laufen flach 😛 Aber mal im Ernst, klassische Vertreter dieser Kategorie sind Wakebaits bzw. 0-Footer, die direkt unter der Wasseroberfläche laufen, bis hin zu den Modellen mit einer Lauftiefe von ca. 1 – 1,5m wie die klassischen Squarebills. Das Einsatzgebiet sind hier flache Stellen, über Kraut oder im Freiwasser, wenn Barsche nach oben rauben. Beispiele wären hier z.B. Megabass Griffon Zero, MB Griffon SRX, Cormoran Belly Dog Jr und noch tausend andere. Richtig spaßig ist das Fischen mit diesen Baits im Cover, also Äste im Wasser oder versunkene Mauern etc., mehr dazu dann später. Im Wesentlichen erkennt man diese an einer sehr steil angestellten Schaufel.

Mediumläufer: Mit diesen Dingern fischt man dann etwas tiefer, in der Regel bis ca. 3,5 Meter, Beispiele hier wären MB Deep-X 100, MB Bait-X, Illex Diving Chubby etc. In der Regel sind diese Cranks dann auch etwas schwerer und vor allem die Tauchschaufel sieht schon etwas ernstzunehmender aus.

Tiefläufer: Hier wird es dann richtig spannend. Diese Baits laufen jenseits der vier Meter, bis zehn Meter sind definitiv drin, danach wird man dann aber eher auf andere Köder zurückgreifen. Obwohl es Cranks gibt, die tiefer laufen, hier wird es aber echt sehr speziell. Beispiele hier sind dann MB Deep-X 200/300, Norman DD22 (der Superdeep Diver schlechthin), Rapala DT Metal 20, Strikepro Warmouth etc. Hier hat man eine riesige Tauchschaufel und diese Baits können in erster Linie zwei Sachen: Fische fangen und Rollen/Handgelenke zerstören. Dazu später noch mehr.

Body:

Bei den unterschiedlichen Körperformen lassen sich ebenfalls drei erkennen, das wären zum einen Minnows, dann noch Shads und zu guter Letzt die mit dem flachen Körper.

Minnows: imitieren in erster Linie die klassischen Weißfische, die Form ist lang und schmal. In der Regel haben diese Baits eine ehr langsame Frequenz, in der sie vor sich hin wobbeln. Klassische Zanderköder für über der Steinpackung oder geschleppt auf eben jenen und Hecht. Vom Ufer aus fische ich diese Köder so gut wie nie, vom Yak aus ab und an geschleppt beim Spotwechsel.

Shads: Das ist die „klassische“ Crankbaitform, also großer Kopf, der in einem dünnen Schwanz endet. Im Allgemeinen sind diese Baits gedrungener als die minnowförmigen. Sie zeichnen sich über eine hohe Lauffrequenz aus und sind für mich Mittel der Wahl, wenn es um Barsche geht.

Flacher Körper: oder sogenannte Rat-L Traps bzw. Lipless Crankbaits. Diese Cranks sind dünn und haben flache Seiten; Tauchschaufel ist quasi keine existent. Sie werden in Deutschland oft mit Vertikalködern verwechselt. Klar funktioniert das auch, aber ob man das Potential verschwenden will, sei mal dahingestellt. Lipless Cranks lassen sich „runterzählen“.Diese Köder sinken ca 30 cm. pro Sekunde, somit kann man diese auf gewünschte Tiefe sinken lassen und dann loskurbeln.

Sinkeigenschaften:

Zu den Sinkeigenschaften muss ich denke ich nicht viel erklären, diese sollte jeder kennen. Auftreibend, sinkend und schwebend gilt es hier zu unterscheiden. Einzig sei erwähnt, dass bei den auftreibenden Cranks man darauf achten sollte, wie stark der Auftrieb ist. Es gibt Modelle, die schweben gemütlich gen Wasseroberfläche, andere schießen förmlich nach oben. Als Daumenregel kann man sich merken: Je mehr Volumen der Körper hat, desto schneller steigen diese dann auf. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Hier gilt es einfach auszuprobieren und ein bisschen ein Gefühl für den jeweiligen Köder zu bekommen. Ich mache das so, dass ich den Köder ans Ufer kurble, bis ich ihn sehen kann, dann einfach schauen, wie weit er in einer Sekunde steigt. Ich stehe hier übrigens nicht mit Stoppuhr am Wasser, sondern zähle einfach. Mit der Zeit bekommt man so den Dreh raus, wie hoch der Köder nach einem Kurbelstop steigt. Das macht es relativ einfach,  diesen dann über Hindernisse im Wasser steigen zu lassen.

 

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Farbe:

Schaut man sich in Onlineshops, Katalogen oder, ganz klassisch, im Regal beim Händler ums Eck das Angebot an Crankbaits an, fällt eines auf: Es gibt gefühlte 50 Millionen Farben und Dekors. In erster Linie fangen diese eines – nämlich euch! Klare Empfehlungen zur Farbe werde ich keine geben, das hängt einfach von zu vielen Faktoren ab.

Man kann sich aber ohne Bedenken an folgende Regel halten: Klares Wasser – natürliches Dekor, trübes Wasser – Schockfarben. Ich denke, über Schockfarben muss ich nicht viel erzählen, also: Was versteht man unter natürlichem Dekor? Wie wir bereits wissen, fangen Cranks nicht durch detailgetreue Imitation, sondern durch andere Faktoren. Also kann man hier davon ausgehen, dass man eben nicht Wert aufs Detail legen muss. Es ist dem Fisch gerade mal Schnurz, ob man nun jede einzelne Schuppe erkennt oder ob die Flossen fein herausgearbeitet sind. Im Idealfall sieht der Barsch unseren Crank nur ganz kurz, bevor er zuschnappt.

Viel wichtiger ist, dass man die groben Merkmale im Dekor wiederfindet: Hat man viele Weißfische, dann ist heller Bauch, dunkler Rücken die Devise. Viel Barschbrut im Wasser? Grünlicher Köder mit Streifen und vielleicht ein paar roten Akzente. Man muss hier keine Wissenschaft betreiben, orientiert euch grob am Futterangebot und ihr macht nichts falsch.

Weitere Eigenschaften:

Hier sei die Größe erwähnt, diese sollte man auch auf die gängige Futtergröße anpassen. Als gute Größen haben sich in meinen Tests 4-7cm herauskristallisiert. Die Länge ist hier nur der Body ohne die Tauschschaufel. Bei Supertiefläufern werden hier aus 7cm ganz schnell auch mal 11-12cm ,wenn man diese mit einbezieht.

Auch bei den Rasseln gibt es x Variationen: welche, die eher heller klingen mit vielen kleinen Kügelchen, oder aber andere mit weniger Kugeln, die dafür im tieferen Frequenzbereich ihre Reize ins Wasser aussenden. Auf was genau die Fische jetzt anspringen, muss man austesten, ein wirklich verlässliches Muster habe ich für mich noch nicht gefunden.

Seit der ursprünglichen Aktion dieses Beitrages hab ich mir dann doch zu den Rasseln dann doch etwas genauer recherchiert und Gedanken gemacht. Ich bin hier auf ein paar interessante Ansätze gestoßen, um diese vernünftig bewerten zu können brauch ich wohl noch die ein oder andere Saison, würde sie aber trotzdem gerne mal erwähnt haben.

Wie wir ja bereits wissen, wollen wir keinen Preis für die beste Beutemitation erhalten, sondern dem Fisch dazu bringen den Ködern zu schnappen bevor dieser wieder aus dem Gesichtsfeld verschwindet. Stellen wir uns also mal folgende Situation vor: Irgendwo im hindernissarmen Wasser dümpelt einer der großen, misstrauischen Alten herum und irgendwo außerhalb des Wassers steht dann Fischers Fritze (bzw. wir)  und überwerfen diesen mit einem großen Crank voller Tungstenkugeln. Dieser kommt dann laut klappernd von hinten auf unseren Barsch zu. Dieser wird zum einem alle Zeit der Welt haben die Richtung aus der das Geräusch kommt zu lokalisieren und den Verursacher (sprich unseren Crankbait) erstmal aus sicherer Entfernung betrachten. Somit haben wir uns zwar die Aufmerksamkeit gesichert, aber eben auch dem Fisch die Möglichkeit gegeben unseren Bait genauer zu betrachten. Eigentlich genau das was wir nicht wollten! Hier wäre dann offensichtlich ein leiser Crankbait vom Vorteil gewesen und hätte doch noch den Beißreflex auslösen können.

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Wie schon gesagt, daraus eine Wissenschaft machen muss nicht wirklich sein, man wird auch so fangen. Aber eventuell ist ja sogar was dran, wenn nicht ist es trotzdem mal spaßig da ein wenig zu testen, eigene Theorien aufzustellen und dann versuchen da irgendwie ein Muster herauszufinden. Und wenn man mal ehrlich ist: Unser Hobby wäre wirklich nur halb so schön ohne die ganzen Spinnereien über die man sich so den Kopf zerbricht, auch wenn es nicht wirklich notwendig wäre.

9 Kommentare zu Crankbait 101 – I: die Grundlagen des Crankens

  1. Guter Artikel. Welche Rute fischt du? Diese Köder wiegen ja recht unterschiedlich viel und Laufen sehr unterschiedlich Tief.

    Grüsse

    Jan

  2. Ich fische momentan eine Custom auf Basis eines Rainshadow CB70M, allerdings als Spinning aufgebaut (ich weiß, ich weiß, ich brauch aber die Wurfweite). Bis auf die beiden Deep-X 200 lassen sich mit dem alle Köder in der Box vernünftig fischen, Deep-X 200 geht zwar noch, aber muss nicht auf Dauer sein.

  3. Gut geschrieben und auf jeden Fall die Lust wieder etwas geweckt, diese von mir (obwohl in nicht zu verachtender Stückzahl vorhanden) selten gefischten Köder des Öfteren ans Band zu hängen. Danke

  4. Wie schon im Thread gesagt: Für mich hat der Artikel endlich zu ersten Erfolgen mit Cranks geführt. Und das beste daran: Das Angeln an Steinpackungen ist auf einmal wieder richtig spannend.

    Sehr guter Artikel, danke dafür!

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