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Ohne Plan durch Südfrankreich

Dieses Jahr im September ging es zum ersten Mal für mich los in einen Angelurlaub. Ziel war der Südosten Frankreichs, genauer die Region rund um Avignon. Ein richtiges Ziel gab es nicht, wir waren eine buntgemischte Siebenergruppe und sehr flexibel mit Autos unterwegs. Dementsprechend war der Plan, oft die Campingplätze zu wechseln und nur dort zu bleiben, wo es uns wirklich gefällt.

Also sind wir nachts um elf Uhr aus dem Allgäu losgefahren. Das erste Ziel war die Rhone bei Avignon. Nach acht Stunden Fahrt sind wir an einem kleinen Campingplatz angekommen, mitten in einem Altarm der Rohne. Alle hatten richtig Bock, also sind wir sofort zum Decathlon nach Avignon gefahren, um eine Card de Peche zu besorgen.

Aber vorher noch das Camp aufstellen.

Das mit der Card de Peche hatte allerdings einen Haken, da es diese im Decathlon nur gegen Checks zu erstehen gab. Nach langer Diskussion in eher schlechtem Schulfranzösisch konnten wir den, zum Glück sehr geduldigen, Mitarbeiter des Decathlon doch überreden uns die Card de Peche auszustellen.

Die Lehre daraus: Wir haben die Karte nur noch über die App gekauft, das geht deutlich einfacher und kann auch spontan direkt am Wasser gemacht werden. Als Zahlungsmittel kann einfach PayPal verwendet werden.

Der Altarm an unserem ersten Campingplatz war abgeschnitten von der Rohne, welche als schnellfliesender Kanal rund fünf Meter über dem Altarm fließt. Kleine Kanäle verbinden das Ganze miteinander, wodurch sich ein recht komplexes System aus kleinen, kaum ein Meter tiefen Wassersystemen ergibt.

Die Rhone bei Avignon.

Der Altarm ist – laut unserem Campingplatzbesitzer und einem einzigen deutschen Forenbeitrag – ein Top Gewässer für Raubfisch incl. Black Bass. Dementsprechend waren unsere Hoffnungen und Erwartungen groß. Nach drei Tagen konnten wir in diesem Gewässer aber nichts Größeres, als ein paar Sonnenbarsche überlisten, was unsere anfängliche Euphorie ziemlich gedämpft hat.

Der Angeldruck an dem Gewässer allgemein ist sehr hoch, es gab viele Uferangler und auch Bellyboote. Gefangen wurde insgesamt recht wenig und wir, mit mangelnder Erfahrung, schätzten unsere Chancen eher schlecht ein, noch gute Fische zu fangen. Die einzigen größeren Fische, die wir in dem Altarm landen konnten, waren einige Brassen, die wir beim Feedern gehakt hatten.

Friedfischangeln ist einfach sehr entspannend.

Aber die „Not“ macht erfinderisch und so sind wir losgezogen, die kleinen Kanäle erkunden. Auch hier gab es Sonnenbarsche ohne Ende. Aber auch Schwärme von Meeräschen, die regelrecht durch die Kanäle geschossen sind.

Allerdings sind Meeräschen schlauer als der unerfahrene Angler, erst recht, wenn er zu siebt am Ufer steht und mit großen Augen in den grade mal 50 cm tiefen Kanal gafft. Dementsprechend konnten wir die Meeräschen zwar bestaunen, aber auch nach längeren Versuchen keine einzige zum Anbiss bewegen.

Schon etwas frustriert von den Sonnenbarschen und weiteren Bemühungen ohne Erfolg sind wir dann am Abend des zweiten Tages an den Hauptstrom gezogen, um zu Jiggen.

Die Strömung in dem Kanal ist gewaltig und ohne 20 bis 30 Gramm-Jigköpfe hat man keine Chance, Grundkontakt herzustellen. An den steil abfallenden Ufern wachsen Krautfelder, welche jeden unachtsam geworfenen Köder für immer verschlucken. Insgesamt ist es nicht das schönste Panorama, aber wie gesagt, wir waren fast schon verzweifelt.

Als ich dann meinen Köder lustlos an einem Krautfeld vorbei ziehe- BAM ein riesen Einschlag, meine Rute ist krumm und es geht weder vor noch zurück. Der Spuk dauert 10 Sekunden, dann ist es wieder vorbei. Wir sind uns einig, dass es ein Wels gewesen sein muss, was an der Rohne durchaus nicht ungewöhnlich ist. Trotzdem angeln wir entspannt weiter, bis 30 Minuten später genau das Gleiche noch einmal passiert: Ein riesen Einschlag und ein Wels hängt direkt vor den Füßen meines Kollegen. Der Drill mit dem ungefähr einen Meter langen Tier dauert drei Minuten, dann ein beherzter Schwanzschlag und der Offsethaken gibt seinen Geist auf. Der zweite Fisch weg… und wir damit für den Tag bedient, wenn auch begeistert, dass überhaupt etwas passiert ist.

Die nächsten zwei Tage angelten wir weiter in den kleinen Kanälen rund um den Hauptstrom und dem Hauptstrom selbst. Wir konnten mehrere Barsche und auch kleine Hechte fangen. Unsere Nerven waren beruhigt – immerhin etwas gefangen. Als nichts mehr Bedeutendes passierte, beschließen wir weiter zu ziehen, Richtung Meer.

Aber vorher machen wir für zwei Nächte einen Zwischenstopp in Saint Gilles.

Saint Gilles ist ein kleines verschlafenes Städtchen mit einem niedlichen aber nicht besonders schönen Hafen für Flussjachten. Da wir mit unserer Card de Peche in gesamt Gard (französisches Department) angeln dürfen, beschließen wir unser Glück an eben diesem Hafen zu probieren. Es war heiß und kein Fisch wollte unsere Kunstköder haben, außer einem guten Biss, der vermuten ließ, dass es doch große Fische in dem circa drei bis fünf Meter tiefen Kanal geben muss.

Da es in dem Hafen nur so von Köderfischen wimmelte, entschlossen wir uns, abends mit stolzen zehn Angelruten einen Ansitz auf Raubfisch zu starten.

Die Köderfische waren schnell gefangen und nach einem guten Abendessen ging es mit Pastis los unter eine Brücke, unter welcher wir die abends durchziehenden Raubfische vermuteten. Erneut tat sich nichts, nicht mal einen Zupfer hatten wir über drei Stunden. Letztendlich begann der erste, seine Ruten abzubauen und noch ein bisschen zu Spinnfischen. Es ging keine 30 Minuten, dann halt ein Schrei durch das arme Saint Gilles und riss sechs müde deutsche aus dem Halbschlaf – FISCH!

Glücklicher Angler – der erste Zander in seinem Leben.

Erst will es keiner glauben, aber als der Fisch gelandet war, ist uns allen klar, dass wir das Beste aus diesem kleinen Kanal rausgeholt haben: Ein 90 cm Zander lag im Kescher und keiner kam mehr aus dem Staunen raus. So einen Fisch hatte noch keiner von uns gesehen, wir waren happy. Natürlich haben wir dann alle nochmal ein paar Gummifische durch den Kanal gezogen, aber da es schon spät war, haben wir dann doch ziemlich schnell aufgegeben. Ein Monsterfisch pro Tag, da kann man schon zufrieden sein.

Da unser Angeldrang jetzt erst einmal gestillt war, sind wir am nächsten Tag, natürlich trotzdem mit Angeln im Gepäck, nach Nîmes gefahren, um uns einen entspannten Tag in der Stadt zu gönnen. Für die Rückfahrt hatten wir uns ein kleines Seesystem unterhalb von Nîmes als Ziel gesetzt, da wir doch noch nachmittags zwei oder drei Stunden angeln wollten.

Bei dem Seesystem handelt es sich um einen Fischpark, extra besetzt und ausgeschrieben für Angler aller Art mit besonderen Zonen für Fliegenfischer, Bellybootangler und Karpfenangler.

Für uns ungewohnt, aber auf jeden Fall einen Tagesausflug wert. Aus drei Stunden wurden am Ende fünf oder sechs und wir konnten einige Flussbarsche, Schwarzbarsche und Hechte fangen. Hier hatten wir unsere entspannteste Angelsession, da die Seen wirklich gut besetzt sind und man ganz entspannt Spinnfischen kann.

Kollege mit einem kleinen Schwarzbarsch.

Als wir spät nachts heimkamen, beschlossen wir, am nächsten Tag ans Meer zu fahren, da sich unser Urlaub langsam dem Ende neigte.

Wir landeten bei Le Grau du Roi, wo wir drei Tage verbrachten, anglerisch hielt sich unsere Aktivität dort in Grenzen. Außer einem Ausflug nach Sommières, einer wunderschönen Kleinstadt, in welcher wir allerdings nur kleine Weißfische fangen konnten.

Schöner kleiner Fluss und schöne Stadt.

Am Mittelmeer allerdings konnten wir einige Squids fangen, welche unser Essen kulinarisch deutlich verbessert haben.

Squids oder auf Deutsch „Sepien“.

Zum Abschluss waren wir noch zwei Tage im Department Ardèche, in welchem wir einige Barsche in der Rohne fangen konnten und Forellen in den kleinen Nebenflüssen.

Department Ardèche.

Insgesamt war es ein toller Urlaub, wir haben nicht übermäßig viele gute Fische gefangen, oft hilft es aber, sich mit Einheimischen zu unterhalten oder ihnen einfach nur zuzuschauen. Angesichts unserer wirklich geringen Angelerfahrung haben wir aber auch nicht damit gerechnet, den großen Fang zu machen.

Die Franzosen sind in der Region sehr entspannt, viele Angler haben wir nicht gesehen, allerdings waren alle Leute durchweg freundlich und erfreut darüber, junge Angler zu treffen.

Von negativen Erfahrungen können wir eigentlich nicht berichten – nur die Carde de Peche würden wir nie wieder in einem Laden kaufen. Die Region ist wunderschön und durch die Freiheiten der Card de Peche kann man unendlich viele Gewässer entdecken. Wer allerdings auf große Fische frequenzangeln will, muss sich entweder deutlich besser informieren, als wir es getan haben oder sich ein anders Angelrevier suchen.

Fische gibt es aber auf jeden Fall genug, wenn sogar wir als blutige Anfänger doch einige gute Barsche und Hechte überlisten konnten und sogar einen 90 cm Zander.

Es war auf jeden Fall nicht unser letzter Angelurlaub, denn jetzt sind wir erst richtig angefixt.

Schön das ihr euren Spaß hattet,
Der Bericht bildet eigentlich die Realität ab. Neues Land, neue Gewässer, andere Verhältnisse, neue Fischarten. Ganz klar, dass man hierbei nicht sofort Rekordfische fängt. Erfahrungen kann man dabei aber schon sammeln und wenn dann doch ein guter Fisch einsteigt ist die Freude doppelt so groß.
Ich mag solche ungezwungenen Trips.
Danke für den schönen Bericht.
Schöner Bericht. Rekordvedächtig für euren Trip ist aber nicht nur der Zander:

So ein glücklich breites Grinsen sieht man selten.
Schön und kurzweilig geschrieben. Super, vielen Dank dafür!
Schöner Bericht. Das immer wieder erwähnte Dokument heißt übrigens in Wirklichkeit CARTE DE PÊCHE.
Mal ein Urlaubsbericht wie er hier eher selten auftaucht: Fische zu fangen steht nicht im Vordergrund, kein Tackleporn & das Wort "Ansitz" taucht im Text auf! Erfrischend unkonventionell.
Danke für den erfrischend, kurzweiligen Bericht.
Und viel Spaß bei der Planung des nächsten Trip.
Danke für die vielen guten Rückmeldungen :)
Freut mich, dass euch der Bericht gefällt, werde dann vom nächsten Trip einen Teil zwei schreiben. :)
D