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Lauerput

Master-Caster
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Nun haben wir aber den Zeitpunkt schon lange hinter uns, an dem der Mensch die "Natur sich selber regeln lassen kann". Seit wir den Lebensraum für uns beanspruchen, haben wir mit unserer Siedlungsform Auswirkungen auf die Natur. Und damit geht die Verantwortung der Regulierung einher: Stichwort Wildtiermanagement, das tägliche Brot von Jägern und Förstern. Und da kann man rütteln und argumentativ zerren, wie man will: Ohne das gibt es mehr Verlierer als Gewinner. Nicht beim Mensch, sondern bei der Natur. Der Bestand auch an Wildschweinen selbst würde sich dann selbst erliegen.

Beispiel: Wir haben Bär und Wolf weitestgehend aus unserem von der Natur- zu Kulturlandschaft gewordenem Siedlungsraum verdrängt. Wer hält Populationen von Wildschweinen im Griff? Oder anders: Was wäre wenn das keiner tut? Dann wäre an Landwirtschaft, beziehungsweise an effizienten Ackerbau (der Ursprung unseres Fortschrittes/ENtwicklung/Wohlstand) nicht mehr zu denken. Irgendwann würden die Tiere an durch Überpopulation bedingten Krankheiten eingehen.

Wieso sollte dieses nachweislich funktionierende als auch unverzichtbare Bestands Management also vor der Vogelwelt Halt machen? Wenn es nicht mehr genug Räuber gibt, die sich über den Kormoran hermachen, weil wir diese Prädatoren auch verdrängt haben, wer macht es dann? Die Natur selbst? Siehe Beispiel Wildschweine oder Weiterlesen. Ich sehe es ganz pragmatisch: Wir haben diesen Lebensraum für uns in Anspruch genommen, also haben wir auch die Pflicht, uns um ihn zu kümmern. Ob wir dies voll umfänglich und in guter Qualität tun, steht auf einem anderen Blatt. Dass wir es als Alpha-Prädator, der alles andere sich unterordnet, müssen, steht außer Frage. Man lässt sein Terrain/Haus nun mal nicht vergammeln. Außer ein paar fragwürdige Individuen vielleicht. Der Rest pflegt die Basis seiner Ernährung, die Grundlage der Existenz.

Klar können wir abwarten, bis der Kormoran alles zerhackt, bis auch der letzte Fisch verpilzt und der letzte Fischwirt pleite gegangen ist. Dann gibts für den Kormoran irgendwann nichts mehr zu futtern, seine Reproduktion wird wenig erfolgreich, seine Population passt sich wieder dem Nahrungsangebot an. Das wäre der natürlich Lauf. Aber bevor fast gänzlich ausgestorben oder extrem (sich selbst) dezimiert hat, erwischt es fast alle, die unter ihm angesiedelt sind.

Aber die Frage, wollen wir das? Also von mir aus würden 40% weniger dieser Vögelchen die Kormoran-Population nicht an den Abgrund bringen (zumal wir wissen, wie schnell sie sich wieder erholt).
Aber grundehrlich freuen würde ich mich, wenn der Äschenbestand nicht auf einem genetisch verarmten Bestand von 1,4 Fischen pro Flusskilometer in 10 Jahren wieder aufbauen muss. Falls 10 Jahre dann nicht schon zu viel sind.
Oder die Nistplätze von anderen schönen Vogelarten, wie dem Schwarzspecht, völlig zugeschissen und weggeätzt werden. Gerne würde ich meinem Kind die Vielfalt der Tierwelt zeigen ohne sagen zu müssen: Die Kormoran raffen sich erst in 20 Jahren an der Vogelgrippe nieder, bis dahin schauen wir heimische Tierwelt auf Youtube an.

Nö, hab ich gar keinen Bock drauf. Schon gar nicht, wenn zwei Beschlüsse und ein paar Knall-Pengs das Ganze so regulieren könnten, wie man es überall sonst auch tut. oder will ich das aus reinem Angelegoismus etwa? Nö, auch nicht, da ich quasi nicht mehr fischen gehe.

Ich mag halt die Erkenntnis, dass Management Vielfalt ermöglicht. Und das ist toll! Und habe wirklich so gar kein Verständnis dafür, wie nachweislich seit Jahrunderten funktionale fortwirtschaftliche Aktivitäten plötzlich bei diesem einen Viech vollkommen in Frage gestellt werden. Es ist vollkommen absurd und eigentlich schon Tierarten diskriminierend, einem Vogel x andere Tierarten auszuliefern. Schutzlos und ohne Not. Und vermutlich hätte der ein oder andere Kormoran auch ein schöneres Leben, wenn er sich nicht um die letzten 3 Plötzen mit 20 Kollegen streiten muss, sondern einfach satt wird und aufgrund etwas lauter Gewitter halt nur noch 2 Küken statt 25 im Leben durchbringt.
Bei uns ist der Abschuss des Cormorans, um erhebliche fischereiwirtschaftliche Schäden abzuwenden und heimische Fischbestände zu schützen, unter bestimmten Umständen erlaubt. Ich hab mal einen Jäger getroffen, der gleichzeitig auch an unseren Gewässern angelt und regelmäßig auch Cormorange erlegt. Leit seiner Aussage, wird dies jedoch von mal zu mal schwieriger, da die Cormorane sofort erkennen, ob er mit der Angelrute oder dem Gewehr unterwegs ist.
 

Vik le Trik

Finesse-Fux
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Nun haben wir aber den Zeitpunkt schon lange hinter uns, an dem der Mensch die "Natur sich selber regeln lassen kann". Seit wir den Lebensraum für uns beanspruchen, haben wir mit unserer Siedlungsform Auswirkungen auf die Natur. Und damit geht die Verantwortung der Regulierung einher: Stichwort Wildtiermanagement, das tägliche Brot von Jägern und Förstern. Und da kann man rütteln und argumentativ zerren, wie man will: Ohne das gibt es mehr Verlierer als Gewinner. Nicht beim Mensch, sondern bei der Natur. Der Bestand auch an Wildschweinen selbst würde sich dann selbst erliegen.

Beispiel: Wir haben Bär und Wolf weitestgehend aus unserem von der Natur- zu Kulturlandschaft gewordenem Siedlungsraum verdrängt. Wer hält Populationen von Wildschweinen im Griff? Oder anders: Was wäre wenn das keiner tut? Dann wäre an Landwirtschaft, beziehungsweise an effizienten Ackerbau (der Ursprung unseres Fortschrittes/ENtwicklung/Wohlstand) nicht mehr zu denken. Irgendwann würden die Tiere an durch Überpopulation bedingten Krankheiten eingehen.

Wieso sollte dieses nachweislich funktionierende als auch unverzichtbare Bestands Management also vor der Vogelwelt Halt machen? Wenn es nicht mehr genug Räuber gibt, die sich über den Kormoran hermachen, weil wir diese Prädatoren auch verdrängt haben, wer macht es dann? Die Natur selbst? Siehe Beispiel Wildschweine oder Weiterlesen. Ich sehe es ganz pragmatisch: Wir haben diesen Lebensraum für uns in Anspruch genommen, also haben wir auch die Pflicht, uns um ihn zu kümmern. Ob wir dies voll umfänglich und in guter Qualität tun, steht auf einem anderen Blatt. Dass wir es als Alpha-Prädator, der alles andere sich unterordnet, müssen, steht außer Frage. Man lässt sein Terrain/Haus nun mal nicht vergammeln. Außer ein paar fragwürdige Individuen vielleicht. Der Rest pflegt die Basis seiner Ernährung, die Grundlage der Existenz.

Klar können wir abwarten, bis der Kormoran alles zerhackt, bis auch der letzte Fisch verpilzt und der letzte Fischwirt pleite gegangen ist. Dann gibts für den Kormoran irgendwann nichts mehr zu futtern, seine Reproduktion wird wenig erfolgreich, seine Population passt sich wieder dem Nahrungsangebot an. Das wäre der natürlich Lauf. Aber bevor fast gänzlich ausgestorben oder extrem (sich selbst) dezimiert hat, erwischt es fast alle, die unter ihm angesiedelt sind.

Aber die Frage, wollen wir das? Also von mir aus würden 40% weniger dieser Vögelchen die Kormoran-Population nicht an den Abgrund bringen (zumal wir wissen, wie schnell sie sich wieder erholt).
Aber grundehrlich freuen würde ich mich, wenn der Äschenbestand nicht auf einem genetisch verarmten Bestand von 1,4 Fischen pro Flusskilometer in 10 Jahren wieder aufbauen muss. Falls 10 Jahre dann nicht schon zu viel sind.
Oder die Nistplätze von anderen schönen Vogelarten, wie dem Schwarzspecht, völlig zugeschissen und weggeätzt werden. Gerne würde ich meinem Kind die Vielfalt der Tierwelt zeigen ohne sagen zu müssen: Die Kormoran raffen sich erst in 20 Jahren an der Vogelgrippe nieder, bis dahin schauen wir heimische Tierwelt auf Youtube an.

Nö, hab ich gar keinen Bock drauf. Schon gar nicht, wenn zwei Beschlüsse und ein paar Knall-Pengs das Ganze so regulieren könnten, wie man es überall sonst auch tut. oder will ich das aus reinem Angelegoismus etwa? Nö, auch nicht, da ich quasi nicht mehr fischen gehe.

Ich mag halt die Erkenntnis, dass Management Vielfalt ermöglicht. Und das ist toll! Und habe wirklich so gar kein Verständnis dafür, wie nachweislich seit Jahrunderten funktionale fortwirtschaftliche Aktivitäten plötzlich bei diesem einen Viech vollkommen in Frage gestellt werden. Es ist vollkommen absurd und eigentlich schon Tierarten diskriminierend, einem Vogel x andere Tierarten auszuliefern. Schutzlos und ohne Not. Und vermutlich hätte der ein oder andere Kormoran auch ein schöneres Leben, wenn er sich nicht um die letzten 3 Plötzen mit 20 Kollegen streiten muss, sondern einfach satt wird und aufgrund etwas lauter Gewitter halt nur noch 2 Küken statt 25 im Leben durchbringt.
Danke für diesen mMn sehr guten Beitrag und die Einordnung. Manche wollen einfach nicht wahr haben, dass wir uns seit einigen Momenten im Erdzeitalter des Anthropozän befinden. Von wegen wilde Natur und nicht eingreifen...
 

Vik le Trik

Finesse-Fux
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Viele interessante und valide Sichtweisen, die hier vertreten werden. Danke dafür! Die Wahrheit (oder der Kompromiss) liegt wie so oft sicher irgendwo dazwischen.

Wie dem auch sei, am heutigen Nachmittag war wieder einiges los auf der Alten Fahrt, das konnte man schon von der Tram aus gut erkennen.... Wäre ich ein Kormoran vom zugefrorenen Glindower See, würde es mich spätestens jetzt auch an den gedeckten Tisch ziehen. Ohne Sorge, dass einem die Wobbler um die Ohren fliegen. Aber ob die Situation da jetzt repräsentativ ist? Da habe ich meine Zweifel. Aber auch, dass es in ganz Brandenburg nur 600 Brutpaare geben soll!? No way!
Ich würde fast behaupten, dass wir am Wannsee (Insel Imchen) und Pfaueninsel mehr Brutpaare haben, als für Brb angegeben.

Was ich nicht verstehe, dass es keine belastbare Zahl an Tieren gibt. Jeder haut irgendeine Zahl raus. Gibt's kein Monitoring, weil doch eine in der Existenz bedrohte Art ;) ???

Hat den Prof. Arlinghaus et al & Co noch nix über diese Thematik geforscht und publiziert?
Dafür können die Verbände gerne Mal was locker machen.
 

Keilerkopf

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Viele interessante und nachvollziehbare Statements hier.
Das Grundproblem der Objektivierung bleibt für mich allerdings, da es scheinbar weder belastbare Zahlen zur Anzahl der Kormorane noch zur Biomasse über alle Gewässer gibt.
Daher können wir vortrefflich streiten. ;-)
Zuchtgewässer mit abnormer Fischdichte und täglicher externer Futterzufuhr sind als Vergleich zu anderen Gewässern auch fragwürdig.
Bei den leer gefressenen Forellen- und Äschenregionen ist sicher auch zu fragen, ob das mäandernde Fliessgewässer mit Totholzeintrag, Wurzelgeflecht und vielen Steinverstecken sind oder eher kanalisierte deckungsarme "Kanäle".

Zum Winterquartier hier:
Die Vögel werden bestimmt einiges verputzen dort in den 5-14 Tagen, aber wie bewerten wir, ob das kritische Mengen sind auf das Gewässersystem? Geht der Kormoran bevorzugt auf kranke, langsame Fische?

Mein Fazit ohne objektive Daten wäre daher weder die Verteufelung noch der Heiligenschein:
Wenn die Tiere nicht mehr gefährdet sind (und das ist die Art definitiv nicht), plädiere ich für eine Freigabe der Jagd bei entsprechender Verwertung (Gulasch, Schinken, was auch immer). Die Tiere für die Mülltonne töten, fände ich unangemessen.

PS: Zu gewissen Zeiten helfen die Vögel mir vom Ufer analog zu anderen Raubvögeln sogar beim Finden der Fische.
 

dietel

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Hi Leute.
Das Thema berührt mich. Mein Boot liegt im Wannsee. Ich liebe das Angeln auf der Havel. Mir machen die Vögel Sorgen. Kann auch sein, dass sie unbegründet ist. Kann auch sein, dass die vielen Angler mindestens genauso einen Eingriff in den Bestand vornehmen. Fest steht, dass sehr viel Fisch in den Winterlagern steckt und wenn der weggefressen ist, wird man das sicher bemerken.

Ich habe einen Link zu einem kleinen Clip von heute morgen:

 

Mohrchen

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Bei den leer gefressenen Forellen- und Äschenregionen ist sicher auch zu fragen, ob das mäandernde Fliessgewässer mit Totholzeintrag, Wurzelgeflecht und vielen Steinverstecken sind oder eher kanalisierte deckungsarme "Kanäle".
Bei den, von Kollegen Drehteufel genannten Flüssen/Bächen handelt es sich keineswegs um kanalisierte deckungsarme "Kanäle" - jedenfalls nicht bei Selke und Wipper. Das weiß ich mit Sicherheit, da ich selber aus der Region komme bzw. dort aufgewachsen bin und Totholzeintrag, Wurzelgeflecht und vielen Steinverstecke gibt es dort genug.
 

Keilerkopf

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Bei den, von Kollegen Drehteufel genannten Flüssen/Bächen handelt es sich keineswegs um kanalisierte deckungsarme "Kanäle" - jedenfalls nicht bei Selke und Wipper. Das weiß ich mit Sicherheit, da ich selber aus der Region komme bzw. dort aufgewachsen bin und Totholzeintrag, Wurzelgeflecht und vielen Steinverstecken gibt es dort genug.
Danke für die Antwort auf meine Frage. Unsere Oker ist in manchen Ecken bspw. sehr begradigt und soll jetzt eine Renaturierung erfahren. An solchen Ecken ist es für den Räuber (vermutlich( einfacher. Hat mich daher inetressiert, wie die Struktur da war/ist.
 

offset

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Bachforellen stellen sich ins Holz, die Äsche zieht sich bei Gefahr in die tiefen Bereiche des Kolkes bzw. der Gumpe, ganz anderes Fluchtverhalten. Dort wird sie jedoch zur leichten Beute. Da hilft auch Struktur nix, sie stellt sich einfach nur ins Tiefe.

Es stellt sich jedoch die Frage, warum die Äsche seit der letzten Eiszeit kein andere Überlebensstrategie gegenüber dem Kormoran entwickelt hat, 90 Prozent Populationsverlust sind nicht so häufig reproduzierbar...

Gibt es Binnenkormorane vielleicht noch nicht so lange in Europa und was ist mit der These, dass Holländer im Mittelalter Kormorane aus China zum Fischfang in Europa mitbrachten?

Beim Kormoran passt vieles nicht zusammen.
 

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