Die Müggelspree

Die Müggelspree

In der Fischparade stapeln sich die Bilder aktueller Herbstfänge. Einige von Euch kommen aus diversen Gründen aber eventuell nicht so oft ans Wasser, und haben demzufolge nicht viel Zeit für das Erkunden neuer Gewässer.


Aus diesem Grund möchte ich Euch heute mein „Heimatgewässer“ vorstellen – die Berliner Müggelspree.*Auf der Suche im Internet und in diversen Angel-Foren habe ich absolut keine Infos über die Müggelspree gefunden. Entweder angelt hier wirklich keiner oder keiner will mit Infos rausrücken. Die Berliner Müggelspree beginnt am Dämeritzsee im Süd-Osten von Berlin und fließt dann über den kleinen Müggelsee in den großen Müggelsee. Nach dem großen Müggelsee fließen dann Dahme und Spree in Köpenick zusammen und von hier aus weiter in die Innenstadt.

Die Müggelspree ist ca. 20 Meter breit und ein recht schwach fließendes Gewässer (Strömung vom Dämeritzsee zum Müggelsee). Im Uferbereich ist sie meist 50- 80 cm tief und fällt dann auf 2 bis max. 3 Meter Tiefe ab. Durch den vielen Bootsverkehr im Sommer gibt es aber immer wieder Tiefenunterschiede. Aufgrund vieler Kurven und unterschiedlicher Breite ändert sich die Bodenstruktur überall.


Der Grund ist meist sandig und mit Muscheln bedeckt. An einigen Stellen gibt es Seerosenfelder und dicke Krautfelder unter Wasser. Der Uferbereich ist nur an einigen Stellen für Uferangler begehbar, da überwiegend private Grundstücke direkt bis ans Wasser gehen. Es gibt aber trotzdem einige Stellen, wo man direkt ans Wasser ran kommt. Das ist zum Beispiel an den Fähranlegern am kleinen Müggelsee (z.B. Gasstätte „Müggelhort“ oder „Neu Helgoland“). Auch an der kleinen Minifähre in Rahnsdorf könnte man gut vom Ufer aus angeln. Die besten Uferstellen findet man aber im Bereich Hessenwinkel. Hier gehen einige Straßen bis ans Wasser zwischen den Grundstücken hindurch. Über die große Hauptbrücke in Hessenwinkel (Triglawbrücke) kommt man gut auf die andere Uferseite und kann dort auch ca. 1 km an der Spree entlang laufen. Einen Altarm, welcher die Spree mit dem Gosener Kanal (DAV) verbindet erreicht man hier auch gut. An diesem kann man auch vom Ufer aus angeln.


Ich bin hier seit meinem 7 Lebensjahr vor Ort. Aufgrund eines fehlenden Bootes leider immer zum Uferangeln verdonnert.


Der Fischbestand hat sich in den gut 20 Jahren schon erheblich verändert. Weißfisch gibt es eigentlich immer. Wer mal in der Raubfischschonzeit große Brassen fangen will (50 cm sind nicht selten) kann hier gut abräumen. Auch dicke Winterplötzen gehen gern an Mais und Co. Obwohl in den angrenzenden Seen Karpfen vorhanden sein sollen, habe ich in all den Jahren nicht einen Karpfen hier gefangen. Ich habe zwar nie klassisch mit Boilies auf die Carps geangelt, aber ein Beifang auf Mais oder Wurm wäre mir sicher schon mal an den Haken gegangen, wenn es Karpfen geben würde.


Der Raubfischbestand ist leider eher mittelmäßig. Vor gut 15 Jahren habe ich noch Zander gefangen. Diese bissen auf kleine Barsche an der Posenmontage, welche auf Großbarsch ausgelegt war. Auch ein Exemplar von ungefähr 90 cm ging bei uns in der Gartenkolonie aus dem Wasser. Aber das ist lange her. Zu DDR-Zeiten hatten wir zum einen kein gutes Gerät, zum anderen gab es so etwas wie Gummifische auch noch nicht. Die ganze Gummiangelei kam glaube ich auch erst Anfang der 90er auf den Markt. Gern würde ich wissen, was mit der heutigen Technik und dem heutigen Gerät damals möglich gewesen wäre….


Hinzu kommt, dass der Fischer am Ein- und Auslauf der Spree seine Netze gut positioniert hat. Das hat mit der Wende angefangen und seit dem geht es mit den Räubern merklich bergab. Aber es gibt sie noch, die Zander. In den letzten Wochen konnte ich 4 Zander beim Barschangeln als Beifang erwischen. Alle recht klein, aber wo kleine sind …


Womit ich beim eigentlichen Thema bin – dem Barschangeln. Barsche habe ich früher mehr als Beifang betrachtet. Erst im letzten Jahr habe ich bemerkt, dass die Müggelspree ein wirklich richtig gutes Barschpotential hat. Wenn es langsam kälter wird (Mitte/Ende September) ziehen große Braschschwärme durch die Spree. Anfangs kleinere und je kälter es wird mehr und mehr größere. So habe ich in diesem Jahr im September nur Barsche bis 20 cm gefangen, ab Anfang Oktober dann mehrere bis 30 cm. An guten Tagen waren so in 3-4 Stunden schnell 50 Barsche zusammen. Das macht wirklich Spaß.



Als Köder haben sich Mini Twister und Gummifische bewährt. Grün- und Brauntöne gingen meist sehr gut. Wenn die Bisse nachließen hat sich eine einfache „Schleppmontage“ bewährt. Hauptschnur 10 gr. Bleiolive, Wirbel, Vorfach von ca. 1 m und ein Tauwurmkopf über den Einzelhaken gezogen. Auswerfen, zum Grund sinken lassen und langsam einholen.


Viel wichtiger als die Köder ist aber die Angelzeit. Wenn die Sonne aufgeht, müsst Ihr am Wasser sein. Dann gibt es ca. 30 Minuten, wo Biß auf Biß kommt. Danach bekommt man auf 10 Würfe eine Fisch. Die beste Beißzeit ist hier von 7.00 Uhr bis ca. 9.00 Uhr. Im September sogar noch eher. Später folgt noch mal eine Phase gegen 16.00 Uhr. Ich habe mir sagen lassen, dass es Spezialisten gibt, die gezielt auf 40+ Barsche angeln….


Auch der Hecht ist in der Müggelspree zu Hause. Massenfänge sind aber nicht zu erwarten. Ein dünnes unauffälliges Stahlgeflecht beim Barschangeln macht schon Sinn. BA-Member Klee konnte neulich diesen schönen 70er fangen (auf Mini Manns ohne Stahl).



Im Sommer lohnt sich auch ein nächtlicher Ansitz auf Aal. Tauwurm ist Köder Nr. 1, obwohl die großen Schleicher auch gern mal einen Kaulbarsch nehmen.



Fazit: Die Müggelspree ist sicherlich nicht das Top-Gewässer wie Elbe oder Oder mit Großfischpotential. Wem wie mir als Ostberliner ist die Havel aber zu weit ist, findet hier zur Zeit aber ein gutes Flüsschen zum Barsche ärgern.


Angelkarten gibt es von der Fischereivereinigung Köpenick (12555 Berlin Kietz ? oder z.B. bei „Müller´s Angelmarkt“ oder „Petri Heil“ Alle der Kosmonauten 12681 Berlin). Eine Jahreskarte die für Müggelspree, Müggelsee, Dämeritzsee, Flakensee, Seddinsee u.a. gilt kostet 50,- € pro Jahr. Tageskarten gibt es natürlich auch.

Wer sich ein Boot ausleihen will kann das z.B. hier tun: http://www.bootsverleih-spreepoint.de


Ich würde mich über Erfahrungsberichte freuen (auch von nicht angemeldeten Usern, welche die Müggelspree oder die anliegenden Gewässer eventuell auch kennen). Ich suche z.B. noch Infos über den Müggelsee, Dämeritzsee, Seddinsee. Ich will nicht, dass Ihr Eure Hotspots rausrückt, aber was wo wann geht ist schon interessant. Macht ja keinen Sinn z.B. auf Hecht zu angeln, wenn es gar keine gibt. Eine Bitte zum Schluss: Macht nur die Fische tot, die Ihr wirklich essen wollt.

Kategorien: Gewässer-Tipps

Kommentare

  1. dietel
    dietel 10 November, 2004, 13:52

    schöner bericht. haste fein geschrieben. das gute liegt oft so nah…

  2. muddi
    muddi 10 November, 2004, 14:19

    Guter Hinweis! Bei 50 Barschen ist die oberstes Gebot. Schöner Bericht…habe echt Appetit bekommen. m.

  3. DozeydragoN
    DozeydragoN 10 November, 2004, 15:47

    Immer wieder schön zu lesen, aß es noch weitere interessante ecken in Berlin und Umgebung gibt!

    DD

  4. Ademin
    Ademin 10 November, 2004, 17:48

    Sehr sympathischer, bescheidener und netter Bericht 😀

  5. DustinausBerlin
    DustinausBerlin 10 November, 2004, 19:07

    Es macht spaß, Berichte über Gewässer in eigener Nähe zu lesen. Toller Bericht.

  6. PharmaMan
    PharmaMan 11 November, 2004, 10:14

    Schöner Bericht! Dafür kann ich dich loben!

  7. veitelino
    veitelino 11 November, 2004, 11:11

    Hört sisch super an.Werd am Wochenende mal den Barschen auf den leib rücken!

  8. mika
    mika 15 Januar, 2005, 16:24

    Ein sehr schöner Bericht – wie siehts denn mit den Barschen jetzt im Winter aus, beissen diese immer noch so gut wie im Herbst? Gruss Mika (ach ja, liegt die Müggelspree noch in Berlin oder schon in Brandenburg?)

  9. klee
    klee 2 Februar, 2005, 22:40

    Sie liegt in Berlin

  10. Angelverrueckter
    Angelverrueckter 4 März, 2005, 21:57

    Jo,sie gehört noch zu Berlin. Es gibt sie aber noch,die schönen grossen Zander.Versuch es mal mit 8cm langen Plötze,mit 10gr Laufblei.
    Mit den Netzen ist wirklich mist.Die Fischer beobachten jedes Jahr von neuen die Angler .Wo viele Angler sind steht auch bald eine Reuse.Jedenfalls im Raum Köpenick.

  11. Netzfisch
    Netzfisch 2 Mai, 2005, 11:14

    Die letzten zwei Wochen waren an der Müggelspree bißtechnisch eher flau. Ich habe Fischkontakt auf Wobbler an der Schilfkante gehabt, wahrscheinlich ein Hecht. Leider beim Drill verloren. Ansonsten mehrstündiges Angeln mit Twistern und Gummifischen ohne Erfolg. Liegts am Wetter?

    In der Müggelspree, zumindest dort, wo ich angeln gehe (bei Hangelsberg), habe ich vor ein paar Jahren bereits Hechte gefangen. Wie der aktuelle Fischbestand aussieht weiß ich leider nicht. Wer hat von Fängen gehört, und vor allem – mit welchen Methoden?

    Ich plane einen Angeltag mit Posenspinnen und totem Köderfisch. Am besten vielleicht in den Altarmen, wo die Strömung nicht so stark ist und viele Hindernisse im Wasser sind. Wer hat bereits ähnliches versucht? Netzfisch

  12. Netzfisch
    Netzfisch 5 Mai, 2005, 17:40

    Hier ist mein zweiter Erfahrungsbericht zum Angeln auf Hechte in der Müggelspree. Oder besser gesagt – in der „wilden“ Spree. Um es gleich vorweg zu nehmen: ich bin um viele Erfahrungen reicher geworden, nur die Hechte habe ich immer noch nicht zu Gesicht bekommen. Möge dieser Artikel anderen zeigen, was vielleicht die falsche Methode ist, um einen Esox in diesem Flußabschnitt auf die Schuppen legen zu wollen. In der Morgendämmerung am Fischwasser angekommen, schien der Fluß vor Friedfischen fast zu explodieren. Überall platschten und planschten die Plötzen, Rotfedern – und wenn ich richtig gesehen habe auch Döbel oder Rapfen. Die Vorfreude ließ sich kaum bremsen, denn bei so viel Futterfischen konnte der Hecht erfahrungsgemäß nicht weit sein. Also zunächst einen Wobbler montiert, ca. 12 cm lang und die Kanten und Seerosen abgefischt. Die „wilde“ Spree strotzt nur so vor Hindernissen. Die Hängergefahr ist enorm, auch treibt die schnelle Strömung den Köder schnell ab. Aber all das sind ja, meines Hechtwissens nach zu urteilen, tolle Vorraussetzungen. Mit Wobblern sollte man hier eigentlich auf der sicheren Seite sein. Schwimmende Wobbler kann man toll platzieren, nach Belieben abtreiben lassen, langsam einholen und über die Hindernisse hinweg führen. Top. Leider erfolglos. Aber so schnell lasse ich mir den Spaß nicht verderben. Nach einigen Experimenten – Twister gehen nicht so gut, eher noch Gummifische – bin ich beim Spinnerbait hängen geblieben. Ein Gummifisch, der in der Strömung herrlich taumelt und mit einem vorgeschalteten Spinnerblatt für zusätzlichen Reiz sorgt. Blieb auch kaum hängen. Ließ sich gut werfen. Ließ sich in allen möglichen Tiefen führen. Kein Biß. Die Suche nach den vermeintlichen „Hot Spots“ war nicht schwer. Die Natur an der „wilden Spree“ ist fantastisch. Überall Kehrwasser, auslaufende Uferbereiche mit ganz geringer Strömung, unterschiedlichste Wassertiefen – ich bin mit der Wathose unterwegs gewesen und habe gestaunt, wie schnell sich die Tiefen verändern, überall Löcher, Unterspülungen – ganz zu schweigen von den vielen Bäumen und Büschen, die in das Wasser ragen. Null. Es war zum Verzweifeln. Am Ende blieben nur ein paar Fachsimpeleien mit anderen Anglern, die ebenso wenig Glück gehabt hatten. Auf Köderfisch werden wohl gelegentlich Hechte gefangen. Kleinere Fische. Aber „drinne müssen och die ollen Mamas sein, dit iss ja wohl offensichtlich.“ Ich verstehe das ganze nicht. Frühjahr, Hechtwetter und ein tolles Gebiet – was mache ich falsch? Als nächstes ist das Angeln mit dem toten Köderfisch dran. Mal schauen, ob da was geht. Die Altarme sind übrigens nicht ohne. Relativ tief – habe Tiefen von über anderthalb Metern gemessen, und auch gut bewachsen, aber durchaus befischbar. Die meisten Angler sitzen eher dort, allerdings wohl auf Karpfen und Aal. Auf ein Neues also, wenn der heutige Frust verdaut ist. Netzfisch

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