05.12.2016 / 19:42 | Aktuelle Mondphase: zunehmender Mond

Mehr Wurfweite mit der Baitcaster!

Lassen sich mit einer Baitcaster wirklich die gleichen Wurfweiten erzielen wie mit einer Spinning-Kombo? Welche Multi wirft am weitesten? Daiwa? Shimano? Abu? Tailwalk? Und welches Rutenmodell muss man fischen, um die Maximalwurfweite aus der Rolle herauszukitzeln?

Ums vorweg zu nehmen: Diesen Beitrag haben wir allen Usern zu verdanken, die sich  in die Diskussion um die Baitcasterei vom Ufer eingeschaltet haben.  Ich fasse hier nur zusammen.

Hintergrund: User zero5ive hat einen Thread gestartet, weil er wissen wollte, welche Ruten-Rollen-Schnur-Kombination die Kollegen so fischen, wenn sie vom Ufer aus Maximalwurfweiten mit der Baitcaster erreichen wollen. Er beschäftigt sich seit einem Jahr mit der Baitcasterei und weiß auch, dass er wurftechniktechnisch noch nicht mit den BC-Routiniers mithalten kann. Allerdings möchte er sein Setup perfektioniert wissen, während er am Wurfstil arbeitet.

Hier geht’s in den Thread: Baitcasting vom Ufer aus

Seine aktuelle Ruten-Rollen-Schnur-Kombination: Shimano Zodias 168BFS 2,03m und Shimano Brenious bespult mit Sunline Cast Away 10LB. Mit ihr wirft er 7-Gramm-Jigs und Bullets mit einem 3-Ich-Gummi gefühlte 30 Meter, was nicht ausreicht, um vom Ufer die fischträchtigen Spots zu erreichen.

zodias-bfs-open

 

Ganz wichtig an dieser Stelle: Dieses Problem kennt so ziemlich jeder, der ins Baitcasten einsteigt. Nur deshalb gibt’s diese Zusammenstellung. Also vielen Dank, zero5ive für die Threaderöffnung!

 

Hier die wichtigsten Tipps auf einen Blick (ungefiltert):

  • Hochmodulierte Ruten werfen weiter
  • Längere Ruten fischen
  • Die Bremseinstellung optimieren
  • Die Baitcaster entfetten
  • Volle Konzentration bei jedem Wurf
  • Üben, üben, üben
  • Einen fast 4-stelligen Betrag in die Kombo investieren

 

Die perfekte Rute zum Baitcasten:

Die Rutenlänge: Längere Ruten werfen ein bisschen weiter. Allerdings hat die Fisch&Fang in einem Feldtest mit Spinnruten bewiesen, dass die Rutenlänge weit weniger Einfluss auf die Wurfweite hat als angenommen. Dennoch: Wer mit der BC maximal weit werfen will, ist mit 7 Fuß-Ruten gut beraten. (Frei nach NorbertF und FD2312)

Die Rutenaktion: Langsame Ruten beschleunigen ohne Kraftaufwand. Schnelle Ruten bringen aber mehr Wurfweite. (Frei nach joker)

Mit einer weichen Crankbait-Rute wirft es sich super easy. Maximalwurfweiten sind damit aber nicht drin.
Mit einer weichen Crankbait-Rute wirft es sich super easy. Maximalwurfweiten sind damit aber nicht drin.


Auch eine hochmodulierte Rute muss perfekt aufs Ködergewicht abgestimmt sein:
„Eine hoch modulierte Rute ist i.d.R. weniger hoch modulierten Modellen deutlich überlegen. Dabei kann man diesen Vorteil nur ausnutzen, wenn man die Rute im mehr oder weniger optimalen Bereich nutzt und möglichst stark auflädt, ohne diese zu überlasten.“ (Zitat von B o r i s) Wenn ihr euch mit dem Thema Modulation intensiver auseinander setzen wollt, könnt ihr mal in diesen Thread hier schauen: Wurfweitenunterschied Baitcaster-Statio

Ganz wichtig ist beim Baitcasten auch, die Rute durch einen Rückschwung aufzuladen. Nur so holt man das Maximum aus dem Rutenblank.
Ganz wichtig ist beim Baitcasten auch, die Rute durch einen Rückschwung aufzuladen. Nur so holt man das Maximum aus dem Rutenblank.

 

Gibt’s die optimale Bremseinstellung?

Man hat ja viele Regler, an denen man drehen (die Spulenrotation bremsen) kann. Die Kombination variiert von Rollenmodell zu Rollenmodell. Es gibt Fliehkraftbremsen, Magnetbremsen und die Spulenbremse. Und so ist es schwer, eine allgemeingültige Aussage über die beste Bremseinstellung zu treffen. Zumal die Werfer da unterschiedliche Einstellungen bei der gleichen Rolle vornehmen. Siehe janfischt und PM500X. Beide fischen eine Scorpion. PM500X hat seine getunt. Beide werfen über 50 m mit 10 Gramm. janfischt macht es so: „Meine Weitwurf- Bremseinstellung sieht so aus, dass ich in der Fliehkraftbremse nur 1/2 Pin aktiv habe, dafür die Spulenbremse eher etwas geschlossener ist als für Würfe im Nahbereich.“ PM500X so: „Bin zwar erst dieses Frühjahr frisch in die BC Welt eingestiegen aber klappt mittlerweile auch echt gut. Die Spulenbremse hab ich immer komplett offen, bei der Fliehkraftbremse hab ich 2 Pins aktiv. So läuft die Spule sehr leicht an, überschlägt sich aber nicht. Die Fliehkraftbremse trägt entsprechend ihren Teil dazu bei. Viele lassen versehentlich den Daumen etwas auf der Spule, was viel Wurfweite kostet. Bewusstes Herunternehmen vom Finger half bei mir.“ Ich würde sagen: Der Daumen muss auf die Spule, wenn ihr keinen Tüddel wollt. Aber bei PM500X scheint es ohne Daumeneinsatz zu funktionieren. Wenn’s schon hier große Unterschiede gibt, wie sollen wir uns dann auf eine einheitliche Einstellung einigen?

 

Macht Rollen-Tuning Sinn?

Wir gehen hier von zero5ive’s Brenious und ähnlichen Geschossen aus und von Ködergewichten über 10 Gramm. Solche Rollen müssen durch diverse Bremssysteme eingebremst werden. Dazu noch einmal B o r i s: „Die Rolle möchte i.d.R. sowieso noch viel schneller drehen als eigentlich nötig, sodass man diese deswegen mit den verschiedenen Bremssystemen einbremst.“ Deshalb wird einem Anfänger ein Rollen-Tuning mit Keramik-Kugellagern weniger bringen als ihm lieb ist. Im Gegenteil. Die Rolle wird zum unberechenbaren Wildpferd, das ein ungeübter Werfer nur mithilfe des Bremssystems einfangen kann. Damit verpufft der Effekt des Kugellagerwechsels.

Ich habe früher selber viel getunt an meinen Baitcastern und am Anfang dann umso schlchter geworfen – von ein paar Zufallsweitwürfen abgesehen.


Rollenentfettung und –säuberung fördert die Wurfweite!

Ein ganz wichtiger Tipp kommt von janfischt. Um mehr Wurfweite zu erzielen, muss man Rollen sauber machen und von überflüssigem Fett befreien. Dazu gibt’s ein schönes Video, in dem ihr seht, dass sich das komplizierter anhört als es tatsächlich ist. Man braucht nur ein bisschen Geduld und ein paar Wattestäbchen.

 

Wurfstil ist der dominierende Faktor!

Natürlich kann man sich über die Schnur Gedanken machen. Und je mehr man investiert, desto eher scheinen die Voraussetzungen gegeben, wirklich gleich weit oder weiter zu werfen als mit einer Spinning-Kombo. Aber – und da sind sich die meisten Baitcaster-Experten einig: Den allergrößten Einfluss auf die Wurfweite hat – gutes Material vorausgesetzt – der Wurfstil. Die Power aus dem Blank muss in einer fließenden aber dynamischen Bewegung auf den Köder übertragen werden. Dann wirft man mit der Baitcaster genauso weit wie mit der Spinning-Kombo. (Wobei viele User – u.a. Kanalbarschjäher und angelspass – angemerkt haben, dass man mit der Stationärrolle problembefreit feinere Schnüre fischen kann, weshalb man sich mit der Spinning-Kombo leichter tut, Extremwurfweiten zu erreichen.) Dass man mit der Baitcaster (BC) aber 80 m und mehr erreichen kann, zeigen euch diese beiden Männer hier in einem Wurfweiten-Vergleich:

Den perfekten Weitwurfstil könnt ihr euch hier abschauen. Dazu braucht ihr allerdings ein bisschen Platz um euch herum.

 

Dann lasst uns mal alle ein bisschen üben gehen mit der Baitcaster. Ein paar Meter mehr sind immer drin! (Über Anregungen zur Wurfweiten-Steigerung und weitere BC-Tipps in den Kommentaren oder im Forum sind wir hier natürlich alle dankbar.)

15 Kommentare zu Mehr Wurfweite mit der Baitcaster!

  1. Schöne Zusammenfassung!

    Hier noch ein Video mit Murata Hajime:
    https://www.youtube.com/watch?v=5g4OiukRfok

    Ab 6:40 sieht man wie er die Aufladung der Rute „testet“. Für mich war das damals der entscheidende Faktor um auf mehr Weite zu kommen und das bei weniger Krafteinsatz.

    In meinem Bericht über die 64M am Wasser habe ich versucht das zu beschreiben, „den Köder erst nach hinten werfen“ damit der Blank sich aufladen kann.

    André

  2. Der Rückschwung ist ein zentrales Element. Sieht man ja auch schön auf den Wurfbildern. So läd sich die Rute nur auf, wenn man zurück schwingt.

    Der Jim M. ist irgendwie nicht so der ultimative Sympathieträger. Aber werfen kann er ganz schön gut.

  3. Naja, den Punkt „die Baitcaster entfetten“ finde ich so etwas zu trocken. Da sollte man vielleicht noch einen weiterführenden Satz schreiben.

  4. Erst einmal vielen Dank an Hannes, dass er das alles so toll zusammengefasst hat und das es sogar für einen Startseiten-Artikel gereicht hat.

    Egal mit wem man redet: jeden Uferangler interessiert in erster Linie die Wurfweite und kommt da beim BC-Einstieg irgendwann an einen Punkt, wo er sich unsicher ist ob mit dem aktuellen Wurfstil + Combo noch mehr drin ist.

    Wenn es nach mir ginge würde ich vom Spaßfaktor her gesehen und der Direktheit zum Köder bzw. im Drill nur noch mit der Baitcaster losziehen. Allerdings kennt auch jeder die Situation, wenn ihm nur wenige Meter zum Hotspot fehlen. Nichts ist schlimmer, als wenn Fisch da ist und man diesen nicht erreicht. Vom Boot aus hat man solche Probleme nicht – man kann ja quasi auf Wurfweite heranfahren 😉 …

    Bin gespannt welche Erkenntnisse der Thread noch bringt. Ich werde auf jeden Fall noch genauere Werte nachliefern (es gibt ja Linecounter für 15€ auf Amazon 😉 ) … Ich werde einfach mit einer 6,8″ Spinning und der 6,8″ Zodias losziehen (beide haben ein WG um die 10g) und mit dem gleichen Köder werfen. Ich bin gespannt 🙂 !!!

  5. Ahoi Kollegen ,

    eine kleine Anmerkung dazu vielleicht. Neben „üben,üben,üben „…, was absolut richtig ist , ist es doch auch erstaunlich , wie sehr das Unterbewußtsein für regelrechte Quantensprünge in der Wurfkompetenz zeitigt. Insbesondere nach längeren Pausen ( krass vor allem nach längeren Winterpausen durch Eis etc.) , verbessert sich die Performance (gutes Gerät ist allerdings schon Vorraussetzung , is klar) sprunghaft. Wer also gern und viel Zeit investiert , der wird selbst in längeren Abstinzen dennoch besser. Ich bin an die BC´s ja geraten , weil bei einigen Hechtmethoden ne Statio für zumindest mich keinen Sinn mehr machte. Also mein Werdegang ist also von hart nach zart. ML ist für mich auch Ende der Fahnendstange , alles andere ist Pragmatikern wie mir zu „nerdy“. Ich will effektiv angeln , in allen Belangen. Also hab ich auf den 2 Barsch BC´s auch nur FC , Danke Norbert nocheinmal , für den reghelmäßigen Input und die Beharrlichkeit , FC ist ein Segen auf Barsch -BC´s. Never ending story… .
    Inzwischen hab ich 3 BC Combos , auf Hecht ist bis auf eine MH Statio (-70g)alles in fester Hand den „Low -Professoren“ . Wichtiger als (abgesehen von L-UL) die gefühlte/reale Wurfweite , war mir immer die körperliche Machbarkeit bei gewissen Techniken . Mit fortschreitendem Alter wird es zusehends enger mit den Standzeiten der Gelenke und Sehnen wie Muskeln , auch hier punktet ne BC/Multi unheimlich gegenüber Statios.

    Fazit : ich zitiere hier mal Nietsche “ Wie man wird , wer man ist „….Draussen und draufhalten , der Rest kommt mit der Zeit …erst langsam , dann aber exponentiell und erquickend Überfallartig….. . Viel Erfolg den Weitenjägern…..

    Grüße Morris

  6. Schick. Im Winter setze ich mich mal ran und reinige meine BCs. Hab mich da nicht so recht ran getraut…Technik und so.
    Wobei ich ehrlich zugeben muss, dass es mir beim Fischen mit der BC weniger um die Wurfweite als viel mehr das Feeling und die Wurfgenauigkeit ankommt. Ich bin (auch mit der Spinning) kaum der Weitenjäger. Als Beispiel: Seid ihr schonmal durchs Unterholz geschlichen und habt mit der BC einen Skirtjig auf engstem Raum direkt vor den Füßen durch pitchen oder gar nur flippen platziert, um dann einen schönen Barsch ausm Cover zu prügeln? Unbeschreiblich – und mit der Spinning schwer umsetzbar. 😉

  7. Absolute Zustimmung @Waldgeist…., präzise Angeln & BC , sind definitiv die Finger eines Accords….die Techniken(Flip&co) würde ich in der Breite auch gern mal studieren , evtl. hast ja mal n freien Termin für n´ Senioren frei….Grundtechnik und Auge-Hirn-Hand hatta ….(grinz)

    Grüße , M.

  8. Ach Leute, wenn ich die Kommentare lese, geht mir das Herz auf. So schön! Da lernt jeden von jedem. Alle geben ein bisschen was. Und am Ende sind wir alle schlauer. Super!

  9. Wenn ich fast einen 4-stelligen Betrag in die Kombo investieren muss um weiter werfen zu können, sollte ich mir die Frage stellen ob ich nicht lieber an meiner Technik arbeiten soll….oder ob Angeln mein richtiges Hobby ist!

  10. @MorrisL, auch dazu hat der sehr informative Nick ein bärenstarkes Video gemacht, How to Flip and Pitch: https://www.youtube.com/watch?v=zGtGOou95Mg
    Zum Thema Skipping könnte ich dir auch mal vorturnen, hilfreiche Tips inklusive. Aber momentan ist leider kein freier Termin absehbar.

    @potsdam-rockt, du klingst wie meine Ex. 😛
    Man könnte den 4- stelligen Betrag ja auch in ein Boot investieren …

  11. Der Artikel hat mich dazu gebracht ein kleines Video zu Wurfstilen und Rutenaufladung zu machen.
    Persönlich ist bei mir die Wurfweite zweitranging, Präzision und Präsentation steht bei mir an erster Stelle und da spielen die Baitcaster ihre Stärken in einigen Situationen aus. Das liegt aber auch stark am Gewässer und den bevorzugten Fischarten.
    Hier mal der Clip. Ich hoffe er gefällt.
    http://www.youtube.com/watch?v=8Z5tHjKqKWg&feature=youtu.be

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