Fangberichte

Gekappte Schnur am Kap

Sonne, Schwielen und starke Fische – Angeln in Südafrika ist nichts für zart Besaitete


 


St. Lucia/ Südafrika. Seit 2 Stunden schleppten wir die Küste vor St. Lucia im Osten Südafrikas auf und ab. Immer noch erbarmte sich kein Thun, Barracuda oder Kingfish, einen der 4 Köder zu nehmen. Dabei hatte alles so aussichtsreich angefangen:


 


Ich hatte auf der „Harlekyn“ von Skipper Johan Potgieter angeheuert. Morgens um 7:00 Uhr brachen wir und zwei weitere Gäste zu einem 8stündigen Turn zum Game- und Deap-Sea-Fishing auf. Entlang an weißen Stränden ging es zu den Fangründen, die lediglich wenige hundert Meter von der Küste entfernt liegen. Auf der Fahrt zu den Fangplätzen kreuzte eine Schule Delphine unser Boot. Verspielt begleiteten sie uns einige hundert Meter, wobei sie geschickt die Bugwelle der „Harlekyn“ nutzten. Immer wieder durchbrachen die Rückenflossen die Oberfläche und ab und zu sprangen die Tiere sogar aus dem Wasser. Urlaub pur!


 


Endlich war es so weit. Johan stoppte das Boot und brachte die Ruten aus. Ca. 30-40 m hinter dem Boot wurden handlange, flachlaufende Wobbler bei einer Geschwindigkeit von 8-10 km/h geschleppt. Die Modelle waren mir vom Hechtangeln wohl vertraut. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Die Multi der äußeren Rute kreischte bereits nach kurzer Fahrt laut auf. Biss! Die Schnur wurde in atemberaubender Geschwindigkeit von der Rolle gerissen.  Wie von der Tarantel gestochen sprang Roy – ein Südafrikaner mittleren Alters – auf und setzte den Anhieb. Die Rute war bis zum Halbkreis gekrümmt. In wilden Fluchten versuchte der Fisch, sich zu befreien.  Nach kurzem Drill gab er sich jedoch geschlagen und Roy konnte einen schönen Barracuda landen. Schnell wurden die Köder wieder klargemacht und das Spiel begann von vorne.

Wieder dauerte es keine 20 min, bis der nächste Biss erfolgte. Diesmal drillte Justine einen schönen Gelbflossenthun. Dieser setzte sich schon heftiger zur Wehr, auch wenn er mit seinen geschätzten 15 Pfund nicht gerade zu den Großen seiner Art gehörte. Aber an der Angel lieferte er einen hervorragenden Kampf. Immer wieder zwang er Justine dazu, ihm Schnur zu geben. Doch schließlich konnte auch dieser Fisch sicher gegafft werden. Ich war begeistert. In einer halben Stunde zwei schöne Fische! Da konnte der nächste Run nicht lange auf sich warten. In Gedanken sah ich mich schon, wie ich einen dicken Thun ans Boot drillte. Doch wie das nun mal so ist beim Angeln: Ich hatte ich mich zu früh gefreut. In der Folge geschah nämlich nichts mehr. Im Zickzack- Kurs kreuzten wir die Küstenlinie auf und ab, doch kein verdammter Flossenträger interessierte sich mehr für die Köder. Als ob sie riechen konnten, dass ich nun an der Reihe gewesen wäre!


„No Game-Fish any more, this morning.“ Mit diesen Worten gab der Skipper das Signal, die Schleppruten einzuholen. Nun stand Grundangeln mit Naturködern auf dem Programm. Dazu verwendeten wir kurze, dicke Ruten. In die Hauptschnur wurde ein 200g-Blei eingeschlauft. Am Ende des ca. 1,5 m langen Vorfachs hing ein mit Tintenfisch bestückter großer Einzelhaken. Dieser wurde von zwei Seitenarmen flankiert, an deren Ende ebenfalls mit Tintenfisch garnierte Haken baumelten. So gewappnet ließen wir die Montagen auf den Grund. An der ersten Stelle war es über 100 m tief. Leider war die Drift so stark, daß eine vernünftige Bisserkennung nicht mehr möglich war. Als ich nach einiger Zeit die Köder kontrollierte, mußte ich enttäuscht feststellen, daß alle Haken blank waren. Die Fische hatten den Köder vom Haken gelutscht, ohne daß ich auch nur einen Zupfer gespürt hatte. Meinen Mitanglern ging es auch nicht besser und so beschloss Johan, den Platz zu wechseln. Auf 46 m erkannten wir die Bisse nun deutlich. Zwar war hier nicht mit den ganz Großen zu rechnen, doch wenigstens fingen wir überhaupt etwas. Sobald ich ein leichtes Rucken spürte, setzte ich den Anhieb. Hing der Fisch, musste er zügig nach oben gekurbelt werden. Ja nicht die Spannung verlieren, lautete die Devise, sonst drohte der Ausstieg. Mit der Zeit taten mir ganz schön die Arme weh. Die Rollen waren nämlich von denkbar einfacher Bauweise. Sie sahen aus wie einfache Fliegenrollen, waren lediglich viel größer. Bei einem Durchmesser von 35 cm besaßen sie keine Bremse und als Kurbel diente ein kurzer Knauf an der Rolle. Die Übersetzung war logischerweise 1:1, so daß ich jeden Meter Schnur spürte, den ich einholte. Dafür bissen die Fische aber phantastisch. Innerhalb von ca. 3 h fing ich an die 15 Grundfische. Alle waren so um die 40 – 50 cm lang und wogen geschätzte 1 – 2 Pfund. Es waren verschieden Arten von Meerbarschen, deren Namen ich mir leider nicht merken konnte. Johan versicherte mir jedoch, daß sie alle hervorragend schmecken. Beim Gedanken an knusprig gebratenes Filet lief mir das Wasser im Mund zusammen.  Den Abschluss bildete ein schöner „Rockcod“, der einem Filetstück nicht widerstehen konnte. Dieser wunderschön rot gezeichnete Fisch wird in Gewichten bis zu 30 kg gefangen. An Kampfkraft ist er dem Dorsch weit überlegen! Man kann sich vorstellen, was es für eine Arbeit ist, einen solchen Brocken aus über 150 m ins Boot zu pumpen.


 


 


 


 


 


Nun waren wir wieder auf dem Rückweg. Die Wobbler zogen ihre Bahn, damit auch ich zu meinem Game-Fish kommen sollte. Doch wie gehabt: Es tat sich nichts. So genoss ich einmal mehr die wunderschöne Landschaft und ließ den Angeltag Revue passieren. In diesem Augenblick riss mich Johan aus meinen Gedanken. „Look at this shark!“ brüllte er mit durchdringendem Bariton und zeigte aufgeregt ins Wasser. Und tatsächlich: Direkt neben dem Boot tauchte ein riesiger Tigerhai auf. Würde man sich über die Reling beugen, könnte man ihn streicheln. Der Hai ließ sich von unserem Gebrüll und dem Motorenlärm nicht im Geringsten stören. Seelenruhig setzte er seinen Weg fort und bevor jemand von uns wusste, was geschah, hatte der Hai auch schon einen Wobbler inhaliert. Die Rute verneigte sich bedrohlich. Johan fand als erster seine Ruhe wieder. Während er die restlichen Leinen einholte, forderte er mich auf, den Hai zu drillen. Nervös griff ich die Rute und setzte den Anhieb mit aller Kraft. Sofort spürte ich die ganze Stärke des Fisches. Es kam mir vor, als hätte ich ein Auto gehakt. Behutsam erhöhte ich den Druck auf den Fisch. Mein Kontrahent war jedoch nicht im Mindesten beeindruckt. Ohne sein Tempo zu erhöhen, setzte der Hai seinen Weg fort. Wahrscheinlich hatte er nicht einmal bemerkt, dass er einen Haken im Maul hatte! Nach 2 – 3 weiteren Minuten wurde es ihm aber dann doch zu bunt und mit einem müden Kopfnicken durchtrennte er die Schnur und verabschiedete sich auf Nimmerwiedersehen. Fassungslos und heftig fluchend hielt ich die nun schlaffe Rute in der Hand. Zu gern hätte ich den Hai ans Boot gebracht. Doch Johan beruhigte mich. Er versicherte mir, dass es mit der Ausrüstung, die wir verwendeten, völlig unmöglich ist, einen Fisch von dieser Größe ans Boot zu bringen. Er schätzte den Tigerhai auf 4 m und ca. 300 kg Gewicht.


 


Das besänftigte mich und ich konnte den Drill als das erkennen, was er war: Ein wunderschönes, aufregendes Erlebnis, das sich in meiner Anglerlaufbahn wahrscheinlich nicht wiederholen wird. Auf der restlichen Fahrt biss auch kein Game-Fish mehr, doch ich war restlos glücklich. Als wir in der Flußmündung, wo die „Harlekyn“ ihren Ankerplatz hatte, noch von einem 3 m langen Krokodil begrüßt wurden, war ich mir sicher: Das war nicht das letzte Mal, dass ich in Südafrika geangelt habe.


 


(gb)


 


Wer mehr zum Reisen in Südafrika wissen möchte, findet unter


www.southafricantourism.de alle nötigen Infos.


 


 


Zum Angeln meldet Ihr Euch am besten direkt beim Skipper Johan Potgieter:


 


Harlekyn Deep Sea Charters


P.O.Box 363 St. Lucia 3936


Phone: 0027 (0)35 590 1395


 


 

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....auf nach Afrika!!!!!
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