Norwegen im Sommer. Immer für Überraschungen gut.

Norwegen im Sommer. Immer für Überraschungen gut.

Welcher Norwegen–Urlauber kennt das nicht. Nachdem man nach stundenlanger Anfahrt durch Schweden oder Dänemark endlich das gelobte Land aller Meeresangler erreicht hat, liegt das eigentliche Ziel der Reise noch in weiter Ferne. Dann geht es meist mit Tempo 80 auf schmalen Straßen, über Berg und Tal, oft mit weitern Fähren weiter, bis man erschöpft sein Ziel erreicht. Die schöne Landschaft des Nordens zieht an den Reisenden nur noch wie im Traum vorbei.


Letzten Sommer wollten wir es anders machen und wählten Avik im Südnorwegen, nur eine Stunde Fahrt von Christiansand gelegen, als Ziel. Zunächst waren nicht nur wir skeptisch: In Südnorwegen seien die Fische kleiner als „weiter Oben“, bekamen wir oft zu hören, außerdem gebe es „nur Dorsche“. Und überhaupt sei der Sommer nicht der richtige Monat, um zum Angeln zu fahren: viel zu warm.

Und genauso war es auch: Regenklamotten, warme Pullover, Handschuhe und Goretex haben wir während der ganzen zwei Wochen nicht ausgepackt. Unter Sonnenhüten aus Stroh, dick eingerieben mit Sonnenmilch brutzelten wir bei spiegelglatter See in unserem Kahn unter der unbarmherzigen Sonne des Nordens und hofften oft vergeblich auf einen kühlenden Windhauch.


Die Voraussage, es würde „nur Dorsch“ geben, erfüllte sich dagegen nicht. Wir fingen nämlich kaum Dorsche.



Abgesehen davon waren wir aber von der Artenvielfalt angenehm überrascht: Für die Fans des Pilkens mit leichtem Gerät und des Spinnangelns gab es Makrelen, die einem in dieser Jahreszeit ohnehin rund um die Uhr ins Boot springen, viele Hornhechte und einige Meerforellen, die sich vor allem Abends in Ufernähe tummelten.


Die besten Fänge machten wir allerdings mit Naturködern: Makrelenfetzen, die aufgepäppelt mit ein bisschen Tannenbaum und Glitter und je nach Strömung und Tiefe mit Gewichten von 150g – 750g in die Tiefe gelassen wurden ergaben die besten Fänge. Dabei zeigte sich, dass die Halbe Makrele und andere Riesenhappen weniger zogen als vielmehr die kleinen Häppchen.  Die bunten Beifänger wurden auch gerne genommen. Hierbei konnten wir aber trotz zahlreicher Experimente keinen eindeutigen Trend feststellen: Ob Gummifisch, Twister, Gummikrake, ob rot, schwarz oder grün, alles sah gut aus und wurde gerne genommen.


Insgesamt konnten wir einige beachtliche Lengs, Pollacks und Wittlingen die Sonne zeigen. Hin und wieder verirrten sich auch Köhler, Rotbarsche, verschiedene Platte, Franzosendorsche oder Lippfische an den Haken. 

Mehr Erfolg hatte ein Nachbar, der mit der gleichen Methode einen Seeteufel und über einer Sandbank in gerade mal 35 m Tiefe zwei schöne Heilbutts fing. Nachdem er zuvor tagelang ohne Ergebnis seine halben Makrelen in großer Tiefe und auch an diesem Spot geparkt hatte, stieg er auf leichteres Gerät und kleinere Fetzen um und hatte dann seine liebe Not, die Fische auch ins Boot zu bekommen.


Auch wenn die kapitalen Fänge ausblieben. Südnorwegen ist nur einen Katzensprung entfernt und auch im Sommer ein schönes Reiseziel. Und schließlich ist Angeln ja auch mehr, als nur Fische fangen. Auch wenn Fische fangen das Wichtigste beim Angeln ist.



Kategorien: Gewässer-Tipps

Kommentare

  1. PharmaMan
    PharmaMan 20 Januar, 2005, 11:37

    Sehr schöner Bericht! Habt ihr mal versucht mit Blinkern oder Wobblern zu schleppen?

  2. Esox2711
    Esox2711 23 Mai, 2005, 23:49

    Top Bericht! Würd auch mal gerne hinfahren , aber Knete reicht nicht…

  3. caprifischer
    caprifischer 21 September, 2005, 15:07

    Schöner Bericht und tatsächlich sehr geiler Mini- Fjord. Zeltete mit nem Freund letztes Jahr im Herbst 2 Wochen auf dem Campingplatz gegenüber. Und haben natürlich abends versucht Lachs oder Mefo mit geschlepptem Wobbler zu erwischen.Sind tatsächlich zahlreich am Springen… 😈 Die zahlreichen Quallen machten aber nen Strich durch die Rechnung. Ansonsten, es gibt wohl nichts worauf die Makrelen da nicht beißen. Bekannte von uns haben an einem Abend nen 96er Seelachs gezogen. Wahnsinns Fisch, auf Wobbler so weit ich weiß.

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