Caspe im März 2009 – Angeln kann doch sooooo schön sein…

„Wie machen wir’s? Wie machen wir’s? Wie machen wir’s denn nur???“ Wochenlang lag mir David mit dieser Frage in den Ohren. Es ging ihm um eine Überlebensstrategie für diesen harten Winter, einen die Gedanken wärmenden Sonnenstrahl. Denn bei aller Liebe zum Eisangeln. Irgendwann hat auch ein David mal wieder Bock zu schmeißen – am besten im T-Shirt auf Barsche und Zander, vielleicht noch Schwarzbarsche. Und irgendwann im Februar war ich dann auch soweit: „Dann lass halt nach Spanien fliegen, in Gottes Namen. Da kann’s im März doch schon richtig schön sein.“

Also den Wetterdienst aufgerufen und die Langzeitprognose angeschaut. Beste Aussichten für Caspe! Traumwetter den ganzen März. Temperaturen zwischen 12 und 20 Grad. Dazu blauer Himmel und ein paar Wolken. Wenige Stunden später waren die Flüge für den 2. März gebucht. Rückflug am 12. März. Satte neun Angeltage also. Einen geländegängigen Wagen konnte ich auch noch organisieren. Die Bleibe gab’s gleich dazu. Und obendrauf habe ich noch einen Termin mit Thomas Kunkel organisiert. Der Betreiber von Ebro-Carp bzw. der Spanish-Fishing-Lodge hatte uns bei einer vorangegangenen Exkursion schon mal angeboten, uns mal mit seinem Bassboat mitzunehmen. Das hatten wir verpasst und wollten es dringend nachholen. Ein paar Bellyboote, von denen wir hauptsächlich angeln wollten, würden wir uns auch bei ihm ausleihen können. Das Gerüst stand also. Ab jetzt verfolgten wir täglich die Wettervorhersage…

Erfahrene Teilnehmer eines Barsch-Alarm-Treffens oder einer von mir terminierten Gruppenreise spitzen jetzt sicher schon die Ohren. Denn normalerweise läuft es wettertechnisch nicht immer ganz so, wie sich das die Organisation vorstellt. Sollte es diesmal echt gut gehen? Nö. Sollte es nicht. Aber immerhin traf es auch uns nicht ganz unvorbereitet, dass sich die Bildchen auf wetter.com und den anderen Wetterfrosch-Plattformen im Internet ändern sollten. Plötzlich waren da Windbeutel zu sehen. Und graue Wolken aus denen Regentropen rieselten. Überflüssig zu erwähnen, dass die Temperaturen auch just am 1. März abstürzen sollten. Wir trösteten uns damit, dass diese Langzeitprognosen ja eh sinnlos sind. Und tatsächlich schwankte das dann alles noch ein bisschen hin und her. Doch als wir dann endlich los flogen, war definitiv klar: Erstmal wird’s nix mit dem Angeln im Sonnenschein. Stattdessen sollten uns orkanähnliche Winde und Temperaturen knapp über 5 Grad begrüßen.

Von den neun Angeltagen fielen erst mal fünf dem Wetter zum Opfer. In dieser Zeit fuhren wir jeden Tag von Caspe nach Mequinenza und besuchten dort den eingangs erwähnten Thomas. Weil die Saison noch nicht in vollem Gange war, hat er vorgeschlagen, uns mal ein bisschen was von der Umgebung zu zeigen, solange wir nicht angeln können. Denn neben den bekannten Stauseen Lake Caspe und dem darunter gelegenen Ebro-Stausee sowie den Flüssen Segre und Cinca, gibt’s da unten noch viele andere tolle Gewässer, in denen man vom Hecht über Wels, Zander und Schwarzbarsch bis zur Forelle so ziemlich jeden Fisch fangen kann, der einen Süßwasser-Spinnangler interessiert. Insofern war auch diese verlorene Angelzeit sehr aufschlussreich. Und es steht fest: Da muss man noch viel öfter hin, so viele schöne Tümpel, Stauseen, Bäche und Flüsse wie man da beangeln kann.

Auf unseren Erkundungstouren fanden David und ich dann auch ein standesgemäßes und bezugsfertiges Anwesen mit steinerner XXL-Terasse und Blick auf den See.

Die ersten drei Monate sollen angeblich sogar mitfrei sein!

Angefreundet haben wir uns auch mit Azziz (ehemals Karlsruhe), der in Mequinenza die neue Döner-Bude schmeißt – klar, dass man da als Berliner mal auf nen Kebab oder ne Falafel reinschauen muss.

Und eigentlich muss man auch in die Black Bass Bar. Aber die war leider zu, als wir an ihr vorbeikamen.

So richtig angeln ging’s dann zum ersten Mal auf dieser Reise am Samstag. Der Wind hatte sich ein bisschen gelegt, so dass wir darauf hoffen konnten in ein paar Buchten des Lake Caspe, ohne allzu große Schnurbögen loslegen zu dürfen. Während es Thomas mit toten Lauben an seinem „Dirty Harry“-System versuchen wollte, hatten David und ich ordentlich Gummi am Start.

Den ersten Zanderkontakt hatte ich. Gefangen haben dann allerdings nur die anderen. Das Duell Laube gegen Davids weißen T-Tail Minnow ging mit 6:5 an Thomas. Meine etwas größeren Kaliber wollten sie irgendwie nicht haben. Und wenn ich es mit kleineren Ködern versucht habe, dann hatten sie trotzdem David’s Gummi lieber.

Am Ende stand ich dann einigermaßen doof da als superschlauer Angelbuchautor ohne Fisch. Naja. Ich kenne das Gefühl, mal nix zu fangen, ja noch aus meiner Jugend 😀 Kann man schon mal verschmerzen…

Am Sonntag war’s dann wieder recht windig. Zu windig jedenfalls zum Bootsangeln. Also suchten wir einen der vielen Seen auf, die uns Thomas gezeigt hatte. Statt Fisch gab’s erstmal ein paar fette Hänger.

Nach einem Haufen Geklettere, Gewandere und Geschmeiße, einem satten Fehlbiss und einem Aussteiger war ich dann irgendwann doch ziemlich angefressen. Irgendwie wollte das hier alles ja so gar nicht anlaufen.

„Mann. Mann. Mann. Angeln kann doch so schön sein! Ob ich das jetzt bitte auch mal wieder am eignen Leib erfahren dürfte???!!!“ Wumms! Habt ihr gedacht… Na klar erfolgte auch nach diesem kleinen Versuch, Petrus per Telepathie auf mein Leid aufmerksam zu machen, kein sofortiger Biss. Der kam erst kurz später. Mit ziemlicher Vehemenz. Anhieb. Und??? Na klar. Fehlbiss. Ich ließ den Köder absinken, stieß einen dezenten Fluch aus, zog die freie Schnur auf die Rolle, hob die Rute an… Wumms. Da hing er. Diesmal in echt! Mein erster Zander dieses Urlaubs.

Der Bann war gebrochen. Das beeindruckte den Wind aber mal so gar nicht. Im Gegenteil. Anstatt den Einsatz zu huldigen und endlich abzuflauen, zwang er uns erneut zum Rückzug.

Wenn auch der Wind konstant am Blasen war, konnten wir über die Tage einen merklichen Temperaturanstieg registrieren. Und wie aus dem Nichts herrschten am Montag plötzlich Traumbedingungen: Windstille, Sonnenschein und in der Sonne mindestens gefühlte 25 Grad! Also rein in die Karre und ab nach Mequinenza, wo Thomas schon wieder auf uns wartete. Diesmal wollten wir zusammen den unteren Stausee anfischen. Zielfisch waren wieder Zander, weil die Schwarzbarsche noch zu tief und zu verstreut standen.

Bestens gelaunt starteten wir dann zum Zander durch. Auch nach dem dritten Ankerplatz ohne Fischkontakt blieb die Grundstimmung optimistisch. Zum ersten Mal T-Shirt-Wetter in diesem Jahr! Da konnten die Zander zicken, wie sie wollten. Nur Thomas hatte bald die Schnauze voll. Er bat uns, uns noch mal kurz die Jacken anzuziehen. Er hatte vor, den Hebel auf den Tisch zu legen und ca. 10 bis 15 km zu fahren – zu einer Stelle, an der es nicht so tief ist und sich die Fische nicht so leicht verstecken können. (Wir hatten am Lake Caspe Bisse in allen Wassertiefen.)

Also ab dafür, nach einer rasanten Fahrt den Anker gesetzt und schon fing David den ersten Fisch. Einen knapp 60 Zentimeter langen Zander. Wieder auf seinen weißen T-Tail. „Okay. Okay. Jetzt schraub’ ich mir halt auch so ne kleine Weißwurst drauf.“ Und schon waren die Zander weg. Zumindest hat keiner mehr gebissen. Weiter zum nächsten Spot. Soweit ich mich erinnere, hatte Thomas dann den ersten Biss auf seine Laube. Direkt unter dem Boot auf 4 m Wassertiefe. Der Fisch kam allerdings wieder ab. Und dann ist irgendwas da oben passiert. Hatte da etwa einer ein Einsehen? An meiner Angeltechnik hat es sicher nicht gelegen. Die hatte ich nicht groß umgestellt. Ist ja aber auch egal. Jedenfalls knallten mir in den nächsten drei Stunden die Zander derart wuchtig und auch noch häufig in die Rute, dass ich nach diesem ganzen Vorlauf von einem meiner schönsten Angeltage überhaupt sprechen kann. Nicht dass ich hier einen Riesen nach dem nächsten zeigen könnte. Aber auch Zander zwischen 50 und 70 Zentimetern schicken die lange vermissten Signale durch die Rute.

Wir haben nicht mitgezählt. Aber nach Davids Aufholjagd (am Anfang hab echt nur ich gefangen) kam die kleine Abordnung des Berkley Raubfisch-Team Germany zusammen sicher auf deutlich über 20 Fische, dazu noch ein paar Aussteiger und Fehlbisse. Und ganz viel davon auch noch gefilmt. Angeln kann eben doch sooooooooooooo schön sein!

Bleibt mir nur noch, mich bei Thomas für die Unterstützung und das Hammer-Guiding und evtl. dann auch mal bei diesem Petri da oben zu bedanken. Schön war’s gewesen. So kann ein einziger Angeltag einen ganzen Urlaub retten.

PS: Am nächsten Tag ging’s dann nochmal ganz kurz auf Kraxeltour. Dabei fing ich im Mittelwasser einer flachen Bucht noch einen Schwarzbarsch, der dann doch ein Zander war und David einen, der sich als Flussbarsch entpuppen sollte. Außerdem gab’s noch einen Abschlusshecht…

22 Kommentare

  1. ach jaaaa…..hmm…
    bisse beim spinnfischen..wie war das gleich nochmal?? 😆
    schon ne weile her..kann mich schemenhaft daran erinnern.
    blöder winter..

    natürlich wieder sehr fein in wort und bild festgehalten 😀
    der herr dietel weis eben, wie man einem spinnfischer das wasser in mund zusammen laufen lässt.

  2. Schicker bericht da kann man im kalten Berlin neidich werden ,
    aber noch 6 Wochen und ich hoffe da fangen wir auch wieder in unserer
    Landeshauptcity…..bis bald gruß pati 🙄

  3. Sehr schöner Bericht, da bekomm ich wieder fernweh.
    Ich war mal im Feburar in Mequinenza, für 7 Tage. 5 Tage Nebel, hohe Luftfeuchtigkeit und max 10C°+. Am letzten Tag dann sind wir dann an den oberen Stausee gefahren, 20C°+, blauer himmel, schönstes Wetter. Gefangen haben wir aber Zander wie blöd am unteren, nahe der Einspurigen Brücke.

  4. Wie immer sehr schöner Bericht.
    Diese spontanen Sachen sind doch eigentlich die schönsten. Idee gehabt und ab in den Flieger, einfach nur geil.

  5. ihr glücklichen. 😆

    aber danke für die sonnigen bilder und den bericht. das lässt auf bessere tage hoffen.

  6. Wow…
    mal wieder ein sehr schöner Bericht und klasse Bilder…..

    und dann gucke ich hier aus dem Fenster und sehe diese miese Wetter….und dann kommt erschwerend hinzu das ich nicht fischen darf… 😕

    Aber so bilder muntern doch auf…..

    PS: Wo gibt die Berkley Kappe von euch zu kaufen…nen Kollege von mir sucht die verzweifelt 😉

  7. Sehr interessanter Bericht,macht echt Lust auf Spanien!Ab wann ist denn dort mit den Schwarzbarschen zu rechnen und jagen diese dann auch in Rudeln wie unsere heimischen Stachelritter?

  8. die schwarzbarschsaison geht wohl im mai los. juni soll auch gut sein. die rauben auf keinen fall in so riesenverbänden, ziehen teilweise aber schon in kleinen trupps umher. es soll unter normalen bedingungen auf jeden fall möglich sein, zweistellig zu fangen.

  9. Ich bin sowieso schon im Angelfieber un jetzt auch noch sowas 😀
    Dabei soll's ja am wochenende schon wieder mit dem Temperaturen in den Minusbereich gehen 🙄
    Manno, aber trotzdem, schöner Bericht, gibt eben doch noch Orte, an denen mal selbst zur vermeindlich schlechten Zeit etwas auf die Schuppen gelegt bekommt 😉

  10. wir nehmen rundköpfe. größe 3/0 oder 2/0. super sind auch mushroom-köpfe. die schließen so schön ab und verhalten sich ansonsten wie ein rundkopf…

  11. hi
    ich weiss falsches forum hier … 😆
    aber vielleicht, weiss ja trotzdem jemand ob die karpfen um diese zeit dort schon gut laufen?

    PS: geiler bericht!

  12. Hihi, ich lach mich scheckig.. :mrgreen:
    Da kann man ja fast von einer statistisch einwandfreien Windserie sprechen…. Vom Winde verweht quasi, und das nüsch zum ersten Mal…. 😆 Naja, wenigstens mussteste dieses Mal nich den Kindergartenbetreuer machen… 8)
    Gefangen habt ihr ja trotzdem noch ganz gut, zumindest an einem Tach 🙄 Petri !
    P.S. @ David: Biste nich dageblieben ????

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