Salmo trutta trutta – aus dem Blickwinkel eines Rookies…

Salmo trutta trutta – aus dem Blickwinkel eines Rookies…

Das erste was dem passionierten Spinnfischer zum Thema Meerforelle einfällt, ist wohl der in nahezu jedem Fachmagazin immer wieder heruntergebetete Spruch „ Der Fisch der tausend Würfe“.  So erging es auch mir, als ich per Internetrecherche feststellte, dass der größte der Teil der Anglermeute, der wie ich das Glück hatte, über die Osterfeiertage für einige Tage auf die dänische Insel Als zu kommen, dem Ostseesilber hinterher jagen würde.

Wenn ich einen glücklichen Ausrutscher beim Wurmbaden in Norwegen einfach mal bei Seite lege, sollte es also mein erster ernsthafter Versuch werden, eine der silberfarbenen Schönheiten an den Haken zu bekommen. Als für tauglich befundene Waffe wurde kurzerhand das Tackle zum Gummizuppeln im Rhein entfremdet, da auch dort, zumindest an einigen Stellen, die Wurfweite entscheidend ist. Also zur 3m langen Spinne in Kombination mit einer 4000er Rolle, die mit 0,12er Geflecht bespult war, gegriffen, ein Stück Flourocarbon davor und schon sollten Blinker und Küstenwobbler Richtung Horizont befördert werden.

Ich war wirklich überrascht wie weit diese Konstrukte im Vergleich zu den Genossen aus Gummiharzen, Holz oder hohlem Metall bzw. Polyethylen, die ich sonst an dieser Peitsche anbot, dem Projekt Meerforelle entgegenflogen.

Wie ich im Nachhinein feststellen musste, war bei meinem ersten Versuch der Wasserstand der Ostsee ziemlich hoch, was die Forellen jedoch zu mögen schienen. Immer wieder feuerte ich einen schwarzen Spöket ins kühle Nass. Und das ganze direkt vor der Haustür unseres Feriendomizils. Einfach herrlich wenn man sich „mal eben“ Thermoanzug und Wathose überstreifen kann und nach 2 Minuten Fußweg bereits bis zum Bauch im Wasser steht.

Nach einer dreiviertel Stunde wurde ich auch schon von einem Flossenträger aus meiner Tagträumererei, die einen unweigerlich  überkommt wenn man die Blicke über das kristallklare Wasser schweifen lässt, gerissen. Es war schon ein wenig gewöhnungsbedürftig. Kein heftiger Schlag in der Rute, nicht mal mehr einen Anhieb setzend, einfach so, von jetzt auf gleich, war ich mitten im Drill. Wahrscheinlich war ich überraschter einen Fisch am Band zu haben, als trutta trutta, dass mit ihrem kleinen Snack wohl was nicht stimmte. Nach dem ich den Fisch gut 40 Meter bis vor meine Füße gedrillt hatte und gerade zur Handlandung der gut 50cm langen Forelle ansetzen wollte, konnte sie doch, sprichwörtlich in letzter Sekunde, den Haken abschütteln.

 

Merkwürdiger Weise war ich nicht einmal verärgert über den verloren Fisch. Vielleicht war mir das Zeichen, dass das was ich tat, angeltechnisch schon in die richtige Richtung geht, in diesem Moment wichtiger als der schnelle Erfolg. Schließlich, und das war zumindest der Eindruck den ich über die Jahre durch die Fachpresse erhalten habe, sollte diese Disziplin nicht zu den einfachsten unserer Zunft gehören…

Eine weitere halbe Stunde später, ich hatte gerade auf einen Blinker gewechselt, verleibte sich wieder eine Salmonidae meinen Köder ein. Diesmal ging alles gut und ich konnte meine erste erblinkerte Meerforelle in den Händen halten. Mit der Freude über den Fisch beschloss ich eine recht kurze, aber tolle Session ausklingen zu lassen… (nicht zuletzt weil so ein Griff in die kalte Ostsee meine Finger nahezu auf Wassertemperatur gebracht hat 😉 … )

 

Damit dieser kleine Bericht keine biblischen Ausmaße annimmt, erspare ich es mir jeden der mehreren Kurztrips detailliert zu beschreiben. Insgesamt konnte ich 5 Meerforellen  bis zu 63cm überlisten, welche für die Statistiker unter uns einige interessante Daten offen legten:

Obwohl ich zeittechnisch ungefähr zu gleichen Teilen die in dem Angelführer beschrieben Hot Spots, die – nebenbei bemerkt – von zahlreichen Petrijüngern aufgesucht wurden, und einfache unauffällige Strandstücke, die ich aber für mich allein hatte, befischt habe, bissen alle Flossenträger an letzteren Spots.

Ebenfalls von gleicher Dauer zog sich das Angeln in der Dämmerung und am Tage hin. Auch hier kristallisiert sich mit 4:1 die Dämmerung als klarer Favorit heraus (wobei der eine „Tagesfisch“ auch schon verdächtigt der Dämmerung nahe, sprich am späten Nachmittag/frühen Abend biss). Exemplarisch möchte ich hier noch kurz den Fang der mit 63cm größten Meerforelle umreißen…

Es ist früh am Morgen gegen 6 Uhr. Als ich knietief nur wenige Meter in der morgendlich frischen Ostsee stehend einen 20gr schweren Tobi-Blinker zwei Meter vor meinen Füßen um eine Krautbank manövriere, schießt die oben genannte direkt durch das Pflanzendickicht auf meinen Köder!

Wenn in einem solchen Moment das Adrenalin nur so in den von der morgendlichen Amnesie noch nicht ganz erwachten Körper strömt, hat wohl kein Angler der Welt eine Chance sich dieser Sparte der Spinnfischerei auf ewig zu entzeihen…

Für mich steht fest:

Es waren ein paar herrliche Tage und  bestimmt nicht das letzte mal, dass ich mich auf die Ufernahe Schatzsuche nach Ostseesilber begeben habe. Größentechnisch habe ich mir bestimmt noch einiges offen gehalten auf dem Weg vom Rookie  zu höheren Sphären…

Ich hoffe euch gefällt dieser kleine Erfahrungsbericht und der eine oder andere Binnenfischer unter euch erfreut sich ebenso daran, wenn er eines Tages an diesem schönen Fleckchen Erde steht, um einen Teil des Ostsee-Schatzes zu bergen…

Petri

Zandercatcher

Kategorien: Fangberichte

Kommentare

  1. leoseven
    leoseven 3 April, 2008, 09:29

    toller bericht, sehr schön geschrieben 🙂
    petri zu den fischen!

  2. lebenderkoederfisch
    lebenderkoederfisch 3 April, 2008, 10:00

    Hi Lars,

    Hut ab ! Das ist ein sehr schöner, motivierender Bericht. Ich hoffe,
    du hast die Filets gefroren mit in unsere Heimat gebracht…… 😉 , so dass ich Sie einmal probieren kann…

  3. thomas-barschfan
    thomas-barschfan 3 April, 2008, 15:18

    Guter Bericht, Daumen hoch 😀

    Gruß
    Thomas

  4. ollifischer
    ollifischer 3 April, 2008, 17:55

    Ja Petri!
    Cooler Trip und super beschrieben, ich will auch! 😆

    Olli

  5. Setjuk
    Setjuk 3 April, 2008, 23:43

    Schöner Bericht. Petri zum schnellen Erfolg.

  6. godfather
    godfather 4 April, 2008, 06:28

    sehr schöner bericht und glückwunsch zur ersten mefo! 😀

  7. Clausen
    Clausen 4 April, 2008, 13:51

    Toller Bericht 😀 – da juckts mich es auch mal auf meerforelle zu versuchen!
    Gruß Claus

  8. Meridian
    Meridian 4 April, 2008, 17:00

    … schön geschrieben ! Wie sollte man da auch fluchen, die erste erblinkerte Forelle zu verlieren !? 😉

    Der "1000 Würfe" Spruch stimmt eh nicht. Ich habe meine 1te Forelle nach meinen [i]überhaupt[/i] ersten knapp 10 Würfen (mit eigentlicher Bestimmung HORNHECHT) in der Ostsee, noch vor einem dieser Schnabeltiere, am anderen Ende der Schnur gehabt 😉
    Konnte damals gar nicht verstehen, wieso da eine "Regenbogenforelle" ohne Regenbogen im Meer rumschwimmt. ^^

    PETRI DIR & viel Glück für die zukünftigen Ausflüge
    bastian

  9. HacklSchorschi
    HacklSchorschi 5 April, 2008, 13:59

    Mensch Lars, dein Bericht liest sich sehr gut, schön geschrieben… Habe das auch immer schon in Planung. Evtl. nächstes Jahr.
    Lass uns alle mal wieder treffen… gruß

  10. Zippel
    Zippel 8 April, 2008, 21:21

    Guter Bericht und Petri zu den Fischen 😀

  11. MEERESLEHRLING
    MEERESLEHRLING 26 April, 2008, 16:52

    Herlich sowas zu lesen 😉
    Petri Heil zu den fängen 🙂

  12. Squirrel61
    Squirrel61 24 April, 2009, 15:47

    klasse 😀

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