Rutenbruch mit doppelt gutem Ende

Rutenbruch mit doppelt gutem Ende

Im Juni bin ich mal an den Bodden gefahren, um dort Zander zu angeln. Vertikal. Mein Informant und Pilot Hacki hatte mich auf große Fische eingestellt. Also nahm ich auch grobes Gerät mit. Feinstes grobes Gerät. Nämlich die Poison Adrena 172 H mit einem Wurfgewicht von 12 bis 42 Gramm. Ein richtig strammer Stock, den ich eigentlich zum Hechtfischen benutzen wollte. Oder aber zum Vertikalangeln mit 10 Inch Fin S auf Giga-Bodden-Zander.

Zweieinhalb Tage hatte ich für diesen Trip reserviert. Um 4.30 Uhr ging’s los. Eine Tasche für die Klamotten, eine vollgestopfte Ködertasche, die Wathose (für den halben Tag), Watschuhe und 2 Castruten und 2 Spinnruten. Die Ruten alle sauber in Rod Gloves verpackt. Und jetzt die Frage aller Fragen: Soll ich so früh am echt zweimal vom 4. Stock zum Auto latschen, um das alles abzutransportieren oder schafft man das auf einmal? Schafft man! Na logo. Ich mir also den ganzen Kram um den Hals gehängt, die Ruten geschnappt und durchs Treppenhaus gewunden. Erster Zornanfall an der ersten Tür. Die Adrena 172 H hat eine Länge von 7‘ 2‘‘, also 2,18 m. Da unten an der Tür zum Aufgang kann man die nur querstellen, so flach ist das angelegt. Und dann soll man mit dem ganzen Gerödel die Tür öffnen und die Rute schnappen und durchbugsieren, bevor diese wieder zufällt. Stress. Aber: Erste Hürde geschafft. Jetzt der Durchgang zum Vorderhaus. Türe 1: kein Problem. Und dann der Ausgang zur Straße. Ich schiebe mich durch und ziehe die Ruten nach. Die Türe fällt zu. Ich drehe mich um und sehe, wie die Spitze der langen Adrena oben zwischen Türrahmen und der Tür verschwindet. Neeeeeeiiiiiiin. Schnell rausziehen! Zu spät. Der Rod Glove hängt im geschlossenen Spalt des Verderbens. Die Hoffnung besteht, dass die Spitze nix abbekommen hat. Also erstmal das ganze Gepäck, das mit inzwischen fast die Luft abschnürt, vom Hals gerissen. Und dann den Rod Glove abziehen. Langsam. Zentimeter für Zentimeter. Bis 5 cm vor der Spitze sieht alles gut aus. Ich ziehe ihn komplett ab und??? Abgeknickt. Genau unterm Ring. F…k. Zum Brechen. Tief durchatmen. Nochmal. Gaaaaaanz tiiiiiiiieeeeeef. Das Rest-Tackle ins Auto rein, die zerbrochene Rute wieder hochbringen (also dann doch zweimal gelaufen) und ab nach Rügen.

Die Fahrt ist geprägt von Vorwürfen an die faulen Moleküle in mir. Geht ja gar nicht. Wie kann man so doof sein. Die Rute hat noch keinen Fisch gesehen. Ja, noch keinen Wurf habe ich mit ihr gemacht. Und schon kaputt. Das passiert mir alle 10 Jahre. Und jetzt ausgerechnet mit dem nagelneuen 500-Euro-Teil. Das kann ich bei Shimano gar nicht anmelden. Das muss vertuscht werden. Megapeinlich. Und auch richtig ärgerlich, was den Angeltrip angeht. Jetzt muss ich die Latschen mit der 30-Gramm-Rute anbieten.

Immerhin ging die Fahrt recht schnell rum. Zur Geschichte passt, dass sich die Zander ausgerechnet während meiner Gegenwart eine Auszeit nahmen. Auf den 10 Inch-Köder fing ich „nur“ Hechte. Warum man die nicht fotografiert hat, weiß ich nicht. Wahrscheinlich war ich immer noch sauer. War insgesamt ein frustrierender Ausflug. Bis auf den halben Tag, an dem ich beim Watangeln auf Barsch eigentlich ganz gut gefangen habe. Darüber habe ich ja schon einen kleinen Bericht geschrieben.

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Zurück in Berlin stellte sich die Frage: Was mache ich mit der Rute? Bzw. wer repariert die Adrena und wie geht der vor? Ich rufe bei Angeljoe an und bekomme die Nummer von einem Sebastian, der sich auf die Rutenrettung versteht. Der ist sehr nett am Telefon und versteht mein Problem. Ich darf direkt vorbeikommen mit dem Patient. Nach der Diagnose steht fest: Wir versetzen den zweiten Ring ein bisschen nach unten und montieren den Spitzenring wieder drauf. Dann ist die Rute 2,15 m lang. Und bemerken wird das niemand. Im Optimalfall nichtmal der Anwender.

Einen Tag später darf ich die Rute abholen. Super. Wir quatschen noch ein bisschen und stellen fest, dass Sebastian ein extrem heißer Angler ist. Schwerpunkt Hecht. Aber gern auch Zander. Und dann sind wir auch schon zum Zanderangeln verabredet.

Am nächsten Morgen geht’s los. Wir fahren in die Uckermark an einen trüben See mit ordentlichem Zanderbestand. Natürlich habe ich die „getunte“ Adrena 172 H mit dabei.

Wenn ich's nicht verraten hätte, würde es niemand sehen. Perfekte Arbeit. Danke, Sebastian!

Wenn ich’s nicht verraten hätte, würde es niemand sehen. Perfekte Arbeit. Danke, Sebastian!

Soll ja eine runde Story werden. Am besten mit einem dicken Fisch. Daraus wird nur teilweise was. Wir fangen zwar einige Fische. Aber keine großen.

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Macht aber gar nix. Ich bin happy, dass ich die Rute überhaupt noch einweihen kann mit ein paar Zandern.

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Da ist noch Luft nach oben. Die Freude ist dennoch groß.

 

Und ich kann mich bei Sebastian revanchieren, der kein Geld für die Reparatur haben wollte. Er hat nämlich einen Job gesucht. Und Sven Lüssow von Big Fisch in Erkner einen fachkundigen Verkäufer. Den hat er jetzt. Und dazu noch einen superguten Ruten-Doc. Wenn ihr also mal Probleme mit abgebrochenen Rutenspitzen habt, meldet ihr euch bei Angeljoe (030 97606420) oder bei Big Fish (03362 299304) in der Friedrichstraße 50 in 15537 Erkner. Die haben den Kontakt bzw. steht er bei Sven ja im Laden und kann sich der Sache dann direkt annehmen. Außerdem wird’s demnächst eine Website geben, auf der Sebastian seine Dienstleistung als Ruten-Bauer und -Doktor anbietet. Sobald es soweit ist, schreibe ich nochmal einen kleinen Bericht auf die Startseite. So einen Mann braucht man ja immer mal wieder.

 

Kategorien: Fangberichte

Kommentare

  1. Fischhenrik
    Fischhenrik 5 August, 2015, 12:37

    Und am Ende zieht niemand den kürzeren. Außer die Zander vielleicht 😀 Und das Geschäft als Rutendoc klingt vielversprechend, denn solange es Angler gibt, wird immer wieder auch mal eine Rute zu Bruch gehen. 0:-)

  2. BaZu01
    BaZu01 5 August, 2015, 16:55

    Oh man, ich hätt mich wahrscheinlich gleich wieder ins Bett gelegt und in den Schlaf geweint :'(

  3. Barza
    Barza 8 August, 2015, 09:00

    Hi Johannes,

    ich kann nachvollziehen, wie du dich nach dem Zuschnappen der Tür gefühlt hast….
    Habe mich auch schon mal so blond angestellt-Autositz hektisch umgeklappt und vergessen, das da ne einteilige Rocke verladen war.

    Die Story endete für mich ähnlich versönlich wie für dich, wenn auch sehr originell. Aber das ist ne andere Geschichte.

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