Grünes Licht für Renaturierung der Havel!

Mit dem Start des größten europäischen Fluss-Renaturierungsprojekt bringt der NABU wieder Leben in die Havel. Das jahrzehntelange Engagement des NABU darf nun Früchte tragen: die Untere Havel wird renaturiert. Projektträger dieses größten europäischen Flussrenaturierungsprojekts sind der NABU und die Länder Brandenburg und Sachsen-Anhalt, die sich vorgenommen haben, die Gebiete an der Unteren Havel in den kommenden 13 Jahren naturnah gestalten und damit die Region ökologisch aufzuwerten.

Das Projekt darf als enorm wichtiger Schritt für mehr Arten- und Hochwasserschutz angesehen werden. Unser derzeitiger Bundesumweltminister Jürgen Trittin am letzten Freitag in Garz (Sachsen-Anhalt) einen Fördermittelbescheid über insgesamt 25 Millionen Euro (!!!) übergeben.

  
Die Untere Havelniederung ist nicht nur ein enorm wichtiger Teil des Naturparks Westhavelland und des Biospärenreservats „Flusslandschaft Elbe“. Sie ist auch das größte und bedeutsamste Feuchtgebiet im Binnenland Mitteleuropas.

Was aber war da schief gelaufen? Natürlich hatten wir Menschen unsere Finger im Spiel. Und zwar hatte die Havel durch Flussausbaumaßnahmen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bedeutende ökologische Schäden erleiden müssen, so dass heute zahlreiche schützenswerte Arten vom Aussterben bedroht sind. Der NABU will das Rad der Zeit nun wieder zurückdrehen und Tieren und Pflanzen die der Havel verloren gegangene Naturräume zurückgeben.

  
NABU-Präsident Olaf Tschimpke: „Außerdem werden wir mit diesem Vorhaben zeigen, wie ein gut funktionieren ökologischer Hochwasserschutz aussehen kann.“ Hintergrund: Die Havelniederung ist Hochwasserschutzraum für die Elbe. Die Wiederherstellung der natürlichen Strukturen hat zur Folge, dass der Havelschlauch als Hochwasserabflussgebiet fungieren kann. Die ökologischen Folgen einer gezielten Scheitelkappung von Elbe-Hochwässern in die Havelniederung hinein – wie im Sommer 2002 – kann somit wenigstens teilweise kompensiert werden, was die Regeneration nach einem eventuellen Hochwasser beschleunigt.

Das Ganze ist ein wirklich ehrgeiziges Projekt! Denn bei dem Gebiet handelt es sich um eine Fläche von insgesamt 18.700 Hektar. Konkrete Maßnahmen sind zum Beispiel die Entfernung von Steinschüttungen entlang der Ufer auf einer Länge von 100 Kilometern. Dazu sollen 30 Altarme wieder and den Fluss angeschlossen werden. Außerdem sollen drei zusätzliche Fischaufstiege installiert werden. Dabei wird sich Niedrigwasserbett der Havel um bis zu elf Kilometer verlängern. Desweiteren ist man um eine Förderung des Strukturreichtums bemüht. So werden umgefallene Bäume künftig außerhalb der Fahrrinne im Fluss bleiben. Tiefere Stellen im Flussbett bleiben als Rückzugsraum für Fische erhalten. Außerdem werden Sandbänke angelegt, die seltenen Arten wie dem Flussregenpfeifer & Co als Brutplätze dienen werden.

Die 1996 zwischen NABU, BUND, WWF, Euronatur und dem Bundesverkehrsminister vereinbarte Elbe-Erklärung ist die Grundlage für die „Wiederbelebung der Havel“. Hier wurde die Herauslösung der unteren Havel aus dem Netz der Bundeswasserstraßen und die Unterstützung von Renaturierungsmaßnahmen beschlossen.

Zwei Drittel der Projektkosten kommen aus Bundesmitteln. Das Land Brandenburg, in dem der größere Teil des Renaturierungsgebiets liegt, beteiligt sich mit elf Prozent, NABU und Sachsen-Anhalt jeweils mit sieben Prozent an der Finanzierung. Plan ist, das Projekt bis 2018 abgeschlossen zu haben.

Wir wünschen dabei viel Erfolg und freuen uns auf die neuen Lebensräume für die gefiederten, geschuppten und vierbeinigen Anrainer!

Kategorien: News

Kommentare

  1. Meridian
    Meridian 13 September, 2005, 10:14

    Wenn das nicht gute Meldungen sind …. !!!!
    Spitzenmässig !!! Da kommt Freude auf ! 😉 😛 😉

  2. CatchAndReleaseIt
    CatchAndReleaseIt 13 September, 2005, 10:26

    Wer hätte das gedacht, daß die derzeitige Politik bei solchen Projekten beschlussfähig ist??
    😀
    Bin schon auf die Umsetzung gespannt …

  3. Thomsen
    Thomsen 13 September, 2005, 10:34

    Feinerle…das ist ja wie im Märchen. Da frohlockt das Biologen-Herz.

    Thomas

  4. Firefreckle
    Firefreckle 13 September, 2005, 11:02

    Wow! 😯 Ich musste mich erstmal zwicken damit ich mir sicher war das ich nicht Träume….SUPERSACHE! 😛 Daumen hoch! 😀 Die Begradigung der Flüsse hat überall so einen imensen Schaden im Ökosystem angerichtet das ich mich sehr darüber freue das mal ein paar Leute wieder wach geworden sind!

  5. tfischer
    tfischer 13 September, 2005, 16:53

    Klingt gut, aber was wird nach dem Wahltag davon noch übrigbleiben ?
    Denn momentan sehen die Kernkraftwerksbetreiber wieder rosigen Zeiten entgegen, natürlich nur wenn ROT/GRÜN scheitert.
    Es laufen momentan wieder Planungen für drei (3 !) neue Reaktoren.
    Die neuen Bundesminister werden ganz sicher Ihre eigenen Vorstellungen für die Zukunft haben und die Entscheidungen der letzten Tage auf Eis legen.

    Entschuldigung, aber das lehrte mich die Vergangenheit. 😥

  6. Thomsen
    Thomsen 13 September, 2005, 20:39

    Die Entscheidung wie Umsetzung beruht auf der verbindlichen EU-Wasserrahmenrichtlinie…ein Nicht-Umsetzen können sich auch eventuelle Neu-Koalitionäre noch ungewisser Couleur nicht leisten.

    Daher herrscht weiterhin (Vor)Freude….

    Thomas

  7. andi72
    andi72 13 September, 2005, 22:13

    schön so ,endlich haben es auch unsere polit-penner begriffen, nur stellt sich mir die frage ob sich dann nich wieder ein wichtiger grund findet die anglerschaft aus der neugewonnenen naturlandschaft verbannen zu müssen,naturschutz geht ja schliesslich vor ….

  8. Firefreckle
    Firefreckle 14 September, 2005, 08:13

    Das ist ja alles richtig nur hat es nicht wirklich viel mit dem zu tun was jetzt erst einmal erreicht wurde! Es ist ein Anfang und ich bin, obwohl ich nicht in der Havel angel, sehr glücklich darüber. Auch wenn es nur ein kleiner Lichtblick ist aber es ist einer!
    Und in Bezug auf die AKW, bin ich mir noch nicht so sicher denn ich glaube fast das gegen einen sicheren Meiler mit strengen Regeln nichts einzuwenden ist…wir sind ja schließlich nicht in Russland oder im Irak. Ich habe mal gelesen, das durch die Windkraftanlagen die überall stehen das Gegenteil von sauberer Energie und Umweltschutz erreicht wird denn durch die ständigen Schwankungen im Netz (da die Windanlagen nicht konstant einspeisen) sollen die Kohlekraftwerke ständig hoch und runter gefahren werden müssen, was den Emissionsausstoß erheblich erhöhen soll 😕

Nur registrierte Benutzer können ein Kommentar verfassen.