Auf Platte und Wittling auf der Oosterschelde / Holland

Auf Platte und Wittling auf der Oosterschelde / Holland

Holland steht für die meisten Angler für Polder-Hechte oder Vertikal-Zander. Die wenigsten von uns haben sich einmal damit beschäftigt, was man dort alles aus der Nordsee zergeln kann. Dabei liegt das Gute vor allem für Ruhrpöttler und Anrainer fast vor der Haustür. Von der Grenze sind es gerade mal 3 Stunden, die man bis nach Zeeland braucht, wo einen mit der  Oosterschelde und der Nordsee die Kinderstube und das Wohnzimmer der holländischen Meeresfische gleichzeitig erwarten.


Hier gibt’s in den unterschiedlichen Jahreszeiten fast alle Meeresfische, die man zwischen England und Holland fangen kann: Makrelen, Hornhechte, Wolfsbarsche, Hundshaie, Rochen, alle Arten Plattfische (inkl. Steinbutt und Seezunge!), Dorsche, Wittlinge…


Kürzlich war ich für ein paar Tage dort und kann trotz mieser Wetterverhältnisse von schönen Fängen berichten. Zwar konnten wir nicht zum Dorschangeln auf die Nordsee. Aber die Oosterschelde ist gut abgeschirmt und deshalb eigentlich fast immer zu befischen. Vom kleinen Kutter ging es mit einer Mini-Crew bestehend auch Käpt’n Dre, Wieger Spaapen, Zanderexperte Jan Dibbets und Robert raus auf Wasser, um lecker Plattfische und Wittlinge zu erbeuten. Eigentlich ja gar nicht mein Ding, weil ich den Kunstköder hier gegen den Watt- bzw. Seeringelwurm eintauschen musste.



Doch das Angeln hat viel Spaß gemacht. Davon möchte ich Euch jetzt ein bisschen berichten.


Roll- gegen Ankerblei


Wieger ist der Europameister im Plattfischangeln 2003. Insofern dürfte es sich gelohnt haben, ihm mal ein bisschen über die Schulter zu schauen. Er hat für die verschiedenen Plattfischarten auf verschiedene Paternoster-Montagen ausgetüftelt. Und nachdem die wirklich prima gezogen haben, möchte ich Euch hier zunächst einmal die Rollblei-Montage für Scholle und Butt vorstellen:



Schollen und Flundern sind echte Räuber. Sie stehen auf bewegte Köder. Und das ist wunderbar, denn wenn man die Fische mit einem bewegten Köder noch besser fängt als ohne, kann man das Angebot am Haken auf die Reise schicken und den Fisch suchen lassen. Vom verankerten Boot aus, macht Wieger das mit einem fetten Rollblei über dem ein Paternoster mit zwei oder auch drei Armen angebracht ist. An diesen wiederum baumeln die ca. 20 bis 30 cm kurzen Vorfächer aus Amnesia. Dabei werden die Vorfächer vom Blei weg etwas länger, so dass die Köder auch bei gespannter Schnur immer in Grundnähe baumeln. Wobei man nach Wiegers Philosophie oft mit der Vorfachlänge ein bisschen experimentieren muss, da die Fische – auch Platte –  oft auch mal etwas über dem Grund herumschwirren.



Diese Montage wird dann seitlich zur Strömung ausgeworfen und dann rollt das Blei los. Wenn es nicht mehr weitergeht, gibt man einfach immer mal ein bisschen Schnur. Bis der Biss kommt.


Als relativ unbedarfte habe ich dann beim ersten Biss angeschlagen. Das wurde mit einem Kopfschütteln quittiert. „Das macht man doch bei uns nicht.“, bedeutete mir Wieger. Durchs Anschlagen verliert man wohl eine Menge Fisch. Man lernt halt nie aus. Vor allem auf unbekannten Terrain 😀


Klieschen und Wittlinge hingegen mögen es nicht, wenn ihnen der Köder dauernd zu entfleuchen droht. Sie nehmen lieber Nahrung auf, die sie lange Zeit beschnuppern können. Deshalb ist hier das Angeln mit dem Ankerblei angesagt.



Die Montage ist weitgehend identisch mit der vorher beschriebenen. Nur das Blei wird ausgetauscht. Sobald es den Boden berührt hat, wird es in den selben hineingedrückt. Um es zu lösen, ist schon sehr stabiles Gerät angesagt. Eine Selbsthakmontage wie sie im Buche steht!





Platte und Wittling satt !!! Aber alles nicht so einfach !!!


Auf unserem Ausflug Anfang November haben wir diese Montagen recht erfolgreich eingesetzt. Es gab sowohl Platte als auch Wittling satt.


 





Unser Kapitän legte uns erst einmal auf ca. 25 m. Eine Mulde, in der besonders viel Wittling stand. Also gingen die Ankerbleimontagen auf Tauchstation. Die Fische ließen nicht lange auf sich warten. Und neben Wittlingen bissen immer wieder auch von den anwesenden Holländern „Steinwittlinge“) genannte Fischchen (sehen aus wie Minidorsche) und – wie montagentechnisch vorprogrammiert – auch einige Klieschen. Ein Tipp: die Wittlinge haben sehr scharfe Zähne. Deshalb immer wieder das Vorfach checken und gegebenenfalls austauschen! Sonst drohen Fischverluste.


Irgendwann zur Mittagszeit bissen die Fische aber nicht mehr so, wie wir das gern gehabt hätten. Auch hier spielen die Gezeiten eine große Rolle. Wohl dem, der einen Käpt’n Dre bei sich hat. Der verlegte das Boot um einige 100 m. Und jetzt waren wir auf 12 Metern über Plattengrund. Der Europameister war jetzt voll in seinem Element und zog einige Doubletten.




Das gelang uns dann allen auch und so gab’s reichlich Futter für die Möwen als Wieger auf der Heimfahrt die Fische säuberte.



Norwegen „ultra-light“


Ähnlich wie in Norwegen ist es hier immer spannend, was man da so alles aus dem Wasser befördert. Neben Platten und Wittlinge kann sich immer auch eine große Überraschung am Wurm vergreifen. Abgesehen von der Möglichkeit, hier ohne Fischreiprüfung und Lizenz zu angeln, sind die Gemeinsamkeiten zwischen diesen beiden Meeresangelgebieten überschaubar. Hier fängt man nicht so oft richtig fette Brummerdorsche. Und auch die Platten erreichen selten Familien-Pizzaformat. Hier lebt der Angler mehr vom Spannungsfaktor und der frischen Seeluft als von der Hoffnung auf den Fisch des Lebens – obwohl der in Wolfsbarsch- oder Rochenform immer drin ist. Besonders wenn man sich der Oosterschelde widmet. Erholung und Fischreichtum sind aber garantiert.


Mehr Infos über dieses Revier und das Angeln dort findet Ihr auf zeevistrips.nl Hier findet Ihr auch wirklich gemütliche (barsch-alarm-getestete) Unterkünfte für Einzelpersonen, Klein- und Großgruppen…

Kategorien: Gewässer-Tipps

Kommentare

  1. DozeydragoN
    DozeydragoN 2 Dezember, 2004, 11:46

    Klasse!

    Schon wieder ein Artikel, der mal was anderes bietet! Gerne mehr!

    Gruß, DD

  2. Happynes
    Happynes 2 Dezember, 2004, 12:02

    Hi
    schöner Artikel über das etwas andere Angeln. Man sollte mal testen ob die Möglichkeiten nicht auch bei uns an der Nordsee so gut sind. Aber zur Not geht es mal eben in die NL.
    Wohnst du eigentlich schon in den NL? So oft wie du dort bist. 😉
    Schöne Woche
    Thomas

  3. dietel
    dietel 2 Dezember, 2004, 12:18

    🙂 die bilder hab ich anfang november gemacht. aber bis jetzt noch keine zeit gehabt, da mal was drüber zu schreiben. rein angeltechnisch hätt ich aber nix dagegen, nach holland auszuwandern. wobei – bei uns isses ja auch schön 🙂

  4. RobertB
    RobertB 2 Dezember, 2004, 14:41

    Möcht ich auch meinen, obwohl ich die Mentalität in Sachen C&R als auch in puncto der zu erwartenden Fänge schon bevorzugen würde.
    Aber in Berlin und Umgebung sind ja auch gute Fänge drin!! 🙂

  5. b-fiftytwo
    b-fiftytwo 2 Dezember, 2004, 16:37

    geiler bericht! war dieses jahr auch auf der holland. nordsee vor dennheldern ( o.ä. ) unterwegs, aber auf makrelen aus, hat mir als unerfahrener meeresangler auch spaß gemacht, wobei ich nach ein paar fischen von der gemieteten bootsrute auf meine 80 gr. spinnrute umgestiegen bin, sozusagen ultra light *g*

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