Versprochen ist versprochen…

„Dickes Petri zur schönen Äsche! der Fluss hinter dir ist aber nicht die Brenz, oder“ Mit diesem Kommentar von einem gewissen „Faulenzer“ hat Anfang 2008 alles angefangen. PN hin PN her und bald war klar – nicht nur dass der Typ nicht weit von mir weg wohnt, wir scheinen auf einer Wellenlänge zu liegen.

Unser Haupt-Zielfisch und unsere bevorzugten Techniken unterscheiden sich zwar grundlegend, aber genau das sollte sich als recht interessante Mischung herausstellen. Horst (wie der Faulenzer in Echt heißt) ärgert besonders gern stachelige Glasaugen mit ultra-langsamen Gummis, während ich am liebsten Freund Esox alles um die Ohren haue, was die moderne Kunstköderangelei hergibt. Horsts Gewässer zeichnen sich durch einen tollen Zanderbestand aus und in meinen treiben sich viele hungrige Hechte rum. Da mein letzter Zander recht lange her war und Horsts Hecht-PB bei 72cm stagnierte, war schnell klar – wir müssen unbedingt mal zusammen Rotaugenangeln gehen…

Nein- natürlich nicht..;-) Ein Deal wurde abgemacht: „Horst kommt zu mir und bricht seinen Hecht-PB, dafür besuche ich ihn an seinen Hausgewässern und fange mal wieder nen Zander auf Gummi.“ Und von der Jagd nach diesem Hecht-PB will ich hier nun berichten. Großschnäuzig habe ich nämlich behauptet, dass die PB-Brecherei wohl mit 2-3 Stunden an einem meiner Gewässer getan sei. Aber weit gefehlt..

1. Kapitel: Durch den Monsun

Im August 2008 war es dann soweit Horst fährt bei mir zuhause vor. Halli Hallo bla bla und lala und schon ist sein Tackle in meiner Karre und ab geht’s zum See. Auf der Fahrt wird natürlich kräftig über Gerät, Technik und Taktik diskutiert. Eine dreiviertel Stunde später sind wir am See und bauen schon mein Faltboot auf.
Eine weitere halbe Stunde später sind gefühlte 250kg Köder (meine natürlich) im Boot verstaut. Blick zum Himmel..hmm..Wetter müsste passen und schon legt das Boot vom Ufer ab und gleitet auf den See (immer wieder schön wenn ein Angeltag beginnt). Wir beschließen im Bereich des Segelschiffhafens unser Glück zu versuchen.

„Ich hab auf das ein Ding noch nie was gefangen“ ist Horsts erste Reaktion als ich auf seinen Spinnerbait zeige und mit einem Daumen nach oben signalisiere, dass er das Ding hier fischen soll. Etwas unsicher wirft er den Köder aus und fängt zu kurbeln an. Weit kommt der Spinnerbait aber nicht.
„DAS GIBT’S DOCH NICHT!! – Ralf, ich hab einen!!!“

Kopfschüttelnd und mit breitem Grinsen drillt Horst seinen ersten Spinnerbait-Hecht ans Boot. Kein Riese aber ein guter Einstand nach ca. 5 Minuten auf dem Wasser.

Horst ist hin und weg – so schnell hatte er nicht mit einem Erfolg gerechnet. Kurzer Foto-Shoot und zurück mit dem grünen Kerl. Es folgen weitere Fehlbisse auf den Spinnerbait bis Horst auf einen kleinen Bulldawg-ähnlichen Köder wechselt. Es dauert wieder nicht lange: Biss, Anhieb und die schwere Spinnrute ist krumm und deutet auf einen guten Fisch.

Als ich die krumme Rutenspitze sehe, wird mir sofort klar – das ist mindestens mal der PB-Brecher- mindestens!!! (Ich weis das tut jetzt weh zu lesen Horst, aber das war mindestens ein Fisch der 90+Klasse – aber das weist du ja wahrscheinlich selbst;-))

Tja war… Außer ein paar wütenden Kopfschüttlern und einem ziemlich zerfledderten Bulldawg-Immitat bleibt vom Hecht nämlich nicht viel übrig. Aber der Tag ist ja noch jung, denke ich so vor mich hin. Beim Denken lasse ich meinen Blick Richtung Himmel wandern. Hm… so dunkel da oben.

Aber vor einem Regenguss beißt es ja bekanntlich besonders gut und so gehen wir das Risiko ein und fischen einfach munter weiter. Wir bekommen auch noch ein paar Bisse aber dann geht auf einmal alles ganz schnell. Der Himmel wechselt von dunkelblau in schwarz und es fängt an zu regnen. Wobei das eigentlich nicht der richtige Ausdruck ist. Vor ein paar Jahren sang eine Teenieband mal über das was wir da erlebt haben. Und das kam einem Monsun schon tatsächlich ziemlich nah.

Zum Glück sind meine Eltern auf dem Seeeigenen Campingplatz und schon sitzen wir, total durchnässt, auf Handtüchern im Wohnmobil und gucken mit langen Gesichtern gegen eine Regenwand. Nach einer halben Stunde ist der Spuk dann auch schon vorbei und wir dürfen erst mal gepflegt das Boot auskippen und unser frisch gewaschenes Tackle sortieren. Danach geht die Hechtjagd weiter….aber außer ein paar Fehlbissen und einem kleinen Hecht, der nur im Standgas schwimmt passiert an diesem Tag (den wir wegen eines erneuten Regengusses abbrechen) allerdings nichts mehr.

2. Kapitel: Fischen bis der Arzt kommt

Es dauert nicht lange und Horst und ich treffen uns erneut um seinen PB-reaker in Angriff zu nehmen. Selber See, selbe Vorgehensweise: Werfen, werfen, werfen, werfen untermalt von Fachgesimpelei vom aller Feinsten. Doch irgendwie scheint das die Hechte nicht so recht zu beeindrucken. Außer ein paar Anstubsern und gelegentlichen Minihechten will nix passieren. So vergehen die Stunden. Wir rudern kreuz und quer über den See und schleudern alles was die Köderboxen hergeben über den See. Und tatsächlich – Petrus hat anscheinend ein Einsehen und plötzlich steht meine Spinnrute zum Bersten krumm. Mein leichtes Faltboot dreht sich gleich in Richtung Fisch. Irgendwas hat meinen rotschwarzen Bulldawg hart attackiert und nimmt kontinuierlich Schnur von der Rolle. …nimmt Schnur und Schur und Schnur.. Hmm.. ..nimmt immer noch Schnur.. Hmm..und nimmt immer immer noch Schnur..

Nach mehreren Gewaltfluchten beschleicht mich das Gefühl, dass das entweder der Hecht meines Lebens ist, ein guter Wels oder ein Rüsselvieh quer gehakt.
Tja – was soll ich sagen? – gewonnen hat Ahnung Nr. 3. Grrr… Ein ca. 30 Pfündiger Spiegelkarpfen hat meinen Bulldawg gerammt.

Er wird noch im Wasser schonend gelöst und gebeten sich in Zukunft von meinen Kunstködern fern zu halten. Während Horst sich mit Erfolg gegen jeglichen Feindkontakt wehrt und ich natürlich mit voller Absicht an den Hechten vorbeifische, damit ich meinem Guidinggast auch ja keinen Fisch wegfange, wird es später und später. Ich habe auch schon fast die Hoffnung aufgegeben, als ich einen harten Biss auf einen holländischen Handmade-Jerkbait bekomme.
Diesmal ist die Gegenwehr eher hechttypisch und deutet auf einen guten Fisch hin. Nach 2 fehlgeschlagenen Landeversuchen können wir einen schönen knapp 90cm langen Hecht ins Boot heben. Ein paar Fotos zipidizapp und zurück in den See mit dem Esox.

Durch meinen Erfolg angestachelt beschließt Horst den Köder zu wechseln und greift hinter sich in seine Köderbox. Hmm… der lässt sich jetzt aber Zeit mit der Köderwahl denke ich… naja – gut Ding will Weile haben. Als Horst nach 2 Minuten immer noch „sucht“ frage ich mal zögerlich nach, was denn da so lange dauert. „Mir ist gerade was blödes passiert Ralf. Also äähm… ich habe nen Drilling im Finger und der andere Drilling des Köders hängt in meiner Jacke und auf der Jacke steht meine schwere Tasche.“

Also die Tasche von der Jacke stellen und den Drilling aus der Jacke popeln ist das kleinste Problem. Und da Horst den Drilling nicht cutten will und ich seinen Finger auf nicht absägen darf, drückt er den Drilling einfach durch den Sprengring… Also Rambo. ist nen Scheiß dagegen. Jeder der schon mal (ohne Sprengringzange) nen Drilling durch nen Sprengring gezwirbelt hat, weis wie schwierig sowas ist- und jetzt stelle man sich mal vor, dass Horst eine Flunke des Drillings bis über den Wiederhaken im Finger hatte.

Und weil er keine Lust hat, mit dem Anhängsel weiterzuangeln und meine Amputations-Idee immer noch vehement ablehnt, beschließen wir, ins nächste Krankenhaus zu fahren, um Horst einschläfern zu lassen. Der Arzt meinte allerdings, dass ein kleiner Schnitt völlig ausreicht, um den Haken loszuwerden – Glück gehabt Horst!!

3. Kapitel: Saisonstart 2009

Nachdem ich mit einem anderen Kollegen am 1. Mai nicht wirklich erfolgreich war, beschließe ich Horst anzurufen. Horst ist sofort begeistert und am 2. Mai sitzen wir schon wieder zusammen im Boot und rudern über den See. Doch von wilder Beißerei ist auch heute nix zu merken. Gelegentliche Anfasser – also alle 3 Stunden mal ein vorsichtiger Kontakt, der mit einem Anhieb ins Leere endet – lassen die Angelei ziemlich zäh werden. Und dann zieht auch noch ein Gewitter auf. Der Himmel wird dunkler und dunkler. Plötzlich ist auf dem Boot meiner Kollegen einer heftig am drillen. Wir lichten den Anker und ich steuere voll drauf zu, um den Drill aus der Nähe sehen zu können. Da ich rückwärts rudere, erzählt mir Horst was er sieht: „Sehr krumme Rute, großer Fischkopf an der Oberfläche und Ooohh..“

Horst:„Jetzt haben Sie ihn“

Ich: „Wie groß?“ (schnauf)

Horst:„Der Typ steht mit dem Rücken zu mir, aber der Hecht steht auf beiden Seiten über.“

Als ich das Boot drehe, kann ich gerade noch sehen, wie mein Kollege seinen Hecht zurücksetzt. 101cm bekomme ich auf meine Nachfrage zu hören. Aufgestachelt durch den Erfolg meiner Kollegen, fliegen unsere Köder scheinbar noch weiter und höher durch die Luft. Doch es tut sich nichts – es wird nur noch dunkler und fängt zu tröpfeln an. Eine knappe Stunde später ist eine Rute krumm. Allerdings wieder auf dem Nachbarboot – diesmal ist der andere Kollege dran. Seine Jerke wird mehrfach bis zur Wasseroberfläche gerissen und ein großer Hecht nimmt kontinuierlich Schnur. Der Hecht zieht langsam seine Kreise ums Boot. Als der Hecht zu einer Preschflucht ansetzt, grinst Markus zu mir herüber: „Das ist nen verdammt Guter!“

Der Hecht hat jedoch keine Chance. Routiniert drillt Markus den Kapitalen ans Boot und Namenskollege Ralf setzt zur Handlandung an. Das Messen ergibt 110cm.

Nach kurzem Fototermin verschwindet der Hecht wieder in seinem Element. Horst schaut mich an und sein Blick spricht Bände. „Auch will, auch will, auch will“, deute ich seine nonverbale Geste. Aber alle unsere Bemühungen werden nicht mit einem guten Hecht belohnt. Dafür werden wir aber wieder schön nass, als der starke Regen aus den dunklen Wolken prasselt… Schon wieder…

4. Kapitel: Verlängerung

Auf meine spontane Idee, einfach nochmal einen Tag dran zu hängen, reagiert Horst mit einer ebenso spontanen Zusage. Also sind wir einen Tag später wieder auf dem See und werfen und werfen und… Die Hechte sind, wie auch die Tage zuvor, nicht wirklich in Beißlaune. Jerks, Gummis und Wobbler werden ignoriert oder gelegentlich zart angestubst. Bis Horst die zündende Idee hat. Er fängt an seinen Suspender in absoluter Zeitlupe zu führen. Eine Angeltechnik, die so absolut nix für mich ist – weil zu langsam. Also fische ich gewohnt zügig weiter. Aber Horts Ultra-Langsam-Einsatz sollte belohnt werden.

Jaaap..Hängt!!

Plötzlich nickt seine Rute kräftig Richtung Wasseroberfläche. Als ich die Flanke aufblitzen sehe, grinse ich Horst an und mache ihm somit klar, dass sein Gegner wohl sein neuer PB ist. Zwei, drei Fluchten noch und die neue Bestmarke steht klar – 79cm werden von Horst höchstpersönlich vermessen.

Endlich!!! Somit habe ich mein Versprechen wohl doch noch halten können – auch wenn’s etwas länger gedauert hat. Ach ja – den Rest vom Tag konnten wir nichts Nennenswertes mehr fangen – aber das war dann ja auch egal..

13 Kommentare

  1. ich hoffe es gibt auch einen pulitzer preis für startseitenberichte, denn den hättest du dir hiermit verdient 😉

    man ralf ist der gut geschrieben, liest sich als ob man selbst dabei gewesen wäre … :mrgreen:

    die ganze story war aber auch ein ding. werde ich nicht wieder vergessen, nein, bereits eingebrannt und abgespeichert.

    hier mal ein dankeschön an johannes, mods & admins.
    saubere arbeit, barsch-alarm fährt seit jahren meistens ein derart hohes niveau, dass man nicht auf den kurzen täglichen besuch verzichten möchte.
    … ist ja auch immer alles dabei. von entsetzen – respekt 😉

    @ BarscH-RaphI
    petri dank, ist aber auch ein klopper, was? 😉

  2. macheb wir dieses jahr noch klar..aber ich garantiere für gar nix :mrgreen:
    -ich kann dir nicht garantieren, dass wir nur einen anlauf brauchen- das hab ich hinter mir.. 😆

  3. endlich die passenden bilder zu den erzählungen von horst. 😆

    bevor horst meinen hecht pb bricht würde ich mich gerne bei eurem nächsten kapitel einklinken 😉
    im herbst beim zanderfischen bin ich dann auf jeden fall dabei.

    ach übrigens toll geschrieben. solche berichte machen spass zu lesen. weiter so ralf.

    gruss silvi

  4. spitze, freu mich schon wenn es soweit ist. 😀
    kapitel 1 und 2 können wir bei mir gerne auslassen und gleich mit hechte fangen starten. 😉

    gruss silvi

  5. schöner bericht
    ihr seit ein supper ´TEAM´
    ja horst nurer PB , resteckt !
    zählsch du den jetzt einfach soo ?
    weil der is ja nich aus unseren gewässern …unfäääär 😡
    abr ich zauber dir schon noch n größeren aus UNSEREN GEWÄSSERN
    der herbst kommt

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