Boca Grandes Ritter der Meere – Tarponfischen in Florida

Martin Joswig von Fishing&Adventures und ich hirnten schon im letzten Jahr darüber, wo wir 2009 unserem heiß geliebten Silber der Meere nachstellen könnten. Nach unserem mehr als erfolgreichem Destinations-Test in Kuba vergangen Jahres war ein Reiseziel quasi gesetzt: Kuba! Alternativ dazu wollten wir aber noch eine neue Destination zum Tarponangeln in diesem Jahr antesten. Nach kurzem Überlegen kam eigentlich kein anderer Ort als Boca Grande in Florida in Frage. Der Ruhm, die „Tarpon Capitol of the world“, also die Welthauptstadt des Tarponfischens zu sein, eilt Boca Grande seit Jahrzehnten voraus. Also stand der Entschluss fest, „ab nach Boca Grande!“

Unsere kleine Reisegruppe, mit vier Mitreisenden relativ überschaubar, startete an einem kühlen Dienstagmorgen direkt von Stuttgart aus. In gut zehn Stunden ging es direkt über Atlanta, ab in den Sonnenstaat und ran an die großen Fische. Am Flughafen in Fort Meyers holten wir unsere amerikanischen „Kleinwagen“ ab, einen normalen Mittelklassewagen, und fuhren in Richtung Boca Grande. Da wir am kommenden Morgen bereits um 6 Uhr zum Fischen aufbrechen wollten, endete der erste Abend relativ früh…

Geschlafen haben wir nicht viel. Die Aufregung war uns allen in den Gesichtern anzusehen und so konnten wir es kaum erwarten raus an den Pass zu kommen. Fred und Phil unsere beiden Guides erwarteten uns bereits an der Bootsrampe. Eilig wurden alle Sachen verstaut und dann ging es mit dem Hebel auf dem Tisch mit 40 Meilen die Stunde in Richtung Boca Grande Lighthaus. Dort angekommen erhielten wir eine kurze Einweisung in die Art des Boca Grande Tarponfischens. Zugegeben hatte ich mit einer ganz anderen Art der Fischerei gerechnet. Wir sollten doch tatsächlich mit einer Art Vertikalmethode auf diese riesigen Fische angeln.

Hierzu wurde ein spezielles Blei mit einem kleinen, ca. acht Zentimeter langen Gummifisch mit Hilfe eines Kabelbinders auf den 8/0er Cirklehook gehängt. Diese Montage wurde bis auf den Grund abgelassen und eine Kurbelumdrehung höher über Grund gefischt.

Erfolgte nun ein Biss auf diese Montage, galt es, so schnell als möglich die Schnur zurück auf die TLD 15 zu bekommen. Wer bei dieser Angelart anschlägt wird nie in den Genuss kommen, einen der großen Tarpone zu fangen…

Phil fuhr uns gezielt zwischen den anderen Booten hindurch, am Anfang dachte ich mir „Oh man, sind das viele Boote… das kann ja was werden…“ aber bereits nach den ersten zehn Minuten hatte man sich an die anderen Boote gewöhnt. Alle Guides auf dem Pass fischen nach speziell festgelegten Regeln.

Ich habe noch nie ein so professionelles, faires und kameradschaftliches Fischen gesehen wie hier in Boca Grande. Es dauerte auch nicht lange, da konnte Gela den ersten Tarpon haken. Auf einmal brach Stress auf dem Boot aus und der Tarpon schraubte sich direkt vor dem Boot aus dem Wasser. So schnell und unerwartet wie der Biss gekommen war, war der Spuk auch schon wieder vorbei. Der Fisch konnte im Sprung den Haken losschütteln. „That’s Tarponfishing!“

Fred und Phil fischen beide fast zwei Jahrzehnte hier in Boca Grande und haben sich den Ruf als Topguides erarbeitet. Fred fischte mit seinem kleineren 1840er Ranger-Boot die Flachwassergebiete, die Strände und die Hills, eine Erhöhung einige Kilometer hinter dem Pass. Unsere beiden Gruppen wechselten sich daher immer mit den Booten ab. Phil konnte mit seinem großen 2400 Ranger-Boot nur den Pass fischen. Somit hatten wir alle Arten des Tarponfischens mit unseren zwei Booten abgedeckt.

Florian war der erste unserer Gruppe, der gleich am zweiten Tag einen 100-Pfünder und einen 175-Pfünder fangen konnte. Felix, Gela und ich konnten am zweiten Tag zwar einige Fische haken, aber keinen landen. Die Aussteigerquote beim Tarponfischen ist mit 1:2,5 relativ bescheiden. Doch bereits am kommenden Tag gelang es Gela nach mehr als 40 Minuten Drill, ihren ersten Tarpon zu landen. Wir staunten nicht schlecht, als der große silberne Fisch in die Nähe des Bootes kam. Mit 180 Pfund war dieser Fisch ein weltklasse Einstieg in das Tarponfischen.

Der erste Knaller sollte dann am dritten Tag von Florian gefangen werden. Fred, Gela und ich kamen gerade mit unserem kleineren Boot vom Strand her an den Pass gefahren und sahen Phils Boot im Drill. Um gute Fotos schießen zu können, entschlossen wir uns dazu, das Fischen einzustellen und den Jungs beim Drill zuzuschauen, zu filmen und zu fotografieren. Etliche Minuten später konnten wir den Fisch das erste Mal im Sprung sehen. Und der war nicht von schlechten Eltern. Beim Landen hatten wir die Gewissheit. Dieser Fisch knackte bereits am dritten Tag die magische 200 Pfund-Grenze!

Was für ein Tag! Wir alle hatten noch ein duzend Tarpone kurz gehakt, konnten den Drill aber leider nicht für uns entscheiden…

Mittags und abends fischten wir vom Ufer aus entweder direkt am Strand oder an kleineren Brücken und Molen. Leider ist der Dichte an Häusern mit Wassergrundstück relativ hoch und geeignete Stellen zum Fischen rar. Trotzdem konnten wir Snook, Rochen, Snapper und Catfish beim leichten Spinnfischen vom Ufer aus fangen.

Die Tage verflogen und Felix und ich hatten zwar reichlich Fischkontakt gehabt, diese aber im Drill durch eigene Fehler oder andere Gründe verloren. Allein ich hatte zwei Mal Kontakt zum Fisch meines Lebens. Zwei 200-Pfünder gingen mir leider im Drill verloren. Auch Felix musste lang kämpfen, um seinen ersten Tarpon zu landen. Phil und Fred machten sich schon lustig über uns, da wir viel Pech im Drill hatten. Und so wurde am letzten Tag das Boot erst einmal gründlich nach Bananen durchsucht…

Bekanntlich zahlt sich die Ausdauer früher oder später aus. So auch bei uns. Wir fischten am letzten Tag zu dritt den Pass. Unsere letzte Chance, einen Tarpon erfolgreich zu landen. Noch im Dunkeln kamen wir an dem Lighthouse an. Ein Blick auf das Echolot stimmte uns zuversichtlich. Auf mehr als 40 Fuß Höhe stapelten sich die Tarpone im Pass. Es dauerte keine zehn Sekunden beim ersten Ablassen der Montage, da konnte Felix auch schon den ersten Fisch haken.

Das Pech sollte uns weiter verfolgen… keine zehn Minuten nach dem ersten Kontakt verlor Felix den Fisch durch ein anderes Boot. Ganz klar ein Fehler des anderen Bootes da es zu spät reagierte. Bei diesem Boot handelte es sich allerdings um ein Privatfahrerboot, welche bei den Guides nicht so gern gesehen sind. Lange sollte der Frust allerdings nicht dauern. Bereits beim nächsten Ablassen gelang es mir einen Tarpon zu haken. Nach einem harten, zehnminütigem Stand-Up-Drill landete ich meinen ersten Boca Grande Tarpon. Mit 100 Pfund kein Riese aber ein toller Kämpfer.

Die Fische fraßen nun wie verrückt. Jedes Ablassen brachte in kürzester Zeit einen Biss. Wieder war es Felix der den nächsten Fisch haken konnte. Und wieder ging es schief. Insgesamt drei Fische in kurzer Folge gingen dem Pechvogel verloren. Alles dicke Tarpone mit 150 Pfund plus. Dann aber sollte es endlich klappen: Ein heftiger Drill begann bei Felix vierten gehakten Fisch. Hunderte Meter Schnur wurden in einer Flucht von der Rolle gerissen. Ein großer brauner Schatten tauchte plötzlich hinter dem Tarpon auf. Ein Bullshark von mehr als vier Metern Länge verursachte diese heiße Flucht.

Welch Erlösung als Phil den riesigen Fisch endlich landen konnte. Uns fiel die Kinnlade runter, als ein ca. 210 Pfund schwerer Tarpon, in der Sonne glänzend und funkelnd, neben dem Boot lag. „What a monster!“ war der Kommentar von Phil, „what a monster!“.

Nach einer kurzen Fotosession entließen wir den ca. 35 Jahre alten Fisch in sein Element. Was für ein Abschluss! Auch ich hatte noch einmal die Chance einen dieser 200er Fische zu fangen.

Als wir zurück auf dem Pass waren hakte ich noch einmal einen dieser Kämpfer. Doch wie zum Trotz zog dieser Fisch genau auf die einzige Pylone in ganz Boca Grande. Gebissen hatte der Fisch gut zwei Kilometer entfernt.

Geendet hat der Drill nach zwanzig Minuten härtesten Drills in genau dieser Pylone. „That’s fishing…!“

Boca Grande stellte eindrucksvoll unter Beweis, dass es in der Tat das „Tarpon Capitol of the world“ ist. Nirgends anders auf der Welt sammeln sich mehr große Tarpone zur gleichen Zeit als hier in Florida. Wir hatten in sechs Tagen über 50 Bisse, konnten acht Fische jumpen und weitere sieben Fische landen. Keiner der gefangenen Fische war kleiner als 100 Pfund und die Durchschnittsgröße war sensationell. Bedenkt man die Riesen, welche im Drill verloren gingen, so hätte die Möglichkeit bestanden, sage und schreibe fünf Fische über 200 Pfund zu fangen…

Wo sonst außer in Boca Grande wäre dies möglich???

Mehr Infos findet ihr auf www.fischen24.de und www.catfish-saone.de

MfG

Andreas Knausenberger

24 Kommentare

  1. das sind mal ein paar monsterheringe, die ihr da gefangen habt. ganz toller bericht und vor allem auch superschöne bilder! UND respekt an gela! großer sport!

    freu mich auf mehr berichte von der tarpon-front.

  2. Der absolute Wahnsinn Jungs! Und die Bilder sind geil geworden… Darf ich nach dem Setup fragen?

    Ich muss da hin 🙂

  3. Geile Monsterheringe!
    Starker Bericht 😀
    Zwei Kilometer ist der Tarpon auf den Pylon zugerast? Heftigst.

  4. Moin,

    die Bilder sind mit einer Nikon D300 gemacht worden. Brennweite in diesem Fall bei den Drillbildern zwischen 200 und 300mm, Blende 5,6. Alle anderen Bilder sind mit einem Weitwinkel 10mm gemacht worden. Blende hier 9.

    Lichtstärke der Objektive: 2,8-4,0

  5. Irgendwie untergegangen, ich schreib`s nochmal hier rein !

    Geiler Bericht, und wisst Ihr was das Beste ist? Mein Freund hat dort ein Haus Wird wohl Zeit, daß ich dort mal aufschlage.

    Zur Info :

    http://www.florida4you.eu/

    Bootstouren und Vermietung macht er glaube ich auch.

  6. Moin,
    Glückwunsch zum erlebten!

    Gibt es evtl. ein Foto, welches in der Nahaufnahme den angebrachten Circle Hook mit der Monof. zeigt?

    Die Art der Quetschung und die Größe der gelegten Schlaufe täte mich interessieren.
    Wurden noch andere Arten der CH-Befestigung verwendet?

    Vielen Dank!
    Gruß!
    Robert

  7. Moin,

    die CH sind alle mit einem Rappalla-Knoten befestigt worden. Also keine Quetschhülsen auf dem Vorfach. Die Schlaufengröße beträgt etwa einen halben Zentimeter. Das hat den Hintergrund, dass 1. der CH besser greift und 2. der Tarpon im Drill so wenig Hebel wie möglich auf den Haken ausüben kann.

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