Aquatische Ökosysteme – Seen Teil 2: Trophiestufen, Seentypen, Allg. Ökologi

Aquatische Ökosysteme – Seen Teil 2: Trophiestufen, Seentypen, Allg. Ökologi

Hallo an alle, wir kommen nun zum zweiten Teil des Ökologie-Kompendiums, und zwar in leicht abgewandelter Form. Zum einen habe ich den vernünftigen Vorschlag aufgegriffen, erst einmal eine Kategorisierung von stehenden Gewässern durchzuführen. Um Seentypen voneinander abgrenzen zu können, besprechen wir kurz vorher die sog. Trophiestufen. Zum anderen sparen wir uns die Themenkreise Eutrophierung und anhängige Stoffkreisläufe für den dritten Teil auf und schauen uns stattdessen ein paar allgemeinere ökologische Konzepte an, da in einigen Threads der letzten Tage schon Themen diskutiert wurden, die sich über die Einführung ein paar weiterer ökologischer Grundlagen anschaulich illustrieren lassen… könnten.  Nämlich dann, wenn es mir gelingt, komplexe Sachverhalte nachvollziehbar darzustellen.


Viel Spaß nun mit dem zweiten Teil! Aber kommen wir nun zur Sache….

1. Trophiestufen

Zuerst erinnern wir uns daran, dass mit einer Trophie(stufe) der allgemeine Nahrungs-/Ernährungszustand eines stehenden Gewässers gemeint ist: also die Intensität der pflanzlichen Primärproduktion (gr. trophe=Nahrung).

Nun überlegen wir uns, welche Hauptparameter wir heranziehen wollen, um den trophischen Zustand eines Gewässers sinnvoll beschreiben zu können, im einzelnen sind dies

–          Die Chlorophyll-a-Konzentration

–          Die Sichttiefe

–          Die Gesamt-Phosphor-Konzentration und

–          Die Gesamt-Stickstoff-Konzentration in einem stehenden Gewässer

Chlorophyll-a ist das wichtigste Pigment der pflanzlichen Photosynthese, also das eigentlich lichtenergie-fangende Molekül. In gemeinsamer Betrachtung mit der Sichttiefe in einem Gewässer erhalten wir zuerst Aufschluss darüber, welche Menge von Algen sich eigentlich im Gewässer befindet, eine vorwiegend quantitative Betrachtung.

Die Konzentrationen von Stickstoff und Phosphor sind deshalb besonders wichtig, weil sie die grundlegenden Nährstoffe sind, die pflanzliche Organismen in aquatischen Ökosystemen für Wachstumsprozesse benötigen. Dem Phosphor fällt dabei als sog. limitierender (begrenzender) Nährstoff eine Schlüsselrolle zu: ist er nur in Mangelkonzentrationen vorhanden oder fehlt gar völlig, geraten die pflanzlichen Organismen in eine ökologische Flaschenhalssituation…

Die genaueren Zusammenhänge wollen wir aber im dritten Teil besprechen (generelle Stoffkreisläufe und durch Gewässer-Überdüngung hervorgerufene Probleme), daher sind wir nun bereits in der Lage, anhand der Betrachtung von 4 Hauptparametern Trophiestufen voneinander abgrenzen zu können:

Der oligotrophe See (gr. oligos=wenig, gering) ist gekennzeichnet durch:

geringe Nährstoffkonzentration, geringe Algendichte, hohe Sichttiefe und einen ganzjährig hohen Sauerstoff-Sättigungsgrad bis zum Seegrund.

Beispiel: Ich persönlich kenne in Brandenburg eigentlich nur einen See, der diesen Kriterien entspricht: der Helenesee in der Nähe von Frankfurt/Oder. Aufgrund der hohen Sichttiefe und –weite wird er gern zum Gerätetauchen aufgesucht.

Der mesotrophe See (gr. mesos=mittlere) ist gekennzeichnet durch:

mäßige Nährstoffkonzentration, mäßige Algenproduktion, zeitweise Algenblüten, mittlere Sichttiefe sowie geringe Sauerstoffzehrung im Tiefenwasser und in der Sprungschicht.

Der eutrophe See (gr. eu=gut) ist gekennzeichnet durch:

hohe Nährstoffkonzentration, hohe Algenproduktion, regelmäßige Algenblüten, geringe Sichttiefe und zeitweise anaerobe Zustände (totaler Sauerstoffschwund) im Tiefenwasser.

Der polytrophe See (gr. poly=viel) ist gekennzeichnet durch:

übermäßig hohe Nährstoffkonzentration, massive Algenentwicklung (häufig Blaualgendominanz, Sichttiefen nur noch im Zentimeterbereich sowie übermäßig hohe Sauerstoffzehrung, die den größten Teil des Wasserkörpers umfasst.

Nun geraten wir in ruhigeres Fahrwasser und schauen uns generelle Seentypen an, die wir anhand ihrer Leitfischarten einteilen wollen:

 

2. Seentypen

Wir wollen uns im folgenden auf natürliche Seen beschränken und klammern somit künstliche Teiche, Rückhaltebecken und Stauseen sowie Temporärgewässer (austrocknende Pfuhle u.ä.) aus.

Die Seebecken der meisten mitteleuropäischen Seen entstanden während der letzten Eiszeit. Unterschiede finden sich vor allem in der Gestalt (Morphologie) des Seebeckens, der Vegetation, der Temperatur und dem Nährstoffgehalt ihres Wassers sowie ihrer geographischen Lage.

Fangen wir also an:

2.1 Der (Bach)Forellensee

geograph. Lage: meist Gebirgslagen
Struktur: rel. steil abfallende Ufer, Boden: Kies und Geröll, Seebecken flach
Vegetation: geringe oder fehlende Unterwassenpflanzenbestände
Wasser: kalt und sauerstoffreich
Trophiestufe: oligotroph
Leitfisch(e): See- u. Bachforelle, See- u. Bachsaibling
Begleitfische: Elritze, Schmerle, Groppe (Koppe)

 

2.2 Der Maränensee

geograph. Lage: Vorgebirge (Bodensee, Chiemsee) und Flachland
Struktur: tiefe Seebecken (z.T. über 100m), steil abfallende Ufer
Vegetation: pflanzlicher Bewuchs überwiegend in der Uferregion
Wasser: eher kalt, Oberflächenzonen relativ sauerstoffreich
Trophiestufe: oligotroph
Leitfisch(e): Maräne (Synonyme: Renke, Felchen, Coregone)
Begleitfische: Barsch, Quappe, Seeforelle, Seesaibling

 

Die nachfolgenden Seen können den vorhergegangenen als eutrophe Flachlandseen gegenübergestellt werden:

 

2.3 Der Blei-/Brassensee

geograph. Lage: Flachland
Struktur: flache Uferbereiche, mittlere Tiefe 5-20m, Faulschlammbildung
Vegetation: Uferzone mit dichten Pflanzenbeständen
Wasser: „normal temperiert“, oft sommerlicher Sauerstoffmangel in Bodenregion
Trophiestufe: eutroph, sommerliche Sichttiefe oft unter 1m
Leitfisch(e): Blei
Begleitfische: versch. Karpfenfische (Cypriniden) wie Rotfeder, Rotauge, Güster; Hecht, Aal, Wels, Schleie

 

2.4 Hecht-Schleisee

geograph. Lage: Flachland
Struktur: sehr flach, Faulschlammbildung möglich
Vegetation: ausgedehnte Pflanzengesellschaften, auch unter Wasser
Wasser: rel. hohe Temperaturen, genügend Sauerstoff (keine Sprungschichtbildung: Tiefe!)
Trophiestufe: eutroph
Leitfisch(e): Hecht, Schleie
Begleitfische: Cypriniden wie vorher, dazu Giebel u. Karausche, Bitterling, Moderlieschen; Aal, Schlammpeitzger

 

2.5 Zandersee

geograph. Lage: Flachland
Struktur: harte, häufig steinige Ufer
Vegetation: kaum höhere Unterwasserpflanzen wegen der Sommertrübung (Algen)
Wasser: „normal temperiert“, tiefenwärts häufig Sauerstoffschwund
Trophiestufe: deutlich eutroph
Leitfisch(e): Zander
Begleitfische: Ukelei, Stint, Barsch, Aal, Stichling


 

3) Allgemeine Ökologie (inkl. Spezialfall Verbuttung)

So….nach der rein deskriptiven Pflicht kommt nun endlich die Kür. Im letzten Abschnitt möchte ich einige ökologische Grundbegriffe einführen und auch gleich an Beispielen verdeutlichen.

Vielleicht bemühen wir uns zunächst einmal um die Grunddefinition des Begriffes „Ökologie“…wird ja eigentlich auch höchste Zeit:

Ökologie ist die Lehre (gr. logos=Kunde, Lehre; gr. oikos=Haus) von den Wechselbeziehungen von Organismen zur ihrer unbelebten Umwelt und von Organismen untereinander.

So gelangen wir bereits relativ ungezwungen zu einer Unterteilung von Faktoren, die auf Organismen einwirken können: einmal die der unbelebten Umwelt entstammenden (abiotische Faktoren; Licht, Temperatur, Wasser, Sauerstoff…darüber haben wir in Teil 1 durchaus schon einiges gehört…), zum anderen die biotischen Faktoren, die wir uns genauer anschauen wollen, weil sie uns zu sehr interessanten Themen führen: ökologische Nischenbildung, später zu Populationen, die in innerartlicher (intraspezifischer) wie zwischenartlicher (interspezifischer) Konkurrenz zueinander stehen…Spezies bedeutet natürlich schlicht und ergreifend „Art“.

Ein wesentliches Merkmal der biotischen Faktoren ist, dass sie, genau wie die Organismen selbst, evolutiven Prozessen unterliegen: da „Nahrung“ der wirklich dominierende Faktor innerhalb der biotischen Faktoren ist, können wir etwas später die spezielle Ernährungssituation „Verbuttung“ unter die Lupe nehmen…

Erstmal nähern wir uns aber dem Begriff „Ökologische Nische“ an…..den hat wahrscheinlich fast jeder schon mal gehört….aber was bedeutet er?

Wenn sich Umweltbedingungen ändern, müssen Organismen variabel darauf reagieren, dies ist ihnen aber nur innerhalb gewisser Toleranzbereiche möglich. Wir wissen, dass ein Roter Knurrhahn nicht im Süßwasser herumschwimmt, weil dies sein Toleranzbereich gegenüber dem abiotischen Faktor „Salzgehalt“ nicht zulässt, er findet sich nicht einmal in der Ostsee mit ihrem wesentlich geringeren Salzgehalt. Solche Arten sind im Hinblick auf den wirksamen Faktor stenök (gr. stenos=eng, also ein enger Toleranzbereich). Dagegen können wir in Haffen und Bodden auch auf die Süßwasserarten Zander und Hecht angeln…diese Arten sind euryök (gr. eu=gut, weiteres Toleranzspektrum) und fühlen sich noch im Brackwasser der Ostsee ausgesprochen wohl.

Nun kommen wir langsam zum Begriff der ökologischen Nische…ich biete Euch zum einen eine abstrakt-wissenschaftliche, zum anderen eine vereinfachend-allgemeinverständliche Definition an…

Machen wir gemeinsam ein Gedankenexperiment und geben die Hauptrolle meinetwegen der Fischart Zander…wir beginnen, die auf ihn wirksamen Faktoren (nehmen wir vielleicht jeweils das Optimum des Toleranzbereiches) in ein  Koordinatensystem einzutragen:

Temperaturoptimum (1. Faktor, x-Achse)
Sauerstoffbedarf (2. Faktor, y-Achse, zweite Dimension: kartesisches Koordinatensystem, nach René Descartes)
Hartsubstrat zum Laichen (3. Faktor, z-Achse, 3. Dimension)

Der dreidimensionale Raum im Koordinatensystem

Jetzt haben wir 3 aufgetragene Faktoren auf 3 Raumachsen, die z-Achse ist hinzugekommen und wir haben immerhin schon 3-Dimensionalität erreicht. Natürlich wirken mehr als 3 Faktoren auf Zander, deshalb müssen wir unser Koordinatensystem noch verfeinern…machen wir.

Nun können wir beliebig viele, also n (beliebig viele) Optima von Faktoren auftragen, und zwar auf n Achsen…….und erhalten im Ergebnis einen n-dimensionalen Überraum (die Ökologen sagen auch gern: n-dimensionales Hypervolumen), der über die verschiedenen Achsen im Koordinatensystem „aufgehängt“ ist…..das ist nicht nur unsere ökologische Nische, sondern auch gleichzeitig die abstrakt-wissenschaftliche Erklärung…Ist das vorstellbar?

Diese Überräume der verschiedenen Arten, also die Nischen, sind niemals in Deckung zu bringen: jede Art besetzt ihre eigene ökologische Nische…weil die Optima der Toleranzbereiche auf irgendeiner Achse doch unterschiedlich liegen, meistens sogar auf vielen…somit sieht der n-dimensionale Überraum für jede Art anders aus!

Wenn das wenig oder gar überhaupt nicht anschaulich gewesen sein sollte, gibt es ja noch die wesentlich weniger abstrakte Erklärung, also erst mal keine Panik…: eine ökologische Nische ist eine Planstelle, die ein Ökosystem einer Art bietet….etwas wie ein „Beruf“ im Gefüge der Arten des Ökosystems.

Behalten wir also im Hinterkopf, dass das Kriterium der ökologischen Nische genauso einzigartig ist wie die Art selbst: wenn zwei Arten eine zu ähnliche ökologische Nische ausfüllen, tritt zwischenartliche (interspezifische) Konkurrenz ein, die in der weiteren Folge einen Sieger und einen Unterlegenen auf der Bühne belässt….das sog. Konkurrenz-Exklusions-Prinzip (Ausschluss von Konkurrenz). Der Sieger macht sich dann in der verteidigten bzw. eroberten Nische breit.

Mit dem Hinweis, dass Konkurrenz oft auch innerartlich (intraspezifisch) stattfindet, leiten wir zu einer speziellen Konkurrenzsituation um Nahrungsressourcen über: die sog. Verbuttung…..

Bevor wir uns näher mit der Verbuttung beschäftigen, schauen wir uns aber erst einmal folgende Graphik an, die sog. Gauss’sche Verteilung oder Normalverteilung:

Berechnung von wahrscheinlichen Werten: Die Gauss'sche oder Normalverteilung

So ziemlich jeder von uns wird sie schon einmal gesehen haben: und zwar auf unserem alten 10DM-Schein…..mit dieser Darstellung wurde der Mathematiker und Urvater der Statistik, Carl Friedrich Gauss (1777-1855), gewürdigt. Seine Leistung entstammt noch knapp dem 18. Jahrhundert…also Hut ab und Respekt, denn wir können seine Entdeckung auch heute noch mehr als gebrauchen!

Hören wir einen Mathematiker zur hinter der Kurve liegenden Funktion:
„Eine stetige, symmetrische Verteilung mit charakteristischer Glockenform. Sie dient der Berechnung der Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Werten, wenn mehrere unabhängige Faktoren gleichzeitig wirksam sind“.
Danke soweit, hört sich nicht wirklich verständlich an, oder…etwa doch?

Diese Kurve zeigt uns in der Betrachtung eine normal abwachsende Fischpopulation, denn auch dort wirken immer mehrere unabhängige Faktoren gleichzeitig!
Wir müssen nur noch 2 notwendige Ergänzungen vornehmen: die Achsenbeschriftungen!

Die vertikale  y-Achse (oben-unten) beschriften wir mit „Anzahl Individuen“, die (horizontale,links-rechts) x-Achse mit „Fischgröße in cm“ oder auch wahlweise „Fischgewicht in kg“, egal…

In der Mitte steht der griechische Buchstabe „Mü“…unser Mittelwert.

Und nun interpretieren wir mal mutig den Kurvenverlauf, plötzlich hört sich das alles absolut logisch an: in einer normal abwachsenden Fischpopulation finden wir jeweils eine geringe Anzahl von sehr kleinen oder leichten (linker aufsteigender Verlauf der Kurve) und sehr großen oder schweren (rechter absteigender Verlauf der Kurve) Fischen. „Mü“ ist der Mittelwert: die mittleren Größen- oder Gewichtsklassen sind am häufigsten vertreten….Siehe da!

Wichtiger Zusatz: wenn wir eine normal abgewachsene Fischpopulation tatsächlich ausmessen, werden unsere Messpunkte immer mehr oder weniger deutlich von der Glockenkurve abweichen….die Glockenkurve selbst ist unsere korrigierte Funktion f(x), die die realen Messpunkte logisch miteinander verbindet.

Und: die Normalverteilung ist eine Wahrscheinlichkeitsberechnung! Dabei wird von einer unendlich großen statischen „Grundgesamtheit“ ausgegangen….soll heißen: wir haben theoretisch unendlich viele Messungen durchgeführt (genau Anzahl der Messungen = statistische Grundgesamtheit)! Je mehr Messungen wir tatsächlich durchführen, umso harmonischer wird sich unsere „rucklig-eckige“ Messpunktkurve der ästhetischen Glockenform der Normalverteilung angleichen…

Wenn wir nun ganz penibel und wissenschaftlich korrekt sein wollen, müssen wir sogar noch folgendes hinzusetzen: die betrachteten Fische sollten in etwa gleichaltrig sein…denn nach jedem Laichvorgang werden ja jede Menge Winzlinge in die Gesamtpopulation eingeworfen, die den Scheitelpunkt einer altersunabhängigen Kurve sehr weit nach links reißen würden, wenn wir gerade in diesem Augenblick die Messungen durchführen würden…dieser Zeitpunkt wäre „unglücklich“ gewählt, denn er würde uns nicht von der Gültigkeit der Normalverteilung überzeugen können!

Nun schauen wir uns die Normalverteilung noch einmal unter dieser abgeänderten Voraussetzung an und können dann sogar noch etwas Zusätzliches ablesen: die Graphik gelte für die Altersklasse der Fische von 1 Jahr; dann symbolisiert die Glockenkurve das genetisch bedingte, altersbezogene, durchschnittliche Vermögen zu Wachstum von Individuen einer Art….unsere Interpretation der Normalverteilung hörte sich dann folgendermaßen an: bei den betrachteten 1-jährigen Fischen bleiben nur sehr wenige Exemplare hinter der durchschnittlichen Größen-/Gewichts-Erwartung „Mü“ zurück (linker Verlauf der Normalverteilung)….ebenfalls nur wenige Exemplare übertreffen unsere Größen-/Gewichts-Erwartung „Mü“ (rechter Verlauf der Normalverteilung). Nun wissen wir, wie genau es Wissenschaftler nehmen müssen…anstrengend, aber nebenbei auch interessant, oder…?

Fassen wir aber alle Normalverteilungen der jeweiligen Altersklassen zu einer altersbereinigten Funktion zusammen: ergibt sich wieder die typische Normalverteilung….die dann für die betrachtete Gesamtpopulation gültig ist!

Und damit ist sogar bereits das Phänomen der Verbuttung anschaulich gemacht: wir finden nur noch die Größenklassen, die geringfügig um den Mittelwert „Mü“ herum liegen…eben mittelmäßig große und schwere Fische, diese aber in überwiegender Häufung. Verbuttete Bestände unterliegen somit auch keiner Normalverteilung mehr…

Ich möchte noch einmal die Frage aufgreifen, ob Verbuttung „genetisch determiniert“ oder „durch eine Umweltmodifikation hervorgerufen“ ist….dazu gibt es zwar einen eigenen Thread, trotzdem noch einmal die Antwort: es handelt sich um eine reversible (also umkehrbare) Umweltmodifikation (Änderung, Beeinflussung) des durchschnittlich zu erwartenden Wachstums. Verbuttete Fischpopulationen zeichnen sich dadurch aus, dass jedes Individuum der Population zuwenig Nahrung hat, weil die Dichte der Population höher als das vom Gewässer bereitgestellte Nahrungsangebot ist (also wirkt hier vor allem ein biotischer Faktor begrenzend!…bei zusätzlichem Fehlen von Fressfeinden sogar zwei!)….

Verbuttung ist vor allem eine Folgeerscheinung innerartlicher (intraspezifischer) Konkurrenz, das Phänomen selbst kann dadurch aufgehoben werden, dass sich die limitierenden Lebensumstände der Fischpopulation ändern:

  • Erniedrigung der Populationsdichte über Verstärkung der Population von Fressfeinden oder anglerische Hegefischen (wenn’s möglich ist, bitte mit vernünftiger Verwertung der Hegefänge…)
  • Übertrag von Teilen der Population in einen neuen Lebensbereich, also einen anderen See; dies kann z.B. sehr leicht über passive Verbreitung geschehen: Fischeier haften am Gefieder von Wassergeflügel….Start, Landung…..Ende der Verbuttungstendenz.

In beiden Fällen wachsen die ehemals verbutteten Ur-Bestände (wie auch ihre Nachkommen) wieder normal ab … und unterliegen auf’s Neue einer Normalverteilung.

 

So…reicht wirklich, Schluss jetzt… ganz zuletzt wie nebenbei hoffe ich aber, dass auch das „Mü“ ökologischen Wissens aller Forenmitglieder wieder etwas gewachsen ist…und erwarte reichlich (Nach)Fragen, konstruktive Kritik und Feedback!

Gruss an Euch alle, Thomsen

Kategorien: Gewässer-Tipps

Kommentare

  1. fishing-hase
    fishing-hase 15 Juni, 2004, 19:35

    hi angler
    Thomsen das war echt Klaaaaasee!!
    1.und 2.Teil.
    habe twar nicht alles ganz verstanden(trotzdem gut erklärt!)aber habe schon mehr gelernt.
    einfach suuuuper!!

    gruss an alle

  2. angleraken
    angleraken 15 Juni, 2004, 20:25

    na warst du wieder fleißig .lob !!!!!!!!!!

    besser gehts nicht .alles gut erklärt .

    du solltest vieleicht doch ein buch daraus machen.

  3. jackazz12
    jackazz12 15 Juni, 2004, 21:11

    Hi thomsen wieder super beitrag!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    +Hab diesmla auch alles kapiert! Super.

  4. Thomsen
    Thomsen 16 Juni, 2004, 11:43

    Hi fishing-hase,

    danke für das Lob…

    Bitte an den unklaren Stellen nachfragen…nutzen wir einfach die Kommentare dazu, PN ist auch möglich.

    Wenn etwas nicht verstanden wurde, liegts bestimmt an mir…

  5. Thomsen
    Thomsen 16 Juni, 2004, 11:50

    Naja, auf ein solches Buch würde die Welt nicht warten 🙂

    Ähnliche gibt es ja durchaus….aber vielleicht ist alles ausgedruckt und zusammengeheftet etwas, was auch die Gewässerwarte eurer Vereine gebrauchen können.

    Gruß, Thomas

  6. DozeydragoN
    DozeydragoN 16 Juni, 2004, 16:24

    Hi,

    wirklich wieder ein gelungender Bricht! Hab mich ab und an beim Lesen wie auf der Schulbank gefühlt. Nach und nach kamen aus den Tiefen meiner grauen Substanz die Erinnerungen zurück, von dem Stoff, den ich im Bio-Lk immer wieder durchkauen mußte … *ggg*

    THX fürs „Auffrischen“

    DD

  7. Thomsen
    Thomsen 16 Juni, 2004, 17:04

    Glaube niemals einem angehenden Mediziner*ggg*….allles prospektive Kurpfuscher 🙂

  8. Wasserfuchs
    Wasserfuchs 16 Juni, 2004, 20:12

    Hi Thomsen

    Super Beitrag !

    Angeln ist mehr als nur Fische aus dem Wasser ziehen. War sehr interessant, konnte meinen Horizont wieder ein Stück
    erweitern.

    Wasserfuchs

  9. godfather
    godfather 17 Juni, 2004, 07:57

    wieder mal allererste sahne thomsen! du schaffts es wirklich gut die wissenschaftlichen zusammenhänge leicht verständlich darzulegen – ist fast wie bei der sendung mit der maus für angler!!! 🙂
    für teil drei hätte ich noch einen wunsch:
    habe schon oft gehört, daß in den seen in brandenburg oder meck-pom die zanderbestände seit der wende rückläufig sind. dies soll an der stark gesunkenen düngung der an die seen grenzenden felder liegen. wenn dem so ist, würde mich interessieren warum.

  10. angeliter
    angeliter 17 Juni, 2004, 09:02

    kann mich meinen vorschreibern nur anschließen: klasse beitrag!
    fragen & anmerkungen:
    – kleine ergänzung zu oligotrophen & mesotrophen seen: zumindest der stechlin ist als oligotroph klassifiziert. eine ganze anzahl weiterer brandenburger seen sind entweder oligotroph oder mesotroph. (Quelle: http://www.mlur.brandenburg.de/n/ffh_auj4.htm [www.mlur.brandenburg.de])
    – offensichtlich hatte ich bis jetzt die verbuttung von fischbeständen nicht richtig verstanden. ich dachte bis jetzt, dass das durchschnittliche wachstum ALLER vorhandenen fische einer verbutteten art niedrig ist. wenn es aber nur eine aussage auf EINZELNE jahrgänge zulässt, dann muss ein verbuttetes gewässer mehrere jahrgänge mit niedrigen mittelwerten aufweisen (eigentlich ja logisch)!? oder anders: ein jahrgang für sich allein betrachtet kann verbuttet sein, ohne dass der gesamte bestand verbuttet ist …

  11. angeliter
    angeliter 17 Juni, 2004, 09:13

    ohne dem meister in die parade fahren zu wollen ;-): denke mal, dass die betreffenden seen sich in richtung oligotroph zurückentwickeln (viele seen in unseren breiten sind wohl von natur aus nährstoffarmer als sie momentan sind & durch jahrhundertlangen einfluss des menschen zu eutrophen oder gar polytrophen seen geworden). vermutlich entsprechen sie nach und nach immer weniger der ökonische des zanders …

  12. Thomsen
    Thomsen 17 Juni, 2004, 11:43

    Die Antwort ist absolut richtig….

    Der Mensch kümmert sich immer erfolgreicher um die Verhinderung von Nährstoffeinträgen in Gewässer. Als Beispiel mag die Phosphateliminationsanlage im Norden Berlins gelten…

    Die Folge: da vor allem Phosphat limitierender Faktor des pflanzlichen Wachstums ist, wird das Wasser der Seen klarer (Sichttiefe ist ja auch ein Indikator für die Trophie).

    Zander fühlen sich in eutroph-trübem Wasser ausgesprochen wohl. Unter diesen Sichtbedingungen besteht ein Vorteil beim Jagen gegenüber Hechten. Wenn das Wasser klarer wird, verschiebt sich dieser Vorteil zugunsten des Hechtes, der optisch orientiert raubt.

    Es ist anzunehmen, daß bei Bestandsrückgang der Zander in diesen Gewässern die Hechtpopulationen immer stärker werden.

  13. Thomsen
    Thomsen 17 Juni, 2004, 11:58

    Die Aufteilung in die Altersklassen ist eigentlich eine Spitzfindigkeit, um die Verbuttung wissenschaftlich korrekt darzustellen.

    Es spricht meines Erachtens nichts wirklich dagegen, die Population altersbereinigt zu betrachten….und dann kann man durchaus sagen: das durchschnittliche Wachstum ALLER vorhandenen Fische einer verbutteten Art ist niedrig.

    Denn alle Fische der Art stehen ja untereinander in Konkurrenz um die begrenzten Nahrungsressourcen, von den sehr jungen bis zu den sehr alten. Und die Wachstumsbremse wirkt auch auf alle…

  14. Thomsen
    Thomsen 19 Juni, 2004, 12:02

    Hallo an alle,

    hier nochmal ein kleiner Zusatz zu den genannten 4 Hauptparametern zur Trophieeinteilung: wir können noch die sommerliche Sauerstoffversorgung in Grundnähe hinzusetzen, denn diese hängt ebenfalls stark mit der Produktion im Gewässer zusammen (je mehr produziert wird, desto mehr muss auch abgebaut werden…).

    Damit haben wir dann 5 Parameter…der „neue“ ist in der Seekategorisierung bereits enthalten.

  15. Thomsen
    Thomsen 19 Juni, 2004, 13:07

    Habe die Sache nochmal mit Pitti diskutiert….und er hat noch einen weiteren interessanten Aspekt hinzugefügt.

    Je klarer das Wasser im Laufe der Jahre wird, desto tiefer geht auch der Lichteinfall ins Gewässer (dies begünstigt ebenfalls das Wachstum höherer Pflanzen, Zander sind aber Hartsubstratlaicher)….die Laichgruben der Zander werden für gewöhnlich in 1-3m Tiefe angelegt….und Zanderbrut ist darüber hinaus ziemlich lichtempfindlich. Dies könnten weiterere Nachteile für die Zanderpopulation im Gewässer sein….

    Ich denke, dass die Faktoren in der Summe (interspezifische Konkurrenz zwischen Hecht und Zander sowie u.U. verschlechterte Bedingungen für Ablaichen und Entwicklung der Jüngstzander) den Bestandsrückgang ausmachen…

  16. Thomsen
    Thomsen 9 Juli, 2004, 18:38

    Und ich Dussel hab in der Oberstufe niemals Bio-LK belegt, nicht mal 3. oder 4. Prüfungsfach….Chemie und Latein waren damals erste und zweite Wahl…

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