Die „Hoe“ im Sommerkleid (Amsti die Zweite)

Die „Hoe“ im Sommerkleid  (Amsti die Zweite)

Das für gummikind obligatorische, zu lange, kurze Intro: Das Schöne an Holland – außer dem Fischreichtum – ist die Nähe zu Deutschland. Noch während unserer Rückfahrt beim letzten Besuch, wurde bereits über den nächstmöglichen, in Frage kommenden Reisezeitraum diskutiert. Da wir (bis auf Anna, die is fleißig) allesamt nichtsnutzige Studenten bzw. Uniabsolventen sind, war die Frage nach dem „Wann“ innerhalb der folgenden Wochen schnell geklärt. Was das Wetter anging, herrschte Einvernehmlichkeit: Keine Kälteklatschen mehr…Warm musste es sein! Wir hatten Bock auf kurze Hosen, kurze Nächte und lange Beißphasen. Die Raubfischschonzeit endet in Holland am letzten Freitag im Mai, davor herrscht striktes Kunstköderverbot.

Direkt zum Season-Opening hat´s leider nicht ganz hingehauen, dafür aber fand jeder von uns (bis auf Anna, die ist wie gesagt fleißig) ein kleines „Pflichten-Schlupfloch“ in der ersten Juni-Woche. Natürlich hatten weder Niko noch ich, unsere vorläufigen Vispässe zur weiteren Bearbeitung (man bekommt das endgültige Dokument per Post nachhause) rechtzeitig abgeschickt (waren ja nur 3 Monate Zeit…), so dass wir am Tag vor Abreise ausgiebigen Emailterror bei der niederländischen Fischereibehörde betreiben mussten, was sich aber als nicht ansatzweise so stressig gestaltete wie befürchtet. Abgesehen davon, dass auf den Homepages alles recht nachvollziehbar erklärt ist, funktioniert die Kommunikation. 10 Minuten nach Abschicken der Mail kam bereits die Antwort: „Kein Problem…hier die VISPAS Nummer…Den Nachtvispas finden sie im Anhang…“. Liebes Deutschland, wie kann man nur so wenig mit seinen Nachbarn gemeinsam haben?!

Mehr als 4 volle Tage und 200 Euro All-in Budget pro Nase, standen uns nicht zur Verfügung. Hält man sich vor Augen, dass Tackle, Spritkosten, Verpflegung, Fahrradverleih, Genussmittelverzehr und Unterkunft darin enthalten sind, bleibt eigentlich nur eine Möglichkeit: Zelt. Dem Karpfenangeln sei Dank, besitzt jeder von uns einen eigenen, vernünftigen Unterschlupf, der schnell aufgebaut ist und jeder Wetterlage trotzt. Ebenso erfreulich ist die Tatsache, dass es in Amsterdam eine Handvoll brauchbarer Campingplätze gibt, die mit durchschnittlich 10-15 Euro pro Nacht und Nase im Budget eines fischgeilen Studenten liegen. Weniger gut dagegen ist ein bis zum Erbrechen beladenes Auto, in das die angepriesenen Zelte nicht mehr reinpassen… Shit…

Zum Glück gibt’s da noch die tüchtige Anna, die uns in einem Anflug von Selbstlosigkeit ihren nigelnagelneuen 8-Mann Palast zur Verfügung stellt, der ein geringeres Packmaß besitzt, als jedes unserer Brollies… merci beaucoup <3!

Die Pläne fürs Wildcampen im Pikepark (siehe „Holy Hoe-lland“) gerieten damit allerdings ins Wanken: Weil Naturschutzgebiet → Nur grüne Schirme ohne Boden… Gut, sehen wir dann, wenn‘s so weit ist…  (Problem 1 → semi-solved…)

Der eigentliche Plan lautete: 2 Tage Pikepark, 2 Tage Amsti. 50:50 – nature/city. Ersteres bat außerdem die Möglichkeit, dem – in jedem von uns – latent schlummernden Friedfischer freien

Lauf zu lassen. Ein Karpfenangler (beim letzten Trip am Ufer getroffen) hatte den „Ideen-Stein“ ins Rollen gebracht. Rüssler-Stecken, Banksticks+Bissanzeiger, 3 Dosen Pop-Ups, Rigs & Leads, Groundbait, sowie Feederrute + Körbe & CO., sollten den Ansprüchen der (hoffentlich im Vergleich zu Deutschland deutlich dümmeren Cypriniden) gerecht werden. Idealerweise ließe sich so ein Mini-Grand Slam (Karpfen, Brasse und Schleie) realisieren. Sollten Bartelträger und Schleimer streiken, würden wir uns einfach beim nächtlichen Deadbaiten Trost verschaffen –> Blanken:  ausgeschlossen!

Der Versuch, vor Abfahrt noch eine Mütze Schlaf abzustauben, scheiterte (wie immer) kläglich und so beschlossen Simon & ich, 3 Stunden früher loszustarten, pikhead aus seinem Studentenkaff (irgendwo in NRW) zu retten und weiter richtig Holy Hoe-land zu brettern, wo – bei Sonnenaufgang – die Rollenbügel umklappen würden. Dass ich mich JEMALS zu IRGENDWAS rechtzeitig – geschweige denn auch nur 5 Minuten früher als nötig – aufraffe, kommt ungefähr genauso häufig vor wie der Fang eines deutschen Albino-Störs auf Trockenfliege, Angeln ist da eine Ausnahme… und sollte somit KEINE Ausnahme sein. „Do more of what makes you happy“ blabla usw.; ihr wisst Bescheid…

 

Die gut gelaunte „Hoe“

Ein paar vernachlässigbare Stolpersteinchen ausgenommen (vor Abreise, verloren geglaubter Autoschlüssel; Angst, liegen zu bleiben, weil Nikos Auto zwei Tanks hat, wir das nicht wussten und uns nach 200 km wunderten, wieso Reserve angezeigt wird) lief alles wie geschmiert. Wir kamen gut durch und wurden mit einem malerischen, holländischen Morgenhimmel belohnt. Kaum Wolken, kein Regen weit und breit: F*ck dich März!

Das Navi lotste uns zuverlässig an die Pforten des Pikeparks, wo nur an wenigen Stellen die Autozufahrt gewährt ist und Schranken + Infoschilder mit aufgelisteten Preisgebühren, die Antwort auf die Frage nach dem Grund für den makellosen Zustand des Naturschutzgebietes liefern. Irgendwas um die 6-10 Euro pro Tag sind (durch 3 geteilt) zu verschmerzen und bedürfen – im Hinblick auf die Tatsache, dass wir uns davon ein direktes Anfahren der Homebase erhofften – keiner weiteren Überlegung. Als wir zwei Minuten später eine betonierte Parkfläche vorfinden und Maps anzeigt, dass die angestrebten Spots nur bedingt und über das andere Ende direkt erreichbar sind, gerät – das aufgrund der fehlenden Brollies ohnehin schon – mit leichten Rissen in der Außenwand versehene Luftschlösschen noch mehr ins Wanken (→ Problem ¼ solved…)

Doch beim Anblick der aufgehenden Sonne am rosaroten Himmel, Windstille und einer Traumtemperatur von knapp 20 Grad ist uns das erstmal scheissegal. Die Baits müssen baden!

Kaffe, Kippchen, klares Wasser: Die ersten Würfe absolvieren wir am „Zipfel“ des Hauptsees. Noch bevor Niko und ich den Spot erreichen, hallt das Wort „Fisch!“ über die angrenzenden Felder. Simons Rute ist krumm! Aber nicht lange: „Fuck weg…“ Keine 3 Meter weit, hat sich sein McTail über das Kraut schwänzeln können ohne „überfallen“ zu werden. Ein dichter Wald aus Wasserpflanzen, ragt bis unter die Oberfläche und hat mit dem „toten Meer“ von Ende Februar nichts mehr gemeinsam. Dazu Schilf wohin das Auge reicht und Fischkontakt nach sprichwörtlich einer Sekunde. Die „Hoe“ ist gut gelaunt…

Über das Frühjahr hinweg, habe ich meine BC-Kombo vergleichsweise erfolgreich „dressiert“ und mir ihr Vertrauen „erworfen“. Der „Macht mehr Bock als Spinning“-Effekt ist bereits eingetreten, dutzende Fische sind gedrillt und gelandet. Jetzt besorg ich‘s der Hoe… Denkste!

10-12 Meter Wurfweite fehlen – ebenso wie 70 cm Rutenblank. Das hochgewachsene Schilf schränkt meinen Radius so ein, dass ich mich mit Freiwasserwürfen ala „Mal kucken ob da auch einer steht, aber eigentlich würde ich lieber die Uferzonen abfischen“ zufriedengeben muss, während Niko und Simon auf ordentlicher Entfernung eine Handvoll Bisse kassieren, die aber allesamt unverwertet bleiben. (Und wieder kann man sich nur wundern, wie zur Hölle es möglich sein soll dass zwei scharfe, High End Drillinge bei – diesmal deutlich aggressiveren Attacken – nicht sauber fassen…)

Nachdem der Spot keine weiteren Kontakte bringt und von den Seiten aus kaum begehbar ist, widmeten wir uns dem flachen und trüberen Poldersystem, dessen Beschaffenheit wir vom Wintertip noch gut in Erinnerung haben. Leider will es so gaaaar nicht funktionieren… Ein paar verhaltene Anfasser über einen Zeitraum von ca. 2 Stunden, machen jede weitere Ausführung überflüssig und so beschließen wir das Schlafplatzproblem zu klären, bevor unsere übernächtigten Hirne durch die Mittagshitze gegrillt werden.

 

Die schlecht gelaunte „Hoe“ …

Doch bis zur besagten Mittagshitze müssen wir gar nicht warten, um die mangelnde Leistung unseres Denkapparats unter Beweis zu stellen: Ab ins Auto, angeschnallt, Rückwärtsgang rein → BOOM! Der kurz darauf losgelassene „Oaaaaa neee mann….“ Chor ist durchaus angebracht, pikehead hat dem Wagen hinter uns eine dezente „Arschbombe“ verpasst. Und das, wo wir doch gerade 10 Sekunden zuvor die beiden, ans Auto gelehnten Holländer begrüßt haben…no sleep isn´t cheap… Nach einem Verhandlungsgespräch mit den beiden (glücklicherweise korrekten und verständnisvollen) Jungs sind wir um nen Fuffi ärmer und ne kleine Delle reicher. Egal: Wenigstens wach!

Den Minicrash heil überstanden, 2 Minuten später die nächste Hürde: Der Parkticketautomat an der Schranke nimmt kein Cash… und keine Visa… Und keine EC… ohhh Holland…

Nach zwei vergeblichen Versuchen vorbeifahrende Autos anzuhalten, erbarmt sich ein Parkbesucher mit Dauerkarte dazu uns zu helfen. Noch mal Glück gehabt. Nichts wie weiter zum Campingplatz, bevor Schlimmeres passiert. Zur Sicherheit noch ein Anruf, man weiss ja nie…

Und tatsächlich: „Sorry guys, no tentsites left…“  Fuck… Die erste Mauer des Luftschlosses liegt in Trümmern.

Nachdem uns klargeworden war, dass der Pikepark ohne grüne Angelzelte, ein zu hohes Risiko in absurd hohen Bußgeldern zu versinken darstellte, haben wir uns dazu entschlossen, gleich in der City zu pennen und die geplanten Cyprinidensessions auf den Tag zu verlegen, zumal der von uns ausgesuchte Campingplatz ohnehin zu allen Seiten von Wasser umgeben war und optimale Möglichkeiten bot, sich quer durch die gesamte Fischfauna zu angeln. Tja…Jetzt ist auch dieser Traum verpufft.

Gleich in der Nähe, zeigt Maps einen weiteren Zeltplatz an, der ebenfalls direkt am Ufer eines Seesystems liegt → Attacke! Dort angekommen, erst mal völlig baff vom Anblick: Englischer Rasen, Seerosenfelder, überhängende Weiden, Holzboote. Jetzt noch Rodpod + Abhakmatte und wir haben das perfekte Angelpostkartenmotiv. So schön, dass es schon wieder hässlich ist. Hässlich wie das Schild mit Kreideschrift am Eingang der Anlage: „Full from 6.6. until 12.6.“. Langsam wird die Luft eng. Die Betreiberin läuft uns über den Weg. Mit Hundeblick und verwahrlostem Erscheinungsbild (das mussten wir nicht mal vortäuschen) probieren wir um ein kleines, letztes Stück Rasen zu verhandeln. Gerne auch neben dem Klo –> Keine Chance…

Glücklicherweise entpuppt sich die Dame mittleren Alters als absoluter Engel, packt sich 2 Handys  ans Ohr und flowt sich 5 Minuten lang mit feinstem Holländisch durch alle erdenklichen Campingplätze, mit dem Ergebnis, dass wir eine Reservierung in Amsterdam Nord erhalten.  DANKE! Nächstes Mal kommen wir zu dir <3!

 

Sonnenschein & …schleim

„Camping Vliegenbos“ kann was: Saubere Anlage, (in Anbetracht der praktischen Lage) faire Preise,  Gasherde + überdachter Essensbereich, Fahrradverleih und nur wenige Schritte vom Zelt entferntes Parken. JETZT darf der Urlaub beginnen.

 

Nach wenigen Minuten stand der Palast und wir in ihm: 3 Liegen + Tackle hatten mühelos Platz, sodass man sich (fast) keine Sorgen um die Ordnung machen musste weil jedem mehrere „Chaos-Quadratmeter“ zur Verfügung standen, ohne sich gegenseitig zu beeinträchtigen. Ein Segen bei Angelmarathons mit wenig Schlaf – insbesondere wenn meine Wenigkeit dabei ist.

 

Burgbau

 

Gegen Mittag meldete sich langsam aber sicher die Müdigkeit, was uns aber nicht weiter stören sollte, denn a) waren wir‘s gewohnt und b) braucht man beim Ansitz (fast) keine Konzentration.

Sich „good old times“-mäßig mit ein paar pisswarmen Bierchen in den Urlaub feedern: Das musste einfach mal wieder sein!

Weissfischkram gerichtet, Auto beladen: Abflug! Nach einem 10-minütigen Fussmarsch (die Karre stand diesmal außerhalb) lassen wir nassgeschwitzt das Futteraal auf den Boden plumpsen. Der Spot am Ende des Hechtgrabengewirrs, weist so ziemlich alle Eigenschaften auf, die Carps und Co. Wuschelig machen: Überhängende Ufer, Büsche, Totholz, und – direkt vor unseren Füßen – ein in Relation zum Rest „tiefes“ Loch mit hartem Untergrund und vereinzelten Muschelbänken. Des weiteren, bildet die Aussparung des ca. 30 m breiten Grabens eine „Sackgasse“ für umherziehende Schwärme, sprich die Warscheinlichkeit ihre Zugroute zu treffen, ist höher als bei Stellen die zu beiden Seiten hin „offen“ liegen.

Ein kleiner Holzsteg sorgte für den nötigen Komfort und ersetzte die fehlenden Stühle, außerdem erwies sich das fixieren der Banksticks als dankbare Angelegenheit. Niko hatte eigene Pläne und machte sich samt 3lb Stecken und Pop-Up am Choddy auf den Weg, um ein paar Rüssler zu stalken (wir hatten beim Piken in der Früh einige Fische bei der Laichaction spotten können).

aspiusfan und gummikind ließen es klassisch angehen, präparierten eine große Futterspur und ließen ihre 30 g Futterkörbe samt Made-Mais Cocktail aufs Wasser klatschen.

Während Simon nebenbei seinen Waggler entlang des Ufers zum Tanzunterricht schickte, platzierte ich meine Montage  (Method Feeder + Poppi) in Richtung überhängender Büsche. Somit war die Stelle – trotz recht bescheidener Mittel – relativ passend abdeckt und der Multispecies-Marathon konnte starten!

Aber wie das Angeln in der Mittagshitze eben so ist, tat sich erst einmal GAR NICHTS. Leere Bierdosen und rote Haut waren das Ergebnis unserer „Sure-shot-Strategy…

Doch plötzlich zuppelt es in der Rutenspitze. „Yep!“. Der erste Schleimer gleitet in den Kescher.

Entschneidert mit einer holländischen Brasse. Naja – immerhin gezielt…Wäre Barschalarm Facebook, würde meine Freundesliste jetzt vermutlich um die Hälfte schrumpfen, aber zum Glück ist dem nicht so :)…

 

like in good old times

Ist der erste Fisch ne Brasse, wird der Rest vom Urlaub klasse.

Irgendwann kehrt Niko mit der Info zurück, eine fette Rotfeder gefangen – und einige größere Exemplare sowie eine Hand voll Karpfen gesichtet zu haben. Bisschen was scheint hier wohl doch los zu sein. Und tatsächlich: Die Spitze meiner Feeder geht erneut krumm! Schleimer numero due! Futterkorb befüllen, Köder wechseln, raus damit!  → Brasse Nummer 3 für gummikind!

 

Wenigstens muss ich euch dabei nicht in die Augen schauen.

golden garbage

 

Jetzt haben wir sie am Platz! Irgendwann klatschen unsere Montagen in immer geringeren Abständen aufs Wasser, den Biestern scheint (entgegen aller Erwartung) das Fleckchen in der Mitte besonders zu gefallen. Ab und zu verabschiedet sich Simons Pose in Ufernähe für ein paar Sekunden, taucht aber zu schnell wieder auf, als dass ein Anhieb gerechtfertigt wäre.

pikehead hat sich mittlerweile dazugesellt und seinen Pop Up am gegenüberliegenden Ufer platziert, was ihm im 10 Minuten-Takt nervige „Pieper“ beschert, die am ehesten unentschlossenen Brassen angerechnet werden können. Der erhoffte Run, bleibt leider aus.

Nachdem sich eine halbe Stunde nichts tut, rappelt es auch endlich bei Simon: „Fuck ey…weg“.. Leider ausgestiegen…

Keine Sorge, gummikind richtet‘s: Fisch Nr. 4 landet im Kescher. Das müssen die Russengene sein, keine Frage…

Wir liegen teilweise keine 2 Meter auseinander, aber irgendwie scheint ihnen meine Präsi (die bis auf das Futterkorbmodell haargenau die selbe ist…) mehr zu bekommen. So sehr, dass kurze Zeit später die Spule meiner Baitrunner erneut ein paar saftige „BZZZ“ Laute von sich gibt: „Shit, Fehlbiss“

Abgesehen von der recht einseitigen Fangverteilung (bors before breams!), machte der Ansitz mächtig Bock und ließ die etwas in Vergessenheit geratene Jugendfischer-Euphorie wieder aufbrodeln. Solche Gelegenheitsaktionen erinnern einen daran, wie spaßig das „primitive“ bzw. elementare Angeln sein kann und was einen dazu brachte, den ganzen Irrsinn in sein Leben zu lassen. „Fishing more for the bites, less for the fish…“

Die Sonne war auf ein angenehmes Level gesunken, als die sich plötzlich drehende Spule den nächsten Gegner ankündigt. Freilauf zu, Anschlag! „Das ist keine Brasse!“ Deutlich kräftigerer Zug und gelegentlicher Schnurgewinn, lassen einen kleinen Karpfen vermuten, die hektischen Schläge, sowie die Intensität der Fluchten sind aber doch irgendwie untypisch… Vielleicht  ne Tinca?

Schleimer: ja, Schleie: nein! Nach 2 Minuten Bangen (0.18er Leader), windet sich vor ein uns  halbstarker Aal (ca. 65 cm). Die „Hoe“ scheint ihre „Freier“ gerne mal zu überraschen…

 

Keep it (r)eel!

Gefühlte 100 Piepser bei Niko und 1-2 Fehlbisse bei Simon später, tut sich nicht mehr viel. Langsam machen auch Körper und Geist schlapp. Wird Zeit für den Palast!

Hätte besser laufen können, aber auch schlechter! Wir hatten Sonne, Bier und Bisse. Jetzt galt es, irgendwie ein paar Stunden Schlaf abzustauben und sich in der Morgendämmerung den wirklich seriösen Dingen zu widmen.

 

Juni, der neue Februar

3 Schlummerstünchden waren zwar nicht ansatzweise genug, bewahrten uns aber vor dem geistigen Komplettzerfall. Pikepflücken steht auf dem Programm und so watscheln wir – die Hechtkombos im Anschlag – Richtung Klarwasserzipfel, wo es am Tag zuvor einige Bisse gehagelt hatte. Leider ist „gestern“ nicht gleich „heute“ und all unsere Versuche gehen ins Leere. Jerk-, Twitch-,Spinner- und Swimbaits, lassen die Entenschnäbel kalt, lediglich eine Fehlattacke auf Stickbait bei Niko können wir verbuchen.

Optisch ein Traum, fischtechnisch ein Disaster. „Sind die Hechte überhaupt hier?“ Immerhin haben sie 200 m weiter die Möglichkeit in den Hauptsee zu ziehen und sich ggf. kühlere, tiefe Bereiche zu suchen, bzw. den Köderfischschwärmen zu folgen. Nachdem wir uns in der darauffolgenden Stunde Richtung open water gearbeitet hatten, plagen mich bereits die nächsten Zweifel:

Die relativ runde Wasserfläche beträgt ca. 100-150 ha und liefert den Fischen somit ausreichend Rückzugsmöglichkeiten bzw. Jagdalternativen zum Ufer. Wer weiß, ob sich nicht irgendwo in der Mitte Barschberge oder Kanten befinden, die – insbesondere großen Exemplaren – attraktivere Bedingungen bieten als die – in für uns erreichbarer Wurfdistanz – liegenden Uferzonen? Ohne Gewässerkenntnis entspricht das der altbekannten Suche nach der „Nadel im Heuhaufen“.

Wenn‘s dann aber auf eigene Faust trotzdem klappt: Umso schöner! Nur leider erbarmte sich in unserem Fall nicht mal EINE ausgehungerte Fritte…

Ganz ohne Fisch bleiben wir allerdings nicht, pikehead verwandelt sich kurzerhand zu perchhead und kann per Zufall einen kleinen Kannibalen an Land zaubern:

 

Duo Realis „Perch“bait.

Kurz darauf bleibt noch ein Streifenträger kleben, das wars dann aber auch!

Etwas verdutzt über das spärliche Beissverhalten, geht’s wieder zurück an die Gräben. „Vielleicht wollen sie ja heute…“

Nope… Dreistündiges, konzentriertes Abklappern der Flats, bringt uns eine Handvoll Fehlattacken und größen- sowie mengentechnisch eher vernachlässigbare Fänge:

 

Gevierzigert.

„Na immerhin funzt der Trailerhook, (dessen Abstinenz mich in der Heimat schon einige Zettis gekostet hat)

 

Gegen Ende dann, ein klassischer Niko-Moment: „Fuck… meine Tacklebox…“ Unschönerweise hatten wir bis zum Eintreten dieser Erkenntnis gute 2km zurückgelegt. Genug Zeit also für Simon und mich, die Bucht etwas genauer unter die Lupe zu nehmen und meinen Arnaud in die selben Büsche zu pfeffern, wo bereits mein Duo Realis Jerkbait seit Anfang des Jahres sein Dasein fristete. Keine Chance, auch nur ansatzweise an die Äste zu gelangen. Zunehmender Regen und fehlende Ersatzklamotten, ließen die anfängliche Idee, Rettungsschwimmer in der torfigen Pampe zu spielen – relativ schnell verfliegen und zwangen mich (widerwillig) ein Häkchen hinter das Projekt „Pikepark“ zu setzen…

Der Gesichtsausdruck des knapp 45 Minuten später zurückkehrenden Nikos bedurfte keiner besonderer psychologischer Fähigkeiten, um richtig interpretiert zu werden und so schlenderten wir geknickten Hauptes zurück zur Karre, in der Hoffnung auf einen etwas gnädigeren Nachmittag im Herzen Amsterdams.

 

Jiggen & Joggen

Nach einem kurzen, bitter nötigen Palast-Putz und dem kläglichen Versuch, bei gefühlten 50 Grad Innentemperatur ein Nickerchen abzuhalten (Niko schaffte es tatsächlich, Simon ein bisschen), wurden die Rucksäcke geschultert (gut, eigentlich bin ich der einzige der keine Spinntasche besitzt…) und unsere Akkus mittels Amsterdamer Hausmannskost teilgeladen.

 

niedere Nährstoffzufuhr

 

Selbstverständlich war der Fahrradverleih seit 11:30 geschlossen, sodass wir uns gedanklich auf langwierige Erkundungs-Fußmärsche eingestellt hatten. Ca. 10 Gehminuten von unserer Homebase entfernt, liegt bereits der erste nennenswerte Spot: Der Nordkanal (Mündet weiter südlich, nahe der Fähre ins IJ-Meer) gilt auch unter Locals, als guter Tipp und soll – besonders im Hinblick auf Hecht und Zander – relativ zuverlässig liefern. Obwohl Simon und Niko in der Vergangenheit dort kaum Fänge erzielen konnten, musste an den Empfehlungen der Einheimischen und diversen, holländischen Youtubeprominenzen etwas dran sein, selbst wenn der liebe „Beisswetterfrosch“ (dessen Aussagen bisher LEIDER ziemlich zutreffend ausfielen) uns beim Tackleshopbesuch am Vortag äußerst zähe Angeltage prophezeit hatte. 4 Minizettis, waren alles, was sein Kollege und er beim Bootsfischen dem Ij-Meer in den letzten Tagen entlocken konnten – wahrlich keine guten Voraussetzungen für Angeltouris. Scheissegal, denn nachdem, was uns im Februar widerfahren war, müsste schon EINIGES passieren, um die mittlerweile meterdicken „Pannen-Panzer“ zu knacken.

Und es passierte einiges, einiges von dem, was schon viel früher hätte passieren sollen:

 

Klein aber Barsch.

Stairway to Zander

 

Am Spot angelangt, brachten gleich die ersten Würfe Fisch! Im Schatten der Brücke und einer Tiefe von 1-3m, schienen sich die Räuber wohl zu fühlen. Entscheidend war es – neben der relativ geringen Ködergröße von 2-4 Inch – seine Baits, möglichst nah an den Betonwänden zu platzieren. Wer am weitesten unter die Brücke trifft, bekommt auch die meisten Bisse. Köpfe zwischen 2 und 7 g reichen auf Grund der geringen Tiefen- und Strömungsverhältnisse völlig aus, jedes zusätzliche Gewicht wirkt sich kontraproduktiv auf die Absinkphase aus und erhöhte die – ohnehin schon stattliche – Hängergefahr. Da mein Setup einen Hauch gröber ausfällt als das der anderen beiden, und ich zwecks Köderfeeling mehr oder weniger gezwungen war min. 5g + 4inch zu fischen, gestaltete sich meine Bissausbeute etwas magerer, zumal die meisten Zupfer aufs Konto kleinerer Barsche gingen, deren Augenmerk eher auf der Brut zu liegen schien. Funktioniert haben eigentlich alle gängigen Dekore der üblichen, geflavourten Verdächtigen, ein „gesunder“ Chartreuseanteil war dabei nie verkehrt (auch hierzulande meine Schockfarbe Nr.1). Knapp 15 Minuten später, hatte sich das Beissgewitter „entladen“, was uns dazu veranlasste weiterzuziehen. „Keine Wurzeln schlagen“ lautete das Motto, denn in erster Linie ging es anfangs darum, möglichst viel Strecke zu machen und ein ungefähres Bild von bevorzugten Standorten und Ködervorlieben zu erhalten, um uns die Angelei in den kommenden Tagen zu erleichtern und bestimmte Gewässerbereiche zwecks Zeitersparnis skippen zu können.

Nicht ganz so ertragreich, aber dennoch actiongeladen gestaltete sich das Jiggen an den darauffolgenden Strukturen Richtung Fähre. Holzbalken, Betonplatten-Drop-offs, Spundwände: Überall „tockte“ es in annehmbaren Zeitintervallen. Viele der Anfasser ließen sich in (bisher) gewohnter Amsterdammanier nicht verwerten. So bekam ich beispielsweise auf meinen Spinnerbait 1-2 vorsichtiger Anstupser, die sich im weiteren Verlauf des Einkurbelns als guter Enddreißiger Barsch entpuppten, der – selbst nach sofortigem Wechseln des Köders – keine Anstalten machte, beherzter zuzupacken. Simon dagegen wurde mit einem sauber durchtrennten Fluo bestraft, nachdem er sich – zwischen hölzernen Schiffsanlegern – die Spundwand entlang gejiggt hatte. Summa summarum bat der Nordkanal eine relativ abwechslungsreiche und angenehme Angelei, die  sich weitestgehend, auf die in regelmäßigen Abständen vorkommenden Strukturen wie Brücken, Schleusen, Aussparungen etc. beschränkte.

Ab auf die Fähre Richtung Bahnhof. „Da geht eigentlich immer Barsch“. Nicht zu viel versprochen, denn nach ein paar pubertierenden Perchs für Niko & Simon, rappelt es ordentlich in der Penzill.

 

Bahnhofsbulette

Runde 40. So muss das! Tatwaffe: ES 4 Inch Green Pumpkin Chartreuse.

Ob Dropshotten oder Jiggen: Beides funktioniert dort zur wärmeren Jahreszeit gleichermaßen gut. Insofern lohnt es sich, zu Beginn des Trips zügig anzufangen und ggf. runterzuschrauben. Idealerweise sollte man – in Anbetracht der wechselnden Wassertiefen und schwankenden Launen der Räuber – eigentlich 3 Rigs parat haben: Spinning, DS und Carolina. Ständiges Umbinden nervt, ebenso wie das Mitführen mehrerer Ruten. Somit beschränke ich mich aufs einfache Jiggen und hänge – sollte sich eine klare Tendenz zur langsamen Präsi abzeichnen – ein vorgebundenes DS Vorfach in den Snap. Beim dortigen Fischvorkommen, stören sich – leichte Fressbereitschaft vorausgesetzt – die wenigsten Räuber an der „Extraportion Metall“. Sicher keine Methode für Tournaments oder deutsche Dickbarsche, jedoch äußerst zeitsparend, komfortabel und damit urlaubstauglich. Des Weiteren, lassen sich auf diese Weise, diverse Hänger und Abrisse besser ertragen, erst Recht, wenn man sich über einen Zeitraum von mehreren Tagen im „Zombiemodus“ befindet.

Weiter zur Großbarschbucht (siehe 1. Artikel): Stickbaits und Spinner durchqueren die Flats. Nada. Nach 10 Minuten aber gibt’s die ersten Attacken. „Fuck vorbeigeschossen“ bricht es aus mir heraus, als zweimal die Oberfläche hinter meinem Duo Pencill explodiert. Kein kleiner… Auch bei Niko scheint der Stickie seine Wirkung zu entfalten – leider nix großes. Schließlich ist es der gute alte Spinner, welcher Simon den einzig vorzeigbaren Fisch ans Band liefert: Irgendwas Ende 20.

 

Traditionsbarsch

Wir angeln uns entspannt zurück zur Fähre, aber die Aktivität hat deutlich nachgelassen. Wenig Bisse, kaum Fische. Wieder auf der „Heimseite“ angekommen, geht’s dem Nordkanal erneut an den Kragen: Sehr verhalten… Nachdem die Sonne verschwindet, befinden wir auf halber Strecke oberhalb der Schleuse. Mein Bait des Vertrauens: „Fat Swing Impact 4 Inch; Sexy Shad“. Definitiv die richtige Wahl! 6 Fehlbisse am Rande der Flachwasserzone, jeder Wurf ein „Tock“! Nummer 7 bleibt kleben. Yes!

 

Tocktime

 

In diesem Moment wird die Entscheidung bezüglich eines geeigneten Spots zum geplanten Deadbaiten am Folgetag gefällt: Keine Strömung, ausgeprägte Flachwassezonen, Obstacles, extreme Tiefenunterschiede und dazu noch windgeschützt → optimal!

Mittlerweile ist es 22 Uhr und wir fühlen uns wie durch den Fischmehlshredder gejagd. 3 Stunden Schlaf in zweieinhalb Tagen sind eindeutig nicht gesund… Die Füße schleifen mit letzten Kräften über den Teer, die Liege ruft.

 

Cheat Day

Um 5 Uhr bimmelt der Wecker. Mein monoton gemurmeltes „Mach diese Scheisse aus“ findet Anklang. 3 Stunden später können wir der Realität nicht mehr entfliehen und wuseln uns aus den Schlafsäcken. Müsli rein, bike klarmachen → ab die Post!

Paar Fahrradminuten vom Campingplatz entfernt, befindet sich ein weiteres Gewirr aus kleinen Häfen, Schleusen und Kanälen, das auch die anderen Zwei bisher noch nie unter die Lupe genommen haben. Die Sonne scheint, leichter Wind geht. So muss Urlaub sein. Wir verteilen uns zwischen den Segelyachten und jiggen die schattigen Bereich ab, in der Hoffnung, ein paar Barsche abzustauben. Die geringe Tiefe von oftmals weniger als einem Meter gepaart mit der schlammigen Beschaffenheit des Grunds, lässt schnell Skepsis aufkommen. Immerhin: Mein erster Cast ans gegenüberliegende Ufer wird mit einem kleinen Zetti belohnt.

 

Sonnenshine(r)

Wo auch eine Schleuse steht…

…stets gestreifte Beute geht.


Direkt beim Absinken hat sich der Nachwuchsvampir im Schatten eines großen Holzbootes meinen Shiner reingehauen. Feine Sache. Danach ist Ruhe. Ab aufs Bike → nächster Spot! Eine malerische, kleine Grabenschleuse samt Dreckteppich verspricht Action. Bingo! Simon und Niko drophotten beide jeweils einen halbstarken Streifenträger aus der Deckung. Paar obligatorische Fehlbisse für die gesamte Crew und kuriose Passantengespräche später (ein Holländer erzählte mir stolz, dass große Fische bei ihm in die Pfanne kommen und der sportliche Aspekt reine Tierquälerei sei, weil man ja die Fische verletzte) schwingen wir uns wieder auf die Sattel und strampeln gemütlich Richtung Brücke am Nordkanal, wo wir am Vortag einen vergleichsweise erfolgreichen Streetfishingseason-Start hingelegt hatten.

Und der Erfolg bleibt bestehen: Es hagelt Biss auf Biss! Neben kleinen Barschen und Minizettis verirrt sich auch ein „besseres“ Exemplar an Simons Molix RA Shad. Pikehead wird Opfer saftiger Fehlbisssalven als er seinen Spinnerbait entlang der Uferlinie einholt, während sämtliche meiner Baits zu „schwanzlosen“ Gummileichen kastriert werden.

 

Der gute alte Farbkonstrast…

Jetzt fühlen wir uns wie Jason Staham in Crank, 5 Minuten nach seiner Adrenalinspritze! Und genau wie bei ihm, braucht es auch in unserem Fall konstanten Nachschub, um nicht aus den Latschen zu kippen. Leider bleibt uns dieser verwehrt. Gelegentliche Zupfer und die daraus resultierenden, ins Leere gesetzten Anhiebe, wirken zwar wie Miniespressos, können aber den erhofften „Rush“ nicht ganz aufrechterhalten. Heute entscheiden wir uns, nicht überzusetzen – der Wind drückt Vollgas aufs Nordufer, das Wasser an der flach auslaufenden Steinpackung vor dem Eye Museum gleicht von der Farbe her, den eben erwähnten Kaffe-Shots. Aufgewühlter Schlamm, Partikel und Krautfetzen lassen die Abfolge der Nahrungskette – an deren Spitze die Objekte der Begierde stehen – unser Hirn rauf und runter rattern. Das SCHREIT nach Spinnerbaits! Tatsächlich gibt’s ein paar Stupser, jedoch sind präzise Würfe und saubere Führung auf Grund des Windes kaum möglich. Wenn ich 5 m rechts von pikehead stehe und nach RECHTS werfe, landet mein Köder genau dort wo pikehead seinen hätte platzieren sollen → Ungenuss!

 

konzentriertes Casten

Genug „gesponnen“… Spotwechsel. Ca. 400 m weiter nördlich, geht die Promenade in eine Art Betonpier über, dessen landzugewandte Seite an einem schmalen, geschützten Flachwasserbereich liegt, wo neben Seerosen, Büschen und Holzpfosten interessante Steinformationen eine willkommene Abwechslung zu den „üblichen“ Strukturen bieten. Die ebenfalls vorhanden Spundwände und abrupt abfallende Kanten, geben außerdem die Möglichkeit, seinen Köder langsam und punktuell in etwas tieferem Wasser (2-4 m) zu präsentieren.

pikehead knüpft sich den „Graben“ vor, aspiusfan den Übergang, ich die Spundwand am „Kopf“.

Ansagen über erste Fischkontakte lassen nicht lange auf sich warten: „Fuck sind die fett!“ bricht es aus Niko heraus, als er sein Würmchen durch die Steinlücken zuppelt. Der Ausdruck des Staunens, ist nicht etwa dem Zugegensein der üblichen Spezies geschuldet, nein: In gerade mal 30 cm Tiefe treibt sich ein Rudel kapitaler – und sichtlich fressbereiter – Meeräschen herum, wovon die KLEINSTE geschätzt 60 cm misst. Ein paar Mal inspizieren sie – in gewohnt misstrauischer Mullet-Manier – den potentiellen Snack, entscheiden sich aber (aus Sicht des Tieres) wie immer richtig. Meeräschen sind eben Meeräschen – auch in Amsterdam…

Die Vorstellung, einem dieser „schwulen Striper“ am leichten Geschirr Paroli zu bieten (und einen womöglich neuen Streetfishingtrend ins Leben zu rufen) sorgte zugegebenermaßen für dezenten Blutfluss in Richtung Fortpflanzungsorgan, sollte uns aber an jenem Tag verwehrt bleiben. Mal gucken was morgen so geht, wenn das Baitsortiment um ein paar Brötchen erweitert wurde…

Während Niko sein Glück weiter bei den Veganern versucht, schleife ich mein Dropshotblei im Zeitlupentempo entlang der Spundwände. Dank des konzentrierten Schwerpunkts und der, im Vergleich zu Jigköpfen höheren Grammzahl, habe ich auch mit meiner etwas strafferen Rute die Chance, deutlich kleinere Happen anzubieten, die sich bis zu jenem Zeitpunkt – durch eine im Vergleich zu 3-4 Inchern leicht höhere Abnehmerquote –  behauptet haben.

Kurzer Stopp. Ein- zweimal zupfen, wieder stehen lassen… Tick, Tick!  – Anhieb – „Fuck..“

3 Minuten Später: Das selbe Spiel… Kräftige, aber zeitlich kaum parierbare Bisse, typisch für Amsterdamer (Mit)tage…

Erwartungsgemäß wendet sich das Blatt nicht und wir dackeln – mit ein paar kurzen, ebenfalls ertraglosen Zwischenstopps – zurück zur Base um die zweite (und voraussichtlich hoffnungsvollere) Tageshälfte einzuläuten.

Direkt vor den Toren des Campingplatzes befindet sich ein kleiner, kaum 80 cm tiefer Parkteich, an dessen Ufern wir – allmighty Vispas sei Dank – ebenfalls dazu berechtigt sind die Peitschen zu schwingen. Der kleine, obligatorische Rundgang am Vortag hatte zwar keinerlei Aufschluss über das dortige Fischvorkommen gegeben, jedoch haben wir heute das Glück einen Stippfischer anzutreffen, der zumindest von einem Rotauge, sicher berichten konnte. Und wo eins ist, sind die anderen bekanntlich nicht weit…

„Was nicht passt, wird passend gemacht“ lautet die dreiste Devise im Bezug auf die suboptimale Beisslaune der Stadträuber, die es im Laufe des Abends mit „biologischen Waffen“ umzustimmen gilt. Kübel, Groundbait und eine Zweckentfremdete Major Craft Firstcast im Anschlag, geht’s an die Parkpfütze. 2, 3 aufklatschende Futterballen bringen die einzige Seerose im Tümpel zum Wippen, bevor die Pose ihren Platz einnimmt. So fing alles an: Mit einer roten Spitze, deren Abtauchen die Welt bedeutet…

Die Befürchtung, es könne sich um eine zähe & langwierigen Beschaffungsprozedur handeln, löst sich innerhalb der ersten 5 Sekunden in Luft auf. Die erste „Patrone ist im Lauf“! Binnen einer halben Stunde, ist das „Magazin voll“. Frequenzfischen at it´s finest! 3 „erwachsene“ Männer stehen am Teich und freuen sich wie kleine Kinder über Fischchen, die maximal so lang sind wie ihre primären Geschlechtsmerkmale nach einer finnischen Eisbadesession, herrlich! Nach 3 Rotaugen wird gewechselt, jeder kommt auf seine Kosten, sportliches „Staffelfischen“.

 

Maggot Craft Firstcast

Mehr Rotaugen als im Coffeshop.

Natürlich könnte man uns jetzt „fehlenden Kampfgeist“ vorwerfen. Und natürlich hätten wir weiterhin unsere Gummis mühsam durch die Grachten leiern können. Aber der Trip stand von Anfang an im Zeichen der „Experimentierfreudigkeit“. Es ging nicht unbedingt darum, mehr  zu fangen (was ohnehin nicht garantiert war) und das Spinnfischen zu „verraten“. Wir hatten einfach Bock, ein wenig „Urlaub vom Urlaub“ zu haben. Zu entspannen, die Seele baumeln zu lassen und ohne viel Brainfuck („Welchen Bait, welches Rig mach ich jetzt drauf?/ Eigentlich bräuchte ich jetzt einen anderen Jig…/ Da wollt eigentlich ICH hinwerfen“ usw. usw. usw…) Amsterdamer Nachtluft zu atmen. Ferner erhofften wir uns natürlich jene Räuber an den Haken zu bekommen, die nicht dumm genug waren, ein stinkendes Stück Gummi mit ihrer Leibspeise zu verwechseln. Sprich die klügeren und somit älteren Exemplare… Dadurch erhielten wir ein relativ zuverlässiges Bild von der tatsächlichen Bestandsdichte und eventuellen Unterschieden innerhalb der Fressgewohnheiten.

 

Um euch eine kleine Verschnaufpause zu gönnen, gibt’s an dieser Stelle einen mehrtägigen Trommelwirbel… Bis „gleich!“

 

Kategorien: Fangberichte

Kommentare

  1. Neptun22
    Neptun22 5 September, 2017, 12:02

    Schön kurzweilig geschrieben !
    Ich freue mich auf die nächste „Folge“ dieser Geschichte.

    Gruß Uwe

  2. sven_1976
    sven_1976 5 September, 2017, 12:20

    Sehr unterhaltsamer Bericht. Beio der länge hätte meine Mittagspause fast nicht zum lesen gereicht. Gern mehr davon!

  3. Ronnie
    Ronnie 5 September, 2017, 16:53

    Sehr unterhaltsam und abwechslungsreich, deine Stories, die sich reizend von der Masse an Werbegeschichten mit dem dauernden Anheben des PBs und Massenfänge von Dickfischen abheben. So nämlich sieht angeln für die meisten von uns tatsächlich aus….

  4. denyo
    denyo 5 September, 2017, 21:38

    Pisswarmes Bier und Rotaugen… Amsterdam like. Schöner Lesestoff!

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