Der unverhoffte Meterhecht

Der unverhoffte Meterhecht

Nur zu gerne erinnere ich mich an den Tag an dem ich meinen ersten Meterhecht gefangen habe. Doch alles der Reihe nach. Es war der 19. September 2007, die Tage wurden wieder kürzer und die Temperaturen pendelten sich langsam auf ein herbstliches Niveau herab. Das ganze Jahr lang versuchte ich vergeblich, ein kapitales Exemplar von Meister Esox zu überlisten, doch gelingen wollte es mir bis dahin leider nicht. Doch wie heißt es doch so schön: „Unverhofft kommt oft“. Und so sollte es auch an diesem besagten Tag geschehen.

Wie immer war ich mit meinem Fischerkumpel, dem „Bafo“ zum Angeln verabredet (Spitzname, weil egal wann oder wie und selbst dann wenn bei keinem was zu beißen scheint, zieht er eine Bachforelle raus). Wir wollten es zur Abwechslung einmal auf Barsche in der Kehre an der Amper bei Haag / Inkofen versuchen. Mit unseren kleinen Gummitwistern und Hornet-Wobblern ließen sich auch schnell ein paar Stachelritter überlisten…

Da wir die Stelle zügig abgefischt hatten und es auch schon dämmerte, zog es uns Richtung Auto, das wir am Spinnsee geparkt hatten, zurück. Natürlich kann sich kein Angler ein paar abschließende Würfe verkneifen, schon gar nicht wenn das Auto nur ein paar Meter von einem so Hecht verdächtigen Gewässer, wie dem Spinnsee, entfernt steht.

Der Spinnsee ist eine Art Sammelbecken der Amper mit einem kleinen Einfluss am östlichen Ende. Insgesamt ist er sehr überschaubar und liegt auf der einen Seite in einen Waldgürtel eingebettet, die andere Seite wird von einer „Halbinsel“ zur Amper hin getrennt. Die geringe Tiefe und der starke Pflanzenwuchs haben bestimmt nicht nur mich schon einige Blinker und Wobbler gekostet. In dem überwiegend 1 – 2 Meter tiefen See mit Altwasser-Charakter fühlen sich vor allem Brachsen, Karpfen und kleinere Weißfische wohl.

Bereits den ganzen Sommer über versuchte ich es hier auf Hecht, auf einen Versuch mehr oder weniger kam es also nicht darauf an. Leider – oder im nachhinein besser gesagt zum Glück – hatte ich nur meine leichte Barschausrüstung dabei, so war der größte Köder, den ich anbieten konnte, ein silberfarbener 4er Mepps. Eine nicht sehr vielversprechende Ködergröße, wenn man es auf kapitale Hechte abgesehen hat und schon gar nicht Ende September, wenn die Raubfische von der Fischbrut zu größeren Beutefischen wechseln.

Mittlerweile war die Sonne fast ganz hinter dem Horizont verschwunden und ich rechnete nach dem 5. oder 6. Wurf nicht mehr mit einem Biss. Also ein letztes Mal Auswerfen dachte ich mir, volles Risiko und hinein mit dem Mepps in eine total verkrautete und von Seerosen verwucherte Stelle, die ca. 15 Meter vom Ufer entfernt lag.

„Verdammt! Ein Hänger!“ dachte ich mir als ich den Mepps einholen wollte. Es musste ja auch so kommen, wenn man direkt in eine solche Stelle wirft! Das Enttäuschung und Freude nah beieinander liegen, zeigte sich mir in den nächsten Sekunden, als plötzlich meine Schnurbremse zurrte und meine Angel einen Halbkreis bildete. „Ich hab was, ich hab was!“, schrie ich zu Bafo, der sich kurz vorher ein hämisches Grinsen über meinen „Hänger“ nicht verkneifen konnte. Ich merkte schnell dass der Fisch am anderen Ende ein harter Kämpfer sein musste, er zog direkt in ein Krautfeld und ich ließ ihn aufgrund meiner leichten Barschausrüstung gewähren. Die 0,20er monifile Schnur war kurz vor dem Abreißen, als ich mich entschloss, dass die „Fangsicherung“ vorgeht und die Angel kurzzeitig an Bafo übergab, der seit Anfang des Drills wahrscheinlich mehr Nerven als ich verloren hatte.

Nach kurzem Justieren der Bremseinstellung und weiteren wilden Fluchten nahm ich den Kampf nun wieder selbst in die Hand. Bald zeigte sich ein schöner Hecht das erste Mal an der fast dunklen Wasseroberfläche. Nach weiteren 5 spannenden Minuten war es dann soweit, der Hecht ließ sich ans Ufer dirigieren. „Gib mir den Kescher.“, forderte Bafo. Als ich ihm den Kescher geben wollte, sah ich dass ich nur den kleinen Watkescher dabei hatte, doch bevor ich überhaupt etwas sagen konnte griff Bafo dem Hecht beherzt hinter die Kiemen und wuchtete meinen Fang ans Ufer.

Es lohnt sich also immer noch ein paar Würfe mehr zu machen!

Karin

Kategorien: Fangberichte

Kommentare

  1. Benny
    Benny 27 April, 2009, 08:40

    Glückwunsch, Karin! Unverhofft kommt oft… das durfte ich auch erfahren. Viel Spaß noch bei den nächsten Touren!

  2. soulwarrior
    soulwarrior 27 April, 2009, 09:38

    Super Fisch, glückwunsch! Haste auch jut geschrieben 😉 weiter so!

  3. ProSpoon
    ProSpoon 27 April, 2009, 10:07

    Hast du aufjedenfall fein gemacht . Und das du den mit der Handgelandet hast ist wirklich mit Respekt zu würdigen 😈

  4. dunsty
    dunsty 27 April, 2009, 17:32

    Tja Karin, mal wieder eine Geschichte die bei den meisten mit Fischerlatein gehandelt werden wird. Aber ein echter Fischer sollte schon öfter bemerkt haben, unverhofft kommt oft…

    Glückwunsch

  5. Bafo-Jango
    Bafo-Jango 28 April, 2009, 11:04

    …naja landen durfte den Fisch dann ich… das war ihr dann doch nicht geheuer…

  6. bulldawg
    bulldawg 28 April, 2009, 20:16

    feiiiiiin gemacht..
    hecht und geschichte.. 😉

  7. Setjuk
    Setjuk 3 Mai, 2009, 17:12

    Schöne Geschichte und Petri zum Hecht!

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