Wenn angeln unter die Haut geht…

Wenn angeln unter die Haut geht…

An einem Bach aufgewachsen verbrachte ich selbstverständlich jede freie
Minute meiner Kindheit am und im Wasser. Der Tagesablauf beinhaltete
das Dämmebauen, waten, paddeln und natürlich den Fischfang mit der
Hand. Wobei es sich bei den gefangenen Fischen meist um Mühlkoppen und
Steinbeisser handelte, für welche im Kiesbett am Ufer häufig „Gehege“
angelegt wurden, um sie am Ende des Tages wieder in die Freiheit zu
senden. Natürlich nur, damit man sie am nächsten Tage wieder fangen
konnte.

 Ab und zu wurde auch eine Forelle gefangen, die dann dieselbe Prozedur
über sich ergehen lassen musste. Der ein oder andere bewaffnete sich
mit zunehmendem Alter mit einem Kescher, eine Angel besaß jedoch keiner
meiner Freunde, bzw. wäre das Angeln viel zu umständlich und mühsam für
die ungeduldigen Dorfkinder gewesen. Wie das eben so ist: hätten wir
die Wahl zwischen Dynamit und einer Angel gehabt, wäre die Entscheidung
schnell getroffen gewesen.

Natürlich hatte auch ich den Traum vom Angeln, vom Kampf zwischen Mensch und Tier, jedoch scheiterte dieser Traum an eben erwähnter Ungeduld und den bürokratischen Mühlen Baden-Württembergs. Denn 16 Wochen Lehrgang für einen Angelschein erschien mir einfach eine unendlich lange Zeit. Ich wollte sofort angeln, koste es was es wolle. Doch selbst das „Schwarzangeln“ blieb von mir unangetastet. Es gab nämlich noch ein Problem. Ich hatte keine Angel.

In meiner Jugend hatte ich viele andere Interessen und so verlor ich meinen „Traum“ immer mehr aus den Augen. Wobei ich jedoch stets mit nachdenklichem Blick an dem ein oder anderen Gewässer stehenblieb. Dass man so manche Interessen mit dem Angeln verbinden konnte, ahnte ich zu dem Zeitpunkt nicht. Und außerdem diese 16 Wochen… man ist schließlich nur 1 mal jung.

Den entscheidenden Wendepunkt hatte ich dann, als ich nach dem Ende meines Zivildienstes 2001 nach Berlin zog. Entweder war es der Krach in der Stadt oder das viele Wasser, das mich zu meiner Entscheidung bewegte. Der eigentliche Grund war jedoch: hier gibt es den Angelschein nach 2 Wochenenden.

Gelernt habe ich an diesen Wochenenden nichts und mein Angelkollege, der mich in mein stets in mir schlummerndes Hobby einweihte, machte alles falsch, was man nur falsch machen konnte. Bis auf zwei Dinge: er war stets ruhig und hatte immer genug Bier im Gepäck.

Meine erste Rute war eine 210 cm Steckrute von Lidl. Nach etlichen Wochen erfolglosem Grundangeln mit festgestellter Bremse fing ich bei einem Ausflug in Holland eine 60 cm Meeräsche. Mein erster geangelter Fisch. Nun hatte es mich gepackt. Ich musste nur noch an meiner Technik feilschen, denn mit dem Grundangeln klappte es überhaupt nicht und von Posen hatte ich keine Ahnung. Der Meeräsche hatte ich stundenlang den Haken vor die Nase geworfen, wie sollte ich das in einem trüben Wasser anstellen, wo ich nicht einmal wusste, wo ich die Fische vermuten sollte? Mein neuer Lehrmeister öffnete seine geistigen Getränke erst nach erfolgreichem Fang. Eine Fanggarantie war dies jedoch auch nicht und so bekam ich immer mehr Durst, wenn ich mit meinem Kollegen am See saß.

Genug nun der Vorgeschichte. Da das Wasser und die Fische schon immer Bestandteil meines Lebens waren und ich mir sicher bin, dass dies auch bis ins hohe Alter so sein wird, beschloss ich, mir mein Hobby oder meinen Lifestyle zu verewigen. Ein Tattoo musste her. Mit einem Angler und ein paar Fischen. Da ich mich nicht mit einem verbogenen Angelhaken und alter Tinte tätowieren lassen wollte, begab ich mich auf die Suche nach einem seriösen Tätowierer und stieß dabei auf Herrn Mannich von „Slams Tattoo“ aus Nordhausen. Der Herr Mannich hatte schon dutzende Koi-Karpfen im japanischen Stil tätowiert und wagte sich nun an meine „Fischsuppe“. Bei einer Sitzung konnte es leider nicht vollendet werden und so denke ich, dass diese Geschichte im Frühjahr fortgesetzt wird.



Kategorien: News

Kommentare

  1. lohmann
    lohmann 8 Dezember, 2006, 08:47

    Bin gespannt wie das Ergebnis am Ende aussieht (ist man bei tattoos eigentlich irgendwann am Ende, ich glaube nicht….. 😉 )

    Bis jetzt sehr schick…… 😀

  2. leoseven
    leoseven 8 Dezember, 2006, 08:55

    wow… 😯 sehr sehr geil 😀 lol und ich dachte, ich sei der erste der mit solch einem gedanken spielt 8)

  3. lohmann
    lohmann 8 Dezember, 2006, 09:30

    nene leo 😉

  4. Spingott
    Spingott 11 Dezember, 2006, 09:29

    …und vielleicht ist genau das die richtige Definition zwischen "besessen" und "krank".
    Jetzt weiß ich zumindest für mich, daß ich nur ersteres bin…

  5. Clausen
    Clausen 13 Dezember, 2006, 19:35

    Coole Sache, sieht doch schon ganz gut aus 😀
    Das hier ist eher was für die Bass-Fanatiker 😉
    http://www.deviantart.com/deviation/17744247
    Gruß Claus

  6. hecktbors
    hecktbors 25 April, 2008, 18:33

    also die geschichte ist total geil! ich hätte auch viele solcher geschichten erzählt,aber mir fehlt die lust dazu! 😀

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