TinAlex

Das Abenteuer neigt sich dem Ende zu und ein knappes dreiviertel Jahr Hawaii ist vorbei. Eine unvergessliche Zeit. Ich befinde mich aktuell bei Verwandten in Jacksonville. Da es schneit (IN NORD FLORIDA GEHT’S NOCH?), kann ich erst morgen weiter Richtung Miami ziehen, wo ich nochmal ein paar Wochen mit Angeln, Surfen und Ausspannen verbringen werde, bevor es in die kalte Heimat geht.

Damit das schlechte Wetter nicht ungenutzt bleibt, kommt hier mein versprochener Bericht zum Süßwasserangeln auf den hawaiianischen Inseln. Ich habe die meiste Zeit auf O‘ahu verbracht, also bezieht sich die Mehrheit meines Berichts auch auf diese Insel. Trotzdem war ich auch auf jeder der anderen Inseln mindestens ein Wochenende auf fischen. Falls es hier Fragen gibt, meldet euch gerne bei mir.

Grundsätzliches: Die Süßwasserangelei ist auf Hawaii kaum von Bedeutung. Die Mehrheit der Einwohner geht lieber Speerfischen, Brandungsangeln oder mit dem Boot raus aufs offene Meer. Ich war selbst auch nur anfänglich täglich auf Süßwasserangeln, bevor ich das Fischen im Meer für mich entdeckt habe. Trotzdem ist es auf jeden Fall das Abenteuer wert sich seine Spinnrute zu krallen und loszuziehen. Was das Süßwasserangeln hier so attraktiv macht, ist biologisch gesehen eine riesen Katastrophe. Die Süßwasser Seen und Flüsse gleichen hier Aquarien mit verschiedenen Spezies vom ganzen Globus. Man trifft hier auf Gamefish, die gezielt ausgesetzt wurden (Smallmouth, Largemouth, Channel Catfish und Peacock Bass),…

…auch auf alle möglichen Arten, die von unverantwortlichen Aquarien- und Gartenteichbesitzern ausgesetzt wurden.

Das schließt auch Arten mit ein, die in vielen anderen Bundesstaaten für eine Menge Ärger sorgen, wie z.B. Snakeheads, viele Karpfenarten, Oscars und andere Cichliden. Es gibt übrigens nur zwei indigene Süßwasserarten auf den Hawaiianischen Inseln. Hierbei handelt es sich um zwei Fische, welche unseren Mühlkoppen nicht unähnlich sind.

Gesetzliche Grundlagen: Im Gegensatz zu den Küstengebieten benötigt man für das Süßwasserangeln eine „Permission“, also einen Erlaubnisschein. Zu kaufen gibt es die Permits online oder an verschiedenen anderen Orten.

Hier ist für jeden was dabei: Von 7-Tagespässen bis 30 Tage aber auch Halbjahr und Jahreskarten gibt es zu kaufen. Die Preise variieren. Ich war während meines Aufenthalts ein „Resident“, was die Sache etwas günstiger macht. Für Touristen kostet der Erlaubnisschein für eine Woche um die 10,00$ meines Wissens. Hinzu können aber für bestimmte Gewässer Kosten für eine „Tageskarte“ kommen. Vor allem Lake Wilson (auch bekannt als Wahiawa Reservoir) ist davon betroffen. Diese kosten je nach Gewässer ebenfalls zwischen 4,00$ und 8,00$. Schonzeiten und Schonmaße gibt es eigentlich für keine Süßwasserart, da sich sowieso jeder an das Catch and Release Gebot hält.

Lake Wilson/Wahiawa Reservoir: Der Lake Wilson ist ein toller See im Norden von O‘ahu. Er ist wohl der bekannteste See für Süßwasserangelei. Trotzdem ist hier wirklich selten was los. Gespeist von mehreren Flüssen, die direkt aus den Bergen kommen, schlängelt er sich durch ein Tal im Norden der Insel. Da es in den Bergen vor allem im Winter stark regnet, variiert der Wasserstand häufig extrem. Wasserstandsänderungen von 4m innerhalb von wenigen Stunden konnte ich selbst schon beobachten. Das macht den See oft unberechenbar. Uferanglen ist deshalb auch oft nur schwer möglich. Jedoch ist es in den Monaten von Juni – September eine gute Alternative zum Boot. Dennoch ist ein Boot das ideale Mittel, um diesen großen See zu erkunden. Es gibt um den See viele Guides und man kann sich von vielen Kanuverleihen an den umliegenden Stränden auch Kanus an den See liefern lassen. Ich habe mir für meinen ersten Ausflug auch einen Tag Guide gegönnt. Hat alles in allem nach verhandeln 150,00$ gekostet.

Für Touristen ein kleiner Tipp: Spots, an denen man oft Angler antrifft, sind vor allem in den Gebieten um die Punkte N, L, K, H, G auf der Karte. Es gibt hier auch Parkplätze.

Zielfisch am Lake Wilson war für mich meist der Peacock Bass.

Ein harter Kämpfer mit exotischer Optik. Umso heißer es ist, desto größer die Chancen, eine dieser grünen Schönheiten zu fangen. Vor allem Topwater und Flachlaufende Wobbler haben an heißen Tagen Erfolg gebracht. Im trüben Wasser des Wahiawa Reservoir liefen bei mir meist Schockfarben, aber auch extrem glänzendes Silber brachte gute Erfolge. Während sich die Largemouth Bass meist in Unterständen verstecken, findet man die Pfauenbarsche auch im Freiwasser.

Nach dem Regen und bei hohen Wasserständen bewährte sich bei mir vor allem Texas und Carolina Rig. Vom Boot brachte aber auch das Wacky Rig gute Erfolge.
Leider wurde im Lake Wilson in der Vergangenheit viel Schrott versenkt. Bei zurückgehendem Wasser tauchen oft Bäume, Autowracks und andere große Mülltrümmer auf.

Deshalb sind Hänger oft vorprogrammiert. Passt beim Uferangeln immer auf, denn Wildschweine sind meist nicht weit.

Wasserstandmeldungen findet ihr übrigens unter:

http://www.hawaiibassfishing.com/default.asp?nc=3&id=43

Weitere Gewässer: Nicht nur am großen Lake Wilson lohnt sich das Angeln. Auf O‘ahu gibt es, wie schon erwähnt, viele Bäche aus den Bergen, in denen sich vor allen Smallies oder selten auch Forellen verstecken.

Hinzu kommt das Nu‘uanu Reservoir. Für den normalen Touristen ist es leider selten offen. Wir durften mit der Universität einige Besuche dort machen. Ein Hammer-Gewässer für Channel Catfish und Bass in surrealer Umgebung zwischen Dschungel, Gebirge und Moderne. Leider ist es hier weit weniger sonnig als sonst auf der Insel. Wirkt fast ein wenig wie Schottland, muss ich sagen.

An dieser Stelle auch noch ein kleiner halblegaler Geheimtipp: Der Pond der University of Hawaii ist eigentlich nicht für die Angler zugänglich. Es kümmert sich jedoch kein Schwein darum und die Securities interessiert das auch herzlich wenig, wenn man da angelt. Hier wurde vor einigen Jahren ein Pacu (eine Piranha-Art)-Rekord aufgestellt. Dieser Fisch soll immer noch im Weiher leben. Kleinere Pacus, die wirklich tapfere Kämpfer sind, fängt man hier vor allem auf gängige Karpfenmontagen.

Abschließend noch zu den anderen Inseln. Auf Kauai und Big Island gibt es bedeutend größere Flüsse als auf O‘ahu. Diese bieten wirklich nicht nur tolle Fische, sondern auch ein einmaliges Naturerlebnis. Auch hier jedoch eine kleine Warnung: Selbst kleine Bäche können in Minuten zu reisenden Ströme anschwellen. Vor allem wenn man sich durch den Urwald kämpft, um an die besten Spots zu kommen, kann das sehr schnell sehr unangenehm werden.

Fazit: Auch wenn die Süßwassergewässer kaum an die Bedeutung des Meeres ran kommen, sollte man auf jeden Fall diese tollen Erlebnisse mitnehmen. Für mich waren es unvergessliche Angeltage. Auch beim Anglen im Süßwasser gilt auf Hawaii stets: Respektiert bitte die Fische. Die Angelei und die Tiere spielen eine enorm große Rolle auf der Insel und die Hawaiianer kann man durch respektloses Verhalten schnell beleidigen.

11 Kommentare

  1. Hi TinAlex,

    hätte ich das mal vor meinem Studium gewusst 😉
    Klasse Bericht mit vielen schönen Bildern.
    Gut gefällt mir auch, dass Du bezüglich der Fischfauna auch Kritik äußerst.
    Ich wünsche Dir noch eine gute Zeit in Miami, TL,
    6-77

Kommentar hinterlassen