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Interessante Beobachtungen mit Grundel-Imitationen

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Interessante Beobachtungen mit Grundel-Imitationen

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Bachstelze

Forellen-Zoologe
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Also: hier ein paar Beobachtungen, die bestimmt für viele interessant sind. Mir hat das „Forschen“ jedenfalls richtig Spaß gemacht. Und vielleicht haben ja auch ein paar von Euch daraufhin Lust, parallel zu mir ein paar Dinge auszuprobieren.

Aber – zunächst müsst ihr noch die Vorgeschichte über euch ergehen lassen:

Nachdem ich mir mal wieder am Rhein tagelang nichts als einen riesigen Frust zusammengefischt und die Schnauze so richtig gestrichen voll hatte, habe ich mich entschieden, meine Rute doch noch nicht reinzuschmeißen, sondern zum Mittellandkanal zu fahren. Ich wohne zwar jetzt in Essen, komme aber von dort. In meiner Jugend (also vor mehr als 35 Jahren) habe ich mein Taschengeld aufgebessert, indem ich ein Angelgeschäft mit Köderfischen beliefert habe. Der Besitzer hat mir dann eines Tages Gummifische aufgedrängt (ich habe tatsächlich noch reichlich davon – Foto unten). Damit habe ich damals nach einigem Ausprobieren für meine Verhältnisse ganz gut Zander gefangen. Also bin ich mit großen Hoffnungen in die alte Heimat gefahren. Vielleicht sollte da ja gelingen, was am Rhein einfach nicht hinhaut: Zander fangen.

Also frohen Mutes an die Stellen von damals. Bestes (trübes) Wetter. Stunde um Stunde verging und ihr werdet ahnen: nicht der geringste Zupfer. Ich war schon kurz davor, meine Rute jetzt hier beizusetzen, da begegnete ich zwei Jungs, so 15-16. Die guckten mich ganz mitleidig an. „Entschuldigen Sie, aber so fängt man hier eigentlich keine Zander mehr. Haben Sie keine Grundeln ?“ Sie fischten mit toten Grundeln an einem DS-ähnlichen System, dass sie selbst entwickelt hätten (mit einer Schnurschlaufe, auf der der Haken frei verschieblich war). Und wenn ich keine Grundeln hätte, dann sollte ich Imitationen am C-Rig nehmen. „Sie können uns ruhig glauben. So viele Zander wie wir fängt hier sonst keiner.“ (Super, die Jungs. Was für ein Selbstbewusstsein). Sie hätten schon 5 Stück gefangen, klein, aber immerhin. Kaum gesagt, fing der eine vor meiner Nase einen 50er. Ich hatte also nicht den geringsten Grund, an der Kompetenz dieser Jungs zu zweifeln.

Grundelimitate hatte ich, massenhaft. Noch nie benutzt. Geerbt. Aber kein C-Rig-Equipment. Also habe ich eine vormontierte 11cm gelblich braune Imitation mit integriertem Bleikopf dran gemacht und damit gejiggt und gefaulenzt. Weiterhin völlig tote Hose. Dann kam ich an einen Spundwandabschnitt, den ich vertikal abgefischt habe. Und dort bekam ich jetzt plötzlich einen Haufen Bisse. Zwar habe ich auch hier keinen Zander gefangen, aber einige teils sehr schöne Barsche, die sich den fetten Köder wuchtig reingepfiffen hatten. Mit Jiggen oder Faulenzen habe ich weiterhin nichts gefangen.

Am nächsten Tag (leider Sonntag mit geschlossenen Angelgeschäften) bin ich dann zu einer anderen Stelle gefahren, die ich noch aus meiner Jugend kannte. Dort ist ein Einlauf mit einer Gitterrostabdeckung. Darunter konnte man damals ganz oft Barsche sehen. Und tatsächlich, das ist immer noch so. Eine ganze Gruppe von Barschen wartete auf mich. Und jetzt kam mein Forschergeist durch. Ich schnappte mir meine uralte 4,20m Matchrute und knüpfte eine 6 cm Grundelimitation in motoroil an die 15er Schnur. Mal mit, mal ohne Jigkopf (mit einer Ködernadel ohne Haken auf die Schnur gezogen und ein Schrotblei drauf). Auf dem Bauch robbte ich zur Kannte und fummelte die Grundel so unauffällig wie möglich in den Barschschwarm. Das fast den ganzen Tag. Immer wieder und immer so lange, bis sie sich verdünnisiert hatten. Dabei konnte ich tolle Beobachtungen machen:

Wie zu erwarten, bekam ich einen Haufen Bisse (ich habe nicht darauf reagiert, um möglichst wenig Fische zu fangen und wenig Unruhe zu stiften). Oft aber von Fischen, die ich vorher gar nicht gesehen hatte. Die kamen von außen angeschossen und schnappten vehement zu. Die waren meist etwas größer, als die im Schwarm und drängelten sich sozusagen vor.

Mit einem Jigkopf bekam ich die meisten Bisse, wenn die Grundel waagerecht stand. Also wie beim Vertikalangeln. In der Absinkphase wurde der Köder meist gleich von mehreren Fischen vrfolgt, aber nur selten geschnappt. War der Jigkopf aber erstmal auf Grund angekommen und der Köder stand hoch, dann haben die Barsche zwar noch geguckt, aber gar nicht mehr zugeschnappt.

Anders sah das ohne Jigkopf aus. Wenn ich das so hingekriegt habe, dass die Grundel bäuchlings zum Grund geglitten ist, dann wurde sie verfolgt und geschnappt. Sogar wenn sie auf Grund lag, glitten noch Barsche langsam auf sie zu uns schnappten sie von hinten/oben sobald sie nahe genug dran waren. Da lag der Köder oft schon 2-3 Sekunden am Grund.

Ich finde das super spannend. Es bestätigt auch meine Fänge vom Vortag. Möglicherweise werden Grundeln als Beute doch anders wahrgenommen, als andere Fische. Ihr normales Verhalten ist eben auf dem Bauch herumzuliegen und nur kurz und dann waagerecht herumzuhüpfen.

Ich suche seitdem nach Videos, in denen man Barsche Grundeln fressen sieht. Ich habe aber bisher keine gefunden. Kennt jemand welche?

Vor diesem Hintergrund macht es dann möglicherweise wirklich Sinn, Grundelimitate am C-Rig anzubieten. Ich will das in nächster Zeit unbedingt ausprobieren und mit gejiggten Ködern vergleichen.

Wie sieht es mit Euch aus ? Haben ein paar von Euch Lust, so einen Vergleich mit zu machen ? Vielleicht sogar zu zweit mit dem gleichen Köder, der eine am C-Rig, der andere am Jig ?

Viele von Euch haben sicher wesentlich bessere Fangerfolge, als ich. Da sind die Ergebnisse dann ausagekräftiger.



nur am Rande: mehr als 35 Jahre alt.
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Pete Anton Heigel

Belly Burner
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Sehr geil! Grundelimmitate am C-Rig werde ich auf jeden Fall mal in Hamburg ausprobieren, macht sich im Winter bestimmt auch allgemein sehr Gut!
 

derk

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Danke für das Teilen deiner Erfahrungen,
Klasse geschrieben und schön zu lesen !
Wenn es das nächste mal aufs Wasser geht definitiv mit dem Carolina Rig .
In unseren umliegenden Seen haben wir zwar bisher keine Grundeln aber die von @SlidyJerk Jikachebu Variante geschliffen funktioniert aktuell schon sehr sehr gut .
 

dietel

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Kumpels von mir fischen sie am TipUp-Jig. Sehr erfolgreich. Ich denke, dass das langsame Schleifen eines Skirted Jig mit Hellgie oder anderen No Action Ködern den Grundel-Move imitiert. Zumindest das würde Deine Theorie stützen. Das TipUp-Ding ja eher nicht.

Sehr interessant jedenfalls.
 

SlidyJerk

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Hier ein Video, welches auch die Grundel am Dropshot als äußerst fängig zeigt.
So läuft das!!! :)
Nur für die Grundeln muss man keine Würmer / Maden zur Hand haben. Mit ner Bienenmade aus Plaste und Elaste ist man ebenfalls sehr gut bedient und es macht irre Spaß.
Das praktiziere ich ja so seit einigen Wochen.
Bei der Führung geht es natürlich um die möglichst natürliche Bewegung. Eine Grundel hat ihre 3-4 Steine als Revier. Da sitzt sie entweder drauf oder versteckt sich darunter.
Man kann das DS Rig oder den Fireball sekundenlang still halten um das zu kopieren. Spätestens nach der nächsten kleinen Positionskorrektur knallt der Zander drauf. Der steht nämlich bereits dahinter und wartet geduldig genau auf diesen kleinen Bewegungsmoment. Insbesondere bei sehr kaltem Wasser ist diese Taktik sehr erfolgreich. Ob der Angler dann auch diese Geduld hat? Ich habe sie meistens und wurde damit reichlich mit Stachelflossern belohnt!
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SlidyJerk

BA Guru
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Man sieht hier leider keine Kanalschüttung, was aber gut erkennbar ist, das Grundeln keine guten Schwimmer sind und quasi nur kleine Strecken machen. Deswegen heißen sie auch Grundeln und nicht Schwimmeln! :)
Führt man das DS Rig ähnlich, im Dunkeln noch viel langsamer, wird der Erfolg nicht lange ausbleiben.

 

essenerjung

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Nur für die Grundeln muss man keine Würmer / Maden zur Hand haben. Mit ner Bienenmade aus Plaste und Elaste ist man ebenfalls sehr gut bedient und es macht irre Spaß.
Richtig !
Hab immer so einen 2 cm Minitwister an einem mini Jig dabei.
Knallt auch gerne mal ein Barsch drauf.

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essenerjung

Echo-Orakel
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Grundeln keine guten Schwimmer sind und quasi nur kleine Strecken machen
Was ich allerdings schon erlebt und gesehen haben, dass Massen von Grundeln kurz unter der Wasseroberfläche an der Spundwand (bei ca. 5m Wassertiefe) klebten und diese abgegrast haben.
Die hingen wie Putzerfische an der Wand und haben die systematisch abgefressen. Ob die Grünzeug oder kleine Tierchen gefressen haben, konnte ich leider nicht erkennen.
 

SlidyJerk

BA Guru
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Was ich allerdings schon erlebt und gesehen haben, dass Massen von Grundeln kurz unter der Wasseroberfläche an der Spundwand (bei ca. 5m Wassertiefe) klebten und diese abgegrast haben.
Die hingen wie Putzerfische an der Wand und haben die systematisch abgefressen. Ob die Grünzeug oder kleine Tierchen gefressen haben, konnte ich leider nicht erkennen.
Das ist absolut neu für mich und eine sehr interessante Beobachtung. Aber sie waren ja quasi festgesaugt und sind nicht unter der Oberfläche geschwommen.
Die Grundeln sind ein Segen für uns Drei!
Zander, Barsch und Angler. :p
 

Lutscho

Gummipapst
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Ich nehme den Fred zum Anlass und probiere endlich diese Burschen hier aus.
Die sind mir normalerweise mit 2,8“ zu klein. Die Größe entspricht aber tatsächlich den meisten Grundeln bei mir.
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@Bachstelze
In welcher Gegend hast du den Mlk befischt?
 

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