Kuba – Traumziel für Sportangler

Kuba – Traumziel für Sportangler

Zugegebenermaßen war ich etwas überrascht, als mich mein Freund Martin Joswig von FISHING-ADVENTURES anrief und fragte, ob ich schon etwas im Juni vor hätte. „Hast Du Lust zum Fischen nach Kuba zu fliegen?“ Was für eine Frage! Natürlich hatte ich da Lust drauf. Und so kam es, dass ich eine meiner aufregendsten und extremsten Angeltouren meiner bisherigen Laufbahn erleben durfte. Bereits einige Wochen im Vorfeld planten wir den zehn Tage langen Trip in die Karibik. Wir deckten uns ordentlich mit Tackle ein und so staunte der kubanische Zoll nicht schlecht, als wir sagenhafte 105 Kilo Gepäck in Varadero durch den Zoll schoben.

Wir hatten einiges vor und hatten einen relativ stressigen Zeitplan für die Reise festgelegt. Wir entschieden uns zum Glück dafür, erst am kommenden Morgen nach Trinidat aufzubrechen. Es war bereits spät am Abend, als wir in unserem Hotel in Varadero ankamen. Nach einem kurzen Essen und einem kühlen Drink gesellten wir uns zu ein paar Kubanern, welche direkt vor dem Hotel am Hafen fischten. Schnell kamen wir ins Gespräch und konnten die Erfolgsaussichten der beiden (einem Kameramann und einem Lehrer) mit etwas Tackle steigern. Gegen zwei Uhr nachts sah ich vor einer etwas entfernten Brücke etwas buckeln. Sollten das wirklich schon Tarpone sein? Martin und ich gingen auf die Brücke und konnten unseren Augen nicht glauben. Unter der Brücke fraßen tatsächlich Tarpone.

Also nichts wie zurück ins Hotel und Ruten holen. Gegen halb fünf am Morgen stellten wir das Fischen ein. Die Tarpone fraßen kleine Shrimps und wollten von unseren Gummifischen und Poppern nichts wissen. Was soll‘s, aufregend war es alle Mal. Und wer kann schon von sich behaupten direkt aus dem Flieger auf Tarpon gefischt zu haben?

Sichtlich gezeichnet von unserem nächtlichen Angeltrip in Varadero und nach mehreren Stunden Fahrt über die komplette kubanische Insel, kamen wir endlich in dem malerischen Ort Trinidat an der wilden Südküste an. Wir waren nach Trinidat gekommen, um mit dem einzigen Big Game Boot dort drei Tage unser Glück zu versuchen. Wir trafen uns am gleichen Abend noch mit unserem Freund Edo Schnarre. Edo war bereits eine Woche auf Kuba und konnte schon einige Fische landen. Wir waren in einem netten Casa untergebracht. Viele Kubaner verdienen sich durch das Vermieten von Fremdenzimmer einige CUC dazu. Axel, der Eigentümer des Bootes, besuchte uns zum Abendessen und so schmiedeten wir die Pläne für den kommenden Tag.

Viel Schlaf fanden wir in dieser Nacht nicht, denn schon nach wenigen Stunden Schlaf klingelte der Wecker. Noch vor dem Morgengrauen trafen wir uns wieder bei Edo, um gemeinsam an den Hafen zu fahren. Dort wartete schon Axel und mit der aufgehenden Sonne ging es raus auf die karibische See. Da ein frischer Wind wehte, stand noch nicht fest, wo wir fischen würden. Nach kurzer Zeit und einigen Barrakudas der 10-Kilo-Klasse entschlossen wir uns, auf das offene Meer zu einer Korallenbank zu fahren.

An dieser steigt der Meeresboden von knapp 2000 auf 30 Meter an. Nach einer heftigen Fahrt mit ordentlichem Seegang kamen wir endlich auf der Bank an. Bereits nach kurzer Zeit konnten wir einen Schwarm Seevögel sehen, welche anfingen zu kreisen. Dies ist das Zeichen dafür, dass ein Futterfischschwarm direkt unter der Oberfläche steht. Ich fragte mich immer, wo auf einmal die Hunderte Seevögel mitten aus dem Nichts auftauchten …

Wir fuhren direkt zu dem Vogelschwarm an der ersten Kante und prompt kreischte die Tiagra auf. Ein großer Barrakuda hatte den Köder genommen. Wir folgten den Vögeln und dann ging es Schlag auf Schlag. Wir fingen kleine Yellowfin Thune, Cero Mackerel, Spanish Mackerels, Barrakudas und, und, und.

Martin drillte gerade einen 8 pfündigen Yellowfin, als plötzlich die Rute mit einem brachialen Schlag nach unten gerissen wurde. So schnell, wie der Spuk gekommen war, so schnell war dieser auch wieder vorbei. Ein großer Hai hatte kurzen Prozess mit dem Thunfisch gemacht und Martin nur noch den Kopf übrig gelassen …

Langsam neigte sich die goldgelbe Sonne gen Horizont und tauchte das Wasser in ein faszinierendes tiefes Dunkelblau. Noch nie hatte ich so blaues Wasser gesehen. Der anstrengende Tag zehrte langsam an unseren Kräften. Wir entschlossen uns, langsam zurück nach Trinidat zu trollen. Ich war gerade eingeschlafen, als mich mitten über der tiefsten See das laute, aggressive Kreischen der Multirolle aus dem Schlaf riss. Edo begann sofort mit dem Drill. Wir schauten uns verdutzt an, als die 1000 Meter Schnur in Windeseile von der Rolle fegten. Die erste Flucht kostete ca. 600 Meter Schnur. Was mag das wohl sein? Ein Marlin oder Sailfisch wäre schon längst in wilden Sprüngen aus dem Wasser gekommen. Sollte es ein großer Thunfisch sein?

Nach etwa einer halben Stunde hatten wir Gewissheit. Ein über 80 Pfund schwerer Yellowfin Thun gab sich bei untergehender Sonne nach einem harten Stand-Up-Drill geschlagen. Was für ein Tagesabschluss. Das machte Lust auf mehr.

Am kommenden Tag mussten wir leider im Hafen bleiben. Zu windig war an diesem Tag das Karibische Meer. So gab es einen Ausfalltag den wir dazu nutzen die Mai Jakk II wieder aufzuräumen und das Tackle neu zu ordnen. Gegen Mittag konnten wir sogar einen Fernseher organisieren. Das kubanische Fernsehen übertrug das EM-Halbfinalspiel Deutschland gegen die Türkei. Zusammen mit einigen Kubanern schauten wir dann in der Marina das Spiel an und feierten am Ende zusammen den Sieg der deutschen Mannschaft.

Der letzte Tag zwang uns in Küstennähe zu bleiben. Wieder hatten wir starken Wind und so trollten wir an der Südküste entlang. Außer ein paar dicken Barrakudas und verschiedenen Makrelen und einer Goldmakrele konnten wir nichts Außergewöhnliches bei der Ausfahrt fangen. Das Wetter machte uns einfach einen Strich durch die Rechnung.

Nach den Eindrücken der letzten Tage fuhren wir erneut quer durch Kuba zur Insel Cayo Santa Maria im Norden der herrlichen Insel. Was wir hier die nächsten Tage erleben sollten, sprengte alle unsere Erwartungen. Am Anreisetag trafen wir uns noch mit unserem Guide Samuel. Er erzählte uns, dass im Moment die Bedingungen sehr gut zum Fischen wären. So wollten wir gleich am nächsten Tag das erste Mal raus in die Flats zum Cubera Snapper-, King Mackerel- und Tarpon-Fischen. Der Wind war an diesem Tag nicht gerade auf unserer Seite und so konnten wir nur zum Popperfischen an die äußeren Korallenbänke fahren. Bereits nach einer halben Stunde hatten wir den ersten Kontakt auf die großen Yuzuri Popper. Eine ca. zwei Meter lange King Mackerel hatte Martins Popper geschnappt und flüchtete in einer rasanten Flucht. Leider saß der Haken nicht und so stieg der Fisch nach kurzer Zeit aus. Ui, ui! Das fängt ja schon gut an, dachten wir uns!

Nach einiger Zeit verschwand dann zum zweiten Mal Martins Popper unter einem riesigen Schwall. „Cubera! Cubera!“ rief Samuel. Der Fisch biss direkt am Boot und wir konnten die wahre Größe des Cuberas schätzen. Dieser Fisch hatte über 30 Kilo! Leider riss die Schnur nach heftigem Drill an den Korallen und Martin flog durch das Boot. Doch dies sollte nicht der letzte Kontakt gewesen sein. Wir schafften es in den kommenden Tagen, noch weitere Cuberas, Grouper, Barrakudas und kleinere Snapper zu fangen. Das Popperfischen hatte uns in seinen Bann gezogen. Es ist einfach unbeschreiblich, wenn ein dunkler Schatten hinter dem Popper auftaucht und mit einem Rumms in der Tiefe verschwindet.

Kuba hat gezeigt, dass es nirgendwo sonst so tolle Möglichkeiten gibt, beim Spinnfischen mit dem Popper diese kapitalen Cubera Snapper und King Mackerels zu fangen.

In den paar Tagen hatten wir zwei Mal mit Sicherheit neue IGFA-Line-Records am Haken. Aber nicht nur die Snapper und Kings machen Cayo Santa Maria zu der Toplocation für Spinnfischer. Es gibt noch einen anderen King in den Flats. Den Silver King. Besser bekannt als Tarpon oder Ritter der Meere. Da wir bisher immer Pech mit zu viel Wind hatten, fischten wir nur am Tag der Abfahrt noch einmal auf Tarpon.

Der Wind war am Tag des Abfluges sehr schwach und so machten wir uns um sechs Uhr morgens noch einmal für fünf Stunden auf. Auf den riesigen Flats ist es nicht einfach die Schwärme zu finden. Samuel wusste aber genau, was er tat. Nach einiger Zeit sahen wir eine Gruppe von Tarponen. Sofort setzte sich Samuel in den Zugweg der Fische. Diese passierten in ca. 15 Metern Abstand das Boot. Die Köder trafen direkt den Schwarm, doch wollte keiner der Fische fressen. Ganz schön deprimierend … Wir hatten die Hoffnung schon fast aufgegeben und waren kurz davor wieder zum Hafen zu fahren, da uns die Zeit weglief. Plötzlich tauchte wie aus dem Nichts eine fressende Gruppe Tarpone in direkter Nähe zum Boot auf.

Diesmal sollte es passen. Aller drei Köder trafen den Schwarm und alle drei Ruten waren on!

Wild sprangen die drei gehakten Tarpone aus dem Wasser. Leider verabschiedete sich der Tarpon an Martins Rute nach kurzem Drill. Samuel und ich drillten weiter. Nach ca. 15 Minuten Drill konnte ich meinen ersten Silver King mit guten 40 Pfund landen.

Ich hob den Fisch nur für ein paar Sekunden aus dem Wasser. Da die Fische sehr empfindlich sind, musste dies für ein Foto reichen. Samuel kam unterdessen ziemlich ins Schwitzen.

Immer wieder sprang der silberne Fisch aus dem Wasser. Die Zeit verrann und nach guten 40 Minuten war der Fisch bereit zur Landung. Wir schätzen den Tarpon auf 80 Pfund und releasten den Fisch noch im Wasser. Was für ein Abschluss!

Schwer beeindruckt von den letzten Tagen stand eines fest. Kuba ist wohl eine der besten und fischreichsten Ziele für das extreme Spinnfischen. In den paar Tagen fischen brachen uns zwei Ruten im Drill! Sie waren den Fischen einfach nicht gewachsen. Zusammenfassend kann man auf Kuba ein sensationelles Big-Game-Fischen erleben. Zur Hochsaison kommen nicht nur Marline und Segelfische vor die kubanische Küste, sondern auch große Yellowfins, Mako und Bullsharks. In den Flats kann man neben dem Cubera Snapper noch große Grouper, King Mackerels, Tarpone, Jacks, Snapper und Bonefish fangen. Alle sensationelle Sportfische.

Für mich ist dieser Trip sicherlich nicht der letzte nach Kuba gewesen. Wer ein solches Abenteuer selbst mal erleben möchte, kann gern auf www.fischen24.de vorbei schauen.

Martin Joswig kümmert sich um alle Reisebelange und kann zudem mit den FISHING-ADVENTURES exklusiven Gepäckvouchern bei CONDOR Flügen wuchern. CONDOR hat zahlreiche Flüge nach Havanna und Varadero so dass individuelle Reisedauern möglich sind. Mein Tipp – unbedingt eine Sitzplatzreservierung machen und lasst euch von Martin mal das Premium Food buchen, so fliegt es sich ruhig und entspannt großen Angelabenteuern entgegen!

Kategorien: Fangberichte

Kommentare

  1. Pitpearch
    Pitpearch 24 Oktober, 2008, 08:16

    😯 Sehr nice…Hatte mir nach den Pics in der Fischparade schon fast nen Bericht mit Drillaction herbeigesehnt….Sehr gelungen….Danke und greetz
    Peter

  2. Barschfänger2008
    Barschfänger2008 24 Oktober, 2008, 12:03

    Sehr toller ausführlicher Bericht 😀

    Dazu die Fotos sind einfach klasse…
    Jetzt wo du das schreibst wollen hier wohl einige auch mal nach KUBA 8)

    TIGHT LINES

    Daniel

  3. dietel
    dietel 24 Oktober, 2008, 12:06

    auch wenn das revier für den einen oder anderen ein bisschen weit weg ist – es ist immer toll bilder und geschichten aus anderen angelwelten bestaunen zu dürfen.

    mich selber wirds nächstes jahr auch ein paar mal in die ferne ziehen. ich hofe, dass ich auch an ein paar ähnliche schöne motive komme.

    klasse, andreas und besten dank!

  4. chris85
    chris85 26 Oktober, 2008, 23:05

    Ich war auch schon dort und würde im zeitraum ende dezember bis anfang februar wieder hin wollen.
    hast jemand lust mitzukommen?

  5. basscaster2009
    basscaster2009 7 Januar, 2009, 21:41

    mir gefällt am meisten der tarpon un die großen baracudas 😀 nice

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