Zander-Solo: Tipps für die Man-Show auf Zettis

Zander-Solo: Tipps für die Man-Show auf Zettis

Ich habe neulich mal meine Vorliebe für Solo-Trips beschrieben. Naja. Was heißt „Vorliebe“. Ich gehe ja schon auch gern mit meinen Jungs zum Fischen. Aber ich angle halt auch gern allein. Auf Barsch kann das recht kurzweilig sein. Beim Zanderangeln in Berlin sind manchmal Ausdauer und Leidensfähigkeit angesagt. Man macht sich ja viele Gedanken ums Tackle und die perfekten Köder. Wenn man hier aber tagelang auf dem Boot steht und auf ein paar Bisse angelt, sind andere Dinge mindestens genauso wichtig: ein voller Magen zum Beispiel, Vertrauen in die Spots, Ködervertrauen, Glaube an den Biss und Konzentration vom ersten bis zum letzten Wurf.

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Diesen kleinen Beitrag habe ich schon mal auf dem Shimano-Blog veröffentlicht. Da geht aber ja nicht jeder Barsch-Alarmer hin. Und weil ich derzeit extrem viel zu tun habe und es gleichzeitig nicht so gern habe, wenn hier nix Neues passiert auf der Startseite, habe ich mir erlaubt, den Artikel hier rüber zu nehmen, um ein paar Gedanken zum Zanderfischen zum Besten zu geben. Ich freue mich schon darauf, wenn es wieder losgeht.

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Hardware-Optimierung: Wer den ganzen Tag werfen will, muss leichtes Zander-Tackle fischen. Im Verlauf eines langen Angeltages wirkt sich jedes Gramm auf die Konzentrationsfähigkeit aus. Wenn man nur einen Biss bekommt, will man den ja auch verwandeln. Und wenn er erst nach 5 h kommt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man ihn verpasst, wenn man sich selber mit einem schweren Prügel schwächt. Man braucht eine leichte Rute, eine leichte Rolle und weil es kaum Geräusche an Bord gibt auch eine leise Schnur. Zum Bootsangeln verwende ich 2,5 m lange Ruten. In den Halter habe ich 4000er Magnesium-Rolle geschraubt. Die wiegt gerade mal 200 Gramm. Als Schnur kommt nur eine leise Geflochtene infrage. Die gibt mir einerseits das gute Gefühl, dass sie keine Schnurgeräusche bis ins Vorfach weiterleitet. Andererseits nervt sie mich nicht so wie es eine laute Schnur tun würde. Nicht’s geht mir mehr auf den Senkel als an einem ruhigen Tag im Boot zu stehen und mich mit dem Schnurgeräusch auseinandersetzen zu müssen bzw. krampfhaft zu versuchen, dieses lästige Schabegeräusch zu ignorieren. Ich vertraue da entweder auf die PowerPro 8 Slick oder die Sufix 832. Da ich im Drill keine Angst haben will und ich auch der Meinung bin, dass Zander nicht besonders schnurstärkenscheu sind, nehme ich Durchmesser mit einer Tragkraft von 10 kg und mehr.

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Klare Sichtverhältnisse schaffen: Manche Bisse kommen nicht in der Rute an. Andere Menschen haben immer den Finger an der Schnur. An dieses ständige Umgreifen konnte ich mich nie gewöhnen. Deswegen beobachte ich den ganzen Tag die Einstichstelle der Schnur. Das kann bei Sonne oder widrigen Lichtverhältnissen echt anstrengend werden. (Die grüne Sufix sieht man bei Gegenlicht übrigens oft besser als die gelbe Power Pro.) Deshalb angle ich selten ohne Polbrille auf Zander. An dunklen Tagen, nehme ich eine mit hellen Gläsern (gelb), an sonnigen Tagen, eine mit dunklen Gläsern.

Ein voller Magen angelt gern: Wenn sich schon nichts an der Rute tut, dann muss man sich kulinarisch was Gutes tun. Wenn der Hunger am Wohlbefinden nagt, nimmt die Motivation deutlich schneller ab als wenn man gestärkt in den Zander-Marathon geht. Die Kraft für 1000 Leerwürfe spendet zum Beispiel ein Nudelsalat. Der ist schnell angefertigt und liefert Kohlehydrate pur. Rezept: Nudel kochen. Erbsen oder Bohnen gar braten. Getrocknete Tomaten in feine Streifen schneiden und kurz mit in die Gemüsepfanne werfen, bis sie weich sind. Öl über die Nudeln. Balsamico Essig drauf. Ein paar Italo-Kräuter. Erbsen/Bohnen-Tomaten-Mischung drüber. Mozarella rein. Ab in die Frischhaltedose. Fertig. Dauert inklusive Wasserkochen ca. 15 Minuten.

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Auf bewährten Pfaden wandeln: Natürlich fische ich allein auch mal neue Stellen an. Doch sind das eigentlich Spots, die man am besten zu zweit abangelt, um schneller Vertrauen zu bekommen oder auch schneller mal einen Spot abzuschreiben. Beim Solo-Zander-Zuppeln fische ich am liebsten Plätze, an denen ich schon Fisch gefangen habe. Die kann ich ohne Mentalprobleme stundenlang beackern, weil ich ja weiß, dass die Fische hier herkommen. Bzw. gebe ich mir und den Fischen die Zeit, bis sie fressen. Und Zeit und Geduld mitzubringen ist einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren beim Zanderangeln.

Vertrauen in den Karabiner klinken: Vertrauen muss ich auch den Ködern. Deshalb teste ich auch mal kurz einen Köder, wenn ich allein angle und auch wenn nichts geht, kann so ein Köderwechsel mal für neue Motivation sorgen. Am liebsten wechsle ich aber Köder ein, mit denen ich am entsprechenden Gewässer und sogar am Spot schon gefangen habe. Nicht weil ich ausschließe, dass ich mit anderen Ködern etwas fange. Ich möchte aber maximal Vertrauen haben und das habe ich eben in die Dinge, die mir schon Fisch gebracht haben. Insofern kann ich mit einer relativ schmalen Köderbox losziehen, wenn ich allein angle. Die Zeit für Experimente ist dann eher, wenn ich mit mehreren Leuten unterwegs bin. Dann bin ich sogar so drauf, dass ich alles anders mache als sonst, um Neues für mich zu entdecken. Meine Mitangler dienen mir dann als Kontrollgruppe. Die Erkenntnisse aus diesen Tagen fließen dann natürlich in die Solo-Angeltage ein.

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Glaube versetzt Berge: Beim Barschangeln kann ich oft sehr gut abschalten, weil immer etwas passiert und ich viel öfters Fischkontakt habe als beim Zanderzupfen. Genau darin liegt aber auch die Magie. Natürlich bin auch ich genervt, wenn eine Stunde nichts passiert. Wenn nach zwei Stunden kein Biss kam, atme ich dreimal durch. Und irgendwann ist es mir dann auch egal. Denn ich weiß: Mit jedem Wurf nähere ich mich dem Einschlag an. Jeder erfolglose Wurf steigert die Freude beim Biss. Und der wird kommen. Irgendwann. Aus dem Nichts. Hoffentlich knallhart. An dieser Gewissheit ziehe ich mich hoch. Und zwar solange, bis es passiert. Aufgegeben vor dem ersten Fischkontakt? Für mich keine Option. Bis dahin halten mich die Ohrwürmer bei Laune, die ich vor mich hinsumme. Und manchmal erwische ich mich auch beim motivierenden Selbstgespräch. Das kann auch nur ein kurzes „Peng!!!“ Sein, das einen heftigen Biss simuliert. Nicht so schlimm, solange mir niemand zuhört.

Freude anders teilen: Und dann ist natürlich noch eine Kamera wichtig, die die Fische aufnimmt. Schließlich hat man niemand an Bord, mit dem man die Freude teilen kann. Umso wichtiger werden schöne Fotos, die man den Kumpels schicken und der Freundin zeigen kann. Die Printmagazine halten zwar nicht besonders viel von diesen Selbstportraits mit der Action-Cam. Mir gefallen sie aber ziemlich gut.

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Kategorien: Zander

Kommentare

  1. Micha
    Micha 29 Januar, 2015, 14:47

    Toll Johannes, du hast – bewußt oder unbewußt – den Positivdenker in dir belegt, klasse:

    „Denn ich weiß: Mit jedem Wurf nähere ich mich dem Einschlag an. Jeder erfolglose Wurf steigert die Freude beim Biss. Und der wird kommen. Irgendwann. Aus dem Nichts. Hoffentlich knallhart. An dieser Gewissheit ziehe ich mich hoch. Und zwar solange, bis es passiert. Aufgegeben vor dem ersten Fischkontakt? Für mich keine Option. Bis dahin halten mich die Ohrwürmer bei Laune, die ich vor mich hinsumme. Und manchmal erwische ich mich auch beim motivierenden Selbstgespräch. Das kann auch nur ein kurzes „Peng!!!“ Sein, das einen heftigen Biss simuliert. Nicht so schlimm, solange mir niemand zuhört.“

    Bis auf das „Peng“ 😉 denk´ ich beim fischen, so gut wie immer, fast genau so wie du!

  2. Hans Fischer
    Hans Fischer 29 Januar, 2015, 19:00

    Super Johannes, echt toll geschrieben, sehr Authentisch…irgendwie greifbar.
    Ich finds immer wieder super, wie du das drum herum der Angelei beschreibst und auf Sachen wie das Wohlbefinden, Motivation(-saufbau), etc. eingehst. Das sind durchaus Faktoren die bei intensiver Ausübung der (Solo-)Angelei mal auf der Strecke bleiben, wenn man nach Stunden erfolglosem gepeitsche, mit schmerzenden Schultern und Füßen, verkrampft am Wasser steht.
    Da hilft es dann ungemein sich einfach mal „locker“ zu machen und mal nen Moment die Seele baumeln zu lassen, für die meisten von uns ist das ja immernoch Hobby und das soll vor allem Spaß machen.

    Bin da auf jeden Fall voll bei dir und versuche immer nen positiven Grundgedanken mit an Wasser zu nehmen!

  3. Tinsen
    Tinsen 30 Januar, 2015, 11:57

    wenn ich das doch nur so könnte … 😉

  4. Micha
    Micha 31 Januar, 2015, 08:55

    Sach´ mal Hans Fischer, was ist denn „-saufbau“ 😉

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