05.12.2016 / 01:29 | Aktuelle Mondphase: zunehmender Mond

Azoren: Barsche willig – Karten billig!

Ich hatte Johannes im Vorfeld bereits angeboten, mal wieder einen Startseitenartikel zu verfassen. Das Thema könnte ja eventuell den einen oder anderen barschverrückten Spinnangler interessieren. Hier ist er nun: Der taufrische Azoren -Report. Im Internet findet man über die Angelei im Süßwasser dort relativ wenig. Selbst, wenn man die portugiesischen Suchbegriffe bei Google eingibt, wird man leider nur spärlich aufgeklärt. Das hat aber seinen Grund. Doch dazu später mehr. Ich erinnere mich noch gut an die Worte von „Ingo Fotingo“ vor 4 Jahren, als er mir auf Kuba zum ersten Mal von den Azoren berichtet hat. „Du hast noch nie einen Barsch oder Hecht in einer krasseren Umgebung gefangen, es wird dir gefallen“. Seitdem träume ich davon, dieses traumhafte Insel-Archipel mitten im Atlantik zu besuchen. Auch wenn manch einer mich für bekloppt halten wird. Denn dicke Barsche und Hechte gibt es hierzulande natürlich auch, wenn man weiß, wo man sie findet. Allerdings nicht in unmittelbarer Nachbarschaft zu Thunfischen und Barrakudas. Und eben oft nicht in so einer unberührten Landschaft wie dort.

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Ich muss im Nachhinein sagen, dass ich selten so einen entspannten Urlaub hatte. Trotz eines straffen Zeitplans (Gewässer und Angelplätze im Meer abchecken, Videos drehen),  war es eine erholsame Tour in einem extrem gastfreundlichen Land. Die erste Woche wurde gemeinsam durchgefischt und in der zweiten Woche kam als Ablösung für Ingo das Team von „ich geh angeln“ mit Victor Eras und Kameravirtuosen Siggie-Cheffchen an den Start, um die bereits im Vorfeld ausgeloteten Spots nach Strich und Faden abzumelken. So war jedenfalls der Plan der Theorie.

Ich habe noch nie so selten meine Kamera ausgepackt wie in diesen 2 Wochen. Einfach mal nur angeln ohne Fotostress ist ja auch mal was Schönes. Naja, die Filme geben ja ein paar Eindrücke wieder.

So und nun ab zum Report. Während ich diese Zeilen schreibe sitze ich in Lissabon und genieße ein Schinkenbaguette und ein kühles „Super Bock“. Allein der Anflug aufs Festland war spektakulär und läutete das Ende einer abgefahrenen und megalustigen Tour ein. Aber alles geht irgendwann zu Ende und die Azoren bleiben ja erstmal, wo sie sind. Ich komme wieder – keine Frage.

Aber ganz kurz zum Landeanflug. Es gibt ja schon extrem lässige Piloten und coole Ansagen manchmal im Flugzeug (wenn man sie versteht), aber der Kerl hat den Vogel abgeschossen. Falls das jetzt zu langatmig wird, dann überlest doch bitte einfach diesen Absatz, aber ich musste es einfach festhalten. Also Landung: Megakrass. Mir kam es so vor, als wenn unser linker Flügel wirklich fast die Landebahn touchiert hätte. Aua… Erleichterte Gesichter bei den Fluggästen beim Ausrollen. Noch im Bremsvorgang dann die Ansage vom Piloten auf Portugiesisch: „Sehr geehrte Passagiere, willkommen in Lissabon, wir hoffen dass Sie sich an Bord wohlgefühlt haben…  L.A.C.H.F.L.A.S.H.!!! seitens des Piloten – ABBRUCH! Mikrofon stummgeschaltet… Alle Portugiesen lachen, einschließlich der beiden Stewardessen, welche eben noch friedlich neben mir geschlummert haben. Neuer Versuch. Diesmal auf Englisch… Dieselbe Nummer… Willkommen in Ponta Delgada (sind wir da nicht vor zwei Stunden losgeflogen?), wir hoffen, Sie haben den Flug genossen… erneuter LACHFLASH – ABBRUCH… Ansage beendet… Nun hingen wirklich ALLE in den Gurten vor Lachen. Eben noch mit einem Eintritt in die ewigen Jagdgründe spekuliert, auf einmal alle komplett am Abfeiern (sicher auch ob der Erleichterung). Jedenfalls unfassbar komisch. Wahrscheinlich bringe ich es hier gerade nicht so rüber, aber war wirklich zum Totlachen!!! Sympathische Typen die Portugiesen und extrem cool und nett. Ich werde sie später noch ausführlich dafür loben. Ich schwöre beim heiligen Petrus, das war eins der krassesten Erlebnisse für mich in einem Flugzeug. Danke an dieser Stelle an Sata Airlines! Die haben  uns übrigens mehrfach helfen können bei unserer Tour – schließlich hatten wir ja noch Flüge auf die Nachbarinsel zum Thunfischangeln, die wir aber leider inklusive der beiden Ausfahrten und Hotelübernachtungen wetterbedingt canceln mussten. Schade, aber so spielt das Leben.

Nun also zu den Gewässern auf Sao Miguel. Es angelt wirklich fast niemand im Süßwasser auf den Azoren. Unsere Lizenzen waren praktisch die einzigen, die für den Monat ausgegeben wurden. Insgesamt waren es wohl 9 Süßwasser-Gastkarten diesen Monat. Das macht sich bemerkbar: Schnurreste, Maisdosen, Knicklichtpackungen, Kippen, Madendosen, Hundekacke und Bierdosen oder Flaschen wird man hier lange suchen. Das kann auf dem Festland anders sein, hier ist es aber so. So können Gewässer halt auch aussehen.

Lagoa do Fogo (Nicht Nebelsee, wie man denken sollte, sondern Feuersee)

Gamsengleich wie ein Weberknecht in den uralten Timberland Boots behänd übers Geröll dahinschwebend. Dem Gerücht, der Abstieg sei  immer schlimmer als der Aufstieg keinen Glauben schenkend, machten wir uns das erste Mal auf den Abstieg in den Krater.

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Im Angelladen haben wir sie bereits gesehen. Fotos von großen Forellen aus diesem See. Dem Vergilbtheitsgrad nach wurden die aber vor ca. 150 Jahren geknipst. Aber nicht vergessen: Wir sind auf den Azoren und niemand angelt hier auf Forellen, also machen wir uns selber ein Bild davon. 14 Stück waren es beim ersten Versuch plus etliche Fehlbisse und Aussteiger. Und das obwohl es mehr eine Wander- als eine Angeltour werden sollte. Großforellen ersehnend und dem Publikum die Anstrengung fast erfolgreich verbergend. Dazu haben wir kleine Schwarzbarsche gefangen, welche es dort eigentlich gar nicht geben soll. Das Bellyboat in den Krater zu schleppen, haben wir uns geklemmt. Allerdings gäbe das sicher eine megageile Angelei. Dennoch beißt es auch gut vom Ufer. Der Großteil der Trouts hatte übrigens unter 40 Zentimeter.

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Das Schonmaß liegt bei 19 Zentimetern und die Höchstentnahmemenge bei 20 Fischen pro Kopf. An den Bächen ist die Mindestlänge bei unglaublichen 13 Zentimetern angesiedelt. Ach so: Kleine Karpfen gibt es im Fogo ebenfalls.

 

 

Lagoa Furnas

Ein interessanter See mit Vulkanaktivität. Am Ende des Sees ist ein Parkplatz. Hier kommt auch mal ein Reisebus lang mit fotohungrigen Touristen im Bauch… Dennoch nicht uninteressant. Zumal der einzige See mit Zanderbestand auf Sao Miguel. Karpfenplage (außer an dem Tag im Video). Man kann den See zu Fuß umrunden. Unweit gibt es die berühmten Thermalbäder (Furnas ist sozusagen die Wellness Oase der Insel mit vielen Erholungs-Angeboten). Ansonsten Hecht und Barsch. Dennoch würde ich für die beiden letzteren die Lagoa Azul empfehlen.

 

 

Lagoa Sao Bras

Ein flacher Mini-Teich. Landschaftlich schön. Angeblich größere Schwarzbarsche (Achiga), aber ich kann es fast nicht glauben, dass es dort dicke Bass geben soll. Einige kleine Flussbarsche haben wir dort ebenfalls gefangen und eben die etwas kleineren schwarzen Teufel.

 

Lagoa Congro

Wunderschön, klein, tiefer und angeblich ebenfalls dicke „Achigas“. Belly Boat ist hier Pflicht. Ein Umrunden per pedes unmöglich. Sonst nur kleine Karpfen und Barsche gesehen. Ebenfalls bin ich hier eher skeptisch, was die großen Bass betrifft. Vielleicht kann das ja mal ein Barsch-Alarmer überprüfen und uns eines Besseren belehren.

 

Sete Cidades – das Barschparadies 

Ein absolutes Muss, wenn man auf Sao Miguel ist. David Guetta hat hier bereits vor einem Riesenpublikum nebst Traumkullisse Musik gemacht, klar dass da der Wenzel auch mal vorbeischauen muss. Wenn man mal einen Einheimischen oder Touristen dort angeln sieht: Keine Panik. Das Tackle, welches hier benutzt wird, ist unterirdisch. Ncht dass man mit Spinnern nicht fängt, aber an Brandungsruten mit 40er Mono sind selbst die Allesfänger keine Allesfänger mehr. Doch genau diese Gerätekonfiguration scheint dort ein großer Trend zu sein. Herrlich… Danke an den Erfinder des Bleikopfes mal wieder!

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Auffällig war hier, dass sich viele Hechte, wenn man sie anwirft, oft bis zu fünf, sechs Mal auf den Köder stürzen, bevor sie sich haken, oder einfach keine Lust mehr haben. Den Rekord hat ein 60er aufgestellt, welcher erst 2 mal auf einen Großen Swimbait geknallt ist und dann bei Sven beim 5. Versuch (auf einen Shaker letztendlich) hängenblieb. (Hatte ich übrigens erwähnt, dass ich seit Artikelanfang gleich nochmal losgeflogen bin?) Er muss sich jedes Mal gepiekt haben, denn zwischenzeitlich attackierte er noch 3 Mal einen FX9… Unglaublich. Und wie gesagt: Es kam oft zu mehreren Fehlattacken. Dennoch waren die Hechte nicht so gut drauf im Juni. Ursprünglich war es Ingos Plan, die großen Hechte auf den überschwemmten Wiesen auf Topwaterköder zu fangen. Hatte er genau dies schon mal bei seinem letzten Besuch erfolgreich betrieben und Hechte bis deutlich über einen Meter fangen können. Dazu sehr viele Fische über 80 und kaum kleine. Bei uns war es genau umgekehrt. Wenige und kleine Hechte  – dafür aber richtig fett Barsch!

 

 

Angelkarten: Florestal in Ponta Delgada,  (30 Tage: 2 Euro, Jahreskarte: 6 Euro) Der Prozess ist mit ein bissel englisch wirklich easy. Die Öffnungszeiten sind ebenfalls human (ich glaube um 17 Uhr machen die zu und um 9 Uhr morgens auf).

Angelläden: MAP, Agro Macanita, Decathlon (alle in Ponta)

Beim nächsten Mal geht’s ums Meeresfischen.

Viele Grüße!

David

 

 

 

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