Die Deetzer Erdelöcher

Die Deetzer Erdelöcher

In den Götzer Bergen, 60 km westlich von Berlin, hoben bis zum Kriegsende fleißige Arbeiter viele Gruben aus, um Tonerde zu gewinnen. Irgendwann in den 80er Jahren wurden einige dieser Erdelöcher dann miteinender verbunden, mit dem Wasser der vorbeifließenden Havel geflutet und zur Fischproduktion umfunktioniert. Heute findet man in den vom DAV gepflegten Gewässern ein weitläufiges Eldorado für Fische und Angler.


Als ich das erste Mal in die Götzer Berge fuhr, war gerade Schonzeit und die wollte ich nutzen, um neue Jagdgründe zu erschließen: ein Netz aus unzähligen großen und kleinen ehemaligen Abbaugruben, die durch die Bank miteinander verbunden sind. Allesamt umgeben von Wald, der den Zugang und das Angeln teilweise recht schwierig gestaltet. Noch bevor ich am ersten Loch ankam war ich von der Natur hier draußen überwältigt. Laubbäume säumen dichtgedrängt den Weg. Die Stille wird nur von Vogelgezwitscher und dem Rauschen der Blätter im Wind unterbrochen. Kleine Holzbrücken führen dann in ein Labyrinth aus schmalen Pfaden, kleineren Seen mit breiten Schilfgürteln, mittleren Teichen mit kleinen Inseln und kleinen Pfützen, in denen sich umgefallene Bäume stapeln. Über ca. 51 ha erstreckt sich dieses Idyll. Auf meinem Rundgang konnte ich in direkter Ufernähe mehrfach schöne Hechte beobachten, die im Holz dem Laichgeschäft nachgingen und, durch meinen Schatten aufgeschreckt, mit ein zwei Schwanzschlägen die Flucht ergriffen. Das macht natürlich heiß. Und so beschloss ich, hier öfter mal an den Start zu gehen, um die Hechte und Barsche mit Kunstködern zu ärgern.

Hindernisliebende Hechte


Im Juni letzten Jahres war es dann soweit. Mit den Kollegen Georg (gb), Christian (godfather) und Tobi (topske), die sich als Berliner dem ortsansässigen Angelverein AV Deetz e.V. (170 Mitglieder) angeschlossen hatten, ging es auf die Hechtpirsch. Mit leichtem Gepäck und einer kurzen Spinnrute wollten Georg und ich das Areal nach Räubern absuchen, während es die beiden anderen mit dem Köfi an der Pose vor den Seerosenbetten versuchten. Dazu wateten Christian und Tobi erst mal durchs Flachwasser und begaben sich auf eine kleine Insel, von der aus man gleich mehrere fängige Plätze anwerfen kann. Das ist hier in diesem Gewirr aus umgestürzten und fleißig Äste treibenden Bäumen, dichten Sträuchern und Schilfhalmen gar nicht so selbstverständlich. Im Gegenteil. Das sollten Georgs und meine Köderbox noch erfahren. Denn wir hatten viele Hänger – teils in überhängenden Ästen, teils im Wurzelwerk am Gewässergrund und auch so mancher im Wasser liegende Baumstamm breitete sein Astwerk unter Wasser weiter aus, als wir das annahmen. Weil wir an diesen Plätzen aber die Räuber ihrem Handwerk nachgehen sahen, pfiffen wir auf den Materialverlust und warfen weiter fleißig mit Spinnern und Wobblern um uns. Aber mehr als ein Grashecht und ein paar Attacken sollten an diesem Tag nicht zustande kommen. Und auch bei Tobi und Christian lief es diesmal nicht so toll. Doch das war eine absolute Ausnahme.


Gerade die Köderfischfraktion ließ im letzten Jahr mit einer Menge guter Hechte aufhorchen. Allen voran Tobi, der zum einen den größten Hecht des letzte Jahres aus einem der Löcher beförderte, zum anderen seit letztem September auch noch ein Erlebnis der besonderen Art schildern kann: mit der Segelpose ließ er einen toten Köfi an die Kante eines Seerosenfeldes treiben. Noch während er die andere Rute fertig machte, muss ein Hecht den Köder genommen haben. Jedenfalls war die Pose nicht mehr zu sehen, als Tobis Augen sie einzufangen suchten. Anhieb. Kurz bemerkte Tobi das Schlagen eines Fisches. Dann ging nix mehr. Die Schnur wies mitten in die Seerosen. Da es relativ warm war, entschloss sich Tobi zu einem Kampftauchereinsatz. In Boxershorts machte sich auf den Weg zum Fisch und schnitt ihn aus dem Hindernis. Das Messer im Mund, den 65er Hecht in der Hand, die Pose hinter sich herschleppend, schwamm er zurück ans Ufer. Dort wartete sein Bruder, der die ganze Sache mit seiner Kamera festhielt. Dass die größeren Hechte aber auch Kunstköder nicht verachten, bewies Georg beim „Hegeangeln Raubfisch“, wo er sich mit dem größten Fisch des Tages (75 cm) den Pokal sicherte. Köder war ein großer Blinker. Den Deetzrekord der Angelfreunde hält allerdings Christian, der beim Anangeln im Mai 2003 einen glatten Meter verhaften konnte (Foto).



Tollkühne Barsche, geheimnisvolle Zander


Oft sieht man mitten in den Gewässern die Kleinfische panikartig auseinander spritzen. Das sind dann nicht die Hechte, die sich lieber in irgendwelche Einstände zurückziehen und von hier auf ihre Beute lauern, sondern schöne Barsche, die über den Krautfeldern ihr Unwesen treiben und sich an der Wasseroberfläche oder in den flachen Buchten eine Mahlzeit zusammenklauben. Um die Räuber in Entfernungen von mehr als 50 m anwerfen zu können, braucht man Bleikopfspinner oder Sbirolinos (am mindestens 1 m langen Vorfach hängt ein kleiner Spinner, Wobbler, Streamer oder einfach ein Wurm). Von einem hindernisfreien Platz kann man so das Gewässer flächendeckend abfischen und die Hotspots erreichen, an denen das Wasser kurzzeitig aufzukochen scheint.



Die wirklich großen Stachelritter gehen allerdings lieber auf die für die Hechte bestimmten Köfis. Die Kollegen Tobi, Georg und Christian haben die Erfahrung gemacht, dass ein 30er Deetzer-Barsch kein Problem dabei hat, sich an eine knapp handlange Plötze heranzuwagen. Im Winter, wenn das Eis dick genug ist, lohnt sich ein Versuch mit der Eisangel und kleinen Pilkern, Balance-Jigs oder Twistern immer. Und wenn man Glück hat, bekommt man mit Thomas, dem Eisangel-Experten vor Ort, einen wahren Profi zu Gesicht, der sich seine Löcher in Fischnähe mit einem benzinbetriebenen Eisbohrer bohrt. Aber Vorsicht: der Mann gilt als waghalsiger Kamikazeangler, der sich sehr früh aufs Eis wagt. Wenn man ihn fast nackt auf dem Teich stehen sieht, heißt das, dass er gerade experimentiert und testet, ob das Eis schon trägt.


Schwieriger gestaltet sich die Zanderangelei. Die Fische findet man nur in wenigen Löchern, die erst einmal gefunden werden wollen. Und das fällt bei der Auswahl an einzelnen Gruben nicht unbedingt einfach. Deshalb sind die Kammschupper den wenigen Experten vorbehalten, die sich in jahrelanger Pionierarbeit an den Fisch herangearbeitet haben und ihn gezielt befischen. Zu denen zählen leider nicht mal meine Freunde aus dem Deetzer Angelverein. Für Tagesausflügler stehen die Chancen also nicht besonders gut, einen Zander dingfest zu machen. Dabei werden jedes Jahr welche eingesetzt. Und weil so wenige gefangen werden, müsste sich der Bestand eigentlich ganz gut entwickelt haben. 



Schleichende Aale


Auch der Aalfang ist für Neuankömmlinge richtig kniffelig. Feuert man nachts seine Würmer und Köfis in die Mitte von einem der Löcher, wird man in den allerseltensten Fällen einen Biss bekommen. Viel heißer ist da der unmittelbare Uferbereich. Denn gegen 23 Uhr schleichen sich die Unterwasserschlangen ans Ufer, um das Wurzelwerk und all die anderen Unterwasserhindernisse nach Kleinfisch, Schnecken, Würmern und sonstigem Getier abzugrasen. Nur wer hier seine Köder (Tauwürmer, Fischfetzen oder kleine Köderfische) anbietet, darf sich auf den ein oder anderen Run freuen. So richtig abziehen wollen die Aale dann allerdings auch nur selten. Oft nuckeln sie eine Ewigkeit am Köder herum, um ihn dann letztendlich liegen zu lassen. Besonders, wenn man den Happen an einer Leuchtpose anbietet, werden die Aale misstrauisch. Besser funktioniert das Angeln an freier Leine direkt unter der Rutenspitze. Dazu knüpft man den Haken direkt an die Hauptschnur, schlenzt den Köder 1 m hinaus und legt die Rute auf einem elektronischen Bissanzeiger ab. Die Aale nehmen das Angebot so beherzter an und fangen nach dem Zupacken an zu laufen. Den Anhieb setzt man, wenn der Fisch den Köder richtig im Maul hat (unmittelbar nachdem der kurz unterbrochene Run weitergeht). Die Fische, die in einiger Entfernung am Ufer entlang patrouillieren, passt man am erfolgreichsten mit der Grundrute ab, bei der ein leichtes Blei am Runnig-Boom sitzt, so dass die vorsichtigen Deetzer Aale keinen Widerstand spüren. Als Bissanzeiger kommen auch hier am besten elektronische Pieper zum Einsatz. 



Immer für eine Überraschung gut


Beim Aalangeln mit dem kleinen Köderfisch ging meiner Berliner Deetz-Connection auch einmal ein kleiner Waller an den Haken. Ein Indiz dafür, dass man hier mit allem rechnen muss. Und wo sich die Welse wohl fühlen, sind auch die Karpfen und Schleien meist nicht weit. Tatsächlich sieht man häufig kleine „Wohnanlagen“, bestehend aus Zelt, Grill und sonstigem Gerödel. Hier haben sich dann die Karpfenspezis eingenistet und versuchen, einen der dicken Graser (bei unserer ersten Expedition haben wir ein ca. 30-pfündiges Exemplar umherkreuzen sehen), Wildkarpfen  oder Spiegler zu überlisten. Allerdings gilt hier – wie überhaupt beim Angeln in den Deetzer Erdelöchern: lieber etwas gröber fischen. Denn die Schuppenträger finden fast überall im Wasser eine Möglichkeit, die Sehne aufzuscheuern und sich des unangenehmen Zugs zu entledigen.



Methoden

Spinnfischen vorwiegend auf Barsche und Hechte. Ansitzangeln auf Zander und Aal.

Gerät

Zum Spinnfischen auf Barsch: leichte Spinnrute (Wg. 5 – 30 g); kleine Stationärrolle mit 20er Mono.

Zum Spinnfischen auf Hecht: steife Spinnrute (Wg. 30 – 60 g); mittlere Stationärrolle mit 14er Geflochtener

Zum Ansitz auf Hecht, Zander und Aal: mittlere Grundrute (Wg. 30 – 60 g), mittlere Stationärrolle mit 30er Mono

Köder

Wegen des selbst im Sommer recht klaren Wassers kommen beim Spinnfischen eher Köder in gedeckten Farben zum Einsatz: schlanke Wobbler in Naturfarben auf Barsch und Hecht; dunkle Spinner mit Punkten oder Streifen für Barsche; Gummis im Naturdekor für Hecht und evtl. Zander


Extra-Tipps

1. Im Sommer wegen der vielen Stechmücken, die sich in der Sumpflandschaft sehr wohl fühlen und sich dementsprechend vermehren, unbedingt an Autan und langärmlige Sweatshirts denken.

2. Zum Spinnfischen am besten nur kurze Ruten verwenden, da man mit langen Ruten oft keine Chance hat, sich durchs Unterholz zu arbeiten bzw. kaum Stellen findet, an denen man problemlos auswerfen kann. Die wenigen freien Stellen sind zudem natürlich auch die beliebtesten Angelplätze. Und das dürften die Fische auch schon bemerkt haben.

3. Den Mitgliedern des AV Deetz e.V. gefällt es besser, wenn man sich dazu entschließt, Mitglied im Verein zu werden und aktiv etwas für das Gewässer zu tun, als wenn Berliner und andere „Außerirdische“ sich irgendeinem anderen DAV-Verein anschließen und dann nur nach Deetz kommen, um zu angeln und „Müll zu produzieren“ (O-Ton H. Habedank / Präsident).


Bestimmungen

Geangelt werden darf mit zwei Handangeln oder einer Flug- bzw. Spinnangel. An der Spinnangel sind bis zu drei Köder zulässig. Inhabern von Sonder-, Begleit- bzw. Jugendfischereischeinen ist nur der Gebrauch von zwei Friedfischangeln oder einer Flugangel gestattet. Fischarten, für die Schonzeiten bestehen, dürfen während dieser Zeit nicht  gefangen und bestimmte, zu ihrem Fang gebräuchliche Geräte nicht  verwendet werden. Sollten Exemplare der geschonten Arten bei der Ausübung erlaubter Angelmethoden oder beim Fang von Köderfischen mitgefangen werden, so sind sie schonend wieder zurückzusetzen. Pro Tag dürfen gefangen werden: insgesamt 5 Aale und 3 Stück Feinfisch gesamt – in dieser Menge jedoch nur 3 Hechte, Zander, Welse, Regenbogenforellen oder Karpfen, 2 Rapfen, 1 Bachforelle, Seeforelle oder Äsche (wobei letztere in den Erdelöchern wohl kaum zu fangen sind). 


Erlaubnis

Tageskarte: 7 Euro

Jahreskarte: 45 Euro (zzgl. 15 Euro Vereinsbeitrag für den AV Deetz e.V. oder einen anderen DAV-Verein)



Ausgabestellen

Fisherman’s Friend – Invalidenstr. 15 – 10115 Berlin – Tel. 030 / 449 12 43

Deutscher Anglerverband (DAV) Landesverband Berlin e.V. – Hausburgstr. 13 – 10249 Berlin – Tel. 030 / 427 17 28

Angelhaus Koss – Tegelerstr. 36-37 – Berlin-Wedding – Tel.: 030 / 454 21 35


Weitere Infos

Deutscher Anglerverband (DAV) Landesverband Berlin e.V. – Hausburgstr. 13 – 10249 Berlin – Tel. 030 / 427 17 28


Erschienen in:



Kategorien: Gewässer-Tipps

Kommentare

  1. derAngler
    derAngler 27 Oktober, 2003, 21:24

    Die Löcher sind wirklich zu empfehlen.
    Aber Achtung,man kann sich dort auch verlaufen.lol

  2. dietel
    dietel 28 Oktober, 2003, 09:14

    ist schon so eine art labyrinth

  3. derAngler
    derAngler 4 November, 2003, 21:17

    Ich habe gehört,das dieser Verein letzten Samstag ein Raubfischangeln durchgeführt hat.
    Es soll recht ordendlich gefangen worden sein aber auch sehr viele kleine Hechte.
    Petri

  4. Pitti
    Pitti 5 Dezember, 2003, 11:45

    Na da Hilft ein GPS!Gruß Pitti

  5. Havelschreck
    Havelschreck 12 Januar, 2008, 21:00

    Sehr treffende Reportage!Ich mache jedes Jahr mehramals in der Anglersiedlung direkt am deetzer Yachthafen Urlaub.Von den älteren Petrijüngern,die größten Teils auch im ASV Deetz sind habe ich schon einiges über die Erdelöcher erzählt bekommen,zumal die Tante meiner Frau dort einmal Vereinsvorsitzende gewesen ist.Meine Frau,mein Sohn Michi und ich beangeln in diesem Bereich die Havel und das sowohl vom Boot und vom Ufer aus.Jedes Jahr scheint dieser Fluß neue anglerische Überraschungen parat zu haben und das macht die ganze Sache um so reizvoller.Mal sind es Aale,dann Barsche und Welse,die das Rutenfieber perfekt machen.

  6. Havelschreck
    Havelschreck 19 Januar, 2008, 20:43

    Fehlt noch ne Wegbeschreibung:Aus Richtung Magdeburg kommend,Ausfahrt 80/Lehnin/Großkreutz;links Richtung Großkreutz,weiter nach Großkreutz bis auf B1,dann rechts und im 2.Kreisel Richtung Deetz. Am Ortseingang links abbiegen, am Sportplatz(rechte Seite) vorbei und an der großen Kreuzung rechts.An der Gabelung links und links in den Weg zur Ziegelei abbiegen.Straße bis zum Ende durchfahren und ab da kann es logehen 😀

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