Wartungsanleitung für Stationärrollen am Beispiel eine Abu REVO S

Dies ist eine Wartungsanleitung für Stationärrollen. Hier schauen wir uns die aktuelle Abu Garcia Revo S 30 an und ich erkläre Schritt für Schritt die Demontage und Montage. Eine feine Rolle mit modernster Rollenbautechnik aus dem hause Abu Garcia. Natürlich ist das ganze, bis auf Details, auch auf viele andere Stationärrollen übertragbar.

Bevor ihr selber ans Werk geht nochmal der Hinweis: Bitte legt nur selbst Hand an eure guten Revos an, wenn ihr euch das zutraut und nicht zwei linke Hände habt! Und achtet darauf, dass ihr die Teile nicht verliert. Ein gutes System ist, sich die Einzelteile in der Reihenfolge, in der ihr sie der Rolle entnehmt auf die Arbeitsfläche zu legen. Wer keine Explosionszeichnung mehr hat, kann das Demontieren auch mit dem Handy oder eine Cam filmen, um auf Nummer sicher zu gehen.

Nötige Grundausrüstung:

– saubere große Arbeitsfläche
– kleiner Kreuzschlitzschraubendreher
– mittlerer Kreuzschlitzschraubendreher
– mittlerer Schlitzschraubendreher- 10 bzw. 11er Maulschlüssel oder WaPuZa
– 2er Imbus
– Küchenrolle oder Tempos
– Ohrstäbchen
– Reinigungsalkohol
– Rollenfett (am besten farbig)
– Rollenöl

So nun kann´s losgehen:

Bremsknopf, Spule und Kurbel entfernen.

Jetzt schauen wir uns den Schnurfangbügel an. Seitenabdeckung vom rechten Arm des Schnurfangbügels mit dem 2er Imbus entfernen. Vorsicht beim entfernen der Feder – die ist immer gespannt. Hier sehen wir jetzt die Mechanik bei geschlossen und offenem Bügel.

Auf beiden Seiten kann man jetzt die Schrauben für die Befestigung des Bügels entfernen.

So sieht das Ganze dann demontiert aus, Bügel reinigen und zur Seite legen.

Die 2 Kleinteile sind die flexible Aufnahme für die Feder und liegen nur in ihren Führungen.

Sollte man auf der linken Seite den Bügel entfernen müssen – das ganze ist mit einem Sprengring gesichert.

Hier noch die demontierte Führung des gelagerten Schnurlaufröllchens.

Bei der Montage dürfen alle Teile des Bügels ein wenig Fett abbekommen. Die Konstruktion des Schnurfangbügels sollte man aber nur anfassen wenn es Probleme gibt.

Weiter gehts mit der Rolle:

Wir entfernen jetzt die einzelnen Dichtungen, U-Scheiben usw. auf der Achse in entsprechender Reihenfolge und legen sie geordnet zur Seite.

Jetzt muss die Schraube und die Sicherung der Achse entfernt werden.

Der Rotor kann nun vorsichtig abgezogen werden.

Hier sieht man nochmal die Mechanik für den Schnurfangbügel am Rotor.

Jetzt entfernen wir die Schrauben für das Achs- und Lagercover. Cover zur Seite legen.

Vorsichtig die beiden Federn für die Rücklaufsperre entfernen.

Jetzt können wir das Getriebegehäuse öffnen. Alle 3 Schrauben entfernen.

Hier sehen wir jetzt das geöffnete Rollengetriebe.

Jetzt die gesamte Achswelle mit Lagern usw. unter leichtem drehen raus ziehen.

Einzelteile ggf. reinigen und geordnet zur Seite legen.

Alle 3 Schrauben auf der Kurbelseite lösen.

Jetzt wird die Führung für die Kurbel und das Kugellager sichtbar. Lager vorsichtig mit Scheiben entfernen.

Nun auf der anderen Seite die Abdeckung entfernen und wieder die 3 Schrauben lösen.

Jetzt vorsichtig die Spulenachse und den Führungsbolzen entfernen und reinigen.

Nun auf der anderen Seite die Abdeckung entfernen und wieder die 3 Schrauben lösen.

Das 2te Lager entfernen und die markierte Schraube lösen.

Nun auf der anderen Seite die Abdeckung entfernen und wieder die 3 Schrauben lösen.

Jetzt die markierte Schraube im Getriebe entfernen und sichern.

Hier sieht man jetzt das komplett entfernte Getriebe. Natürlich solltet ihr euch genaustens den montierten Zustand merken bzw. dokumentieren. Jetzt alles reinigen.

Jetzt das gereinigte Hauptzahnrad wieder einsetzen.

Den Zahnradrahmen vorsichtig aufsetzen.

Jetzt erst das kleine Zahnrad auf den Bolzen setzen und dann das Zweite wieder festschrauben.

Jetzt erst den gesamten Rahmen wieder verschrauben und auf beiden Seiten die Lager sowie die Abdeckung wieder anbringen damit das ganze wieder fixiert ist.

Erst jetzt gehts ans fetten des gereinigten Getriebes. Natürlich an allen Zahnrädern und Achsen und übermäßig sparsam muss man auch nicht sein.

Die Spulenachse auch an den markierten Stellen fetten und einsetzen.

Auch der Führungsbolzen muss gefettet werden.

Die Abdeckung mit den 3 markierten Schrauben wieder montieren und das Pinion fetten und unter leichtem drehen einsetzen.

Das Achslager ggf. fetten oder ölen und vorsichtig einsetzen.

Das Walzenlager für die Rücklaufsperre vorsichtig einsetzen.

Die Führungshülse gleich mit oder im Nachhinein einsetzen.

Der Lagerhalter in der richtigen Richtung wieder aufsetzen und danach noch das Kugellager.

Jetzt die beiden federn wieder an den markierten Stellen einsetzen, hier ist Vorsicht geboten und eventuell doch eine kleine Spitzzange sinnvoll.

Das Cover mit den 3 markierten Schrauben wieder montieren.

Die Kontermutter wieder auf die Achse schrauben und die Sicherung nicht vergessen.

Jetzt die Dichtungen und Scheiben in umgekehrter Reihenfolge wieder montieren.

Nun kann die Spule mit Bremsknopf wieder montiert werden.

Und fertig ist die Revo S für den nächsten harten Drill.

by Dirk Nestler

Special thanks to: Johannes Dietel and Pure Fishing Deutschland

11 Kommentare

  1. Klasse, Dirk! Die 7 h Arbeit haben sich echt gelohnt. Wer jetzt nicht durchblickt, dem kann kein Tutorial der Welt helfen. Für mich steht fest: Ich lasse lieber warten 🙂 Aber man muss ja nicht gleich alles auf einmal können. Ggf. reichen ja schon "Teil-Wartungen" aus, um die Rolle wieder fit zu bekommen.

    Hut ab! Ganz toll! Danke im Namen der Community!

  2. Danke für die Blumen! Ja, Multis sind definitiv einfacher. Also nochmal an alle: Wer zwei linke Hände hat – Finger weg! 😉

    Ich wünsche viel Spaß in Schweden, wir hören uns dann.

  3. Wow, eine super Anleitung mit vielen anschaulichen Bildern! Ich werde es demnächst mal probieren eine Rolle ganz auseinander zu nehmen.
    Danke dafür!

  4. Im Großen und Ganzen an der Stationärrolle nur Rollenfett. Öl nur für die Lager zum Beispiel. Das ist aber keine allgemein gültige Aussage, kommt starke aufs Fett/Öl und auf die Art und Weise des Zusammenspiels der einzelnen Teile an.

  5. Echt gut gemacht, klasse Bildestrecke, ne Menge Mut und so wie es aussieht auch Können. Die Rolle soweit auseinander zu nehmen hab ich mir noch nicht getraut, vielleicht nächsten Winter.

  6. Naja, Fett im eigentlichen Sinne nicht. Ist ja bei den meisten Rollen gelagert. Also Lager sollte man nicht abfetten, dann eher Ölen. Kommt aber auf Material an. Penn hat zum Beispiel ein Rollenfett was ne Mischung zwischen Öl und Fett darstellt – das ist sehr universell.

  7. Danke!! Danke!! Und nochmals danke @ tilla!!! Meine orra s macht komische schleifgeräusche …… Und ich hätte mich nie im leben getraut das ding selber aufzuschrauben!!!!! Jetzt werde ich es in angriff nehmen und hab da keine große angst mehr dank deiner anleitung!!! Hammer!!
    Meinen allergrößten RESPEKT und DANK an TILLA!!!!!!!!!

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