Afterwork-Party I: Aktiv-Verdrängung am Bach

Afterwork-Party I: Aktiv-Verdrängung am Bach

An den letzten beiden Wochenenden war ich jeweils auf Händlermessen unterwegs. Einmal in Cottbus bei VF Angelsport und einmal in Parchim bei Zoo-Angeln Hermann. Beide Veranstaltungen haben richtig Spaß gemacht und waren extrem gut besucht. U.a. auch, weil Viv und Andi richtig Gas gegeben haben und den Besuchern ordentlich was geboten wurde: Ködervorführungen, Vorträge, haufenweise nette Experten und ein satter General-Rabatt.

Noch hielt sich die Samstagmorgen. Schlange an der Kasse bei VF in Cottbos in Grenzen. Später sah das anders aus...

Noch hielt sich die Samstagmorgen-Schlange an der Kasse bei VF in Cottbos in Grenzen. Später sah das anders aus…

Horst versorgt die Meeresangler mit Spürchen und Material.

Horst versorgt die Meeresangler mit Spürchen und Material.

Morgens früh um halb neun in Cottbus. Basti am Testbecken.

Morgens früh um halb neun in Cottbus. Basti am Testbecken.

 

Ich hatte auf beiden Veranstaltungen meine BFS-Kombo und ein UL Trutten-Barsch-Ruten-Rollen-Gespann dabei. Erstens um meine Wobbler vorführen zu können. Zweitens um auf dem Nachhauseweg noch schnell einen Abstecher an den Bach zu unternehmen. Schließlich liegen sowohl von Cottbus nach Berlin als auch von Parchim nach Berlin DAV-Salmo-Strecken auf dem Weg. Und nach so einem Messewochenende, an dem man zwei Tage lang durchgequasselt hat, gibt’s nix Besseres, als mal in Ruhe angeln zu gehen. Ganz gemütlich am Bach. Natur. Stille. Und dazwischen immer mal ein Adrenalinschub.

Allerdings verhält es sich meistens so, dass ich in den Hotels nicht gut schlafe. Irgendwie brauche ich immer ein bisschen Zeit, um mich an neue Quartiere zu gewöhnen. Außerdem ist die Rübe voller Impressionen. Dann isst man meistens auch recht spät zu Abend und selbst wenn ich einigermaßen gut einschlafe, bin ich dann meistens sehr früh wach. Ergo bin ich nach dem zweiten Messetag ziemlich unkonzentriert. Besonders wenn ich dann noch Vorträge gehalten habe wie in Cottbus. Da könnte das samstagnachmittägliche Formtief aber an der Obstlerkur gelegen haben, die Daiwa-Basti und ich uns verschreiben mussten, weil wir am Freitagabend im XXXXXL-Restaurant ein 1,2-Kilo-Schnitzel mit 3 Kilo Pommes weggehauen haben. Vitamin P-Abbau mit Vitamin O bis nachts um Halbzwei – das zieht nicht ganz spurlos an einem vorbei. Nicht dass ich meine Grenzen nicht kennen würde. Man will ja einen schönen Vortrag halten und nicht verkatert rumstehen. Der der kurzen Nachtruhe halber hat das Dietel-System aber schon ein bisschen dizzy angefühlt.

Im Laufe des Tages kamen schon Zweifel auf, ob man da zwingend noch den Truttenhannes von der Kette lassen muss. Und so war ich nur so halb überzeugt von meinem Vorschlag, mich mit Jochen am Bach zu treffen,  als er mich am Samstagnachmittag tatsächlich anrief, um sich nach Zeit und Treffpunkt zu erkundigen. Auf der anderen Seite muss man auch mal zu seinem Glück gezwungen werden und frische Luft tut ja gut. Auf dem Weg zum Bach habe ich mir im Radio dann noch reinziehen müssen, wie der VfB von Dortmund abgefertigt wurde im eigenen Stadion. Bzw. wars noch niederschmetternder: Aufgrund des Spielstandes und der Chancenlosigkeit des VfB lief die Konferenzschaltung am ehemaligen Neckarstadion vorbei. „Brutal. Wenn Frankfurt am Sonntag gewinnt, spielen wir echt gegen den Abstieg. Und zwar gegen den direkten.“, ging es mir durch den Kopf als ich den Wagen abstellte und mein Angelgerät fertig machte. Aber: „Gute Idee, doch noch ein paar Stunden angeln zu gehen! Was soll‘s sich wegen Dingen runterziehen zu lassen, die man eh nicht beeinflussen kann. Scheiß Fußball immer. Völlig überbewertet. Was ein Schwachsinn, sich da Wochenende für Wochende so nen Schatten auf die Seele legen zu lassen, nur weil wir uns in jedem Spiel die Tore selber reinlegen. Wir? Hallo? Grenz dich mal ab, Alter! Du gehst jetzt fischen und zeigst denen mal, wo der Barthel den Most holt. Wird die zwar nicht interessieren. Aber du lädst dir jetzt mal schöne Bilder von Trutten-Blitzen, Saltos und geilen Unterhandwürfen in die Wurzellücken in die Birne!“ Rute aufgebaut. Wanderschuhe montiert. Monolog beendet. Ran an den Bach.

 

hannes

Nach ein paar Würfen zappelte die erste Trutte am Haken. „Das kann er einfach. Scheiß Fußball. Angeln ist viel geiler! Mittendrin statt live dabei – das gibt’s in echt doch nur am Wasser.“  Wenig später folgte Forelle Nummer zwei.

 

trutte

Geht doch!

 

„Das läuft ja wie ein Länderspiel. Hallo? Du wolltest das Fußballding doch aktiv verdrängen. “ Das habe ich dann auch geschafft. Allerdings mehr indem ich mich über mich selber geärgert habe. Nach 300 Metern Bachpirsch tat sich nämlich ein riesiges Konzentrationsloch auf, in das ich kopfüber reingepurzelt bin. Die Würfe zu lang gesetzt. Die Schnur um die Rutenspitze gewickelt. Den Ast unter Wasser nicht gesehen. In den überhängenden Busch geworfen. Abrisse. Tüddel. Zornflashes. „Oh krass. Du packst das heute nicht. Runterkommen. Lass den Jochen laufen. Mach ein paar Fotos.“

 

jochen1

Top am Bach: Der kleine reins G Tail Fat Grub in Pumpkinseed am Keitech-Jig. Nur doof, wenn man den teuren Tungsten-Jig abreißt…

 

Vielleicht nimmt Dir die Angelwoche eine Bach-Reportage ab.“ (Ich liebe die Angelwoche! Absoluter Kult für mich. Und ich darf seit neustem immer mal was für das Blatt schreiben, in dem ich mich schon als Schüler immer drüber informiert habe, was gerade wo beißt, um dann eh nicht da hinfahren zu können, wo der Aal läuft, mehrere große Welse auf Tauwurmbündel gefangen wurden oder die Zander auf gelbe Gummis beißen.)

Nach einer kleinen Verschnaufpause ging es auch schon besser und auf den folgen 300 Metern fing ich dann noch 2 Forellen und hatte noch ein paar Fehlbisse und Aussteiger. Irgendwann war ich dann aber der Meinung, dass ich meine Schuldigkeit getan habe und fasste den kühnen Plan, auf dem Heimweg noch bei City-Chicken in Neukölln einzuchecken, um mir dort das leckerste Hähnchen der Stadt zu ziehen. Es wurde ja auch schon langsam dämmrig. Also umdrehen. Noch ein paar Detailfotos knipsen und nochmal die besten Spots anwerfen. Wie durch ein Wunder war ich plötzlich wieder in Topform. (Was die Aussicht auf ein goldbrauness City-Chicken nicht alles bewirken kann.) „Da sitzt ja wieder jeder Wurf. Warum nicht immer so.“ Und prompt fing ich an der Strecke, die ich und Jochen und noch ein anderer Angler auf der anderen Seite vorher schon abgeangelt hatten noch weiter. Da ich aber ohne Widerhaken fische, konnten sich von den 7 oder 8 Fischen die allermeisten befreien.

 

forellen-splash

Trotzdem stand da noch eine Ausnehm-Session an. Schließlich steht meine Freundin sehr auf frischen Bachfisch. Als ich wieder bei mir in Neukölln war, war’s zu spät für City-Chicken. Ich hatte keine Lust, schon wieder mit vollem Magen ins Bett zu gehen. Außerdem galt es, den Fisch zu versorgen. Darauf hatte ich ja so richtig Bock. Also noch schnell eine Hülse ausm Späti gezockt und hoch in den Vierten. Ran ans Spülbecken und pünktlich zum Sportstudio lag ich dann auf der Couch. Oh Mann, war Dortmund stark.

Der zweite Teil folgt in ein paar Tagen…

Kategorien: Fangberichte

Kommentare

  1. darkbearded
    darkbearded 2 Mai, 2016, 10:23

    Schöner Beitrag, so aus dem Leben gegriffen! Leider kams wies kommen musste und die Eintracht hat Sa gewonnen. Viel Glück für heute Abend und die nötigen Nerven beim Zuschauen.

    Jan

  2. dietel
    dietel Autor 2 Mai, 2016, 10:34

    Das wird brutal! Verlieren verboten. Wird bestimmt ein ordentliches Geholze.

  3. Kanalbarschjäger
    Kanalbarschjäger 2 Mai, 2016, 22:32

    Der SVW ist wieder da!!! 😉
    Mensch was ein Spiel. Fast wie früher…

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