Interview mit Dirk Brichzi, HOOK-Magazin

Das Angebot an regelmäßigen deutschsprachigen Angelmagazinen ist – leider – gut überschaubar: Es gibt eigentlich nur drei Publikationen, diese richten sich an die gesamte Zielgruppe Sportfischer. Die beiden Marktführer sind schon seit Jahrzehnten auf dem Markt, decken praktisch alle Bereiche des Angelns ab – vom Ansitzen bis zum Fliegen- und Spinnfischen und haben dementsprechend auch mit Abstand die höchsten Auflagen. Hinzu kommen noch einige wenige Veröffentlichungen, die mit einer Spezialisierung auf bestimmte Zielfische oder Angeltechniken mehr oder weniger große Nischenbereiche bedienen. Seit einigen Jahren benutzen alle diese Publikationen in der Regel auch verschiedene Online- und Videoformate, um eine zusätzliche Bindung ihrer Leserschaft zu schaffen.

Seit kurzem gibt es nun ein neues Online-Magazin aus Hamburg mit ihrer Erstausgabe im Netz: HOOK. Es ist unübersehbar, dass die Macher von HOOK einiges anders machen wollen als die etablierten Fach- und die meisten Online-Publikationen. Das Layout und die Bildsprache fallen sofort ins Auge; auch inhaltlich bewegen sich die Artikel meist außerhalb der von Angelmagazinen üblicherweise betretenen Pfade. Ich möchte Genaueres erfahren und hören, ob mein erster wohl Eindruck stimmt. Mal sehen, was – auch wer – hinter dem Projekt HOOK steckt. Dirk Brichzi, der Chefredakteur, stellt sich meinen Fragen und plaudert hoffentlich ein wenig aus dem Nähkästchen.

Warum muss es jetzt mit HOOK ein weiteres Magazin für Angler geben? Gibt es nicht schon genug Publikationen für uns Sportfischer?

Ganz klar: nein, gibt es nicht. Der wunderbare und leider schon verstorbene Alexander Spoerl schreibt in „Das neue Angelbuch“: „Fischen ist kein Hobby. Es soll eine Leidenschaft sein!“ Wir von HOOK hätten es nicht besser sagen können. Deshalb wollten wir ein Magazin machen, das eine neue Sichtweise aufs Angeln bietet, es aus der piefigen Würmerbader-Nische hervorholt und zeigt, was es wirklich ist: kein heimliches Hobby irgendwelcher hinterwäldlerischer Freaks. Sondern Leidenschaft. Spannung. Entspannung. Ruhe. Erleben. Bewusstsein. Faszination. Eben weit mehr als Fische fangen. Und das für Millionen von Menschen. Ich sage, Angeln ist cool. Die Zeiten, in denen man seinen liebsten Zeitvertreib in Gesprächen so lange wie möglich für sich behielt, sind jedenfalls vorbei. Und das sollten wir auch offensiv angehen. HOOK ist das moderne Magazin dafür. Mit packenden Texten, starker Bildsprache und klarem Layout.

Mit anderen Worten: Das bieten bisherige Publikationen nicht?

Wenn sie das bieten würden, wären wir nicht auf die HOOK-Idee gekommen. „Fisch&Fang“ und die anderen Publikationen haben auch alle ihre Berechtigung, wenn man wissen will, wie man wo und wann und womit den größten Fisch fängt. Es gibt aber auch genug Angler, die anders denken und bei denen mehr das Essentielle, das Ursprüngliche unserer aller Leidenschaft im Mittelpunkt steht. Es geht sowohl bei HOOK als auch bei den anderen um Angeln, aber wir bieten eine völlig neue Sichtweise. Viele dachten ja auch immer, Fußballberichterstattung hört bei Kicker und Sportbild auf – bis 11 Freunde kam.

Wie sieht die Zielgruppe aus, die HOOK ansprechen will?

Da wir ein Online-Magazin sind, sollte unsere Zielgruppe schon einen Internetanschluss besitzen. Zur Not einfach mal beim Kumpel vorbeischauen, der einen hat … Aber im Ernst: Jeder, für den Angeln weit mehr ist als Fische fangen, wird Spaß an der Lektüre von HOOK haben. Das können und wollen wir jetzt nicht alterstechnisch oder gar gehaltstechnisch („Unsere Leser haben ein überdurchschnittlich hohes Einkommen“) eingrenzen.

Wer sind die Leute hinter den Kulissen, die Macher von HOOK? Alles begeisterte Angler?

Ja, alles begeisterte Angler und zudem auch noch Profis in ihrem Hauptjob, ob jetzt Journalisten, Fotografen oder Layouter. Allerdings wollen wir auch ab und zu einen Blick von draußen im Magazin haben, deshalb sollen Leute für uns schreiben und fotografieren, die keine Angler sind. So schwingt zum Beispiel der „Fishing with John“-Autor Andreas Lampert eher den Golfschläger als die Angelrute. Solange es im Artikel am Ende ums Angeln geht, kann uns das nur recht sein.

Und umgekehrt, von drinnen nach draußen? Wird ein feuilletonistischer Artikel über Sprengringzangen von einem Vollblutangler nicht doch eher mit einem Schulterzucken kommentiert werden? Ist ein solcher Artikel nicht vielmehr als ‚Angel-Kuriosität’ an den interessierten aber nichtangelnden Leser gerichtet? Anders gefragt: Reicht einem ‚richtigen Angler’ diese Mischung aus Feuilleton und Imagestrecken? Soll er halt wieder ergänzend eines der etablierten Magazine kaufen, wenn’s um konkrete Technikfragen geht?

Ich glaube nicht, dass wir nur aus Feuilleton und Fotostrecken bestehen, dazu muss man sich nur mal die Hechtgeschichte oder die Neuseeland-Story in unserer ersten Ausgabe anschauen. Aber ein paar Nichtangler, die sich dank unseres Magazins plötzlich fürs Angeln interessieren, können ja auch nicht schaden. Und zur letzten Frage: Braucht ein Vollblutangler wirklich die etablierten Magazine, wenn es ihm um konkrete Technikfragen geht? Oder schaut er sich in diesem Fall nicht lieber auf Seiten wie Barsch-Alarm um?

An der ersten Ausgabe von HOOK fällt unter anderem auf, dass es keine Anzeigen und keine redaktionelle Werbung gibt. Das Online-Format ist kostenlos abzurufen – wie wollt ihr HOOK auf Dauer finanzieren? Schließlich müssen Büroräume, der Webspace, die Artikel- und Bildhonorare, Layouter, Programmierer und einiges mehr bezahlt werden. Und zumindest einen Beitrag zum Lebensunterhalt wollen die Herausgeber ja dann doch auch erzielen …

Es mag sich etwas idealistisch anhören, aber zum Anfang war die Idee, dann haben wir uns gesagt: „Das machen wir jetzt einfach“. Geld war da nie ein Thema. Jedenfalls wird HOOK bestimmt nicht zur Werbebroschüre verkommen oder irgendwann plötzlich fünf Euro pro Ausgabe kosten. Wir prüfen derzeit einige Modelle der Finanzierung, können dazu aber noch nichts sagen.

Du hast einige Zeit bei dem Fußball-Printmagazin 11Freunde als Redakteur gearbeitet. Du hast also schon Erfahrung mit Printmagazinen. Warum gibt es HOOK nicht als Printausgabe? Oder kommt das vielleicht noch? Denn so schön und zeitgemäß ein Online-Magazin sein kann, stimme ich mit vielen meiner Angelfreunde überein: ‚Denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen’ – nicht zuletzt auch als Erholung vom Monitor.

Man mag es kaum glauben, aber auch die 11Freunde standen trotz ihres tollen Konzeptes vor ein paar Jahren kurz vor dem Aus. Wir wollten uns klar von den anderen Magazinen absetzen, die Kosten gering halten und vor allem auch soviel Unabhängigkeit wie möglich wahren. Deshalb gibt es HOOK nur online. Eine Printausgabe ist derzeit nicht geplant.

Wenn HOOK ausschließlich als Online-Angebot bestehen soll, vermute ich, dass ihr weitere Online-Möglichkeiten ausschöpfen werdet. Einen Blog habt ihr mittlerweile auch eingerichtet, worauf können wir uns noch freuen? Wie häufig soll HOOK in Zukunft erscheinen?

Das Magazin wird alle sechs Wochen erscheinen, wer sich die Termine nicht merken kann, sollte sich einfach in den Newsletter eintragen … Auf jeden Fall werden wir in Zukunft vermehrt auf onlinespezifische Inhalte setzen, der Blog ist da nur der Anfang ¬und steckt auch noch in den Kinderschuhen. Ich will da auch noch nicht zu viel verraten. Aber wir haben noch viel vor und packen eins nach dem anderen an!

In der Ausgabe 1 erbittet Ihr von den Lesern Einsendungen von Manuskripten und Bildern. Nicht zuletzt vermute ich hier Konzessionen an die Finanzierbarkeit von HOOK, die Eigenfinanzierung hattest du ja schon angedeutet. Welches Gewichtung zwischen Leser-Artikeln und eigenen Artikeln strebt ihr an?
Wie sollten Texte und Bilder sein: Worüber würdet ihr euch freuen, was wollt ihr gar nicht?

Ursprünglich stand hinter der Bitte um Texte und Bilder auch die Faszination des Friedfischangelns aufzuzeigen, denn wir sind zwar vielseitig interessiert, aber doch eher in der Spinnangler-Abteilung zu Hause, ebenso wie die meisten unserer festen Schreiber. Das Thema „Finanzierung“ ist in diesem Zusammenhang keins. Wir freuen uns sehr über Beiträge, die etwas „neben der Spur“ sind, eine andere, bewusstere Sichtweise haben oder einfach kurios und unterhaltsam sind. Dasselbe gilt für die Bilder. Mann mit Fisch im Arm, Rod Pods vorzeigen oder die Größe des Fisches – das ist nicht unser Anliegen. Wir möchten mit hochwertigen Bildern und Berichten Visionen erwecken und dem Leser das ursprünglich Faszinierende sowie die Leidenschaft beim Angeln vermitteln.

Was ’n Zufall: HOOK-Nummer 2 erscheint zeitnah mit diesem kleinen Interview. Die BA-Crew ist schon sehr gespannt – viele BA-User sicherlich auch. Euch jedenfalls weiterhin viel Elan und Erfolg bei weiteren Ausgaben – und danke für das Gespräch. Hier geht’s zur nächsten Ausgabe: http://www.hook-magazin.de

7 Kommentare

  1. Sehr interessantes Interview zu einem ebenfalls sehr interessanten Magazin. Auf jeden Fall eine Bereicherung der Medienlandschaft!

  2. hallo dirk,

    ich find euer magazin vom layout und den fotos her richtig stark – womöglich mit das schönste, was uns anglern angeboten wird. mit den texten hab ich mich jetzt noch nicht so intensiv auseinander gesetzt, so dass ich zu den inhalten noch gar keine richtige meinung habe. aber schon allein der aufmachung halber seid ihr – wie wolf schon schrieb – wirklich eine bereicherung der angelmedienlandschaft.

    dass die angelmagazine nun überflüssig geworden sind, weil es online-portale gibt, auf denen man sich umfassender und vor allem spezifischer informieren kann, glaube ich gar nicht mal so. so ein magazin zum indiehandnehmen hat auch was. und eigentlich findet man ja auch als spezialist in fast jeder ausgabe was, was einem nen denkanstoß gibt.

    ich wünsche euch jedenfalls viel erfolg auch beim finanzieren des projekts. schätze, dass es nicht so einfach werden wird, werbekunden aus der angelgeräteindustrie zu gewinnen. bin gespannt, wie ihr das löst…

  3. Schöne Sache! Macht auf jeden Fall was her das Magazin. Insbesondere die Fotostrecke vom Angeln auf Gotland find ich gelungen.

    @ Dirk: Du bist nicht zufällig Degenfechter und bist mal auf Tunieren in Westfalen/Rheinland gestartet oder? Könnte schwören Dich schonmal auf einem Turnier getroffen zu haben! Ich glaub die Welt ist klein 😀

  4. @Setjuk: Das mit dem Degenfechten ist schon gut möglich. Ist ja neben Angeln eine der tollsten Dinge, die man so im Leben machen kann. Wenn Du jetzt allerdings behauptest, Du hättest mich damals öfter geschlagen, dann muss das doch ein anderer Dirk gewesen sein… 8)

  5. Ich wusste es! So klein ist die Welt.
    Leider muss ich sagen, es ist sogar noch schlimmer. Das Internet vergisst ja nichts. Du hast mich in Mühlheim mal in der Vorrunde geärgert. Doch dann hab ich Dich im K.O. vernichtet 😈
    Bist Du denn noch aktiv? Einmal Fechter immer Fechter, oder? Wie beim Angeln 😀

    Auf jeden Fall finde ich Euer Magazin echt gelungen. Habe jetzt beide Ausgaben durch und freue mich schon auf die nächste!

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