Prostaff-Shimano Andamanen: Bullige Stachelmarkrelen und bewaffnete Hundszahnthunfische


Als ich das Video von meinen zwei neu gewonnenen Kumpels sah, wusste ich: Da muss ich auch mal hin. Viele Reisen starten mit Inspirationen wie diese. Nach dem Treffen stand fest, dass ich Manuel und Florian auf einer weiteren Reise ihrerseits begleiten würde. Wie verstanden uns von Anfang an gut, was nicht aussergewöhnlich war, da uns das Hobby Angeln miteinander verbindet. Ich wusste, dass dies kein günstiger Trip sein wird, also fing ich bereits knapp ein Jahr vor dem Trip im Dezember 2015 an zu sparen. Ein Grossteil des Weihnachtsgeldes ging diesbezüglich direkt auf das Sparkonto. So legte ich jeden Monat einen Grossteil meines Verdienten auf dieses Konto, was mehr als die Hälfte ausmachte, da ich noch in Ausbildung bin. Dies sollte mein erster vollkommen eigenfinanzierter Trip werden. Mit dem Tackle musste ich natürlich zurückschrauben, was mir aber nicht so schwerfiel, da ich mein Ziel im Auge behielt. Im Oktober 2016 war es dann soweit. Bewaffnet mit einer starken Popping-Rute und meiner 8000er Stella machte ich mich zusammen mit den beiden anderen auf den Weg in das nicht leicht zu bereisende Indien. Der Hinflug dauerte gut einen Tag inklusive einem 7 Stunden Aufenthalt in Chennai. Wir verweilten in dem idyllischen Anugama-Resort auf der Insel Port Blair, etwa 30 Minuten vom Flughafen entfernt. Uns standen 11 Tage Angeln bevor, zu jeweils 8 Stunden. Wir konnten es kaum erwarten, den ersten Wurf mit dem überdimensionalen Cubera-Popper zu machen. Am ersten Tag konnten wir auf unser Hechtgeschirr bereits einige schöne Fische landen, da wir nicht auf das offene Meer konnten. Darunter fingen wir GTs bis zu 8Kg, welche an diesem feinen Gerät extrem Laune machte.

Ein Bluefin – einfach nur schön. Foto: Robin Melliger

 

Die nächsten Tage verbrachten wir mit Werfen, was mit der Zeit sehr in die Arme ging. Jedoch gaben wir nie auf, denn wir wollten schliesslich Fische fangen! Auch auf diesem Trip zahlte sich Durchhaltewillen stets aus.

 

Jiggen

Als der Wind endlich nachliess, konnten wir auch auf unsere zweite Angelart zurückgreifen, das Speedjiggen. Am ersten Tag konnten wir sehr schöne Fische landen, Florian konnte sogar 2 überdurchschnittlich grosse GTs aus über 80 Meter ans Tageslicht bringen. Beim Jiggen hatten wir jeweils die grösste Artenvielfallt. Wir konnten Jobfish, GTs, Grouper, Barrakudas und mehr landen. Die Hauptbeute war jedoch der GT. Diese Fische aus der Stachelmarkrelenfamilie griffen den Jig mehrere Male an, auch nach Fehlversuchen. Wenn man durch einen Schwarm jiggt, erhält man sehr oft mehrere starke Bisse nach wenigen Kurbelumdrehungen. Beim Jiggen konnte ich meinen zweitgrössten GT mit gut 15KG landen, der an meiner recht leichten Rute ziemlich Dampf machte. Was für ein schön anzusehender Fisch!

Foto: Robin Melliger

Als die Natur für einmal ihre Kräfte einigermassen zurückhielt, war es uns möglich, an ein entferntes Riff zu fahren. Nach zwei Stunden Fahrt mit 230 PS am Heck erreichten wir den Jigging Spot. Mit dabei war ein Jigging-Profi aus Frankreich, der uns auf der Hinfahrt mit seinem breiten Wissen imponieren konnte und stolz seine grosse Kollektion verschiedenster Jigs vorführte. Er brachte auch eine starke Rute mit einer hochübersetzten Multirolle mit, die mit mehr als 500 Meter Geflochtener bespult war. Dieser Tag sollte legendär ausgehen und so schnell nicht vergessen werden.

Als wir jiggten und viele GTs sowie Jobfish fingen, fielen uns die vielen Bonitoschwärme um unser Boot auf.

Foto: Robin Melliger
Foto: Robin Melliger

Wir haben es auf einen der stärksten Fische der Meere abgesehen. Den Hundszahn Thunfisch. Dieser furchteinflössende Räuber gilt als sehr schwer zu fangen, da er in seinem ersten Sprint von mehreren hundert Metern dem Tackle sehr oft zu viel abverlangt. Da wir nach mehreren Stunden Jiggen nebst den GTs keinen Kontakt mit einem dieser Fische verzeichnen konnten, mussten wir unsere Taktiken überdenken. Die Dogtooth waren offensichtlich mehr an den Bonitos interessiert und ignorierten unsere Jigs völlig. Da es ein grosses Angebot an Bonitos gab, fingen wir einige und legten diese dann an der Grossfisch-Rute aus. Nach weniger als einer Minute nach dem Auslegen kreischte auch schon die Rolle auf und Florian bekämpfte den Fisch mehr als 20 Minuten lang, bis er mit grossem Staunen schlussendlich an der Oberfläche erschien. Ein grosser 40 Kg Doggtooth lag vor uns. Wir haben es geschafft! Uns wurde jedoch schnell bewusst, dass wir dieses schöne Geschöpf nicht mehr zurück in das Meer setzen konnten, da der Fisch sehr erschöpft war und demnach aus Erfahrung schnell von grösseren Räubern gefressen würde. Dazu kam der schnelle Druckwechsel, der der Hundszahn offensichtlich nicht gut verträgt und somit dem Fisch Schaden zufügt. Wir waren gezwungen, diesen Fisch nach Hause zu nehmen. Wir einigten uns und fanden es die angemessenere Lösung, den Fisch den Einheimischen zu übergeben als ihn im Meer seinem geschwächten Selbst zu überlassen.  Wir dachten, besser kann es nicht kommen… Doch genau das macht das Angeln spannend, man weiss nie, was als nächstes kommt.

Am Abend zuvor spielten wir In der Lodge Tischfussball, um zu entscheiden, wer als erstes den Fisch drillen kann, der an der ausgelegten Rute biss. Ich verlor beide Partien, also hiess es für mich, die anderen zwei Jungs zuerst an die Rute zu lassen. Manuel konnte bereits bei Schleppen einen schönen Wahoo landen. Nach Florians Dogtooth war ich an der Reihe. Die letzte Platzierung stellte sich als die Beste heraus, wie ich gleich erfahren werde. Ich fing mir innert einigen Minuten meinen nächsten Bonito, um ihn auf zwanzig Meter Tiefe an einem grossen und selbsthakenden „Circlehook“ anzubieten. Nach guten 3 Minuten kam der Biss. Ich nahm die Rute in die Hand und wurde von der 20Kg Bremskraft überrascht, denn der Fisch brachte deutlich mehr Zug auf die Rolle, denn auch nach einer vollen Minute riss er weiter mehrere hundert Meter Schnur von der Rolle, die es wieder zu gewinnen galt. Nach 40 Minuten, und somit meinem zweitlängsten Kampf nach dem Blauflossentun vor Sardinien, zeigte sich der Fisch erschöpft an der Oberfläche. Währen dem Kampf hat sich der Haken aus dem Maulwinkel gelöst und in die Afterflosse wiedergehakt, was der ganze Kampf nicht einfacher machte. 50 Kg Thunfisch gilt es nun in das Boot zu hieven.

Foto: Robin Melliger

Ganze 4 Personen benötigte es dafür. Auch dieser Fisch war überlebensunfähig. Ich konnte mein Glück kaum fassen, auch wenn man bedenkt, wie gering die Wahrscheinlichkeit ist, dass sich der Haken erneut im Fisch verankert, nachdem er sich aus dem Maulwinkel löste. Ich wollte schon immer einer dieser kampfstarken Fische fangen, habe mir jedoch nie geträumt, so ein Koloss aus der „Andaman Sea“ zu holen. Von den zwei Fischen gab es am Abend darauf frisches Sashimi. Der Rest der Fische schenkten wir den Einheimischen, die grosse Freude zeigten. Die Innereien verteilten wir den abgemagerten Hunden.

 

 

Poppern

Nach den ersten 5 Tagen konnten wir bereits GTs von bis zu 20 kg Gewicht auf Popper landen, jedoch ist dieses Gebiet bekannt für die 40kg-plus-Tiere, die nicht selten vorkommen.

Foto: Robin Melliger

 

Die wollten wir! Was wir aber nicht in unsere Planung miteinbezogen haben, war der Mond, der einen überraschenden Einfluss auf das Fressverhalten der GTs hat. Das merkten wir auch, denn es gab durchaus auch mehrere Stunden hartes Durchfischen ohne jeglichen Fischkontakt. Die ersten 5 Tage waren sehr wellig und die See war ausserordentlich rau. Auf unserem 16 Meter langen Boot mussten wir uns gut festhalten, denn die Wellen kamen dank Strömungen manchmal von allen Seiten. Die Aufgabe, den gehakten Fisch ans Boot zu bringen, stellte sich sehr schwer heraus, wenn man bedenkt, was die Stachelmarkrelen an Kraft aufweisen. Es gab einige brenzlige Momente, in denen wir unsere Standhaftigkeit auf dem Boot verloren und Richtung Bordwand taumelten, uns jedoch auffangen konnten. Wir poppten hauptsächlich im Schutz der Inseln. Der Wellengang war vielfach einfach zu stark, um die grossen Offshore-Riffe anzusteuern. Es gab Stunden, da hatten wir mehr als 10 Fische zusammen. Die Bisse kamen brachial, auch von den kleineren Exemplaren. Die Popper kamen demnach auch sehr demoliert zurück. Diesen schönen knapp 20 Kilo starken GT konnte ich, nach einem nervenzerreissenden Kampf, mit einem 180 Gramm schweren Popper landen und in die Linse halten. Florian konnte nebenbei auch noch einen schönen Grouper von mehr als 20 Kg landen. Insgesamt liess das Poppern aber Wünsche übrig, da aber der Mond und das Wetter eine grosse Rolle spielen und alles andere als perfekte Bedingungen vorherrschten, waren wir mehrheitlich erfolgreich, auch wenn die grossen GTs beim Poppern ausblieben. Wie verbrachten auch einige Tage auf Havelock Island, jedoch fischtechnisch mit mässigem Erfolg.

Obwohl nicht optimale Bedingungen vorherrschten, war der Trip ein erfolgreiches Abenteuer, das wir alle nie mehr vergessen werden, auch dank unserem Freund und Guide Bishu, den man für Ausfahren buchen kann. Im Internet kann man ihn unter dem Namen „Bishu Fishing Andaman“ ausfindig machen. Wir lernten viele Sachen aus diesem Erlebnis (auch, dass das Planen essentiell ist und wir uns zu wenig informierten, wenn es um den Mond geht). Dazu gibt es ein passendes Sprichwort: „The one who fails to prepare, prepares to fail.“