Kurzer Stock für lange Reisen – Savage Gear Roadrunner im Test

Angeln ist für viele Hobby und Sucht zugleich. Ein paar Tage nicht am Wasser und schon juckt es in den Fingern wie wild. Die Entzugserscheinungen treibt es allerdings auf die Spitze, wenn man im Urlaub ein wunderschönes Gewässer antrifft und keine Angel dabei hat. Handelsübliche Ruten passen nunmal nicht in den Koffer und nicht jeder ist mir einem Rutenrohr unterwegs.

Um dennoch den ein oder anderen Fisch im Urlaub zu überlisten kann auf kompakte Reiseruten zurückgegriffen werden. Diese mehrteiligen Transportwunder passen in fast jeden Koffer und nehmen kaum Platz ein.Doch nicht nur im Urlaub, sondern auch nach der Arbeit ist ein kurzer Abstecher ans Wasser kein Problem mehr. Da ich in Mannheim wohne und fast jeden Tag nach Heidelberg zur Uni pendle musste ich mir einfach eine kleine Rute kaufen und den Neckar zwischen, nach und vor den Vorlesungen aufzumischen.

Nach langen Überlegungen habe ich mich für ein preiswertes Modell, der Savage Gear Roadrunner, entschieden. Diese ist 2,13m lang, hat ein Wurfgewicht von 10-40g, ist vierteilig und misst im Transport nur 58cm. Die Rute wird nicht nur mit einer Rutenhülle, sondern auch mit einem schönen Hardcase geliefert. Dieses verfügt über zwei Reisverschlüsse und lässt sich damit bequem öffnen und schließen.

Es handelt sich, wie schon erwähnt um eine vierteilige Steckrute.

Ein für mich wichtiges Feature ist die Hakenöse. Diese ist schön nah am Foregrip befestigt, sodass Schnurverwicklungen ausgeschlossen sind.

Die Zierwicklungen sind leider nicht optimal gelungen, ist in diesem Preissegment jedoch nicht zu erwarten.

Sieben stabile Einsteg-SIC-Ringe zieren die 213cm lange Rute, für meine Begriffe Ideal.Die Ringe sind alle in einer Flucht, die oberen zwei jedoch leicht schief geraten(ca 0,5mm). Dies ist erst bei sehr genauem Hinschauen zu bemerken.

Speziell für diese Rute habe ich mir die optisch passende Spro BlackArc als 820er Modell gegönnt.

Die Rolle passt nicht nur im Design wie die Faust aufs Auge, sondern verleiht der Rute eine Ideale Balance. Besser geht es nicht!

Damit wirkt die leichte Rute noch leichter. Das geringe Gewicht wird vor allem durch den extrem dünnen Blank erreicht. Kaum dicker als ein Stabilo Fineliner und dennoch enorm straff, so hab ich es gern.

Das erste Testangeln bestand sie, zwar ohne Fisch, mit Bravour. Das Köderspektrum erschloss sich von 3,5cm Kopytos am 5g Kopf, welche die Untergrenze darstellen, über 13cm FinS mit 28g Jig. Letzteres war nur noch gefaulenzt möglich und sollte eher die Ausnahme sein. Einen 11cm Shaker am 21g Kopf sind im Stillwasser und bei leichter Strömung gefaulenzt kein Problem. Allerdings würde ich mit der Rute maximal 18g Köpfe jiggen.
Das Twitchen meiner Illex Baits war absolut kein Problem, auf Dauer wäre mir das Griffstück aber 5-10cm zu lang.Die Wurfweite erstaunte mich durch das ganze Köderspektrum zu tiefst. Einen 10g Kopf mit 3,5cm Kopyto habe ich ebenso wie den 11cm Shaker mit 21g Jig ans andere Ufer (ca. 35-40m) befördert. Für diese Rutenlänge eine echte Glanzleistung.

Die Rute ist sehr straff und lädt sich beim Werfen gut auf. Am ehesten würde ich sie mit einer schwereren WFT Penzill vergleichen.

Trotz der drei Steckverbindungen ist die Aktion der Rute genial. Schwachstellen lassen sich nicht erkennen und der Blank biegt sich sauber, ohne Abknicken durch.

Ich durfe Heute einen ca 55cm großen Rapfen drillen und hatte zu keiner Zeit das Gefühl nicht Herr der Lage zu sein. Die Rute hat alle Fluchten des Fischs sauber abgefedert. In diesem speziellen Fall war das jedoch ein Nachteil für mich. Durch das starke Hochwasser musste ich oben auf der Wiese stehen und hätte die steile Böschung hinunterklettern müssen um den Räuber zu landen.

Gott sei Dank ließ sich der Rapfen, nach ein paar Motivationsversuchen, dazu überreden sich vom Wobbler loszureißen. So war ich über den Drill und die Aufwandsersparnis und der Fisch über seine Freiheit glücklich.

Fazit: Für mich ist die Rute Ideal und der Preis hätte nicht besser sein können. Die Savage Gear Roadrunner ist ihr Geld und sicher etwas darüber hinaus wert. Bei knapp 60€ sollte man nicht lange überlegen und einfach kaufen. Wer auf unsaubere Zierwicklungen und ein paar Schönheitsfehler hinwegsehen kann ist mit diesem Stöckchen super bedient.

7 Kommentare

  1. sehr schön geschrieben! ❗

    wie sieht es denn bei einer vierteiligen rute mit dem verdrehen der einzelnen segmente des blancs aus, wenn die größeren/schwereren köder geworfen werden?

  2. Danke für den Bericht, spiele schon länger mit dem Gedanken einer Reiserute für die Stadt und auch dann evtl. Urlaub. Hattest du die 3-16g Version auch mal in der Hand? Die fände ich an sich fast interessanter für mich.

  3. Da ich Online bestellt habe konnte ich die 3-16g Version nicht testen.
    Die 10-40g schafft auch 5g Köpfe ganz gut, ist allerdings fürs reine Barschangeln zu stramm.
    Bestell Sie dir einfach, für den Preis kann man nichts verkehrt machen.
    PS: Dein Beitrag hat mich auf die Idee gebracht die kleine Version ebenfalls zu kaufen. Mhm….. 🙂

  4. Ich habe die Vorgängerversion der Rute und bin auch sehr zufrieden.
    Ein bischen schwer ist sie aber durchaus eine sehr brauchbare Reiserute.
    Grüße

  5. Mit etwas länderer Praxiserfahrung kann ich sagen, dass ich die Ringe noch nie gerade rücken musste.
    Ich hab auch schon 27gr Köpfe plus 13cm Lunker City Shaker gefischt. Im leichten Fließgewässer geht das gerade noch so, wobei die Rute schon überlastet ist.

  6. Sorry, dass ich erst jetzt Antworte:
    Nein die 3-16g Version hatte ich noch nicht in der Hand. Alles andere was ich dazu schreiben könnte wären nur spekulationen.

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