Plattfischangeln: Durchbruch mit Texas-Rig!

Plattfischangeln: Durchbruch mit Texas-Rig!

Sommerurlaub auf Langeland. Das verbinden die meisten Insider mit dicken Dorschen. Und tatsächlich ziehen die Spezis durchaus erfolgreich in den Dickdorschkrieg. Jedenfalls sehe ich jeden Tag Angler, die richtig fette Brummer in den Filetierraum von Spodsbjerg schleppen. Der größte aus der letzten Woche war wohl 1,12 m. Wegen der Dorsche bin ich aber nicht hier. Ich bin voll aufs Plattfischangeln fokussiert.

Erstens weil ich zur dänischen Platte ein ganz besonderes Verhältnis habe. Zweitens weil mit das Angeln auf Plattfische im Flachwasser mit leichtem Gerät viel mehr Spaß macht als das Schwergewicht-Zocken in Wassertiefen von 30 bis 45 Metern. Drittens kann man das Plattfischangeln mit Gummis noch weiterentwickeln. Viertens knallen die Langeland-Flundern, Schollen und Steinbütte so derb auf die Gummis, dass man süchtig danach wird.

Plattfischangeln: Hier war ein Gummi am Jig erfolgreich

Eine Platte auf Jig. Für mich mit das Beste, was mir anglerisch passieren kann.

 


Einschub: Mein Verhältnis zum Plattfischangeln in Dänemark

Steigen wir mit meinem besonderen Verhältnis zur Dänen-Platte ein. Es war ein Sommerurlaub mit meinen Eltern. Wir sind damals immer abwechselnd nach Dänemark, Frankreich oder Elba gefahren. Wir Kinder hatten bei der Auswahl der Ferienhäuser ein Mitspracherecht (dachten wir). Jedenfalls war in diesem Katalog ein Bild von einer Mole mit Anglern drauf, das den 11- oder 12-jähirgen Johannes tierisch angesprochen hat. Keine Ahnung warum. Bei uns in der Familie wird nicht gefischt. Meine Fischerfahrung beschränkte sich zu der Zeit auf Sichtungen beim Schnorcheln, Einsiedlerkrebsfang und Krabbengrabbing. Jedenfalls ging’s dann tatsächlich an den Strand mit der Mole. Oder einer ähnlichen. Und tatsächlich waren da abends immer Angler drauf. Während meine Eltern und meine Schwester den abendlichen Strandspaziergang zelebrierten, schlich ich mich schüchtern an, um aus einiger Distanz zu beobachten, wie das alles funktioniert. Bei ruhigem Wetter ging da richtig was. Manchmal fingen die Leute sogar zwei Fische auf einmal. Schollen oder Flundern.

Irgendwann rückte ich einem Vater mit seinen zwei Söhnen so nah auf die Pelle, dass der Mann seine Jungs aufforderte, mich auch mal ran zu lassen. Da war so viel Fisch, dass man die mit einem Wattwurm-Paternoster bestückte Rute in der Hand behielt und den Biss beim Plattfischangeln abwartete. Dann schlug man die erste Platte an und wartete darauf, dass es nochmal zuppelte, um eine Doublette anzulanden. Die ersten von mir geangelten Fische waren also zwei dänische Plattfische. Nach diesem Erlebnis wurden Eltern und Opa so lange beklingelt, bis sie mir eine eigene Angelausrüstung fürs Plattfischangeln kauften. Es war das günstigste Set. 1,8 m war die Rute lang. Natürlich völlig ungeeignet für die Mole. Konsequenterweise verlor ich täglich mehrere Paternoster beim Herausnehmen. Aber ich fing auch gut. Um die vielen Plattfisch-Systeme zu finanzieren, habe ich mich dann zum fahrenden Fischverkäufer aufgeschwungen und bin in der Ferienhaussiedlung von Hütte zu Hütte gelaufen, um meine Platten zu verkaufen. Der Kreislauf funktionierte natürlich nur so lange, wie ich Fische fing. Ich bin also mit Fangdruck groß geworden. Bzw. hat die Verweigerungshaltung meiner Eltern, mich täglich mit Bleien und Wattis auszustatten, einen gewissen anglerischen Ehrgeiz gefördert, der mich bis heute begleitet.

 

Plattfischangeln – Trouble vor Langeland

Und jetzt sind wir auch schon in der Gegenwart. Die Plattfisch-Situation hier ist nicht einfach. Ich kenne mich hier nicht aus. Die Teile stehen nicht geballt. Manche sagen, sie fangen auf 13 bis 6 Metern. Andere auf 6 bis 4 Metern. Andere stehen noch flacher. Manche ankern. Andere driften. Alle fischen mit Wurm. Entweder hinterm Buttlöffel, solo an der Grundmontage oder am Paternoster.

Janine mit Löffel-Plattfisch. Immerhin wr ein Kunstwurm dahinter geschaltet.

Janine mit Löffelplatte. Immerhin war ein Kunstwurm dahinter geschaltet. Auch die Platten-Queen hat keinen Bock mehr auf Seeringelwurmsaft.

Wurm geht immer. Das ist klar. Seit ich im letzten Langeland-Urlaub aber Plattfische auf Twister gefangen habe, nachdem ich vom Wurmsaft, der einem beim konventionellen Wurmfischen ständig entgegenspritzt, abgetörnt genug war, um doch mal ausdauernd auf Platte zu jiggen, war klar: Ich komme wieder. UND: Ich fische nie mehr mit echten Würmern auf Platte. Die Flundern kloppen so derb auf die Gummis drauf, dass es eine wahre Freude ist. Man traut den für mich schönsten Meeresfischen mit ihrem kleinen Maul ja erstmal keinen Inhalationsbiss zu. Aber nur solange, bis man mal einen erlebt hat. Ab dem Moment ist alles zu spät. Man will es wieder haben. Weil‘s so reinruckt und weil‘s ein Wunder ist. Auch weil’s kaum jemand macht. Und weil’s eine anglerische Herausforderung ist.

Ist ja herrlich, wie sich die Kreise hier immer schließen. Jetzt sind wir also bei der anglerischen Herausforderung. Und dann kommt da auch der Ehrgeiz ins Spiel, der meine Angelei von Anfang an begleitet. Ich bin fast zerschellt an der Widerspenstigkeit der Langeland-Platten.

Eine Kliesche, gefangen auf einen Gummiköder

Eine Kliesche, denke ich.Ich bin jetzt auch nicht so der Plattfisch-Guru. Ihr dürft mich gern berichtigen…

Fast wäre ich nach vier Tagen mit 3 Platten auch in den Dorschkrieg gezogen. Aber wenn ich mich mal in was reinbeiße, dann lasse ich nicht einfach los. Dann ziehe ich das durch.

 

Plattfisch-Finesen mit dem Texas-Rig

In den ersten Tagen habe ich vom driftenden Boot getwistert. In allen Wassertiefen. Der Erfolg war bescheiden. Ein Biss pro Stunde. Viele Fehlbisse. Abgebissene Twisterschwänze. Immerhin fand ich heraus, dass der kleine G Tail Saturn recht beliebt ist. Und dass der Beliebheitsgrad zu steigen scheint, wenn ich ihn ein bisschen einfärbe. Trotzdem hielt ich mich langsam selber für bescheuert mit meiner pitbullartigen Verbeißerei ins Kunstköderangeln auf Plattfisch. Als Spinnangler bleibt man am Ball!

Aber mindestens einen Versuch wollte ich mir noch mal geben: Stichwort „Entschleunigung“. Und so angelte ich mit der Gelassenheit und Beharrlichkeit einer buddhistischen Wanderdüne mit dem Texas-Rig. Erst driftend, bis ich einen Biss bekam. Dann verankerte ich dort das Boot und fischte die Plätze minutiös mit kleinen Hüpfern aus. Bingo! Es war der Angeltag meines Lebens. Naja. Einer der besten jedenfalls. Nicht nur weil ich mich erfolgreich durchgefighted habe und ein System gefunden habe, mit dem ich doch noch zum Ziel kam. Sondern auch, weil die Bisse wirklich extrem hart kamen. Und weil ich – und das war auch ein Ziel in diesem Urlaub – meine ersten Steinbutt gefangen habe. Keine großen zwar. Aber die kommen auch noch.

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Kategorien: Meeresräuber

Kommentare

  1. Immergrün
    Immergrün 14 August, 2015, 11:08

    Sau geil 🙂 Petri

  2. darkbearded
    darkbearded 14 August, 2015, 11:12

    Sehr schöner Bericht! Darf man erfahren, mit welcher Art Rute (WG und Länge) man bei diesem Zielfisch am Besten unterwegs ist?

  3. dietel
    dietel Autor 14 August, 2015, 11:16

    Die spezielle Rute stelle ich im September mal vor, wenn Shimano das neue Programm für 2016 draußen hat.

    Generell: Leichte Spinnrute. Am besten 2,4 bis 2,7 m lang. Meine hat ne Vollcarbon-Spitze. Macht sich sehr gut. Wurfgewicht 2- 15 Gramm. 8er bis 10er Geflochtene. 2500er Rolle. 5 bis 12 Gramm Bullet-Weight. Je nach Wassertiefe.

  4. BaZu01
    BaZu01 14 August, 2015, 13:30

    Super Bericht! Da bekommt man gleich selber Lust und so soll es ja sein.

  5. Bassnatic
    Bassnatic 14 August, 2015, 21:39

    Danke Johannes, du gehörst zu den wenigen bekannten Anglern, die auch mal über schlechte Tage und Anlaufschwierigkeiten sprechen.
    Das macht deine Berichte erst glaubwürdig und lesenswert.
    Da kann sich ein Großteil der Zunft noch drei Scheiben abschneiden.
    Weitermachen, Captain Dietel!

  6. Barza
    Barza 14 August, 2015, 21:40

    Toller Bericht Johannes und Respekt für die „pitbullartige Reinbeißerei“ nach zunächst sehr zähem Beginn….

    Ich kanns auf den Bildern nicht exakt erkennen, du hast mit Widegap-Haken gefischt?, welche Größe?
    Auf welche Köderführung standen die Platten?

  7. Billiesib
    Billiesib 15 August, 2015, 11:02

    Mein Bruder Johannes vergass bei seinem „Einschub: Mein Verhältnis zur Dänen-Platte“ zu erwähnen, dass seine damals 8- bis 9-jährige Schwester Sibylle die Paternoster mit den Wattwürmern bestückte. So habe ich also auch zum Erfolg meines Bruders beigetragen. Petri Heil!!!

  8. dietel
    dietel Autor 16 August, 2015, 06:12

    Bis die Würmer aus Gummi waren, waren ie noch nie meine Sache, das stimmt. Um Wurmgeld zu sparen, haben wir die Teile damals ach noch halbiert.

  9. Staudinger
    Staudinger 18 August, 2015, 19:27

    Klasse Bericht, schön das man so auch etwas über deine Anglerische Jugendzeit erfährt.
    Mim T-Rig auf Platten werde ich dann auch mal ausprobieren müssen wenn ich mal da oben bin.

  10. Güllfredo
    Güllfredo 24 Oktober, 2016, 11:41

    Meinst du, dass das C-Rig ähnlich erfolgreich wäre? Dann langsam über Grund geschleift…?

  11. dietel
    dietel Autor 28 Oktober, 2016, 10:10

    Kann schon sein. Ich mag das Texas-Rig prinzipiell lieber, weils direkter ist.

  12. Kanud
    Kanud 8 November, 2016, 17:44

    c-rig funtioniert auch… fische damit auch vom kajak auf platte…
    DS mit seitenarm geht auch gut wenn man an einen spot gebunden ist…z.b. seebrücke…man muss halt probier und sehen was am besten läuft…;)

  13. GreenMonsta
    GreenMonsta 27 Juni, 2017, 12:52

    Super Bericht!
    Ich werde es Anfang Juli auf Fehmarn probieren. Auf Naturköder angeln hab ich null bock,deshalb macht es die Sache noch interessanter für mich.
    Muss mich vor Ort noch wegen geeigneten Stellen erkundigen,entweder vom Ufer oder Kleinboot bei passendem Wetter.

    Vg Benny

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