Spontantrip zu den Elbzandern

Spontantrip zu den Elbzandern

Aus beruflichen und wettertechnischen Gründen war ich seit Mitte Dezember nicht mehr am Wasser. Schlechte-Laune-Alarm bei mir zu Hause! Die einzig wahre Medizin: ein paar Tage Gummis schmeißen. Also den Veit anrufen und zu ner Tour überreden. „Wo willste denn hin?“ „Drei Optionen: Sund, Peenestrom oder Hamburg.“ „Mir eigentlich egal.“ „Dann regel ich das mal.“ Und wie das Leben so spielt, wünscht mir Marco Mühle (m&m spezial fishing) am selben Tag über Facebook ein schönes neues Jahr. Der Mann guidet u.a. in Hamburg und Umgebung und hat Bock auf eine gemeinsame Erkundungstour. Eine Viertelstunde später sind wir zum Buhnen-Hopping an der niedersächsischen Elbe verabredet. Zwei Tage später sitzen Veit und ich in meinem alten Audi 100 und brettern voller Vorfreude auf einen viertägigen Ausflug in Richtung Norden.

Dass man sich im Januar auch mal durch ein paar ungemütliche Tage angeln muss, ist ja klar. Dass „ungemütlich“ gleich am ersten Angeltag der Saison dann derart ungemütlich ausfallen muss, hat uns dann aber schon ein bisschen getroffen. Windstärke 7 mit Böen bis 80 km/h. Dazu Dauerregen. „Tief Hannes“ macht seinem Namen mal wieder alle Ehre. Da Abhängen auf dem Hotelzimmer nur unwesentlich geiler als ein Uferangeltag im Sturm ist, ging’s am Donnerstag um 7.30 Uhr allem Wind und Wetter zum Trotz ans Wasser. Wobei wir uns erstmal durch Hamburg kämpften, um Sören vom Team „Dicht am Fisch“ aufzusammeln. Auch eine interessante Erfahrung übrigens. Denn in Hamburg steht sich’s zur Rushhour fast so schön im Stau wie auf der allseits beliebten Berliner Stadtautobahn. Aber Sören hat halt die heißen Spots parat.

Und außerdem ist er voll der nette Typ und mit dem Moment, in dem wir dann endlich am Wasser stehen, ist die ausgebremste Anglerseele auch schon dabei, sich zu regenerieren. Auch wenn’s gleich wieder zu regnen anfängt und wir es mit einem Schnurbogen bis nach Magdeburg zu tun haben. Köderkontrolle gleich null. Angel-Komfort bei minus Eins. Und trotzdem tut‘s einfach nur gut, den Köder rauszuschleudern.

Klar, dass unter solchen Bedingungen kein Inferno zu erwarten ist. Einen guten Fisch bekommen wir an diesem Tag dennoch zu sehen. Nach 4 Stunden erbarmt sich ein 75er Zander und haut sich Marcos Gummifisch derart beherzt rein, dass der Anhieb trotz XXL-Schnurbogen durchkommt.

Knapp zwei Stunden später streichen wir dann aber doch die Segel. Schließlich müssen die wasserdurchtränkten Klamotten bis zum nächsten Tag auch irgendwie trocken werden.

Und für morgen ist ja auch besseres Wetter angesagt. Sagt zumindest die Wetter-App auf Veits Smartphone.

Von wegen! Aller rosigen Aussichten zum Trotz regnet und windet es am Morgen des zweiten Tages genauso wie am ersten. Doch – oh Wunder – während wir uns auf den Weg ans Wasser machen, reißt der Himmel auf! Reines Blau! Dazu ein bisschen Weiß! Wie geil! Am Wind ändert sich aber leider wenig. Und der bringt schnell wieder graue Wasserwolken mit. Und so stehen wir nach einer halben Stunde wieder voll im Regen und im Sturm.

„Klasse App, Veit. Echt super. Voll die Billig-Version mit immer gutem Wetter, oder was?“ Ich lasse ja eigentlich keine Gelegenheit aus, um dieses nervige Smartphone zu attackieren, das Veit meiner Meinung nach viel zu intensiv nutzt. Aber wenig später erweist sich das kommunikationstötende Wunderwerk des Fortschritts dann doch als relativ nützlich. Und zwar als wir uns eine Stelle suchen wollen, an der wir den Wind von hinten haben. Also „Maps“ angeschmissen, eine Weile beratschlagt, ins Auto gesetzt, losgefahren, abgeparkt, über den Deich gelaufen und mit großer Begeisterung festgestellt, dass dieser den Wind fast komplett entschärft und wir einen Angelplatz gefunden haben, an dem wir zumindest rein technisch gesehen angeln können. Außerdem hat’s aufgehört zu regnen. Als Marco dann mit dem 3. Wurf gleich einen ganz ordentlichen Zander überreden kann…

… und auch der Veit auch ein paar Bisse bekommt, steht fest, dass wir hier bleiben. Als Marco seinen zweiten und dritten Fisch fängt…

… und ich immer noch bei null Kontakten stehe, fange ich fast schon an, an mir zu zweifeln. Sollte ich das Zanderzuppeln echt verlernt haben? Letztes Jahr lief‘s zandertechnisch ja auch nicht wirklich toll. Und nun angelt mir der Marco einen vor. Und auch der Veit bekommt einen Biss nach dem nächsten, kann die Anfasser aber nicht verwerten. ‚Da. Ein Festhalter! Aha. Na wenn die so mausig beißen, isses auch wirklich schwer.‘ Trotzdem biegt sich meine Rute ganz ordentlich. Und wenig später ist meine Schulter ein bisschen leichter. Schließlich steht man als Teamangler und Fachautor ja auch immer ein bisschen auf dem Prüfstand.

Ca. drei Beissflaute-Stunden später denke ich mir, dass es schon schön wäre, wenn man mal einen richtigen Zanderbiss bekäme. Der bleibt aber aus. Ein Fisch hängt trotzdem an der Angel. Gebissen hat er 5 m vorm Ufer, direkt an der Steinpackung. Diesmal ist der Köder fast komplett im Maul. Schon seltsam, dass da gar nix bei mir ankam. Aber gut…

Als der Angeltag zu Ende ist, hat Veit immer noch keinen Fisch. Und auch bei Marco wollte niemand mehr am Haken kleben bleiben. Dafür dass die Zander aber eigentlich gar nicht beißen wollten, sind wir recht zufrieden mit der Ausbeute: 5 Zander und – was noch viel schwerer wiegt – ein neu entdeckter Zanderspot. Damit lässt sich‘s doch leben. Zumal wir ja immer noch zwei Tage Zeit haben.

Nächster Tag. Wetterwechsel. Klarer Himmel. Sonnenschein. Dafür aber steigender Luftdruck in Kombination mit einer Kaltfront. Mal sehen, was die Zander dazu sagen. Natürlich wollen wir nochmal an denselben Spot. Diesmal mit perfekt auf die Angelsituation abgestimmter Köderbox. Und um die Hamburger Zanderlegende Maik Stein verstärktem Team.

Weil er gestern beide Fische gebracht hat, setze ich wieder auf den Ripple in „Papagei“. Als ich beim zweiten Wurf den ersten spürbaren Biss der Tour verzeichne und Veit mir den Fisch auch landen kann,…

… ist die Hoffnung groß, dass die Fische heute beißen wollen. Pustekuchen. In den nächsten beiden Stunden passiert überhaupt nichts. Wir testen uns durch die Box. Fischen mal mit einer überschweren Creature in Motoroil, mal mit grellen No-Action-Shads, mal mit schweren Großgummis, mal mit leichten. Bis Veit, der zwar viel mehr Bisse als wir anderen bekommt, aber keinen verwandeln kann, dann doch endliche eine Ansage pariert.

Und dann gleich noch eine:

Weil dieser Fisch kurz vorm Ufer – also über der Steinpackung – zugepackt hat, wechsle ich auf einen relativ leichten Kopf vor einem 8 cm-Pulse Shad. Dieses Gespann kann man ohne Angstdrilling fischen, was das Angeln in der Steinpackung wesentlich stressfreier gestaltet. Durch den extrafetten Schaufelschwanz hat man auch im Flachen noch eine schöne Absinkphase. Ein bisschen später ging diese Rechnung dann auf. Allerdings in Form einer Brasse, die sich den kleinen Gummifisch eingesaugt hat. Kein Foto. Weiter werfen. Zwei Würfe später dann ein Festhalter im Ankurbeln vor der Packung. Hängt.

Und wenig später sogar noch ein richtiger Biss. Diesmal wieder fast vor meinen Füßen.

Und weil Maik und Marco in der Zwischenzeit auch ein paar kleinere Zander erwischt haben, sind wir mit dem Gesamtergebnis relativ zufrieden. Dass ich ein bisschen zufriedener als der Rest war, muss ich eigentlich nicht erwähnen. Aber ein bisschen Sticheln muss erlaubt sein 😀

Am letzten Tag der Tour wollen wir nochmal was anderes sehen. Klarer Himmel. Sonnenschein. Malediven-Wetter. Wenn man vom Bodenfrost mal absieht.

„Buhne statt Packung“ lautet die Devise. Diesmal sind Veit, Marco, Maik und ich mit den Felix und Sören von „Dicht am Fisch“ verabredet. Die kommen kurz nachdem ich mit einem Wurf entlang der Strömungskante einen schönen Biss bekommen habe und den Fisch auch fotografieren lassen darf.

Ein bisschen später klappert‘s auch bei Maik ein paarmal. Alles kleinere Zander, von denen auch der Veit zwei verhaften kann.

Und kurz vorm Gehen klappt‘s dann sogar noch mit einem echten Fotofisch.

Fazit: Hart gekämpft und ganz gut gefangen. Die Fische fast gleichmäßig verteilt. Ein tolles Revier kennengelernt. Und auch enorm viele nette Leute getroffen. Uns hat’s großen Spaß gemacht. Und eins ist klar: Wäre dieses Hamburg nicht zu weit weg für einen Tagestrip, hätte uns die Elbe schon längst wiedergesehen…

PS: Ich musste die Fotos bewusst so wählen, dass man die Spots nicht erkennt, da ich das einer Menge Leute versprochen habe. Nachhaken per PN lohnt sich also nicht. Ein Anruf bei Marco ist wahrscheinlich vielversprechender. Das muss der mit den Elbanglern ausmachen. Ich bin draußen 🙂

Kategorien: Fangberichte

Kommentare

  1. Haydar30
    Haydar30 17 Januar, 2012, 16:45

    netter Bericht ! 8)

  2. Havelschreck
    Havelschreck 17 Januar, 2012, 17:05

    Schön,voll die Ripple-Zander 😀 Geile Fische,petri 😀

  3. Dima
    Dima 17 Januar, 2012, 17:13

    Schöner Bericht . 😀 Petri zu den Zettis… Und Danke für die Bilder bearbeitung !!

  4. z_hunter
    z_hunter 17 Januar, 2012, 19:37

    Waren doch schöne Zander dabei!
    Petri Heil zu den gefangenen Fischen 😆

  5. Ekke
    Ekke 17 Januar, 2012, 19:40

    SAUBER Jungs, Klasse!

  6. Ekke
    Ekke 17 Januar, 2012, 19:41

    SAUBER Jungs, Klasse!

  7. Stichling09
    Stichling09 17 Januar, 2012, 19:51

    Schöne Fische. Petri! 🙂

  8. PikeHunter78
    PikeHunter78 17 Januar, 2012, 21:35

    Geiler Bericht Johannes das war ja doch noch ganz erfolgreich. Sehr schöne Fische habt ihr da gefangen da juckt es mich auch in den Fingern. Bei uns am Main ist leider nicht so viel los wegen dem Hochwasser. Ich freu mich schon wenn du mit mir und Kamil im sommer den Forellen nachstellst. Bis dann

  9. Meridian
    Meridian 18 Januar, 2012, 10:23

    Schöne Fische..Gruß an Marco.
    Bastian

  10. bass-jonas97
    bass-jonas97 19 Januar, 2012, 15:20

    scöner bericht

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