Die Angelschein-Verlängerung in Castrop-Rauxel, bzw. eigentlich die gesamte Arbeitsmoral im dortigem Rathaus.
Diese Woche war eigentlich ein Vater-Sohn-Angeln geplant.. etwas, das ehrlich gesagt viel zu selten vorkommt (er ist eben kein eingefleischter Spinnfischer).
Bei der Planung fiel meinem Vater auf, dass sein Fischereischein Anfang 2026 abgelaufen ist und verlängert werden muss. Dafür muss man bei uns zum Rathaus, genauer gesagt zur Abteilung Allgemeine Ordnungsangelegenheiten/Fischereischeine.
Mit den Erfahrungen aus der Corona-Zeit im Hinterkopf – ohne Termin wurde man zur Sau gemacht, der Kassenwart war eine Woche krank und deshalb konnte man nicht bezahlen, während die zuständige Mitarbeiterin im Homeoffice war – versuchte er seit Montag, dort telefonisch einen Termin zu vereinbaren. Allerdings ohne jeden Erfolg jemanden zu erreichen. Dazu muss man sagen: Mein Vater ist jemand, der dann auch wirklich hartnäckig ist und den halben Tag lang alle 20 Minuten dort anruft.
Als er bis gestern niemanden erreichen konnte, fuhr er schließlich einfach hin. Unten an der Anmeldung kam natürlich direkt die Frage nach einem Termin. Nach einem kurzen Gespräch und etwas Verständnis auf der anderen Seite durfte er trotzdem nach oben.
Ab hier kann ich natürlich nur wiedergeben, was er mir erzählt hat:
Leere Flure, keine Menschenseele zu sehen. Am zuständigen Zimmer angekommen: Tür zu. Weiter hinten im Gang war allerdings eine Tür offen. Dort saß eine Mitarbeiterin, die seelenruhig ihre Fingernägel feilte. Auf die Frage, ob man heute seinen Fischereischein verlängern könne, meinte sie, ihre Kollegin sei gerade unterwegs, würde aber gleich wiederkommen.
Etwa zehn Minuten später kam diese tatsächlich zurück. Als sie meinen Vater sah, wirkte sie völlig (negativ) überrascht. Sie nahm ihre Kollegin mit ins Büro, schloss die Tür und kam erst einige Minuten später wieder heraus. Sichtlich genervt fragte sie ihn, ob er einen Termin habe.
Mein Vater schilderte seine Situation. Daraufhin wurde zunächst versucht, etwas zu finden, das er nicht dabeihatte.. allerdings ohne Erfolg. Er hatte alles dabei. Anschließend fragte sie, ob er Geld dabeihätte. Ja. Bar? Ebenfalls ja. Das ginge aber nicht. Ob er mit Karte zahlen könne? Ungern, aber auch das wäre möglich gewesen.
Daraufhin erklärte sie, dass sie seit Januar auf ein Kartenlesegerät warten würden und deshalb aktuell gar keine Zahlung möglich sei?! Außerdem sei ihr Kollege im Homeoffice. Er solle am Montag erst einmal anrufen und einen Termin vereinbaren. Es gehe dort momentan alles drunter und drüber, man habe einfach zu viel Arbeit, natürlich.
Nach einer halben Stunde Aufenthalt, mehreren Diskussionen und dem Versuch, gemeinsam eine Lösung zu finden, zumindest von der Seite meines Vaters, verließ er das Rathaus ohne verlängerten Fischereischein.
Unten traf er erneut auf den Mitarbeiter an der Anmeldung. Dieser fragte freundlich nach, ob alles geklappt habe. Nachdem mein Vater seine Erfahrung geschildert hatte, musste der Mitarbeiter nur lachen und meinte, ihn würde hier inzwischen gar nichts mehr wundern.
Also gibt es diese Woche kein Vater-Sohn-Angeln.
Ohne dabei politisch werden zu wollen: Das ist leider momentan sinnbildlich für Deutschland.